Benutzer:Artikelstube/Chronologie der NS-Massenverbrechen und ihrer Aufarbeitung

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Diese Chronologie der NS-Massenverbrechen und ihrer Aufarbeitung berücksichtigt Daten von einzelnen Maßnahmen, Konferenzen, Erlassen und Gesetzen zur Vorbereitung der Diskriminierung, Errichtung von Lagern, ihrem Betrieb und zur Vertuschung der begangenen Verbrechen, insbesondere der Shoah (europaweiter Judenmord) und den Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung und an Kriegsgefangenen während des Zweiten Weltkriegs.

Ferner wird auf die Bestrafung nationalsozialistischer Verbrechen in der Nachkriegszeit eingegangen.

Geschichtlicher Rahmen[Bearbeiten]

Raul Hilberg beschreibt (1956 bzw. 1961) als erster Geschichtswissenschaftler umfassend nach dem Zweiten Weltkrieg, anhand deutscher Akten, in seinem Hauptwerk Die Vernichtung der europäischen Juden (Original: The Destruction of the European Jews) wie der Vernichtungsprozess in auf einander aufbauenden Phasen wie in einer immer umfassenderen Spirale ablief: Ausgrenzung (1933-38), Konzentration(1939-1941), Fabrikmäßiger Massenmord (1942-1945). Allerdings dienten die Konzentrationslager in den Anfangsjahren des NS-Regimes (Deutsches Reich nach 1933) zunächst überwiegend der Errichtung ihrer totalitären Diktatur, in denen eine große Zahl innenpolitische Gegner "ausgeschaltet" werden sollten. Viele Mitglieder der KPD, der SPD und der kleineren kommunistischen und sozialistischen Parteien sowie der Freien Gewerkschaften wurden misshandelt und in „Schutzhaft“ genommen. Überall im Reich entstanden in Turnhallen, Scheunen oder Kellern provisorische Haftorte der zur Hilfspolizei erklärten Sturmabteilung der NSDAP (SA), in denen NS-Gegner oder als solche vermutete Personen, festgehalten, mit Folter "umerzogen" und zum Teil ermordet wurden. Diese "wilden" Konzentrationslager wurden sehr schnell – besondes bekannt ist das KZ Dachau bei München – zu einer Dauereinrichtung. Damit wurde der eigenen Bevölkerung und dem Ausland der diktatorische Charakter des Regimes deutlich signalisiert.

Es folgte 1933 auch eine Gleichschaltung genannte Phase der Machtergreifung, das heißt Unterwerfung, Selbstunterwerfung und Angleichung aller gesellschaftlichen Organisationen, Parteien und Institutionen unter das NS-Regime. Ein anderer äußerer Ausdruck dieses Anspruchs waren die am 10. Mai 1933 überall in Deutschland organisierten Bücherverbrennungen von meist linksgerichteten, liberalen und als „entartet“ beschimpften Autoren.

Praktisch gleichzeitig begann die Entrechtung und Verfolgung der deutschen Juden mit gezieltem Straßenterror der SA und mit vielen einzelnen Gesetzesregelungen. Ab März 1933 wurden z. B. jüdische Ärzte, Rechtsanwälte, Apotheker, Bademeister, Beamte usw. aus ihren Berufen gedrängt bzw. erhielten Berufsverbote. Am 1. April 1933 organisierte die SA den ersten Boykott jüdischer Geschäfte. Eine erwünschte Folge war, dass etwa 200.000 politisch oder rassisch Verfolgte den Weg in die Emigration gingen („Flucht von Systemgegnern“ in der NS-Spache).

Diese ersten Schritte zur Repression der eigenen Bevölkerung wurden in den Folgejahren legalistisch mehr oder weniger offen verbrämt (z. B. Reichsbürgergesetz, Arisierungen, Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens). 1936 benutzte Hitler die Olympischen Spiele in Berlin und Garmisch als Propagandabühne für seine autoritäre Politik in der Weltöffentlichkeit. Mit dem Novemberpogrom 1938 ging das NS-Regime nach einer vorübergehenden Ruhepause vor und während der Olympiade zur offenen Verfolgung und gezielten Vernichtung der Existenzgrundlagen der jüdischen Bürger in Deutschland und Österreich über. Erstmal wurden innerhalb von Tagen zehntausende Juden in KZs inhaftiert. In den folgenden Wochen wurden Hunderte von ihnen misshandelt, ermordet oder in den Tod getrieben.

Die NS-Politik der Massenmorde an so genannten "Minderwertigen", der europaweiten Judenverfolgung und -ermordung, der Völkermorde im Krieg bleibt unverständlich, wenn diese Eskalation der Jahre 1933 bis 1938 nicht berücksichtigt wird. Der Zweite Weltkrieg und die in dieser Zeit verübten Massenverbrechen an ethnischen, sozialen und politischen Minderheiten bzw. militärisch in Schach gehaltenen Völkern war eben nicht nur ein militärischer Krieg gegen Armeen sondern gleichzeit ein Krieg im Inneren, ein Krieg gegen Teile der jeweiligen Bevölkerung. Dies wird an dem hier gezeigten ständigen Ausbau des Unterdrückungsapparates sichtbar. Ein Befehl oder eine Verordnung nach der anderen dreht die tödliche Schraube weiter.

Wie der Ausbau der deutschen Armee nach 1933 beschleunigt wurde, wurde der Unterdrückungsapparates nach innen ausgebaut (Gestapo, SS, SD und Sicherheitspolizei). Der 1933 erstmals propagierte Vierjahresplan sollte das Deutsche Reich wirtschaftlich und militärisch schließlich bis spätestens 1940 kriegsbereit machen. Die Kriegsvorbereitungen zielten auf den militärischen Überfall im Westen und auf die Sowjetunion. Das deutsche Herrenvolk sollte im übelsten Sinne der Geschichte mindestens europaweit "herrschen".

Im Kriegsverlauf waren die Stammlager der Wehrmacht (OffLag und Stalag), die Lager zur Unterbringung von Kriegsgefangenen, häufig Ort von Verbrechen, die sich in fast nicht von den KZ’s der SS unterschieden. Und zum Teil wurden Kriegsgefangene ebenfalls in KZ’s misshandelt und ermordet.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Angaben zu einzelnen Ereignissen, von denen kein exaktes Tagesdatum sondern ein Zeitraum bekannt ist, werden hier i. d. R. an den jeweiligen Monatsletzten angeschlossen.

Angaben, die einen Zeitraum betreffen, werden möglichst nur einmal zu Beginn dieses Zeitraums gemacht, um Doppelungen (Beginn von, Ende von …) zu vermeiden.

