Bergen bei Neuburg

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48.783007411.1425887419Koordinaten: 48° 46′ 59″ N, 11° 8′ 33″ O

Bergen
Große Kreisstadt Neuburg an der Donau
Höhe: 419 m
Fläche: 6,83dep1
Einwohner: 389 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. Januar 1976
Postleitzahl: 86633
Vorwahl: 08431

Bergen bei Neuburg (mundartl.: Baring) ist ein Stadtteil von Neuburg a.d.Donau im oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen und bekannt durch die Wallfahrtskirche des ehemaligen Klosters Bergen. Der Ort hat 389 Einwohner (Stand 31. Dezember 2008).

Lage[Bearbeiten]

Bergen liegt ca. 8 km nördlich von Neuburg (Donau).

Eingemeindung[Bearbeiten]

Bergen war bis zur Eingemeindung in die Stadt Neuburg an der Donau, die am 1. Januar 1976 in Kraft trat, eine selbständige Gemeinde.[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wallfahrtskirche Hl. Kreuz, Rokoko (bedeutende Deckenfresken von Johann Wolfgang Baumgartner: Kreuzauffindung, Kreuzerhöhung, Verehrung des Kreuzes durch verschiedene Heilige), mit romanischem Turm und romanischer Krypta (die beim Rokoko-Umbau der Kirche sehr sensibel durch neue Treppenabgänge wieder eingebunden wurde); Renaissance-Epitaph für Wilhalm von Muhr und Gattin (von dem Eichstätter Bildhauer Loy Hering).

Ortsansicht

Geschichte der Wallfahrtskirche Hl. Kreuz[Bearbeiten]

Die Wallfahrtskirche
Das Kircheninnere

787 wurde die Kirche zum ersten Mal erwähnt. Nachdem durch Wiltrudis 976 ein Benediktinerinnenkloster gegründet wurde, erfolgte am 27. September 988 die Gründungsbestätigung durch Papst Johannes XV.1007 wurde das Kloster durch Kaiser Heinrich II. an das Bistum Bamberg abgegeben. 1095 wurde ein Kirchenneubau von Bischof Ulrich I. von Eichstätt geweiht. Nachdem 1155 ein Brand große Teile der Kirche zerstörte, wurde sie 1190 durch Bischof Otto von Eichstätt nach Wiederherstellung geweiht. 1494 wurde die Pfarrei Bergen dem Kloster inkorporiert. Nach einer ersten Aufhebung 1542 wurde das Kloster 1552 durch Ottheinrich, Pfalzgraf von Neuburg, endgültig aufgehoben. Nach einer Rekatholisierung Bergens 1618 wurde die Kirche mit Teilen des Klostergutes 1635 an die Jesuiten von Neuburg übergeben. 1700 wurden die Kirche und die Krypta renoviert und um 7 Altäre erweitert. Zeitgleich erreicht die Wallfahrt zum Hl. Kreuz eine nicht erwartete Zunahme. Nach einem Umbau der Kirche 1755 wurde 1758 der Neubau durch Fürstbischof Raimund Anton von Eichstätt geweiht, 1799 erfolgte ein Umbau des Turmes. In den letzten 100 Jahren wurde die Kirche zwei Mal renoviert; erst um 1920 und dann erneut von 2001 bis 2003. Am 14. September 2003 wurde sie feierlich durch Bischof Walter Mixa wiedereröffnet. 1976 feierte die Pfarrei „1000 Jahre Heiliges Kreuz von Bergen“.

Die Unterkirche[Bearbeiten]

Romanische Krypta[Bearbeiten]

Der Volksaltar in der Krypta
Stele mit dem Kreuzpartikel in der Krypta

Der Neuburger Stadtteil kann als sein Juwel nicht nur auf die Klosterkirche verweisen, auch eine romanische Krypta gehört dazu. Dies ist weit und breit eine Besonderheit. Zwei Treppen führen vom Kircheninnern in die Unterkirche, die schon für sich allein ein Schmuckstück bedeutet. Sie ist eine dreischiffige Halle mit einem Kreuzgratgewölbe. Von 2001 bis 2003 wurde nicht nur die Kirche einer intensiven Renovierung unterzogen, auch die Krypta bekam wieder ein frisches Aussehen und manche Verbesserung. Im Jahre 1927 verfugten die Handwerker das romanische Mauerwerk total mit Zementmörtel. Dies war ein Fehler und die Mauer erlitt dadurch Schäden. Bei den Arbeiten in den Jahren 2001/2003 durfte nur Kalkmörtel verwandt werden. Die Unterkirche bekam durch die Renovierung den Charakter einer Gnadenkapelle. Die Altarräume wurden neu gestaltet. Ein Volksaltar, den der Eichstätter Künstler Rudolf Ackermann schuf, kam hinzu. Es ist ein schlichter großer Würfel aus Nussbaumholz. In einer Stele ist die Kreuzreliquie zu sehen. Im nördlichen Seitenraum ist das wertvolle Stück ein Ziehbrunnen aus der romanischen Zeit.

Der Ziehbrunnen[Bearbeiten]

Ziehbrunnen in der Krypta Bergen

Als Ottheinrich 1542 die Reformation einführte und das Kloster aufhob, sollen die Nonnen den Kreuzpartikel in einem eichenen Holzblock verschlossen und in dem Wehrbrunnen, der eine Tiefe von 9 Metern besitzt, versenkt haben.

