Bergepanzer 2

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bergepanzer 2
Bergepanzer seite.jpg

Bergepanzer 2 (Standard)
der 1./BeobPzArtLehrBtl 51 Idar Oberstein im Jahr 2001

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 4 (Kraftfahrer, Kommandant, Bergesoldat 1, Bergesoldat 2)
Länge 7,68 m
Breite 3,25 m
Höhe 2,69 m (bei eingefahrenen Kranausleger)
Masse 39,8 Tonnen (Standard)
40,6 Tonnen (2A2)
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung Panzerstahl
Hauptbewaffnung 2 x 7,62 x 51 mm MG3
Sekundärbewaffnung Nebelmittelwurfanlage
Beweglichkeit
Antrieb MTU MB 838 CA-M500, 10-Zylinder-Mehrstoff-Dieselmotor
610 kW (830 PS), 2,86 kNm Drehmoment
Federung Torsionsstab
Höchstgeschwindigkeit 62 km/h
Leistung/Gewicht ca 20,5 PS/Tonne
Reichweite 850 km

Der Bergepanzer 2 gehört zur Gruppe der Kampfunterstützungsfahrzeuge und ist der Nachfolger des Bergepanzer 1. Er ist ein gepanzertes Arbeitsgerät und basiert auf dem Leopard 1-Chassis. Zu seinem Aufgabengebiet zählen: Sicherstellung der Mobilität der gepanzerten Truppen, das Bergen von Schadfahrzeugen im Gefecht, Hilfeleistung beim Ein- und Ausbau von Triebwerken und Türmen sowie Unterstützung im Instandsetzungsbetrieb. Eingesetzt wird das Fahrzeug bei der Logistiktruppe des Heeres sowie in den Panzergrenadierkompanien der Bundeswehr und bei den Armeen anderer Staaten die über den Leopard 1 verfügen. In der Version 2A1 – als Pionierpanzer 1 – war er ebenfalls das Arbeitstier der Pioniere. Er ist der dritte Bergepanzer der deutschen Streitkräfte, aber der erste in Eigenentwicklung.

Entwicklung[Bearbeiten]

Bergepanzer 2 (Standard) beim ziehen eines M48-Turmes.

Die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik ab Mitte der 1950er-Jahre führte auch zur Erstausstattung der Bundeswehr mit amerikanischen Panzerfahrzeugen. Neben Kampfpanzern des Typs M47 und M48 wurden auch Bergepanzer des Typs M74 auf Sherman-Chassis und ab 1962 als Nachfolger der Bergepanzer 1 eingeführt.

Mit der Entwicklung des Leopard 1 änderte sich auch das Bergepanzerkonzept der Bundeswehr. General Dietrich Willikens - eine treibende Kraft in der Panzerentwicklung - favorisierte eine Panzerfamilie auf dem Fahrgestell des Leopard 1. Eine einheitliche Ausbildung, Versorgung und die geringeren Produktionskosten machten die Idee des ‚Mehrzweckpanzers‘ für die Bundeswehrführung interessant. Der für den Leopard 1 aufgestellte Forderungskatalog definierte so von Anfang an einen passenden Bergepanzer.

Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) beauftragte im Oktober 1963 das Sonderbüro von Porsche mit der Entwicklung. Unter der Leitung der Konstrukteure Eyb und Greding wurde der Typ 807 entwickelt. Das Gemeinschaftsbüro, bestehend aus den Unternehmen Jung Jungenthal, Atlas-MaK Maschinenbau (Atlas-MaK, ab 1971 nur noch MaK) und den Luther-Werken fertigte 1964 den ersten von zwei Prototypen. Die Baugruppen des Leopard 1 wurden zu 75 Prozent unverändert übernommen.

