Bergische Dialekte

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Bergische Sprachen im weiteren Sinne[Bearbeiten]

Die im Bergischen Land, einer Region Nordrhein-Westfalens, gesprochenen Mundarten.

Dazu zählen insbesondere:

Die zusammenfassende Bezeichnung „Bergisch“ für diese so höchst unterschiedlichen Dialektgruppen zugeordneten Sprachvarietäten ist keine sprachwissenschaftliche Klassifikation. Sie leitet sich eher aus der politischen Geschichte der Grafschaft Berg und der Selbstwahrnehmung der Bewohner des Bergischen Landes her.

Sprachwissenschaftlich werden die Ostbergischen Mundarten als Übergangsmundarten zum Westfälischen gesehen, das Teil des Niederdeutschen Sprachraumes ist, der bis Schleswig-Holstein und Mecklenburg reicht. Die Ost- und Westbergischen Sprachen sind Teil des Niederfränkischen Sprachraums, zu dem auch das Niederländische und Afrikaans zählen. Die Südbergischen Varietäten hingegen gehören dem Mitteldeutschen Sprachraum an, der wiederum Teil des Hochdeutschen ist, das bis nach Österreich und in die Schweiz reicht.

Die Isoglossen, die die verschiedenen Bergischen Dialekte voneinander trennen, sind Teil des so genannten Rheinischen Fächers. Sie sind Teil des kontinental-westgermanischen Dialektkontinuums, in dem räumlich benachbarte Dialekte in aller Regel nur wenige Unterschiede voneinander aufweisen, während mit wachsender Entfernung die gegenseitige Verständlichkeit immer weiter abnimmt.

Die Wörter der Bergischen Dialekte sind im Rheinischen Wörterbuch beschrieben.

Bergische Sprache im engeren Sinne[Bearbeiten]

Im engeren Sinne versteht man unter Bergisch vor allem die (west-)bergischen Mundarten im Kreis Mettmann (wie beispielsweise das Velberter Platt), in Solingen und Remscheid. Diese bilden innerhalb des Limburgischen eine eigene, klar abgrenzbare Dialektgruppe. (Siehe oben)

Auszug aus: Georg Wenker (1852–1911): Das rheinische Platt [1877; in originaler Orthografie][Bearbeiten]

Wir haben nun schon zwei Mundarten gefunden, 1) das Niederrheinische von Uerdingen rheinabwärts bis zur holländischen Grenze, 2) das Westfälische, das einen langen Streifen an der Grenze der Provinz Westfalen einnimmt. Was machen wir nun mit dem Gebiet zwischen der Uerdinger und der Benrather Linie? Herrscht hier auch eine besondere Mundart? Nein! Sondern das Platt, das hier gesprochen wird, ist ein Gemisch aus den nördlich und südlich angrenzenden Mundarten. Daher kommt es, dass in diesem ganzen Gebiet, also in den Kreisen Geilenkirchen, Heinsberg, Erkelenz, Kempen, Gladbach, Crefeld und der Nordhälfte des Kreises Neuß, ferner in den rechtsrheinischen Kreisen Düsseldorf, Mettmann und der nördlichen Hälfte von Solingen und Lennep fast mit jedem zweiten, dritten Ort der Dialect ganz auffallend schon verändert klingt. Und zwar gilt dies ganz besonders von der linken Rheinseite und dem flachen Streifen rechts vom Rhein bei Düsseldorf, aus dem einfachen Grunde, weil in ganz flacher Gegend sich die Völker viel leichter vermengen konnten als in den Bergen. Daher können wir auch nur in den Bergen, im sogenannten Bergischen, noch einige Grenzlinien mit Sicherheit ziehen. Und dazu wollen wir die Wörter Rhein und Wein benutzen. In Düsseldorf sagt man bekanntlich Rhing und Wing, auch in der Umgegend; sobald aber die Berge anfangen, östlich von Ratingen und Hilden, hört man Rhien, Wien oder Rhinn, Winn, und damit sind wir im bergischen Dialect. Dieser zerfällt aber wieder in 4 Unterdialecte: 1) den Solinger, 2) den Remscheider, 3) den Mettmanner, 4) den Wülfrather Dialect. Der Mettmanner und Solinger hat ehr, öch, ühr für hochdeutsches ihr, euch, euer, der Wülfrather und Remscheider aber schon gött und önk. Die beiden nördlichen, Mettmann und Wülfrath, gebrauchen mich und dich statt mir und dir, gerade wie man auch in Düsseldorf sagt: dat sag' ich Dich! oder geff mich dat! niemals: dat sag' ich Dir! oder: geff mir dat! Im Solinger wie im Remscheider Dialect aber heißt 's wie im Hochdeutschen: mir und dir auf die Frage wem? und mich und dich auf die Frage wen? Der Solinger hat Winn, Rhinn, die drei anderen Dialecte aber Wien, Rhien. Am schönsten aber scheiden sich die vier bergischen Dialecte durch die Art, wie sie Verkleinerungswörter, wie Stöckchen, Häuschen, Bäumchen, Bänkchen bilden. Wenn man die Verkleinerungswörter :untersuchen will, so muss man auf zweierlei Acht geben: 1) muss man die Wörter, die auf k, ch, g, ng endigen, genau von allen anderen trennen, diese nehmen eine andere Endung an als die andern; das kommt aber bloß daher, weil man nicht bequem Büchchen, Tüchchen, Aeugchen sagen kann und man deshalb einen Buchstaben zur Erleichterung hat einschieben müssen; 2) aber muss man bei den Verkleinerungswörtern darauf achten, wie die Mehrzahl gebildet wird. Nun finden sich in den vier bergischen Dialecten folgende deutliche Unterschiede bei den Verkleinerungswörtern:

