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Karg und schroff: Das ist der Hunsrück, so sagt man. Vor allen Dingen dann, wenn „man" nicht von da ist, sondern von anderswo - von Koblenz, Köln, Mainz oder so. Da, wo so richtig was los ist, das Leben pulsiert. Da, wo „man" weltmännisch und weltoffen ist. Von da aus schaut man auf den Hunsrück und denkt: Da ist das Ende der Scheibe. Da ist die Provinz, die Engstirnigkeit zu Hause. Da gibt`s nur Kartoffeln und Menschen, die so ähnlich aussehen. Da lebt er, der Hunsrücker: arm an Worten und Grammatik.
Und dann, dann verschlägt es so einen - nach Dickenschied, Woppenroth, Gehlweiler oder Gammelshausen. Und was sieht er? Saftiges Grün in allen Varianten: tannengrün, moosgrün, lindgrün, grasgrün. Und er sieht das Fachwerk - der Hände Arbeit -, den Trotz gegen den Wind und den Schnee. Aber jetzt ist Frühling. Da atmet man durch: den frischen Wind und den Schiefer der Erde. Und was schmeckt er? Schwenkbraten und „gefillte Klös", die den Bauch so wohlig sättigen und den Hunsrück einverleiben. Und was hört er? Saftiges, lebendiges, kraftvolles, prägnantes Ur-Deutsch. Und wen lernt er kennen? Den Hunsrücker. Zurückhaltend, aber stets freundlich und hilfsbereit. Fröhlich, aber nicht schunkelnd. Tolerant, aber nicht anbiedernd. Humorvoll, aber nicht rheinisch. Markante Menschen mit Charakter und klaren Worten.
Wo will „man" da noch hin?
Andrea Djifroudi über regionale Eigenarten. Rhein-Hunsrück-Zeitung vom 20.04.2009, Seite 9.
Vorlagen
Hunsrücker Platt