Im September 1964 übernahm Atlas-MaK die Hauptverantwortung über das Projekt und leitete damit ebenfalls die Truppenversuche, während Jung Jungenthal die Werkserprobung und Tests am stehenden Fahrzeug vornahm. Die Entwicklungsabteilung von Porsche zeigte sich verantwortlich für die Weiterentwicklung und führte Grundsatzversuche wie Durchflussmessungen durch.

Im Frühjahr 1965 wurde von Atlas-MaK der Gesamtplan zur Serienfertigung vorgelegt. Die von Porsche gemachten Änderungen wurden bis Mitte Mai an den Prototypen umgesetzt. Im September 1965 wurden die ersten Versuche an der Erprobungsstelle 51 vorgenommen. Die zweite Umrüstung im Oktober des gleichen Jahres brachte die Fahrzeuge auf serienähnlichen Zustand. Die Erprobung dieser Vorserienfahrzeuge erfolgte im Zeitraum 19. Oktober bis 23. November.

Am 9. September 1966 übergab Atlas-MaK den ersten von 444 Bergepanzer 2 (Standard) an die Truppe. Die Lieferung dieses ersten Bauloses war im April 1969 abgeschlossen und diente dazu, den Bergepanzer auf M88 Chassis zu ersetzen. Der Stückpreis betrug für die Bundeswehr bei Einführung 750.000 Deutsche Mark.

Im Jahr 1969 folgte das zweite Baulos. Die 36 Bergepanzer waren für die Panzerpioniere des Heeres vorgesehen. Dieser Typ ähnelte in Aussehen und Baugruppen dem Bergepanzer 2 (Standard), war jedoch auf die Bedürfnisse der Pioniere angepasst. Die notwendigen Änderungen führten zur Bezeichnung Bergepanzer 2A1 beziehungsweise zu Pionierpanzer 1. Alle Fahrzeuge dieses Typs wurden Ende der 1980er Jahre zum Pionierpanzer 2 Dachs umgebaut. Das Gesamtgewicht betrug 40,8 Tonnen.

Mit Einführung des Flugabwehrkanonenpanzers Gepard und des Leopard 2 wurde eine leistungsgesteigerte Variante entwickelt und eingeführt. In den Jahren 1977 bis 1978 lieferte MaK im Baulos 3 insgesamt 100 Bergepanzer 2A2 (LS) an die Bundeswehr. Weitere neun gingen an die kanadischen Streitkräfte mit der Bezeichnung Taurus - Armoured Recovery Vehicle (ARV).

Insgesamt fertigte Maschinenbau Kiel, welches seit 1992 als Rheinmetall Landsysteme firmiert, 742 Bergepanzer 2.

Das Unternehmen Flensburger Fahrzeugbau, zuständig für die Wehrtechnikinstandsetzung der Leopardfamilie, hat seitdem mehrere Versionen des Bergepanzers entwickelt. Zunächst wurde eine Leistungssteigerung des Bergepanzers 2 entwickelt. Diese wird unter dem Namen Bergepanzer 2000 angeboten. Ältere Varianten des Bergepanzers 2 können auf diese Version umgebaut werden. Die Streitkräfte von Belgien und Chile nutzen diese Variante.

Zwischen 2006 und 2007 wurde der Bergepanzer 2 nochmals erheblich modifiziert und leistungsgesteigert, um als Unterstützungsfahrzeug für den Kampfpanzer Leopard 2 eingesetzt werden zu können. Dieses Produkt wird als Bergepanzer Wisent bezeichnet und seit 2008 von den dänischen Streitkräften eingesetzt.[1]

Technische Beschreibung[Bearbeiten]

Ausstattung und Besatzung[Bearbeiten]

Das Abschleppen von Schadfahrzeugen (hier ein M48) ist eine der leichtesten Aufgaben, die der Bergepanzer zu bewältigen hat.

