Benutzer:Doudo/Persistenz frühkindlicher Reflexe
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Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Persistierende frühkindliche Reflexe
[Bearbeiten] Ausgangslage
Kinder und ältere Menschen sind der Seismograph der Gesellschaft. An ihnen werden die Schwächen der Gesellschaft sichtbar. Familien, Kindergärten, Schulen und Ausbildungsstätten stehen mehr denn je vor der Aufgabe, Kinder auf das Leben vorzubereiten. Die Wissensvermittlung ist oft unmöglich, weil die Kinder nicht die physiologische Voraussetzung haben, um das Wissen aufzunehmen, zu verarbeiten und wiederzugeben.
Viele Ursachen werden diskutiert, medizinische Diagnosen und Therapien widersprechen sich häufig. === Begriffsdefinitionen === Persistenz = „Haftengeblieben“; Frühkindlich = vorgeburtlich bis ca. 12 Lebensmonate (auch „primitive“ Reflexe); Reflexe = eine unwillkürliche Reaktion auf einen Reiz und den gesamten physiologischen Prozeß, der ihn aktiviert; Hemmung = die Unterdrückung einer Funktion durch die Entwicklung einer anderen Funktion. Die erste Funktion wird in die zweite integriert.
Die Möglichkeit, mit dem vom INPP Chester (siehe auch: [1]) entwickelten Diagnose- und Behandlungsinstrumentarium hinter vielen Lern-, Verhaltens-, Bewegungs- und Wahrnehmungsproblemen bei Kindern und Jugendlichen neurophysiologische Entwicklungsverzögerungen in Gestalt persistierender primitiver Reflexe zu entdecken, eröffnet neue Chancen, Kindern mit Lernstörungen zu helfen, indem an den Ursachen und nicht an den Symptomen angesetzt wird.
[Bearbeiten] Aufgabe der frühkindlichen Reflexe
Jeder Reflex in unserem menschlichen Körper spielt eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, spätere Funktionen vorzubereiten. Um zu verstehen, was falsch läuft, wenn Reflexe abweichend werden, ist es wichtig zu verstehen, welche Aufgabe frühkindliche Reflexe normalerweise erfüllen. Sogenannte frühkindliche Reflexe sind bei jedem Säugling und Kleinkind bis 18 Monaten im Stammhirn vorhanden und sichern eine gesunde Geburt und das Überleben in den ersten Lebensmonaten. Diese frühkindlichen Reflexe werden bei normaler Entwicklung des Kindes von ihm selbst „gehemmt“, d.h., durch die pränatale Entwicklung der rechten und linken Gehirnhälfte werden die Reflexe des Stammhirnes nun vom Gehirn „beherrscht“ , d.h. gehemmt. Jedes Kind wird mit einem Set frühkindlicher Reflexe (auch Überlebensreflexe genannt) geboren. Mit dem Fortschreiten der Gehirnreifung und der damit verbundenen Entwicklung der Willkürmotorik müssen diese ersten primitiven Reflexe, die bis dahin die kindliche Entwicklung vorangetrieben haben, gehemmt oder in sogenannte Haltungsreflexe transformiert werden. Diese ermöglichen es dem Kind, sich nach einer Phase gründlicher Einübung im Laufe des ersten Lebensjahres in allen nur erdenklichen Bewegungsmustern und Körperpositionen mühelos und ohne darüber nachzudenken zu bewegen. Läuft dieser Entwicklungsprozess aufgrund prä-, peri- oder postnataler Störungen nicht "nach Plan", können einige der primitiven Reflexe im Körper "aktiv" bleiben und die nachfolgende Entwicklung der Bewegung, der Augenmuskulatur, der Augen-Handkoordination, der Lateralisierung und der Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigen. Ein solches Kind kann bei der Ausführung alltäglicher Aufgaben nicht sein volles Potential entfalten, obwohl es allem Anschein nach "normal" ist. Zu den eigentlichen Problemen gesellen sich dann häufig Verhaltensprobleme wie Hyperaktivität und Ängste.
[Bearbeiten] Test der frühkindlichen Reflexe in den U-Untersuchungen der Kinderärzte
In den in Deutschland üblichen „U-Untersuchungen“, die von den Kinderärzten durchgeführt werden, gehört es zum „Testprogramm“, das Vorhandensein dieser Reflexe zu testen.