1933[Bearbeiten]

Carl von Ossietzky in KZ-Haft (Aufn. v. 1933)
  • 20. März 1933: Nahe dem Lager Heuberg (Truppenübungsplatzes Stetten am kalten Markt) wurde das Schutzhaftlager Heuberg eröffnet.
  • 22. März 1933: In Dachau bei München entsteht das erste auch offiziell so genannte „Konzentrationslager“ der SA für NS-Gegner und Juden.
  • 1. April 1933: Erster Boykott gegen jüdische Geschäfte im Deutschen Reich.
  • 7. April 1933: Durch ein Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft sollen jüdische Rechtsanwälte ihren (von staatlicher Anstellung) „freien“ Beruf verlieren.
  • 21. April 1933: Das KZ Kislau bei Mannheim war früher eine Strafanstalt und war als KZ bis zum 1. April 1939 dem badischen Innenministerium unterstellt. Es wurde im Gegensatz zu den meisten anderen frühen KZ nicht bereits Anfang der 30er Jahre aufgelöst oder der Inspektion der Konzentrationslager unterstellt.
  • Anfang Mai 1933: Das KZ Sachsenburg (Zschopau) wurde durch SA- und SS-Leute errichtet.
  • Juni 1933: Teile der Emslandlager (die drei ersten Lager waren das KZ Neusustrum, KZ Börgermoor und das KZ Esterwegen) wurden von der SA für politische „Schutzhäftlinge“ errichtet. Nach der Auflösung der ersten beiden Lager als KZ im April 1934 und des Lagers Esterwegen im August/September 1936 dienten sie und vier inzwischen neu errichtete Lager von 1934–1945 als Strafgefangenenlager der Reichsjustizverwaltung.
  • 14. Juli 1933: Das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" (RGBl. I, S. 529) ermöglicht Zwangssterilisationen. Bis 1945 wurde diese bei mindestens 400.000 Personen durchgeführt. (Erst 1986 hat ein Amtsgericht (Kiel) festgestellt, dass das Erbgesundheitsgesetz dem Grundgesetz widerspricht. Formal wurde es bis heute nicht aufgehoben.)
  • Juli 1933: Das Konzentrationslager Eutin der SA besteht in Eutin in Schleswig-Holstein von etwa Juli 1933 bis Mai 1934.(Straßenbauarbeiten und Trockenlegung eines Moorgebietes)
  • 6. September 1933: Die Generalsynode der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union beschloss als erste Leitung einer evangelischen Teilkirche einen kirchlichen Arierparagraphen. Pfarrer und höhere Kirchenbeamte mussten in den Ruhestand versetzt werden, wenn sie jüdische Eltern oder mindestens ein jüdisches Großelternteil hatten. Entsprechende Maßnahmen beschlossen in den Folgejahren andere Landeskirchen (Sachsen, Schleswig-Holstein, Braunschweig, Lübeck, Mecklenburg, Hessen-Nassau, Thüringen und Württemberg).
  • 29. September 1933: Das Reichserbhofgesetz wird zwei Tage vor dem Erntedankfest von der Regierung erlassen. Selbst darin gibt es eine Regelung "gegen das Judentum".[1]
  • Oktober 1933: Das KZ Bad Sulza wurde bis zum 1. August 1937 in Bad Sulza betrieben (Thüringer Innenminister, zunächst SA-Wachmannschaft)
  • 15. Dezember 1933: Das Preußische Gemeindeverfassungsgesetz vereinheitlichte – „bis ein Reichsgesetz demnächst eine grundlegende Reform der Gemeindeverfassung für das ganze Reich durchführt“ – das bis dato zersplitterte preußische Kommunalrecht nach nationalsozialistischen Grundsätzen. Einen gewählten Gemeinderat gab es dort nicht mehr. Vielmehr wurden dem Gemeindeleiter „verdiente und erfahrene Bürger mit ihrem Rate zur Seite gestellt“. Mißliebige gewählte Gemeindräte in einem Gemeindeparlament gab es danach nicht mehr.

1934[Bearbeiten]

  • 1. Januar 1934: Das neue Schriftleitergesetz bestimmt Berufszugang und Aufgaben der Zeitungsredakteure. Dazu ist die Eintragung in der Reichspressekammer Voraussetzung, die ihrerseits „politische Zuverlässigkeit“ und arische Abstammung fordert. Das Gesetz schuf die rechtliche Grundlage für die Kontrolle der Presseinhalte.
  • 30. Juni 1934: Die parteiinterne blutige „Säuberung“ der SA-Führung und Ermordung anderer Gegner durch Hitler zeigt dessen Bereitschaft zur Gewaltanwendung und deren Akzeptanz durch die staatlichen Organe.
  • 27. Dezember 1934: Das KZ Columbia-Haus in Berlin-Tempelhof von der SS als Konzentrationslager genutzt. Es bestand offiziell bis zum 5. November 1936.
Das Reichsgesetzblatt Nr. 100, ausgegeben am 16. September 1935: „Reichsbürgergesetz“

1935[Bearbeiten]

  • 30. Januar 1935: Die neue Deutsche Gemeindeordnung hebt das bisherige Gemeindeverfassungsrecht der Länder auf und verankert den nationalsozialistischen Zugriff auf die Gemeindegremien.
  • 15. September 1935: Verkündung der "Nürnberger Rassegesetze". Dazu die juristischen Kommentare 1936: "Artfremden Blutes sind in Europa regelmäßig nur die Juden und die Zigeuner".
    • Reichsbürgergesetz (RGBl. I S. 1146) führt die Unterscheidung zwischen „Staatsangehörigen“ und „Reichsbürgern“ ein.
    • Dazu dienten die „Verordnungen zum Reichsbürgergesetz“ mit einer ersten gesetzestenischen Definition des Begriffs „Jude“. Es zielte auch auf die Entlassung der letzten jüdischen Beamten.

1936[Bearbeiten]

  • 1. März 1936: Nach der Eingliederung des Saargebiets finden auch dort auf die jüdischen Bewohner die Nürnberger Gesetze etc., Anwendung.
  • 2. August 1936: Nach dem Tod von Reichspräsident Hindenburg lässt die Reichswehrführung am selben Tag die Reichswehr auf Hitler persönlich vereidigen.

1937[Bearbeiten]

  • Juli 1937: Das Konzentrationslager Buchenwald wurde ab Juli auf dem Ettersberg bei Weimar errichtet. Befreit wurde das Lager am 11. April 1945. Die Zahl der Ermordeten und anderen Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt, darunter 11.000 Juden.