Die Besatzung besteht aus insgesamt vier Soldaten: Dem Fahrer, dem Kommandanten, einem Bug-MG-Schützen und als viertes Besatzungsmitglied den Funkgerätbediener/Bergewart. Der Fahrer sitzt vorne rechts im Fahrzeug unter einer einteiligen Luke. Er steuert den Panzer nach den Vorgaben des Kommandanten und bedient die Bergeeinrichtungen, darunter der Schild und die Winde. Weiterhin ist er für Wartungsarbeiten an der Wanne des Panzers verantwortlich. Links vom Fahrer befindet sich der MG-Schütze für das Bug-MG. Der Kommandant sitzt leicht nach links versetzt direkt hinter dem Fahrer. Er führt den Panzer, hält die Funkverbindung zur übergeordneten Führungsebene und kann bei Bedarf den Fahrer bei Bedienung des Kranarms übersteuern. Weiterhin ist er für das Laden und Bedienen des Fliegerabwehrmaschinengewehrs verantwortlich. Der vierte Soldat sitzt im hinteren Teil des Aufbaus und blickt nach hinten. Der Zugang zum Kampfraum erfolgt über die drei Dachluken oder die Einstiegsluke auf der linken Fahrzeugseite. Die Notausstiegsluke im Fahrzeugboden ist ebenfalls vorhanden.

Zur Kommunikation verfügen die Fahrzeuge der Bundeswehr über ein UKW-Funkgerät SEM 80 (Sender/Empfänger, mobil 80). Als Nachtsichtgeräte für Kommandant und Fahrer dienen Restlichtverstärker.

Schutzausstattung[Bearbeiten]

Die Wanne des Bergepanzer 2 besteht aus geschweißtem Panzerstahl und besitzt eine einlagige Panzerung. Das Schutzniveau für das Fahrgestell entspricht dem des Leopard 1. Der gepanzerte Aufbau erreicht Panzerungsstärken von 25 mm bis 35 mm für die Seiten und 10 mm für das Dach. Die Hydraulikzylinder der Krananlage erhielten einen Splitterschutz. Zur Standardausrüstung zählen eine ABC-Schutz- und Belüftungsanlage sowie eine Feuerwarn- und Unterdrückungsanlage. Die Abgasanlage mit Frischluftbeimischung reduziert die Infrarot-Signatur und unterstützt so den passiven Panzerschutz.

Im Rahmen der Auslandseinsätze wurden einige Bergepanzer 2 durch IBD Deisenroth Engineering (Ingenieurbüro Deisenroth) mit einer zusätzlichen Verbundpanzerung (Mexas Medium) und einer Minenschutzausstattung versehen. Neben Kanada, das ihre Bergepanzer umrüsten ließ, wurde das Schutzpaket von Norwegen getestet.[2]

Bewaffnung[Bearbeiten]

Die Bewaffnung ist vorwiegend zur Selbstverteidigung vorgesehen und variiert je nach Nutzerstaat. Die deutschen Streitkräfte verfügen über zwei Maschinengewehre MG 3 die als Bug-MG und als Fla-MG auf der Fliegerabwehrlafette der Kommandantenkuppel eingesetzt werden. Eine Nebelmittelwurfanlage im Kaliber 76 mm mit sechs Wurfbechern an der linken Seite des gepanzerten Aufbaus ermöglicht der Besatzung, sich im Gefecht den Blicken des Gegners zu entziehen.

Antrieb und Fahrwerk[Bearbeiten]

Das drehstabgefederte Stützrollenlaufwerk des Leopard wurde ohne Änderungen übernommen. Je Seite verfügt es über sieben gummibereifte Doppellaufrollen und vier Stützrollen, wobei die ersten drei und die letzten beiden Laufrollen je mit einem hydraulischen Stoßdämpfer versehen sind. Der Federweg wird durch Kegelstumpffedern und Endanschläge begrenzt. Das Antriebrad der Kette befindet sich hinten. Als Gleiskette dient eine „lebende“ Endverbinderkette (Typ: D 640A) mit auswechselbaren Kettenpolstern des Herstellers Diehl.

