Berg (Starnberger See)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Berg
Berg (Starnberger See)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Berg hervorgehoben
47.967511.355833333333639Koordinaten: 47° 58′ N, 11° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Starnberg
Höhe: 639 m ü. NHN
Fläche: 36,63 km²
Einwohner: 8029 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 219 Einwohner je km²
Postleitzahl: 82335
Vorwahlen: 08151, 08171
Kfz-Kennzeichen: STA, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 88 113
Gemeindegliederung: 14 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ratsgasse 1
82335 Berg
Webpräsenz: www.gemeinde-berg.de
Bürgermeister: Rupert Monn (EUW)
Lage der Gemeinde Berg im Landkreis Starnberg
Ammersee Starnberger See Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Fürstenfeldbruck Landkreis Landsberg am Lech Landkreis München Landkreis Weilheim-Schongau München Andechs Berg (Starnberger See) Feldafing Gauting Gilching Herrsching am Ammersee Inning am Ammersee Krailling Pöcking Seefeld (Oberbayern) Starnberg Tutzing Weßling Wörthsee (Gemeinde)Karte
Über dieses Bild
Der Starnberger See mit anliegenden Ortschaften
Votivkapelle in Berg am Starnberger See
Joseph Albert: Schloss Berg am Starnberger See, um 1886
Geburtshaus von Oskar Maria Graf
Leoni (um 1900)
Heinz Rühmanns Grab in Aufkirchen

Berg ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Starnberg und liegt am Ostufer des Starnberger Sees.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Berg hat 14 Ortsteile. Dies sind Aufhausen, Aufkirchen, Allmannshausen, Assenhausen, Bachhausen, Berg, Farchach, Harkirchen, Höhenrain, Kempfenhausen, Leoni, Martinsholzen, Mörlbach und Sibichhausen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde 822 erstmals urkundlich als perge cum basilica (Althochdeutsch/Vulgärlatein Berg mit Kirche) erwähnt. Prähistorische Funde legen nahe, dass es bereits germanische Siedlungen gab.

Mit der Gemeinde Aufkirchen kam es zur Bildung der Berger Hofmark im 15. Jahrhundert, deren Besitzer die reichen Patrizierfamilien Ligsalz und Hörwarth aus München waren.

Im 17. Jahrhundert begann der Einfluss der Wittelsbacher auf das Fischer- und Bauerndorf. Der Kurfürst Ferdinand Maria erwarb ein Grundstück am See, auf dem Schloss Berg errichtet wurde, das bis heute im Familienbesitz der Wittelsbacher ist. Ludwig II. nutzte das Schloss als Sommerresidenz. Dort waren beispielsweise die Kaiserinnen von Russland und Österreich zu Besuch.

Auf Vorschlag von Hanns Johst, dem Präsidenten der Reichsschrifttumskammer, wurde Galeazzo Ciano, italienischer Außenminister unter Mussolini, von den Nazis im Spätsommer 1943 mit seiner Familie in Allmannshausen untergebracht. Der Große Faschistische Rat hatte zuvor kurzfristig Mussolini entmachtet, und man befürchtete die Verfolgung all derer, die gegen ihn gestimmt hatten. Die Villa gehörte zum Besitz des Freiherrn von Wittgenstein und stand damals unter staatlicher Verwaltung.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges, am 26. April 1945, trieben SS-Männer 6887 Häftlinge des KZ Dachau auf einem Todesmarsch in Richtung Süden, bei dem jeder zweite Häftling durch Entkräftung oder Mord ums Leben kam. Weil sich der Marsch durch die Gemeinde Berg bewegt hatte, wurde im Ortsteil Aufkirchen an der Straße nach Wolfratshausen eine Bronzeskulptur zum Gedenken an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft errichtet.[2]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Aufkirchen und Leoni wurden schon 1808 Teil der Gemeinde Berg. Am 1. Oktober 1937 wurde Kempfenhausen eingemeindet.[3] Im Zuge der Gebietsreform kamen am 1. Januar 1975 Bachhausen und Höhenrain zur Gemeinde Berg.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Verlauf der Bevölkerungsentwicklung[5]
Jahr 1840 1900 1939 1950 1970 1987 2003 2008 2012
Einwohner 1.174 1.460 2.316 4.503 5.106 6.381 8.091 8.173 8.029

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Erster Bürgermeister der Gemeinde Berg ist Rupert Monn (EUW). Er wurde am 24. September 2000 als Nachfolger von Gustl Ullmann in das Amt gewählt.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Gemeinderat
Jahr CSU SPD Grüne FDP/Pf EUW BG ÜP QUH gesamt Wahlbeteiligung in %
2014 5 3 1 1 4 2 0 4 20 53,5
2008 4 3 1 1 4 2 1 4 20 57,7
2002 5 3 1 1 5 4 1 0 20 61,3