1938[Bearbeiten]

  • April und Juni 1938: Im Rahmen der Aktion „Arbeitsscheu Reich' (ASR) wurden im April und Juni bei zwei Verhaftungswellen über 10.000 Personen als sogenannte „Asoziale“ in Konzentrationslager deportiert.
  • 13. - 18. Juni 1938: Deportationen von tausenden Sinti und Roma nach dem Kriterium "Zigeuner, männlich, erwachsen und standesamtlich nicht verheiratet" in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und später auch Mauthausen.
Wien, 1938: Uniformierte und Zivilisten sehen zu, als jüdische Mitbürger dazu gezwungen werden, Gehsteige zu bürsten
  • 26. August 1938: Nach dem "Anschluss" Österreichs organisieren Gestapo und SS die erzwungenen Auswanderungen von Juden über eine „Zentralstelle“ der SS in Wien. Diese ihrerseits organisiert später die Deportationen der Verbliebenen in die KZ.
  • 1. Oktober 1938: Reichssicherheitshauptamt – Übernahme der NS-"Zigeunerpolizeistelle" München in das Reichskriminalpolizeiamt (ab 27.9.1939 Amt V des Reichssicherheitshauptamte/RSHA) unter Leitung von SS-Oberführer Arthur Nebe. Die Gestapo zieht das bei den Deportationen geraubte Vermögen der Sinti und Roma ein.
  • 28. und 29. Oktober 1938: Bis zu 17.000 polnische Staatsangehörige (als Juden klassifiziert) werden in der sogenannten Polenaktion der dt. Polizei mit Zügen an die polnische Grenze gebracht und dort über die Grenze abgeschoben.
  • 9. November 1938: Mit der von den Nazis so genannten "Kristallnacht", dem Novemberpogrom 1938 , die dem Mordanschlag eines siebzehnjährige polnischen Juden auf einen deutschen Diplomaten in Paris folgt, ziehen die Nazis reichsweit einen Pogrom auf: offiziell wurden 91 Juden ermordet, ca. 30000 inhaftiert, unzählige Synagogen, Geschäfte und Wohnungen ausgeraubt und zerstört. Man geht heute von mindestens 400 Todesopfern allein in der Pogromnacht aus. Darin sind Selbsttötungen und schwere Körperverletzungen mit Todesfolge enthalten. Heute wird die Gesamtzahl von 1.406 vollständig zerstörten Synagogen und Betstuben zugrunde gelegt, ebenso weitere 7.500 Gebäude mit jüdischen Nutzern.
  • 8. Dezember 1938: Himmlers "Runderlaß": Es sei "die Regelung der Zigeunerfrage aus dem Wesen der Rasse heraus in Angriff zu nehmen". Die "Feststellung" der "Zigeuner"-Zugehörigkeit treffe das RSHA aufgrund Ritters "Rassegutachten".

1939[Bearbeiten]

  • 24. Januar 1939: Gründung der Berliner "Reichszentrale für jüdische Auswanderung" unter Heydrich.
  • 30. Januar 1939: Im Reichstag droht Hitler für den Fall eines neuen Weltkriegs mit der "Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa".
  • 4. Juli 1939: Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland wird durch die 10. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom NS-RSHA kontrolliert und dirigiert.
  • 1. September 1939, Kriegsbeginn, Zweiter Weltkrieg
  • September 1939: nach dem militärischen deutschen Überfall auf Polen ermorden SS-Einsatzgruppen bis Mai 1940 hinter der Front über 60000 Polen und Juden.
  • 21. September 1939: Besprechung des Amtschefs der Sicherheitspolizei und der Leiter der Einsatzgruppen unter Vorsitz Heydrichs zur Vorbereitung der Deportation der "restlichen 30.000 Zigeuner" aus dem Reichsgebiet nach Polen. Heydrich lässt alle Juden Polens in städtische Gettos „konzentrieren“ und weist auf ein geheimes "Endziel" hin.
  • 8. Oktober 1939: In Piotrków Trybunalski errichten die deutschen Besatzer ein erstes Sammellager (Ghetto), in dem etwa 25.000 Personen wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum gefangen werden. Von diesen Gefangenen werden bis 1942 etwa 22.000 nach Treblinka deportiert und dort ermordet und etwa 3.000 werden als Zwangsarbeiter in andere Lager gebracht
  • 12. Oktober 1939: Deutschland annektiert Teile Westpolens und bildet im Restgebiet das so genannte Generalgouvernement, in das Juden, Polen und Zigeuner aus Deutschland und den annektierten Gebieten deportiert werden.
  • 16. Oktober 1939: Der "SD Donau" teilt SS-Oberführer Nebe mit, dass dem ersten (am 20. Oktober 1939) von Wien abgehenden "Judentransport noch drei bis vier Waggons Zigeuner angehängt werden können." Weitere Transporte gefangener Sinti und Roma gehen regelmäßig von Wien, Mährisch-Ostrau und Kattowitz ab.
  • 17. Oktober 1939: Himmlers so genannter "Festschreibungserlaß" ordnet die Internierung der Sinti und Roma in „besonderen Sammellagern“ an.
  • 18. Oktober 1939: Juden aus Österreich und Böhmen treffen in Nisko ein, um dort angeblich ein "Judenreservat" aufzubauen. Dieser Versuch im Rahmen eines Plans des RSHA wird bald als erfolglos aufgegeben.
  • Oktober 1939: Hitler genehmigt schriftlich den Massenmord an geistig Behinderten. Bis Mitte 1941 fallen der so genannten "Euthanasie"-Aktion 70000 Kranke zum Opfer. Ab Januar 1940 werden dabei erstmals Gaswagen eingesetzt.
  • 23. November 1939: Alle Juden im so genannte Generalgouvernement müssen den "Gelben Stern" an der Kleidung tragen.
  • Dezember 1939: Adolf Eichmann wird Leiter einer Gestapo-Abteilung im Reichssicherheitshauptamt (RSHA, IV A 4, unter Friedrich Panzinger), die ab 1941 die so genannte Endlösung der Judenfrage administrativ im gesamten Machtbereich koordiniert und organisiert. Ab 1941 war Rolf Günther sein ständiger Stellvertreter.

1940[Bearbeiten]