Der komplette Antriebsstrang wurde eins zu eins übernommen. Angetrieben von einem 10-Zylinder-Vielstoffmotor des Typs MB 838 CaM-500 mit zwei  mechanischen Ladern erreicht der Bergepanzer 2 eine Höchstgeschwindigkeit von 62 km/h. Das Triebwerk leistet 830 PS bei 37,4 Litern Hubraum und ermöglicht ein Leistungsgewicht von rund 20 PS/t. Der Kraftstoffvorrat der Tanks wurde auf 1550 l vergrößert um den erhöhten Verbrauch während der Bergearbeiten Rechnung zu tragen. Die Straßenreichweite beträgt damit 850 km, bei einem Verbrauch von 165 l auf 100 km. Der Bodendruck liegt bei 0,83 kg/cm² - in der leistungsgesteigerten Variante 2A2 beträgt dieser 0,85 kg/cm². Die Pioniervariante war abweichend mit einem Kraftstoffvorrat von 1410 l ausgestattet.

Um eine gleichbleibende Ölversorgung auch in schwierigem Gelände und bei Schräglage zu gewährleisten, ist der Motor mit einer Trockensumpf-Druckumlaufschmierung ausgerüstet.

Die Stromversorgung des 24-V-Bordnetzes erfolgt durch einen flüssigkeitsgekühlten 9-kW-Drehstromgenerator. Die Batterieanlage besteht aus sechs Batterien zu je 12 Volt mit insgesamt 300 Amperestunden.

Für die Kraftübertragung auf die Kette dient das Schaltgetriebe 4 HP-250 von ZF Friedrichshafen. Angeflanscht an den Motor verfügt es über vier Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge, die elektro-hydraulisch geschaltet werden. Gekuppelt wird über einen hydraulischen Drehmomentwandler mit Überbrückungskupplung. Die Bremsen des Fahrzeugs sind als hydraulische Einkreis-Scheibenbremsen mit Bremsölpumpenunterstützung und Stickstoffreserve ausgelegt. Der Bergepanzer 2 war der erste Panzer der Leopardfamilie mit diesem verbesserten Bremsentyp von Teves, die ab dem dritten Baulos bei den Kampfpanzern nachgerüstet wurde.[2]

Bergeausstattung[Bearbeiten]

Bergepanzer 2 (Standard) mit verlasteten Leopard-1-Triebwerk
ausgebaute Bergewinde
Heckansicht Bergepanzer 2A2, rechts die Heckabstützung
Fahrzeug befindet sich in der Heeresinstandsetzungslogistik

Das Herzstück des Bergepanzer 2 ist seine Bergeausstattung. Dazu zählen der Kranarm, der Räum- und Stützschild, die Berge- und Windeneinrichtung sowie Gerätschaften zur Instandsetzung wie eine Schneid- und Schweißanlage. Im Rahmen von Feldinstandsetzungen ist es möglich ein Ersatztriebwerk für den Leopard 1 auf dem Heck des Panzers mitzuführen. Ein Schacht, aufgesetzt auf die Kommandantenluke, macht ihn tiefwat- und tauchfähig, so dass er an Flussübergängen als Sicherungsfahrzeug eingesetzt werden kann.

Die Hydraulikanlage des Pionierpanzer 1 (Bergepanzer 2A1) wurde in ihrer Leistung gesteigert und verfügt zusätzlich über einen Wärmetauscher um die geforderten Mindesteinsatzdauer von 8 Stunden zu ermöglichen.[2]