[Bearbeiten] Persistenz der frühkindlichen Reflexe
Leider ist es in Deutschland im Rahmen der U-Untersuchungen nicht vorgesehen, nach spätestens 18 Lebensmonaten zu testen, ob diese Reflexe denn auch „ordnungsgemäß“ wieder abgebaut, d.h. gehemmt sind. Diese Hemmung ist aber für die weitere Entwicklung eines Kindes unabdingbar notwendig, sie ermöglicht erst den ungehinderten Ausbau der Feinmotorik, der Hörwahrnehmung und Sprach- und Lesefähigkeit. Resultat: ein Kind, bei dem die Reflexe noch vorhanden sind, wird Zeit seines Lebens Schwierigkeiten mit Sprache, Rechtschreibung, Hörwahrnehmung, Motorik und „gutem Körpergefühl“ bis zu darauf basierenden weiteren Auswirkungen wie „Verhaltensstörung“, „sozialem Fehlverhalten“ etc. haben.
Ärzte lernen im Studium frühkindliche Reflexe kennen, selten aber die Folgen einer Persistenz derselben. Sie können so meist nur theoretisch bestätigen, dass ein weiteres Vorhandensein - eine Persistenz - der frühkindlichen Reflexe die weitere Entwicklung des Kindes verzögern, erheblich erschweren und manchmal sogar unmöglich machen.
[Bearbeiten] Typische Anzeichen für das Vorhandensein von frühkindlichen persistierenden Reflexen
Kind spricht undeutlich und tut sich schwer beim Lesen und Schreiben lernen; Kind vergisst viel und schnell; Kind bewegt sich manchmal anders als andere (steif o.ä.); Kind kann einem beim Sprechen nicht in die Augen sehen; Kind ist häufig unruhig; Kind schreit beim geringsten Anlass herum, springt auf und bleibt nicht „sachlich“ beim Thema; Kind kann es nicht vertragen, beim Spielen zu verlieren; Kind kann sich nicht lange (mehr als 3-5 Minuten) konzentrieren; Kind hat nicht viele Freunde und lässt sich ungern auf fremde, neue Menschen ein; Die Erzieher und Lehrer des Kindes weisen auf Verhaltensstörungen hin; Die Erzieher und Lehrer des Kindes weisen auf Lernstörungen hin – insbesondere beim Lesen und Schreiben; Erzieher und Lehrer des Kindes lehnen das Kind ab, weil es nicht so fügsam ist – es gibt immer wieder Beschwerden; Kind akzeptiert noch nicht einmal die einfachsten sozialen Regeln – es macht sich lieber selber welche; Kind isst sehr viel - insbesondere Süßes (aber wird nicht dicker); Kind hält den Stift verkrampft in der Hand; Kind kann Kritik ganz schlecht vertragen; Kind ist außerordentlich geruchsempfindlich; Kind lässt sich außer von seinen Eltern sehr ungern anfassen. Es gibt auch ungern die Hand zur Begrüßung; Kind kann auf seiner Haut leichtes Streicheln nicht vertragen; Kind macht im Grundschulalter noch Zeichnungen wie ein 2-3jähriger; Kind liebt Routine und Planbarkeit. Es ist so gut wie gar nicht flexibel und reagiert gereizt, aggressiv und ablehnend auf Änderungen und Neuartigkeiten
Alle diese Symptome können persistierende frühkindliche Reflexe als Ursache haben – Anlass genug, sich mit diesem Thema einmal zu beschäftigen:
[Bearbeiten] Die wissenschaftliche Grundlage
In der internationalen medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ [2] haben die Forscher Dr. Peter Blythe und Sally Goddard die Ergebnisse einer Langzeitstudie in Test und Therapie von Reflexkindern beschrieben. (The Lancet, Jahrgang 2/2000, Volume 355)
[Bearbeiten] Ursache für die Persistenz der Reflexe
Ähnlich wie bei ADHS – man weiß es nicht genau. Vermutungen der Fachmediziner und -therapeuten reichen von Schwierigkeiten während Schwangerschaft und Geburt, Vernachlässigung im Kleinkindalter bis hin zur "Gesellschaftskrankheit".
[Bearbeiten] Literatur
Sally Goddard: Greifen und Begreifen, vAK verlag GmbH Kirchzarten, ISBN 3-932098-14-5 Dorothea Beigel: Flügel und Wurzeln, verlag modernes lernen - Dortmund ISBN 9-8080-0535-1
[Bearbeiten] Links
http://www.www.thelancet.com - Jahrgang 2/2000, Volume 355; http://www.reflextest.de; http://www.inpp.de

