Benutzer:Mathias Schindler/1m auf en

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FAQ Wikipedia1M

Was ist der Anlass dieser FAQ?

Die Wikipedia in englischer Sprache feiert das Erreichen des einmillionsten Artikels. Dies wird hier und da gefeiert.

Was heißt das genau?

Die Software Mediawiki verfügt über eine interne Zählfunktion, die versucht, die Anzahl der Seiten im Artikelnamensraum (Namensraum 0: „alle Artikel, die nicht mit 'Wikipedia:' oder 'Diskussion:' oder anderen Bezeichnungen anfangen und deutlich machen, daß sie nicht zum lexikalischen Teil der Wikipedia gehören“) zu ermitteln. Gezählt werden Seiten mit mehr als X Zeichen.

Ist jeder dieser Seiten mit mehr als X Zeichen im Namensraum 0 lexikalischer Natur?

Nein. Prominentestes Beispiel ist HomePage (englischsprachig) bzw. Hauptseite (deutschsprachig), die die Funktion einer tagesaktuellen Startseite mit Orientierungshilfe übernimmt. Bei weiteren Seitenarten lässt sich darüber streiten, ob es sich um Artikel im klassischen Sinne handelt. Dazu gehören Listen aller Art, die derzeit im Namensraum 0 abgelegt sind. Klassische gedruckte Enzyklopädien und ihre elektronischen Ableger sind in der Regel großzügiger mit der Zählweise. Hier kommen zu den „eigentlichen Artikel“ noch viele zehntausend „Stichwörter“, die eigentlich nur Redirects („Lexikon: siehe Enzyklopädie“) darstellen.

Heisst das, daß es nun eine Million englischsprachiger lexikalischer Artikel in der englischsprachigen Wikipedia gibt?

Zumindest eine Zahl, die dieser recht nah kommt, wenn man die gleichen Zählmethoden anwendet.

Ist dies wirklich der einmillionste Wikipedia-Artikel in englischer Sprache, der jemals geschrieben wurde?

Nein. In dieser Zählung tauchen keine Artikel auf, die einmal geschrieben wurden und danach aus welchen Gründen auch immer wieder gelöscht wurden. Anlass der Feierlichkeit ist die Erstellung eines Artikels, der den Zähler der derzeit in der englischsprachigen Wikipedia existierenden Seiten im Namespace 0 mit mehr als X Zeichen auf etwa eine Million gebracht hat. Weil diese Formulierung zwar etwas zutreffender ist, dafür keinerlei Überschriftenqualität besitzt, kann man ihn verkürzen auf „Englischsprachige Wikipedia mit einer Million Artikel“. Unzulässig ist die Überschrift „Wikipedia mit einer Million Artikel“, denn dieses Ereignis gab es schon vor vielen Monaten. Die anglozentristische Sichtweise in einigen Zeitungen oder die üblichen Schlampigkeiten werden wohl dafür sorgen, daß es auch solche Überschriften wieder geben wird. Ebenso wird es Überschriften wie „Amerikanische Wikipedia mit einer Million Artikeln“ geben; dies ist sachlich unzutreffend, denn Wikipedia ist nach Sprachen, nicht nach Ländern sortiert. Alle Sprachausgaben werden von der Wikimedia Foundation Inc. in Florida betrieben, demnach ist auch die deutschsprachige Ausgabe „amerikanisch“, wenn man so will. Oder eben international, multilingual und nach Kräften non-aligned.

Wie viele Artikel gibt es, an denen die Arbeit abgeschlossen ist?

Keine. Es ist gewünscht, dass an allen Artikeln kontinuierlich weitergearbeitet werden kann. Gesperrt wird nur kurzzeitig. Es ist jedoch so, daß (und das ist dann eher systembedingt) einige Artikel oder ganze Kategorien qualitativ deutlich weiter sind als andere.

Sind die Artikelzahlen mit denen anderer Enzyklopädien vergleichbar?

Klassische Enzyklopädieprojekte veröffentlichen selten konkrete Messmethoden zu den vorgelegten Zahlen und erlauben in der Regel nicht das bequeme Nachprüfen dieser Zahl. Wer will, kann von Hand nachzählen oder versuchen, eine geschickte Hochrechnung zu betreiben. Im übrigen ist die Zahl generell untauglich für Vergleiche.

Moment. Wenn die Zahl so untauglich für Vergleiche ist, warum wird dann überhaupt gefeiert?

Sie ist für Vergleiche untauglich (bekommen Schüler neuerdings Noten dafür, wie viele Stifte sie im Mäppchen haben?), nicht aber zum Feiern. Innerhalb von Projekten kann die Zahl ein Hinweis für das allgemeine Wachstum sein. Wenn weitere Aspekte hinzukommen, kann man versuchen, aus dem Artikelwachstum weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Ansonsten ist die Zahl selbst hervorragend geeignet, um damit pressetechnisch hausieren zu gehen. Zahlen suggerieren irgendeine Art von Objektivität und die Million klingt ja auch recht groß. Außerdem wird es dieses Ereignis in dieser Form nur einmal geben. Gibt es Gründe dagegen, fröhlich zu sein?

Gibt es Zahlen, die – wenn es um den Stand der Wikipedia selbst geht – besser geeignet wären?