  • 20. Januar 1940: Die NS-Euthanasiemassenmorde, die NS-Krankenmorde an kranken oder behinderten Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen beginnen. Sie finden in den Tötungsanstalten Grafeneck (bei Ulm), Brandenburg an der Havel, Hartheim in Oberösterreich bei Linz, Sonnenstein (Pirna bei Dresden), Bernburg (Saale) und in Hadamar bei Limburg und Frankfurt a. M. statt. In den von Deutschland annektierten Gebieten Nord- und Westpolens (Reichsgaue Danzig-Westpreußen und Wartheland) gab es weitere Tötungsanstalten, die aber zunächst nicht der Berliner Zentrale in der Tiergarstenstraße 4 (in der Nachkriegszeit deshalb auch Aktion_T4 genannt) unterstanden.
  • 30. Januar 1940: Konferenz Heydrichs mit SS-Führern im Reichssicherheitshauptamt zur Umsiedlung von "sämtlichen Juden der neuen Ostgaue und 30.000 Zigeunern aus dem Reichsgebiet und der Ostmark als letzte Massenbewegung in das Generalgouvernement.". Dabei geht es auch um eine neue Dimension der Zwangsarbeit: zusätzlich zu den polnischen Kriegsgefangenen sollen bis zu einer Million polnischer Ziviisten im Reichsgebiet eingesetzt werden.
  • Februar 1940: Die massenhafte und systematische Deportation von Juden aus dem "Altreich" ins so genannte Generalgouvernement beginnt in Stettin.
  • 24. März 1940: Göring ordnet einen vorübergehenden Stopp der Judendeportationen nach Polen wegen der überfüllten so genannten Ghettos (Sammellager) in polnischen Dörfern und Städten an.
  • 27. April 1940: Himmler befiehlt den Bau eines KZ in Auschwitz.
  • 20. Mai 1940: Der erste Häftlingstransport erreicht das KZ Auschwitz I.
Mahnmal zur Erinnerung an die Deportation Freiburger Juden in das Konzentrationslager Gurs, Frankreich
  • 22. Juni 1940: Im Rahmen der Waffenstillstandsvereinbarung wurde von deutscher Seite von Frankreich verlangt und zugestanden, dass alle Juden aus den deutschen Besatzungsgebieten in das Landesinnere von Frankreich deportiert werden sollten. Bis Mitte September 1940 wurden so über 23.000 Juden und missliebige Franzosen aus den besetzten Gebieten deportiert. Daran schloss sich die Wagner-Bürckel-Aktion im Oktober (s.u. 22.10.) an.
  • 15. August 1940: Adolf Eichmann vom RSHA legt einen Plan aus dem Juni 1940 vor, alle europäischen Juden nach Madagaskar zu verschiffen. Er wird Anfang 1942 als undurchführbar aufgegeben.
  • 12. Oktober 1940: Befehl zur Errichtung des Warschauer Ghettos. Es wird am 15. November abgeriegelt.
  • 22. Oktober 1940: Bei der Wagner-Bürckel-Aktion war die Deportation von über 6.000 Juden aus Baden und der Saarpfalz in das Internierungslager Gurs. Sieben Eisenbahnzüge aus Baden und zwei Züge aus der Pfalz fuhren mit den Deportierten quer durch Frankreich bis an den Fuß der Pyrenäen. Am 23. Oktober meldete Wagner nach Berlin, sein Gau sei als erster Gau des Reiches „judenrein“.

1941[Bearbeiten]

  • 1. März 1941: Himmler besucht Auschwitz und befiehlt den Bau des Großlagers Birkenau, das ein Jahr später eröffnet wird.
  • 26. März 1941: Heydrich berichtet Göring über seine Pläne zur "Lösung der Judenfrage", die auch Hitler genehmigt.
  • Im Februar und März 1941 wurden rund 5.000 Juden aus Wien in das so genannte Generalgouvernement geschafft.[2]
  • Ende März 1941: Auch in den besetzten Niederlanden errichtet die SS eine Zentralstelle für jüdische Auswanderer (Amsterdam), um an die Vermögenswerte der Emigranten zu gelangen. (vergleiche den Artikel zum Raubgold des NS-Staates)
  • 28. April 1941: In einem Befehl bereitet der OBdH Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch mit „Regelungen für den Einsatz der Sicherheitspolizei und des SD im Verbande des Heeres“ die Zusammenarbeit des Heeres mit den Einsatzgruppen vor.
  • 20. Mai 1941: In einer RSHA-Weisung ist von der "unmittelbar bevorstehenden Endlösung" die Rede.
  • 22. Juni 1941: Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion beginnen hinter der Front Massenexekutionen an Juden und anderen Sowjetbürgern durch Einsatzkommandos unter dem Befehl Heydrichs.
  • Juni 1941: Das Konzentrationslager Royallieu (frz. camp de Royallieu) bei Compiègne war zwischen Juni 1941 und August 1944 Sammellager für Gefangenentransporte der Besatzungsmacht nach Deutschland. Es war neben dem Sammellager Drancy bei Paris in Frankreich das andere große Sammel- und Durchgangslager in der Shoa. Am 27. März 1942 fährt von hier der erste Deportationszug aus Frankreich zum Vernichtungslager Auschwitz ab. Von den damit 1.112 Deportierten überleben 19 bis 1945. Aus Frankreich folgen dann 41 weitere Transporte.
  • Im Sommer und Herbst kommt es zu Massakern an Hunderttausenden von Juden, so in Wilna, Kaunas, Kamenez-Podolsk, Lwow und Witebsk. Allein die Einsatzgruppe D ermordet bis Ende August in Bessarabien über 160000 Menschen.
  • 2. Juli 1941: Heydrich gibt detaillierte Befehle zur Ermordung von Juden und kommunistischen Funktionären in der UdSSR.