  1. Der Mettmanner Dialect hat nach Wörtern, die auf k, g, ch, ng endigen, die Verkleinerungssilbe -sken und in der Mehrzahl -skes, also z.B. dat Bänksken, die Bänkskes (hochdeutsch das Bänkchen, die Bänkchen), nach anderen Wörtern aber lautets -ken und -kes, also dat Bömken, die Bömkes (Bäumchen).
  2. Der Solinger Dialect hat:
    dat Bänksken aber die Bänksker, also mit r in der Mehrzahl nicht mit s, ebenso dat Bömken, die Bömker.
  3. Der Wülfrather Dialect hat Alles genau wie der Mettmanner,
  4. der Remscheider hat:
    dat Bänkelschen, die Bänkelscher, also nicht sken sondern elschen, und in der Mehrzahl r nicht s, ferner dat Bömken, die Bömker wie der Solinger.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Überblick
Einzelne Dialekte oder einzelne Orte
  • Maria Loiuse Denst: „Olper Platt - Bergisches Mundart-Wörterbuch für Kürten-Olpe und Umgebung.“ Schriftenreihe des Bergischen Geschichtsvereins Abt. Rhein-Berg e. V. Band 29. Bergisch Gladbach 1999. ISBN 3-932326-29-6
  • Julius Leithäuser: „Wörterbuch der Barmer Mundarten nebst dem Abriß der Sprachlehre.“ [Wuppertal-] Elberfeld, 1929.
  • Julius Leithäuser: „Nachträge zum Barmer Wörterbuch.“ Wuppertal-Elberfeld, 1936.
  • Bruno Buchrücker: „Wörterbuch der Elberfelder Mundart nebst Abriß der Formenlehre und Sprachproben.“ [Wuppertal-] Elberfeld, 1910.
  • Erich Leihener: „Cronenburger Wörterbuch.“ Deutsche Dialektgeographie, Band 2, Marburg 1908
  • Dr. Hermann Bredtmann: „Die Velberter Mundart. Ein kurzer Abriß der Laut- und Formenlehre nebst einem Wörterverzeichnis.“ Wuppertal-Elberfeld, 1938.
  •  Gustav Hermann Halbach: Bergischer Sprachschatz. Volkskundliches plattdeutsches Remscheider Wörterbuch. Druck und Verlag Dr. Orcar Born, Wuppertal-Barmen, Remscheid 1951 (=Beiträge zur Geschichte Remscheids. Herausgegeben im Auftrage des Oberstadtdirektors vom Kulturamt, 872 Seiten).
  • August Diesdrichs: „Beitrag zu einem Wörterbuch der Remscheider Mundart.“ Remscheid, 1910.
  • F. W. Oligschläger: „Wörterbuch der Solinger Volkssprache.“
  • Rudolf Picard: „Solinger Sprachschatz, Wörterbuch und sprachwissenschaftliche Beiträge zur Solinger Mundart.“, 3., überarbeitete Auflage, Braun, Duisburg, 1992.
  • Hans Müller-Schlösser: „Wie der Düsseldorfer denkt und spricht.“ Düsseldorf, 1952.
  • Heinrich Carl und Karl Ständer: „Wie säht m'r dit un dat op Düsseldorfer Platt?“, 3. Auflage, herausgeben vom Mundartfreunde Düsseldorf 1969 e. V., Triltsch, Düsseldorf, 1979.
  • Heinz Engels: „Ons Platt - schwazz op wiss: Ein Lehr- und Wörterbuch der Düsseldorfer Mundart; met Raritäte us de Joldjrub dr Dösseldorwer Mondaht met rond 3700 schöne, alde, urije on fast verjessene Uusdröck on Namens.“ Droste Verlag Düsseldorf, 1996. ISBN 3-7700-1061-2
  • Hanns Nüsser: „Düsseldorfer "Platt" "Mer schrieve wie mer spreche" Protokoll einer Sprache.“ Herausgeber: Mundartfrenude Düsseldorf 1969 e. V. - Gemeinnütziger Verein. Düsseldorf, 1979.
  • Werner Heinrichs: „Bergisch Platt - Versuch einer Bestandsaufnahme.“ Selbstverlag, Burscheid, 1978.
  • Hans Bruchhausen und Heinz Feldhoff: „Us Platt kalle un verstonn - Mundartwörterbuch Lützenkirchen-Quettingen.“ Bergisch Gladbach 2005. ISBN 3-87314-410-7
  • Leo Lammert und Paul Schmidt: „Neunkirchen-Seelscheider Sprachschatz.“ herausgegeben vom Heimat- und Geschichtsverein Neunkirchen-Seelscheid 2006. (ca. 7300 Wörter)
  • Theodor Branscheid (Hrsg): „Oberbergische Sprachproben. Mundartliches aus Eckenhagen und Nachbarschaft.“ Band 1, Eckenhagen, 1927.
  • Manfred Konrads: „Wörter und Sachen im Wildenburger Ländchen.“ Rheinische Mundarten Band 1, Rheinland-Verlag, Köln, 1981. ISBN 3-7927-0554-0
  • Helmut Fischer: „Wörterbuch der unteren Sieg. Rheinische Mundarten.“ Beiträge zur Volkssprache aus den rheinischen Landschaften Band 4. Rheinland Verlag, Köln, 1985. ISBN 3-7927-0783-7