Sicher. Die Frage ist, wie viel Aufwand man sich machen will. Die Anzahl der Wörter hat den Vorteil, daß sie resistent ist gegen den Versuch, die Artikelzahl sinnlos durch das Atomisieren von Artikeln oder durch die Aufweichung der Messmethoden nach oben zu treiben. Wenn es einen einfachen Weg gäbe, dann könnte die Anzahl der Faktoide („kleinstmögliches Fäktchen“, etwa 1. Hanau ist eine Stadt 2. Hanau liegt am Main 3. Hanau hat 80.000 Einwohner) hilfreich sein. Auf einfachem Weg ist diese Zahl derzeit nicht zu ermitteln. Außerdem würde sie nicht zwischen „relevanten Informationen“ (Gerhard Schröder wurde am XX.XX.XXXX geboren) und dem Ozean der Trivia unterscheiden (Gerhard Schröder wurde von seinen Fußballfreunden „Acker“ genannt). Wenn man es schon auf Vergleiche anlegt, könnte man mal eine Matrix versuchen mit dem Versuch, die Coverage verschiedener Enzyklopädien mitenander zu vergleichen. In Stichproben gibt es das schon als Diplomarbeit zwischen der Brockhaus-Enzyklopädie (20. Auflage), der Microsoft Encarta und der Wikipedia auf einer recht kleinen Basis und eher beschränkt auf die Frage, ob überhaupt Artikel existieren. Diese Spielereien sind solange brauchbar, bis sie in den Kontakt mit der Realität treten.

Wann wird die deutschsprachige Wikipedia diese Zahl erreichen?

In dieser Allgemeinheit ist die Frage nicht zu beantworten. Es gibt einige Unterschiede im Verständnis der Relevanz, es gibt eine kleinere Nutzerbasis und es gibt ebenso auch die Tendenz, Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia zusammenzuhalten und einer Fragmentierung entgegenzuwirken. Wenn sie das aktuelle Wachstum fortsetzt, könnte es in 3 bis 10 Jahren soweit sein - plusminus Pi.

Ist die englischsprachige Wikipedia nun die größte Enzyklopädie aller Zeiten und in allen Sprachen?

Auch hier ist die Frage erst einmal wegen der mangelnden Schärfe zurückzuweisen. Größe hinsichtlich der Artikelanzahl? Vermutlich. Größe hinsichtlich der Wortzahl? Anzunehmen. Größe hinsichtlich der Zahl der Faktoide? Realistisch. Größe hinsichtlich der Zahl der „wirklich wichtigen und richtigen Informationen in einer angenehmen, stilsicheren, homogenen, optisch ansprechenden und nutzbaren Form“? Ui, da ist noch Arbeit zu tun. Inwieweit andere Enzyklopädien hier „größer“ sind, ist teilweise spekulativ, in den meisten Fällen jedoch wenigstens unglaublich subjektiv. Gerade im historischen Kontext gibt es einige Werke, die hier und da unter Enzyklopädie laufen und – erst recht verglichen mit den technischen Möglichkeiten – 'verdammt groß' sind. Da die Form der Enzyklopädie einem stetigen Wandel unterliegt (und man bei einigen Verlagen es bislang noch nicht einmal geschafft hat, Wikipedia als Enzyklopädie zu bezeichnen), kann man vermutlich schon durch die Definitionshoheit über das Wort Enzyklopädie den Ausgang einer solchen obenstehenden Fragestellung bestimmen. Vor einigen Jahren war ja die Behauptung salonfähig, das Internet in seiner Gesamtheit sei eine Enzyklopädie.

Hängen Quantität und Qualität zusammen?

Siehe Karl Marx, Kapitel I.

Feiern wir in einigen Jahren den zweimillionsten Artikel in der englischsprachigen Wikipedia?

Das ist grundsätzlich erstmal nicht ausgeschlossen. Andererseits gibt es immer wieder die Frage, ob nicht endlich einmal der Pool der noch unerschlossenen Themen erschöpft ist. Hier kann man einwenden, daß es ja immer wieder neue Personen und Ereignisse (Wikipedia hält ja gewisse Ereignisse wie die Anschläge des 11. September oder den Tsunami im südostasiatischen Raum oder die islamische Massenhysterie über ein paar Karikaturen einer dänischen reaktionären Zeitung für grundsätzlich lemmafähig) geben wird und es keinen geregelten oder erwünschten Weg gibt, solche Lemmata wieder zu entfernen. Auch ein abgewählter Staatspräsident bleibt derzeit der Wikipedia erhalten. Es kann höchstens passieren, daß das Wachstum sich ein wenig verlagern wird, daß es einen Wandel im Verständnis von Relevanz gibt (wie viele Pornofilme muss man gedreht haben, um „drin“ zu sein? Braucht es dazu noch den Venus-Award, die Gründung einer eigenen Firma oder beginnt das lexikalische Leben erst mit Preisen der bürgerlichen/nicht-horizontalen Branche). Die Einführung neuer Metriken wie etwa die Zahl der exzellenten und lesenswerten Artikel oder die Beschränkung auf Artikel mit stabilen Versionen könnte dafür sorgen, daß es einen steten Strom neuer Ereignisse mit Schlagzeilentauglichkeit geben wird.