  • 15. Juli 1941: Himmler lässt den "Generalplan Ost" für massive "Bevölkerungsverschiebungen" zu Gunsten einer deutschen Besiedlung der eroberten Gebiete erstellen.
  • 31. Juli 1941: Göring beauftragt Heydrich mit Vorbereitungen zur "Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflussgebiet in Europa".
  • Juli 1941: Seither werden im Stalag 311 (XI C) neben anderen zusätzlich etwa 20.000 sowjetische Kriegsgefangene unter freiem Himmel interniert. Bis Frühjahr 1942 sterben rund 14.000 bis 18.000 der Gefangenen an Hunger, Kälte und Krankheiten. Im April 1943 wurde der Lagerteil für die sowjetischen Kriegsgefangenen aufgelöst. Es entsteht das von der SS geführte KZ Bergen-Belsen. Als „Zivilinterniertenlager Bergen-Belsen“ gegründet, dann als Aufenthaltslager bezeichnet werden dort Juden ausländischer Nationalität gefangen.
  • 1. September 1941: Der Judenstern wird als zwangsweise Kennzeichnung im Deutschen Reich eingeführt.
  • 3. September 1941: Erste Massentötung mit dem Gas Zyklon B an 900 russischen Kriegsgefangenen im KZ Auschwitz.
  • 8. September 1941: Beginn der Leningrader Blockade, die militärische Einschließung und Belagerung Leningrads durch die deutsche Heeresgruppe Nord. Schätzungen gehen von etwa 1,1 Millionen zivilen Bewohnern der Stadt aus, die in Folge der absichtlichen Hungerblockade ihr Leben verloren.
  • 18. September 1941: Himmler berichtet, Hitler wolle bis Ende 1941 alle verbliebenen Juden aus dem "Altreich" nach Osten abschieben.
  • 29./30. September 1941: In der Schlucht von Baby Jar bei Kiew erschießt ein deutsches Einsatzkommando (Einsatzgruppe C, IV.A) über 33000 Juden.
  • 10. Oktober 1941: Besprechung "über die Lösung der Judenfrage" und "die zu evakuierenden Zigeuner" im sog. Protektorat Böhmen und Mähren zwischen den SS-Führern Heydrich, Frank, Eichmann und Günther.
  • 12. Oktober 1941: Beim "Blutsonntag von Stanislau" genannten Massaker in Ostgalizien werden 12000 Juden erschossen.
  • 13. Oktober 1941: Himmler beauftragt den SS-Offizier Odilo Globocnik mit dem Aufbau von Vernichtungslagern im so genannten Generalgouvernement.
  • 15. Oktober 1941: Mit 20000 Juden aus dem Reichsgebiet beginn der große "Abschub" nach Osten. Weitere 35000 folgen im November.
  • Vom 15. Oktober 1941 bis Anfang November deportierten 20 Züge rund 20.000 Juden aus den Großstädten Wien, Prag, Frankfurt, Berlin und Hamburg. Von ihnen starben bis Jahresende 1942 mehr als 4.200 Personen.[3]
  • 23. Oktober 1941: Ausreiseverbot für alle Juden im gesamten deutschen Machtbereich. (vgl. Festschreibungserlass bei Sinti u Roma)
  • 25. Oktober 1941: Eichmann genehmigt den Einsatz mobiler Gaswagen zu Mordaktionen im Osten. Ab November erhalten Einsatzgruppen in Russland Gaswagen, zuerst in Minsk.
  • 1. November 1941: Baubeginn des Vernichtungslagers Belzec.
  • 29./30. November 1941: Tausende Juden vor Ort und ca. 1000 Berliner Juden werden im Rumbula-Wald bei Riga erschossen. Das so genannte Ghetto in Riga wurde für deportierte Juden aus Deutschland „freigemacht“. Am 30. November wurden etwa 15.000, am 8. und 9. Dezember noch einmal 12.500 Menschen in den Wäldern von Rumbula erschossen.[4] Ein erster Deportationszug mit 1.053 jüdischen Berlinern kam an und alle Personen wurden noch am gleichen Tag ermordet.[5] Die nächsten vier eintreffenden Transporte mit rund 4.000 Gefangenen wurden auf einen leerstehenden Gutshof, dem später so genannten temporären Konzentrationslager Jungfernhof (Dezember 1941 bis März 1942), gebracht.
  • 8. Dezember 1941: Zum ersten Mal werden im Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof) in Polen Gaswagen eingesetzt, die von Experten des "Euthanisie"-Programms betrieben werden. Dieses erste Vernichtungslager befand sich etwa 130 km östlich von Poznań (dt: Posen) und nordwestlich von Łódź (dt: Lodsch). Das Vernichtungslager wurde in einer ersten Phase zwischen Dezember 1941 und März 1943 als Vernichtungsstätte benutzt, danach geräumt und nochmals im Sommer 1944 zur Ermordung von Juden des so genannten Ghettos Litzmannstadt erneut verwendet.
  • 12. Dezember 1941: Nach der Kriegserklärung an die USA betont Hitler seinen Willen zur "Vernichtung des Judentums". Vier Tage später spricht Generalgouverneur Hans Frank von der geplanten Ausrottung von 3,5 Millionen Juden im so genannten Generalgouvernement.
  • Dezember 1941: Da die Exekution von Geiseln als Vergeltungsmaßnahme nach Attentaten ihm nicht ausreichend erschien, schlug der Militärbefehlshaber Otto von Stülpnagel die Deportation „von Kommunisten, Juden und dem Täterkreis nahestehenden Personen“ vor.[6] Schon für die bislang bei drei Razzien verhafteten 12.200 „staatspolizeilich in Erscheinung getretenen Personen“ sei kaum Platz in den französischen Lagern. Daraufhin wurden im „Judenlager“ des Polizeihaftlagers Compiègne arbeitsfähige Juden im Alter zwischen 18 und 55 Jahren für die Deportation zusammengestellt; andere als „arbeitsunfähig“ deklarierte und ältere Juden wurden zunächst nach Drancy überstellt.[7]