Die Neuburger Jesuiten haben 1618 den Kreuzpartikel wieder ans Tageslicht gebracht und in einem Panzerschrank aufbewahrt. Der handgefertigte Tresor wurde tief in die Kirchenwand eingemauert.

Der Holzblock, aber auch der Ziehbrunnen spielten im Wallfahrtsbrauchtum eine besondere Rolle. Im Jahre 1846 war noch ein Stück des Holzblockes vorhanden. Die Wallfahrer haben inzwischen den größten Teil des Holzes abgeschnitten, denn es soll gegen Zahnweh geholfen haben. Augenleidende nahmen das Brunnenwasser und wuschen damit ihre Augen.

Ein Geschenk des Kurfürsten[Bearbeiten]

Auch Kurfürst Karl Philipp von der Pfalz-Neuburg schätzte die Baringer Kirche. Er stiftete 1718 eine goldene Monstranz mit 772 Diamanten besetzt, um den Kreuzpartikel neben den Leidenspartikeln aufzubewahren. Der Kurfürst trug das Geschenk zu Fuß nach Bergen. Er beschenkte die Kirche aber auch noch mit einem silbernen Tabernakel, zwei Engeln aus Silber, sechs Leuchtern, einem Baldachin, sowie einem Herz aus Silber und einem Hochzeitskleid aus einem Goldstoff. Die kostbare Monstranz ist der Säkularisation zum Opfer gefallen, sie wurde 1806 veräußert und brachte einen Erlös von dreitausend Gulden. Der eigentliche Wert wird aber auf zwanzigtausend Gulden beziffert.

Das Ochsenwunder[Bearbeiten]

Schon 1561 ist in einer Beschreibung der Klostergeschichte von Bergen das „Ochsenwunder" erwähnt. Zwei Ochsen sollen ohne Treiber die Steine aus dem Steinbruch zum Bauplatz der Basilika transportiert haben. Als die Steine abgeladen waren trabten die Vierbeiner wieder zurück zum Steinbruch und ließen erneut ihr Fahrzeug mit Steinen beladen. Dies soll sich solange wiederholt haben, bis alle notwendigen Steine an Ort und Stelle waren.

Die Wallfahrt[Bearbeiten]

Um 1700 erreicht die Wallfahrt einen ungeahnten Aufschwung. Die Kinder mit ihren Leiden waren der Wallfahrtsmotor. Eine Frau aus Egweil brachte ihre zwei kranken Kinder und bat um die Auflage des Kreuzpartikels. Ein Kind starb hernach, das andere wurde gesund. Und diese Kunde blieb nicht verborgen sondern machte die Runde. Viele Kinderkrankheiten waren damals an der Tagesordnung. So schleppten die Angehörigen nun ihre kranken Sprösslinge nach Baring und erhofften sich eine Heilung. Schon bald verzeichnete der Chronist im Mirakelbuch über zweihundert Kinder, die mit den verschiedensten Krankheiten gebracht wurden. Die Kunde vom wundertätigen Kreuz in Bergen machte sich sehr schnell breit. 1709 erlebte Bergen einen noch nie da gewesenen Wallfahreraufschwung, aber auch verschiedene Heilungen. Ein Ziegler aus Rain wird mit einem Wagen nach Bergen gebracht, er leidet an Schlagfluss. Im Beisein vieler Wallfahrer ist er ohne menschliche Hilfe wieder aus der Kirche gegangen. Hilfesuchende kamen nun von Augsburg, Scheyern, Landshut, Bettbrunn bei Ingolstadt und Fünfstetten bei Wemding.

Prozessionen aus Ingolstadt, Eichstätt und Neuburg wallfahrteten im Jahre 1710 nach Bergen. Auch der Augsburger Fürstbischof Alexander Sigismund, ein Sohn des Neuburger Fürsten Philipp Wilhelm, pilgerte in diesem Jahr nach Bergen. Im Jahre 1726 sind bereits 834 Mirakel verzeichnet.

Der Pilgermord[Bearbeiten]

Um 1726 hatte die Wallfahrt nicht mehr den guten Ruf und nahm wieder ab. Dem Wirt Ferdinand Anton Waibel gab man die Schuld. Ihm wurden 1719 verschiedene Räubereien und Einbrüche zur Last gelegt, und er wurde deshalb durch den Strang hingerichtet. Er soll aber auch einige Wallfahrer, die bei ihm übernachteten, ermordet und seinen Gästen Menschenfleisch zum Essen vorgesetzt haben. 1730 war der Wallfahrtsbesuch so gering, dass die angefallenen Opfergelder nicht einmal mehr zum Unterhalt der Kirche ausreichten

Literatur[Bearbeiten]

  • Kirchenführer Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Kreuz in Bergen. 3. Auflage. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 1999.
  • Pfarrer Bigler (Hrsg.) 1000-Jahr-Feier zur Gründung des Benediktinerinnenklosters zum Hl. Kreuz in Bergen, Festschrift. 1976.
  • Johann Wolfgang Baumgartner: Kloster Bergen bei Neuburg an der Donau und seine Fresken. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1981, ISBN 3-87437-183-2
  • Neuburger Extra, 10. September 2003

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5. 1970 bis 31.12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 601.