EUW = Einigkeit Unabhängige Wählergruppe für die Gemeinde Berg
BG = Bürgergemeinschaft
ÜP = Überparteiliche Wähler
QUH = quer-unabhängig-heimatverbunden

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

siehe auch Liste der Baudenkmäler in Berg (Starnberger See)

Votivkapelle[Bearbeiten]

Die zu Ehren von Ludwig II. errichtete Votivkapelle liegt im Wald oberhalb der Stelle, wo die Leiche des Königs am Pfingstsonntag, 13. Juni 1886, im See gefunden worden ist. 1887 stiftete seine Mutter Königin Marie eine Totenleuchte, die später in die Treppenanlage integriert wurde. Den Grundstein der Kapelle legte der Prinzregent Luitpold am 10. Todestag des Königs im Juni 1896. Vier Jahre später konnte die im neuromanischen Stil gebaute Kirche eingeweiht werden. Entworfen hatte sie der ehemalige Architekt des Königs Hofoberbaurat Julius Hofmann.

Noch heute treffen sich „Königstreue“ und „Monarchiefreunde“ jährlich am Todestag des Königs zu einem Gedenkgottesdienst in der Votivkapelle.

Schloss Berg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Schloss Berg (Bayern)

Bismarckturm[Bearbeiten]

Im Ortsteil Assenhausen befindet sich ein von 1896 bis 1899 von Theodor Fischer erbauter Bismarckturm.[6]

St. Stephan (Mörlbach)[Bearbeiten]

Hauptartikel: St. Stephan (Mörlbach)

Kultur[Bearbeiten]

  • Aufkirchner Dorfbühne[7]
  • Christian-Jutz-Volkssternwarte Berg e.V.[8]
  • Haus Buchenried, Bildungs- und Seminarzentrum der Münchner Volkshochschule[9]
  • Kulturverein Berg e.V.[10]
  • Schulmuseum im Alten Schulhaus in Aufkirchen[11]
  • Berger Kulturspaziergang[12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Sowohl Berg (Ortsteil am See) als auch Leoni sind Anlegepunkte der Fahrgastschiffe der Bayerischen Seenschiffart am Starnberger See. Durch beide Ortsteile führen Fahrrad- und Wanderwege.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Verstorbene
  • König Ludwig II. starb am 13. Juni 1886 unter ungeklärten Umständen im Starnberger See unweit des Schlosses Berg, wohin er nach seiner Festsetzung auf Schloss Neuschwanstein gebracht worden war. (Nach offizieller Version ertrank er im See, woran bis heute eine Kapelle und ein Holzkreuz im flachen Uferwasser bei Berg erinnern.)
  • Hanns Johst, deutscher Schriftsteller und zwischen 1935 und 1945 Präsident der Reichsschrifttumskammer, besaß einen Landsitz in Allmannshausen
  • Oskar Maria Graf, Schriftsteller, am 22. Juli 1894 in Berg geboren
  • Walter Habdank, Maler, lebte und wirkte ab 1979 in Berg
  • Hans Albers, verstarb 1960 in einem Sanatorium in Berg-Kempfenhausen
  • Friedrich Wilhelm Hackländer, Schriftsteller, starb am 6. Juli 1877 in seiner Villa in Leoni am Starnberger See
  • Reinhard Gehlen, erster Präsident des deutschen Bundesnachrichtendienstes, starb am 8. Juni 1979 in Berg
  • Heinz Rühmann, Schauspieler, starb am 3. Oktober 1994 in Aufkirchen, wo sich heute auch sein Grab befindet
  • Dietrich Fischer-Dieskau, „Jahrhundertsänger“, starb am 18. Mai 2012 in Berg
  • Harry Valérien, deutscher Sportjournalist und Autor, lebte in Berg; starb dort am 12. Oktober 2012
  • Fred Bertelmann, deutscher Schlagersänger (Der lachende Vagabund, Aber Du heißt Pia), lebte in Berg; starb dort am 22. Januar 2014
Lebende

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berg (Starnberger See) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 120
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 576.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 591.
  5. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, abgerufen am 12. Juli 2014.
  6. Der Bismarck-Thurm am Starnberger See.. In: Neue Freie Presse, 2. Juli 1899, S. 6 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  7. Die Aufkirchner Dorfbühne. Aufkirchner Dorfbühne e.V., abgerufen am 2. Juli 2014.
  8. Das Fenster ins Weltall. Christian-Jutz-Volkssternwarte Berg e.V., abgerufen am 2. Juli 2014.
  9. Haus Buchenried. Das neue Seminarzentrum am Starnberger See erwartet Sie. Münchner Volkshochschule, abgerufen am 2. Juli 2014.
  10. Kulturverein Berg e.V. Kulturverein Berg e.V., abgerufen am 2. Juli 2014.
  11. Das Schulmuseum in Aufkirchen. Gemeinde Berg, abgerufen am 2. Juli 2014.
  12. Berger Kulturspaziergang. Gemeinde Berg, abgerufen am 2. Juli 2014.