1942[Bearbeiten]

  • 11. Januar 1942: A. Hitler genehmigt persönlich die Pläne für das KZ Arbeitsdorf, das der Volkswagen GmbH KZ-Häftlingen als Arbeitskräfte zur Verfügung stellen soll. Am 8. April 1942 treffen die ersten 500 Häftlinge (vornehmlich Baufacharbeiter) aus dem KZ Sachsenhausen dort ein. Am 11. Oktober 1942 muss das KZ aufgelöst werden.
  • 20. Januar 1942: Auf der Wannsee-Konferenz stimmt Heydrich mit den Ressorts der deutschen Regierung die SS-Pläne zur "Endlösung" durch Vernichtung von bis zu elf Millionen europäischen Juden ab. Neben der physischen Vernichtung befürwortet er den allmählichen Tod durch Zwangsarbeit. Es geht ihm darum, die reibungslose Zusammenarbeit aller Instanzen sicherzustellen.
  • Januar 1942: 5.000 Sinti und Roma aus dem Ghetto von Lodz werden im Vernichtungslager Kulmhof in Vergasungswagen ermordet. Alle ostpreußischen Sinti- und Romafamilien, meist Bauern mit Höfen und Vieh, werden in das KZ Bialystok und von dort 1943 nach Auschwitz deportiert.
  • 20. Februar 1942: Die Vierjahresplan-Behörde Görings stellt fest, dass seit Beginn des "Russland-Feldzugs" 2,5 Millionen von 3,9 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen gestorben sind.
  • 6. März 1942: Eichmann kündigte die dritte Welle der Deportationen aus dem Reich (55.000 Juden) an.
  • 17. März 1942: Der erste Deportationszug trifft im Vernichtungslager Belzec ein.
  • 27. März 1942: Vom Konzentrationslager Royallieu bei Compiègne (Frontstalag 122) fährt der erste Deportationszug aus Frankreich zum Vernichtungslager Auschwitz ab. Von den damit 1.112 Deportierten überleben 19 Personen bis 1945.
  • März 1942: Im KZ Auschwitz II - Birkenau werden im Quarantänelager für Männer (und seit 16. August 1942 im Frauenlager) Häftlinge inhaftiert. Die Gaskammer im Roten Haus war ab März 1942 betriebsbereit.
  • 1. Mai 1942: Heydrich genehmigt nachträglich den Mord an 100000 Juden im Warthegau.
  • Anfang Mai 1942: Nach einem Besuch Heydrichs in Minsk werden die "Judenaktionen" in Weißrussland intensiviert. Bis August sind 55000 Menschen tot. Außerdem kommen im Vernichtungslager Maly Trostinez im Mai 26000 deutsche Juden ums Leben.
  • 4.-15. Mai 1942: In Chelmno werden 11000 im Herbst nach Lodz deportierte Juden vergast. Im Mai sterben Zehntausende polnischer Juden in den Gasanlagen von Belzec und Sobibor.
  • 5. Mai 1942: Erstmals werden in Auschwitz-Birkenau alle Juden eines Deportationszuges aus Ostoberschlesien sofort nch der Ankunft in der Gaskammer ermordet.
  • 20. Mai 1942: In der besetzten Zone Frankreichs wird das Tragen des Judensterns Pflicht. (verbindlich ab dem 7. Juni).
  • 5. Juni 1942: Von Compiègne (KZ Royallieu) fährt der 2. Zug nach Auschwitz. Von den 1.000 Deportierten überlebten 32 Personen bis 1945.
  • 10. Juni 1942: Als "Vergeltung" für die Tötung Heydrichs macht die SS die tschechischen Orte Lidice und Ležáky dem Erdboden gleich, tötet alle Männer und verschleppt Frauen und Kinder in verschiedene Lager. Im ganzen Land kommt es zu massiven Verfolgungsmaßnahmen.
  • 2. Juli 1942: Vereinbarung Bousquet-Oberg über die Zusammenarbeit zwischen der frz. und dt. Polizei (SS) bei der Judenverfolgung.
  • 2. Juli 1942: Vom Konzentrationslager Royallieu bei Compiègne fährt der fünfte Deportationszug (Zug-Nr. 7909) aus Frankreich zum Vernichtungslager Auschwitz ab. Er wurde als "der Todeszug" bekannt.[8]
  • 4. Juli 1942: Beginn der Selektion von Juden als möglichen Arbeitssklaven bei der Ankunft der Deportationszüge auf der Rampe von Birkenau und der sofort folgenden Ermordung der übrigen. Damit läuft der industriemässig organisierte Massenmord überwiegend in Gaskammern an.
  • 17. Juli 1942: Himmler beobachtet eine Vergasung in Birkenau und befiehlt danach die Vernichtung aller Juden im so genannten Generalgouvernement bis zum Jahresende.
  • Juli bis Oktober 1942: Aktion Reinhard: In Treblinka sterben 280000 Juden, in Sobibor 250000, in Belzec über 100000.
  • 29. August 1942: Aufzeichnung der deutschen Militärverwaltung in Serbien: Dort sei mit Hilfe von Vergasungswagen die "Judenfrage und die Zigeunerfrage gelöst".
  • 14. September 1942: Reichsjustizminister Thierack protokolliert zur Besprechung mit Goebbels: "Hinsichtlich der Vernichtung asozialen Lebens steht Dr. Goebbels auf dem Standpunkt, daß Juden und Zigeuner schlechthin vernichtet werden sollen. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der beste." Am 18. September 1942 erörtert Thierack mit Himmler, Streckenbach und anderen SS-Führern die Durchführung des Programms in SS-Unternehmen, deutschen Rüstungsbetrieben und in den Konzentrationslagern.
  • 24. September 1942: Außenminister Ribbentrop ordnet an, die Judenevakuierung aus Südosteuropa zu beschleunigen.
  • 25. September 1942: Häftlingszug aus dem Sammel- und Durchgangslager Drancy bei Paris mit 1004 Personen[9]
  • 28. Oktober 1942 wurde von der IG Farben AG und der SS das so genannte „Lager Buna“, das Konzentrationslager Monowitz, für die Zwangsarbeit durch die KZ-Häftlinge in Betrieb genommen.
  • 28. Oktober 1942: Erstmals werden Juden aus dem "Musterlager" Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort vergast.
  • 11. November 1942: Die Deutschen besetzen die Freie Zone Frankeichs als Reaktion auf die alliierte Invasion in Nordafrika. Damit leiten dort Deutsche die Maßnahmen zur Judenverfolgung direkt.
  • 16. Dezember 1942: Himmlers "Auschwitz-Erlass" für die Deportationen von 22.000 Sinti und Roma aus Europa, davon die letzten 10.000 aus dem Reichsgebiet, in den als "Zigeunerlager" bezeichneten Abschnitt des KZ Auschwitz-Birkenau ab März 1943.
  • 29. Dezember 1942: Himmler meldet Hitler, bei der "Bandenbekämpfung" im Osten seien von August bis November 362 000 Juden exekutiert worden.
  • 1942: Im Zuge des massenhaften Einsatzes von KZ-Häftlingen zur Zwangsarbeit in der Kriegsindustrie ab 1942 entstanden mehr als 100 Außenlager des KZ Sachsenhausen vor allem in der Nähe der Berliner Rüstungsbetriebe.
Konzentrationslager im Großdeutschen Reich und in den besetzten Gebieten

1943[Bearbeiten]

  • Januar 1943: Eine neue Mordwelle beginnt mit der Vernichtung von 10000 Bewohnern des Ghettos in Lwow (dt: Lemberg).
  • 2. Februar 1943: Mit der Niederlage in Stalingrad entfällt eine Voraussetzung für Pläne der NS-Führung, Juden evtl. "hinter den Ural" abschieben zu können.
  • 19. Mai 1943: Berlin wird vom Gauleiter Goebbels als "judenfreie" Stadt proklamiert.
  • Mai 1943: Josef Mengele wird SS-Lagerarzt von Auschwitz. Als erstes schickt er mehrere hundert Sinti und Roma ins Gas. Seine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Kaiser-Wilhelm-Institut geförderte "Zwillingsforschung" setzt er durch Tötung von Juden- und Sinti-Kindern fort.
  • 21. Juni 1943: Himmler befiehlt Auflösung der Ghettos im Baltikum und in Weißrussland; ihre Bewohner kommen in Vernichtungslager.
  • 19. Oktober 1943: Die "Aktion Reinhard", die seit 1942 fast zwei Millionen Menschen vernichtet hat, wird formell abgeschlossen. Bis Ende November werden drei Vernichtungslager der "Aktion Reinhardt" (Belzec, Sobibor und Treblinka) aufgelöst.
  • 3. November 1943: Die verbliebenen Juden im Bezirk Lublin werden in der "Aktion Erntefest" liquidiert.

1944[Bearbeiten]