Der Kranarm wurde vorne rechts auf dem Chassis installiert und ermöglicht einen Arbeitsbereich von 270°. Die maximale Hakenlast im abgestützten Zustand und maximaler Erhöhung von 72° beträgt 20 t. Praktisch sinkt diese auf 13 t um die maximale Schwenklast nicht zu überschreiten. Erst mit dem Bergepanzer 2A2 wurde diese durch einen verstärkten Kran und die Heckabstützung auf 16 t erhöht. In maximaler Ausladung können noch 7 t gehoben und bis zu 6,3 t ohne Abstützung verfahren werden. Bei einer Überbelastung stoppt eine Überlastwarnanlage - die vom Bediener per Hand zurückgesetzt werden muss - den Hebezeugbetrieb. Die Länge des 13 mm starken Hubwindenseils beträgt 100 m. Die Pioniervariante erhielt darüber hinaus eine Leiter auf dem Ausleger und ein Erdbohrgerät das am Ende des Kran befestigt werden kann. In der Theorie waren damit bis zu 30 Erdlöcher von 70 cm Durchmesser und einer Tiefe von 190 cm möglich. Praktisch war das Bohrgerät mit hydraulischen Radialkolbenmotor jedoch für Fehler anfällig. Wurzeln und Steine in nicht den Norm entsprechenden Böden reduzierten die Zuverlässigkeit enorm.[2]

Der Räum- und Stützschild in der Bergepanzervariante dient vorrangig als Abstützung im Kranbetrieb und als Erdanker bei den Bergearbeiten. Der 3,25 m breite Schild wird durch zwei Hydraulikzylinder bedient und blockiert automatisch bei Druckverlust. Der Pionierpanzer verwendete einen nahezu identischen Räumschild. Erhöht um 40,4 cm und durch zwei abnehmbare Verbreiterungen von 25 cm auf 3,75 m erweitert war er auf die Einsatzgebiete der Pioniere abgestimmt. Eine Rolle oberhalb der Räumschildmitte reduzierte den Verschleiß des Bergeseils. Um den Boden aufreißen zu können, waren vier Reißzähne für ein Tiefe von 50 mm und zwei große Reiszähne für 40 cm zum Aufstecken verfügbar. Die Räumleistung beider Schildvarianten liegt bei 200 m³/h.[2]

Die Zug- und Hauptwinde von Rotzler wird von zwei hydraulischen Motoren gesteuert. Die Zugkraft der Trommelwinde beträgt 345 kN (34,5 t) im Einzelzug und 690 kN (69 t) im Doppelzug mit Umlenkrolle. Die Seilausfahrgeschwindigkeit beträgt 14 m/min im ersten Gang, 44 m/min im zweiten Gang und im Bergepanzer 2A2 mit der verbesserten Winde 74 m/min. Eine Spannvorrichtung gewährleistet beim Auf- und Abrollen des 90 m langen Seils eine gleichmäßige Seilspannung. Beim Unterwassereinsatz muss der Seilantrieb abgedeckt werden und ist somit nicht einsetzbar.

Zur weiteren Ausstattung gehören darüber hinaus eine Schneid- und Schweißanlage (54 V/360 A), eine Kettensäge, ein Schlagschrauber, Fahrzeugheber, Umlenkrollen, Abschleppschere, Schäkel, eine Satz Doppellaufrollen, Kettenglieder und zusätzlich zum Bordwerkzeug ein erweiterter Werkzeugsatz für die Feldinstandsetzung. Die Pioniere verfügten zusätzlich über Stauraum für 600 kg Sprengausrüstung inklusive Zündern und 117 kg Sprengstoff.[2]

Technische Daten[Bearbeiten]

