Bergische Kaffeetafel

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Bergische Kaffeetafel

Die Bergische Kaffeetafel ist eine Spezialität als so genannte vierte Mahlzeit im Bergischen Land. Sie lässt sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts nachweisen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Kaffee war im Bergischen Land seit dem frühen 18. Jahrhundert bekannt. Die einfache Bevölkerung musste sich mit Muckefuck als Ersatz zufriedengeben. Zu Hochzeitsfeiern, Taufen usw. gab es dazu Hafermehlwaffeln und sonstiges Gebäck. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts reichte man sowohl den echten Kaffee als auch den Ersatzkaffee aus der Dröppelmina, einer Kranenkanne, die ihren Namen von Mina = Wilhelmine und wegen ihrer Eigenschaft des „Dröppelns“ (von Tropfen) hatte, weil das Kränchen vielfach undicht war.[2]

Es sollte noch lange dauern, bis das Adjektiv „bergisch“ im Zusammenhang mit Kaffee zum ersten Mal auftauchte. In seinem Buch „Burg an der Wupper“, erschienen in Barmen 1914, erwähnt Hermann Bäcker mehrfach die Bezeichnung „bergisches Kaffeestündchen“. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts unternahmen viele Stadtbewohner Ausflüge mit der Eisenbahn ins Bergische Land. Für sie boten die Gastwirte eine ausgiebige Kaffeemahlzeit an. In Werbeanzeigen wurden „Vorzüglicher Kaffee mit gut. reichl. Zutaten“, „Tägl. große Kaffeerestauration“, „Guter Kaffee mit Bauernblatz und Reisbrei RM. 1,25“, „Kaffee mit und ohne Zutaten“, „Gartenwirtschaft und Kaffeerestauration“ beworben. Erst im Mai 1929 tauchte zum ersten Mal die Bezeichnung „Kaffee nach bergischer Art“ auf. Bis zum Jahr 1939 hatte sich die Bezeichnung Bergische Kaffeetafel etabliert, verschwand durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aber wieder.[2]

Das Niederbergische Museum in Wülfrath hat erst 1963 die Bergische Kaffeetafel wieder ins Leben gerufen und unter seinem Leiter Willi Münch eine Präzisierung des Begriffs vorgenommen. Erst aus dieser Zeit stammt der Spruch „Koffiedrenken met allem dröm on dran“, auf Hochdeutsch: „Kaffeetrinken mit allem drum und dran.“[2]

Bestandteile[Bearbeiten]

Bergische Kaffeetafel

Es gibt keine Regeln, die festlegen, was im Einzelnen auf den Tisch kommen muss und in welcher Reihenfolge was gegessen wird. Waffeln gehören auf jeden Fall dazu, häufig mit heißen Kirschen und Sahne. Gereicht werden die Waffeln ebenso wie der Bauernplatz aber auch mit Milchreis – oder wie man auch häufig sagt Reisbrei –, Zimt und Zucker. Dazu kommen Schwarzbrot oder Graubrot mit Butter, Käse, Leberwurst, Blutwurst oder rohem Schinken. Auch Apfel- oder Birnenkraut und Honig, eventuell mit Quark als Unterlage, gehören zum Brotaufstrich. Ein schöner Rodonkuchen rundet die Tafel ab. Burger Brezeln und weitere Spezialitäten, wie z.B. Ballbäuschen können ebenfalls serviert werden. Zum Abschluss wird ein Korn gereicht.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Herbert Stahl, Vielfältige Traditionen und Bräuche in: Rheinisch-Bergischer Kreis, Deutsche Landkreise im Portrait, Hannover 2000, ISBN 3-88363-190-6, S. 32ff.
  2. a b c Harro Vollmar: Die historische bergische Kaffeetafel. 2. ergänzte Auflage, Haan 1986.

Literatur[Bearbeiten]

  • Harro Vollmar: Die historische bergische Kaffeetafel. 2. ergänzte Auflage, Haan 1986
  • Herbert Stahl: Vielfältige Traditionen und Bräuche. In: Rheinisch-Bergischer Kreis, Deutsche Landkreise im Portrait, Hannover 2000, ISBN 3-88363-190-6, S. 32ff.
  • Olaf Link: Die Geschichte des Kaffees und der Kaffeetafel im Bergischen Land. Wie der Kaffee ins Bergische Land kam., RGA-Buchverlag 2003, ISBN 3-923495-68-4
  • Andrea Jungbluth-Zehnpfennig: Einladung zur Bergischen Kaffeetafel. Kaffeetrinken „met allem dröm on draan“, Gaasterland-Verlag Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-935873-35-2

Weblinks[Bearbeiten]