  • 6. Juni 1944: Die westlichen Alliierten landen mit der Unterstützung der Resistance in der Normandie (Operation Overlord - Hauptartikel).
  • 9. Juni 1944: Angehörige der 2. SS-Panzerdivision begehen in Tulle 99 Geiselmorde.
  • 10. Juni 1944: Auf dem Weg zur Invasionsfront begehen bei Limoges Angehörige der selben Panzerdivision das Massaker von Oradour. 642 Bewohner des Ortes werden ermordet.
  • 20. Juli 1944: Attentat vom 20. Juli 1944 - als ein Motiv werden von verschiedenen Verschwörern u. a. die Judenmorde in den KZ und die planmäßigen und massenhaften Morde der SS- und SD-Einsatzgruppen hinter der Front genannt (z. B. Stauffenberg).
Von den Aufständischen am 4. August kontrollierte Stadtgebiete Warschaus
Ein von der Armia Krajowa erbeuteter Sd.Kfz. 251 der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“
  • Erhebung/Aufstand der Armia Krajowa und Massenmorde der SS in Warschau
    • 31. Juli 1944: Befehl der AK-Führung im Einvernehmen mit der Delegation der Exilregierung aus London, dass alle AK-Verbände am 1. August um 17:00 Uhr zeitgleich gegen die deutschen Besatzer losschlagen sollen.[12][13]
    • Viele strategisch wichtige Angriffsziele blieben nach dem ersten Tag in der Hand der deutschen Besatzungstruppen: die Weichselbrücken, die beiden Flugplätze, die Universitätsgebäude und das Polizeihauptquartier.[14]
    • Am 3. August scheiterte der Gegenangriff der Panzerdivision Hermann Göring, um die Straßenverbindungen Richtung Ostfront durchgängig zu machen. Ein zweiter Versuch durch ein Grenadierregiment der Wehrmacht scheiterte ebenso. Bei diesen Einsätzen wurden systematisch polnische Zivilisten von deutschen Truppen als menschliche Schutzschilde missbraucht.[15]
    • Den Befehl zur Niederschlagung der Erhebung erhielt der Reichsführer-SS Himmler, der SS-GF Reinefarth damit beauftragte (u.a. die SS-Einheit Dirlewanger, die SS-Division „RONA“). Himmler hatte im Sinne Hitlers bereits Tage zuvor den Befehl gegeben, sämtliche nichtdeutschen Einwohner Warschaus ohne Ansehen von Alter, Geschlecht oder Beteiligung am Aufstand zu töten und die Stadt dem Erdboden gleichzumachen.[16] Infolgedessen endete der Angriff der „Kampfgruppe Reinefarth“ gegen den westlichen Stadtteil Wola mit einem Massaker an der Zivilbevölkerung. Schätzungen zufolge töteten die deutschen Einheiten zwischen 20.000 und 50.000 polnische Zivilisten. Diese Einheiten vermieden es, den Kampf direkt gegen die Heimatarmee zu führen. Reinefarth beschwerte sich bei seinen Vorgesetzten, dass die ihm zugeteilte Munition nicht ausreiche, um alle gefangenen Zivilisten zu erschießen.[17]
    • Am 6. August übertrug der neu eingetroffene Oberbefehlshaber SS-OGF Bach-Zelewski den Massenmord aus taktischen Gründen von den Kampfeinheiten auf speziell gebildete Einsatzgruppen hinter der Front. Damit sollten die Morde auch vor der Zivilbevölkerung zunächst verschleiert werden.[18]
    • 2. Oktober 1944: Die Heimatarmee musste kapitulieren. Es kamen auf polnischer Seite fast 200.000 Soldaten und Zivilisten ums Leben.
    • Als Repressalie wurde die überlebende Bevölkerung in Konzentrationslager oder zur Zwangsarbeit deportiert und die Stadtteile auf dem linken Weichselufer planmäßig bombardiert und gesprengt. Warschau war danach weitgehend zerstört.
  • 2. August 1944: Die „Auflösung“ des "Zigeunerlager Auschwitz" bedeutet den Mord von 3.000 Sinti und Roma. 3.000 werden in andere Konzentrationslager deportiert.
  • 15. August 1944: Mit der Landung in der Provence begann eine zweite Invasion Europas in Südfrankreich zwischen Toulon und Cannes (Operation Dragoon). Die Franzosen und US-Amerikaner konnten ohne entscheidenden Widerstand zügig in das Landesinnere vorstoßen und es von den Besatzern befreien. Andere Hauptstädte folgen:
  • 17. August 1944: Der letzte Häftlingszug aus dem Sammellager Drancy bei Paris fährt mit 51 Personen ins KZ Buchenwald. Zugleich ist das der Fluchtzug von Alois Brunner. Der SS-Hauptsturmführer war zuletzt Kommandant von Drancy. Er mordete danach für die SS in der Slowakei weiter.[19]
  • 29. August 1944: Französische und amerikanische Truppen feiern in Paris.
  • 3. September 1944: Brüssel befreit.
  • 4. September 1944: Antwerpen befreit.
  • Oktober 1944: Die von Himmler befohlene "Aktion 1005", die durch Enterdung und Verbrennung hunderttausender Leichen die Spuren des Genozids verwischen soll, endet.
  • 2. November 1944: Himmer befiehlt das Ende der Vergasungen in den KZ; Erschießungen werden weiter durchgeführt.

1945[Bearbeiten]

  • 25. Januar 1945: Bei der so genannten Evakuierung des KZ Stutthof vor der Sowjet-Armee kommen 25.000 Häftlinge um (ca. die Hälfte der Gefangenen zu diesem Zeitpunkt).
  • 27. Januar 1945: Sowjetische Truppen erreichen das KZ Auschwitz-Birkenau, wo sie nur noch 7000 Überlebende antreffen. 66.000 Häftlinge aus den Lagern der Region wurden vorher in "Todesmärschen" „evakuiert“.
Massengrab im KZ Bergen-Belsen, zu sehen der Lagerarzt F. Klein
  • 11. April 1945: Konzentrationslager Buchenwald: Um 14.30 Uhr erreicht die 6. Panzerdivision der 3. US-Armee das Konzentrationslager.
  • 12. April 1945: Das KZ Westerbork in den Niederlanden wird von kanadischen Soldaten befreit.
  • 15. April 1945: Übergabe des KZ Bergen-Belsen an britische Truppen durch die Wehrmacht.
  • 29. April 1945: Das KZ Dachau im Westen von München wird von amerikanischen Soldaten erreicht.
  • 10. Mai 1945: In Flensburg können die letzten KZ-Häftlinge befreit werden.[20]
  • Siehe auch: Als Endphaseverbrechen werden nationalsozialistische Verbrechen bezeichnet, die in den letzten Wochen und Monaten des Zweiten Weltkrieges begangen wurden.

Prozesse gegen das NS-Regime und einzelne Täter[Bearbeiten]

  • Oktober 1943: Die United Nations War Crimes Commission (UNWCC) zur Beweismittelsicherung und strafrechtlichen Ahndung von Kriegsverbrechen der "Achsenmächte" wird in London gegründet und ist bis März 1948 tätig

1945[Bearbeiten]

1946[Bearbeiten]

1947[Bearbeiten]

(Nur 800 der etwa insgesamt 8.000 in Auschwitz als Wachpersonal etc. eingesetzten SS-Angehörigen wurden vor Gerichten angeklagt, 40 davon vor deutschen Gerichten)

1950er Jahre[Bearbeiten]

1960er Jahre[Bearbeiten]

  • In der BRD kam es zu sechs Frankfurter Auschwitzprozessen zwischen 1963/1965 mit dem 1. und 1965/1966 dem 2. Auschwitzprozess sowie weiteren 4 Nachfolgeprozesse in den 1970er-Jahren.

1970er Jahre und danach[Bearbeiten]

Forschung und Publikationen über Shoa / Holokaust[Bearbeiten]

Wichtige Beiträge zur Forschung und Publikationen über die Shoa / den Holokaust in der Nachkriegszeit; die Errichtung von Museen, Gedenk- und Forschungsstätten.