Triebwerk der Leopard-1-Serie mit Hubgeschirr, im Vordergrund die Abgasanlage mit Frischluftbeimischung.
Technische Daten
Bezeichnung Bergepanzer 2 (Standard) Bergepanzer 2A1/Pionierpanzer 1 Bergepanzer 2A2 Bergepanzer Wisent
Typ: Bergepanzer mit selbsttragender Wanne, turmloser Aufbau und Kranausleger
Besatzung: 4
Motor: MTU MB 838 CA-M500, 10-Zylinder-Mehrstoff-Dieselmotor
Hubraum: 37.400 cm³
Leistung: 610 kW (830 PS) 736 kW (1000 PS) 3300 Nm bei 1600  min-1
Kühlung: thermostatisch geregeltes Axialgebläse
Getriebe: ZF 4 HP 250 Planetengetriebe mit vier Vorwärts- und zwei Rückwärtsgängen
Fahrwerk: drehstabgefedertes Stützrollenlaufwerk mit sieben Laufrollen und vier Stützrollen drehstabgefedertes Stützrollenlaufwerk mit sieben Laufrollen, vier Stützrollen und verstellbare, hydraulische Gasstoßdämpfer
Länge über alles:
Räumschaufel in Fahrstellung
7570 mm 7980 mm 7680 mm 8210 mm
Breite über alles: 3250 mm
Höhe über alles: 2695 mm 2970 mm (mit Topcase)
3271 mm (mit Leo 2-Triebwerk auf dem Heck)
Bodenfreiheit: 440 mm
Watfähigkeit o. Aufbau: 1200 mm
Tiefwaten m. Tiefwat-Schacht: 2250 mm
Unterwasserfahren m. Unterwasserfahr-Schacht: 4000 mm
Grabenüberschreitfähigkeit: 2500 mm
Kletterfähigkeit: 1150 mm 880 mm 1000 mm 880 mm
Steigfähigkeit: 60 %
Querneigung: 30 %
Leergewicht: 39.200 kg 40.200 kg 39.980 kg 47.000 kg
Gefechtsgewicht: 39.800 kg 40.800 kg 40.600 kg 54.000 kg (zgM 56.000 kg)
Bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit: 62 km/h
Kraftstoffmenge: 1550 l 1410 l 1550 l -
Fahrbereich Straße und Kraftstoffverbrauch gemäß TDv: 840 km bei 165 l/100 km 650 km bei 165 l/100 km 840 km bei 165 l/100 km -
Fahrbereich Gelände und Kraftstoffverbrauch gemäß TDv: 400 km (2A1) bis 500 km bei 300 l/100 km (Verbräuche über 400 l/100 km sind im Abschleppeinsatz nicht ungewöhnlich) -
Wendekreis: 496 cm
Breite Räumschild: 3250 mm 3250 mm (3750 mm mit Verbreiterung) 3250 mm 3250 mm (3750 mm mit Verbreiterung)
Höhe Räumschild: 591 mm 995 mm 591 mm 995 mm
Bewaffnung: 2 x 7,62 x 51 mm MG3 oder C6 GPMG als Fliegerabwehr-MG und Bug-MG, Nebelmittelwurfanlage Nebelmittelwurfanlage, Bewaffnung variiert je nach Nutzer
Munition: 4250 Patronen für die beiden MG3 -

Kurzübersicht Varianten[Bearbeiten]

  • Bergepanzer 2 (Standard) - Serienfahrzeug Baulos 1
  • Bergepanzer 2A1/Pionierpanzer 1 - Baulos 2; für die Pioniere optimiert
  • Bergepanzer 2A2 (LS) - Baulos 3; leistungsgesteigerte Variante
  • Bergepanzer 2A2 (LS EHS) - Baulos 3; mit elektrohydraulischer Steuerung
  • Bergepanzer 2000 - leistungsgesteigerte und modernisierte Variante von FFG
  • Bergepanzer Wisent - Neuentwicklung der Flensburger Fahrzeugbau in Zusammenarbeit mit den dänischen Streitkräften auf Basis des Bergepanzers 2 mit verbesserter Panzerung und Minenschutz. Gemäß dem Hersteller ist das Fahrzeug in der Lage, einen Leopard 2 abzuschleppen und zu bergen.[3]

Varianten der Flensburger Fahrzeugbau[Bearbeiten]

Die Flensburger Fahrzeugbau hat zwei verbesserte Varianten des Bergepanzers 2 entwickelt:

Bergepanzer 2000
Unter der Bezeichnung Bergepanzer 2000 wird eine Modifikation des Bergepanzers 2 verstanden. Diese Umrüstung umfasst eine neue Hydraulikanlage, eine verbesserte Kransteuerung, eine elektronische Kontrollanlage, eine Optimierung der Durchflussraten für den Kraftstoff, Nothydraulik sowie Sicherheitseinrichtungen für den Kran- und Räumbetrieb.
Bergepanzer Wisent
Der Bergepanzer Wisent ist eine Neuentwicklung der Flensburger Fahrzeugbau auf der Basis des Bergepanzers 2 mit dem Ziel, den höheren Anforderungen, die der Kampfpanzer Leopard 2 an einen Bergepanzer stellt, zu genügen. Die Entwicklung erfolgte von 2006 bis 2007.

Der Bergepanzer 2 in anderen Streitkräften[Bearbeiten]

Australien[Bearbeiten]

Australien erhielt 1977 mit Einführung des Leopard 1 ebenfalls Bergepanzer auf Leopard-Chassis. Die acht Bergepanzer (Standard) wurden bei den australischen Panzertruppen eingesetzt und als Armoured Recovery Vehicle – Medium (ARVM) geführt. Mit dem Zulauf des M1 Abrams im Jahr 2007 wurden die Bergepanzer ausgemustert.[4]

Belgien[Bearbeiten]

Die Belgischen Streitkräfte verfügten ursprünglich über einen Bestand von 36 Bergepanzer (Standard). Die 20 verbliebenen Fahrzeuge wurden 2002 zum Bergepanzer 2000 kampfwertgesteigert. Ein Bergepanzer 2 wurde an Brasilien verkauft. Mit der Transformation des Heeres, bei der auf Kettenfahrzeuge verzichtet wird, werden die Bergepanzer ausgemustert.[4]

Brasilien[Bearbeiten]

Brasilien erhielt 2006 beim Kauf der Leopard 1 von Deutschland zusätzlich sieben Bergepanzer (Standard), von denen mindestens zwei vom belgischen Rüstungskonzern Sabiex zum SG-13 Hart umgebaut wurden. Die umgebauten Fahrzeuge verfügen über einen erhöhten Aufbau, einen massiveren Kran, einen vergrößerten Schild und über eine Heckabstützung.[4]

Chile[Bearbeiten]

Chile erhielt sieben Bergepanzer 2 aus deutschen Beständen die 2002 durch FFG zum Bergepanzer 2000 umgerüstet wurden. Die Niederlande lieferte drei weitere. Die Auslieferung der Bergepanzer 2000 erfolgte bis Juli 2003.[4]

Dänemark[Bearbeiten]

Bergepanzer Wisent mit einem Leopard 2A5DK im Schlepp.

Dänemark kaufte zu ihren Leopard 1-Beständen zehn Bergepanzer 2 (Standard). Weitere 14 wurden 1995 von den Niederlanden angekauft. [4] Mit dem Zulauf des Leopard 2A5DK entschieden sich die Streitkräfte den Bergepanzer Büffel nicht zu beschaffen und dafür fünf Bergepanzer 2 zum Wisent kampfwertzusteigern. Trotz der Leistungssteigerungen ist der Wisent mit dem Gewicht des Leopard 2A5DK bei den Einsatzbedingungen in Afghanistan überfordert. [5][6] Zusätzlich sind sie mit der fernbedienbaren Waffenstation LEMUR von BAE Systems ausgestattet.