Etwa seit 1942 sammelten und veröffentlichten weltweit verschiedene Einrichtungen Dokumente:

  • das Yidisheer visnshaftlekher institutin in New York,
  • die Wiener Library in London,
  • das Centre de Documentation Juive Contemporaine in Paris,
  • das Zydowski Instytut Historyczny in Warschau.

1953 wurde in Israel die nationale Gedenk- und Forschungsstätte Yad Vashem gegründet..

Ab 1967 entstand in den USA eine eigenständige Forschungsrichtung zum Holocaust mit besonderen Lehrstühlen, Forschungsinstituten und Fachzeitschriften.

1980 wurde das Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. gegründet.


1994 begann der US-Regisseur Steven Spielberg das Projekt der Shoah Foundation, einer Sammlung von rund 52.000 auf Videos aufgezeichneten Interviews mit Holocaustüberlebenden. Seit 2006 hat die Freie Universität Berlin Zugang zu diesem Archiv der Oral History.[21]

In der Bundesrepublik Deutschland

1949 gegründet Institut für Zeitgeschichte
Bundesarchiv
1995, Fritz-Bauer-Institut

In Polen

Auschwitz-Museum (Oswiecim, Juli 1947)
Jüdische Historische Institut Warschau
das staatliche Institut für Nationales Gedenken (IPN)
Deutsches Historisches Institut Warschau

Siehe auch[Bearbeiten]


Zeittafeln:

Literatur[Bearbeiten]

  • Götz Aly, Wolf Gruner, Susanne Heim, Ulrich Herbert, Hans Dieter Kreikamp, Horst Möller, Dieter Pohl, Hartmut Weber (Hrsg.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 - 1945, Bd. 1: Deutsches Reich 1933-1937, Oldenbourg Verlag, München, 2007, 811 Seiten. ISBN 3-486-58480-4, Rezensionen bei perlentaucher.de (Ein kommentierter Quellenabdruck von 320 Dokumenten. Weitere Bd. in Vorbereitung)
  • Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. 9 Bände. C. H. Beck, München 2005–2009. ISBN 978-3-406-52960-3 (Rezension)
  • Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1989 (1958 1. A.), ISBN 3-498-00884-6
  • Alfred Gottwaldt, Diana Schulle: Die "Judendeportationen" aus dem Deutschen Reich, 1941-1945: eine kommentierte Chronologie. Wiesbaden, Marix, 2005. ISBN 3-86539-059-5 u. ISBN 978-3-86539-059-2 (Daten der meisten "Judentransporte" aus dem "Großdeutschen Reich" werden zusammengestellt und kommentiert.)
  • Israel Gutman u. a. (Hrsg.): Ha-Entsiklopedya shel ha-Shoah (hebr.: האנציקלופדיה של השואה), Jerusalem: Yad Vashem; Tel Aviv: Sifriat Poalim Publishing House, 1990. 6 volumes. ISBN 965-04-2085-1 (zugleich The Encyclopedia of the Holocaust, New York: Macmillan, 1990. ISBN 0-02-896090-4.)
  • Raul Hilberg: The Destruction of the European Jews. Chicago, Quadrangle, 1961. (First Edition) - ; 2nd ed. 1967; 3rd ed. bei Holmes & Meier, New York 1973; 4th ed. 1985
  • Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. Alber, München 1946 (zuletzt: Heyne, München 2004, ISBN 3-453-02978-X)
  • Johannes Tuchel: Die Inspektion der Konzentrationslager 1938-1945. Edition Hentrich, Berlin, 1994, ISBN 3-89468-158-6
  • Leni Yahil: Die Shoa. (Original: ha-Sho'ah, Goral Jehudei Europa, 1932-1945. Schocken Jerusalem, 1987), Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main, deutsch nach der Auflage von 1990 (Appar. überprüft und Zitate übersetzt von L. Yahil)

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. § 13: „… Bauer kann nur sein, wer deutschen oder stammesgleichen Blutes ist. Deutsch … ist nicht, wer unter seinen Vorfahren väterlicher- oder mütterlicherseits jüdisches oder farbiges Blut hat."
  2. Gottwaldt, Schulle: Die "Judendeportationen…" - bei Literatur, S. 26–51.
  3. Gottwaldt, Schulle: Die "Judendeportationen…" - bei Literatur
  4. Einzelheiten s. Angrick, Klein: "Endlösung", S. 142-159.
  5. Alfred Gottwald, Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ …, S. 121.
  6. Ahlrich Meyer: Täter im Verhör. Die "Endlösung der Judenfrage" in Frankreich 1940 - 1944. Darmstadt 2005, ISBN 3-534-17564-6, S. 96/97
  7. Ahlrich Meyer: Täter im Verhör..." S. 102/103
  8. Le Train de la mort, 2. Juli 1944 ins KZ Dachau (französisch)
  9. In dem Zug stammten 729 Opfer aus Rumänien; Ankunft in Auschwitz 27 September 1942; 873 Personen wurden bei der Ankunft sofort für die Gaskammer selektiert; 15 Männer des Zugs überlebten das Kriegsende. LISTE ALPHABETIQUE DU CONVOI N°37 (Namensliste, frz. Website)
  10. Guido Knopp, Les SS, un avertissement de l'histoire, Paris, Presses de la Cité, 2006, p. 320 (frz.)
  11. Siehe Klarsfeld, Liste de tous les convois de déportation partis de Drancy. Bei Weblinks
  12. Wlodzimierz Borodziej: Der Warschauer Aufstand 1944. Fischer, 2001, ISBN 3100078063, S. 110f
  13. Norman Davies: Boze Igrzysko. Historia Polski. Wydawnictwo Znak, Krakow 2003, S. 932–934
  14. Borodziej, 2001, S. 114f
  15. Borodziej, 2001, S. 116ff"
  16. Borodziej, 2001, S. 142f
    Norman Davies: Rising '44. Pan Books, London 2004, S. 249 ff
  17. Hans von Krannhals: Der Warschauer Aufstand 1944. Frankfurt am Main 1962, S. 312
  18. Davies, 2004, S. 252f
    Borodziej, 2001, S. 123 ff
  19. Siehe Klarsfeld, Liste de tous les convois de déportation partis de Drancy. Bei Weblinks und
    Le dernier convoi de déportation parti de Drancy (Le l3 mars l945, il fait partir un dernier convoi du camp slovaque de Sered.)
  20. Jerzy Giergielewicz: Endstation Neuengamme, Außenlager Drütte. Der Weg eines 17-jährigen aus Warschau durch vier Konzentrationslager, hg. v. d. KZ-Gedenkstätte Neuengamme u. der Gedenk- und Dokumentationsstätte KZ Drütte, Bremen 2002.
  21. Der Spiegel, 4. Dezember 2006: Holocaust-Forschung: FU Berlin bekommt riesiges Video-Archiv