Griechenland[Bearbeiten]

Die Streitkräfte Griechenlands besitzen mit ihrem Zukauf des Leopard 1 ebenfalls Bergepanzer aus den Nato-Staaten. Deutschland lieferte aus den Bundeswehrbeständen 25 Bergepanzer 2 (Standard), Italien 20 Fahrzeuge und zehn aus den Niederlanden. Weitere 50 Kampfpanzer des Typs Leopard 1V stehen zur Umrüstung an.[4]

Italien[Bearbeiten]

Insgesamt erhielt Italien 137 Fahrzeuge des Bergepanzers Standard, wovon 68 im eigenen Land von Oto Melara gefertigt wurden. 23 dieser Fahrzeuge erhielten einen verstärkten Kran. Mit der Transformation der Streitkräfte wurden bis 2004 mindestens 20 Fahrzeuge weiterverkauft.[4]

Kanada[Bearbeiten]

Kanada unterhält neun Bergepanzer 2A2. Die Ausführung entspricht dem dritten Baulos der Bundeswehr. Eingesetzt werden die Fahrzeuge in den Panzerkompanien der Canadian Army. Als Bewaffnung wird das Maschinengewehr C6 GPMG genutzt.[4]

Niederlande[Bearbeiten]

Die Koninklijke Landmacht verfügte bis in die 1990er Jahre über 52 Bergepanzer 2. Bis 1995 wurde die Stückzahl auf 38 Stück reduziert, wovon 14 an Dänemark verkauft wurden. Ein Teil der verbleibenden Bergepanzer wird zu Minenräumpanzern umgebaut. Als Ersatz dient der Bergepanzer Büffel auf dem Leopard 2-Chassis[4]

Norwegen[Bearbeiten]

Norwegen besitzt insgesamt sieben Bergepanzer des ersten Bauloses, davon wurde einer aus den Niederlanden angekauft.[4]

Polen[Bearbeiten]

Mit der Ausstattung der 10. polnischen Panzer-Kavalleriebrigade mit dem Leopard 2, erhielt Polen ebenfalls zehn Bergepanzer 2 (Standard) aus den Überschussbeständen der Bundeswehr.

Türkei[Bearbeiten]

Im Rahmen der Militärhilfe erhielt die Türkei mit dem Kampfpanzer Leopard 1 ebenfalls Bergepanzer aus Bundeswehrbeständen. So verfügt das türkische Militär über zwölf Bergepanzer 2 (Standard) und vier Bergepanzer 2A2 (LS).[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Marx: Die Bergepanzer der Bundeswehr und die deutsche Bergetechnik. Tankograd Publishing, Erlangen 2004. (Tankograd Militärfahrzeuge Spezial No. 5005)
  • Jürgen Plate, Lutz-Reiner Gau, Jörg Siegert: Deutsche Militärfahrzeuge. Motorbuch Verlag, Stuttgart, ISBN 3-613-02152-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bergepanzer 2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Familienfahrzeuge In: Walter J. Spielberger: Die Kampfpanzer Leopard und ihre Abarten. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-613-01198-0, S. 143.
  2. a b c d e f Der Bergepanzer 2 (Standard)/2A2. In: Stefan Marx: Die Bergepanzer der Bundeswehr und die deutsche Bergetechnik. Tankograd Publishing, 2004, S. 19.23. (Tankograd Militärfahrzeuge Spezial No. 5005)
  3. Webseite von FFG zum Bergepanzer WISENT
  4. a b c d e f g h i j k Stefan Marx: Die Bergepanzer der Bundeswehr und die deutsche Bergetechnik. Tankograd Publishing, 2004. (Tankograd Militärfahrzeuge Spezial No. 5005)
  5. Bergepanzer. In: Frank Lobitz: Kampfpanzer Leopard 2 Internationaler Einsatz. Verlag Jochen Vollert-Tankograd Publishing, Erlangen 2009, ISBN 978-3-936519-09-9, S. 153.
  6. casr.ca An Overview of Denmark's Afghan Deployment of Leopard Tanks. Abschnitt Logistics...A weak point is the Wisent Armored Recovery Vehicle. This Leopard 1-based ARV has some upgrades but cannot pull a heavier Leopard 2A5 - especially not in hilly terrain. Despite being unable to tow a Leo 2, the ARV remains indispensable for 'unsticking' other vehicles., Abgerufen am 25. Oktober 2010