Bergwerk Ibbenbüren

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Bergwerk Ibbenbüren
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Rag-Anthrazit.JPG
Von Oeynhausenschachtanlage des Bergwerks Ibbenbüren mit dem RWE Kraftwerk Ibbenbüren im Hintergrund
Andere Namen Ostfeld
Abbautechnik Kohlenhobel
Förderung/Jahr 1.900.000 t
Förderung/Gesamt ca. 120.000.000 t
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betreibende Gesellschaft RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH
Beschäftigte 2.260
Betriebsbeginn 16. Jahrhundert
Betriebsende aktiv (Schließung 2018)
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Anthrazit
Größte Tiefe 1,545 m
Geographische Lage
Koordinaten 52° 17′ 14″ N, 7° 44′ 17″ O52.2872222222227.7380555555556Koordinaten: 52° 17′ 14″ N, 7° 44′ 17″ O
Bergwerk Ibbenbüren (Nordrhein-Westfalen)
Bergwerk Ibbenbüren
Lage Bergwerk Ibbenbüren
Standort Ibbenbüren
Gemeinde Ibbenbüren, Mettingen
Kreis (NUTS3) Steinfurt
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Revier Ibbenbürener Steinkohlenrevier

p0p2p3

Das Bergwerk Ibbenbüren der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH ist eines von drei verbliebenen aktiven deutschen Steinkohlenbergwerken, neben den Zechen Prosper-Haniel und Auguste Victoria. Es befindet sich im Ibbenbürener Steinkohlenrevier in der Region Tecklenburger Land auf dem Gebiet der Stadt Ibbenbüren und unter der Gemeinde Mettingen (Westfalen) in Nordrhein-Westfalen. Neben dem aktuellen Abbaugebiet unter Ibbenbüren und Mettingen zählen noch die Ortschaften Hopsten, Hörstel, Recke und Westerkappeln zu den Bergbaugemeinden, diese Orte sind aufgrund ihrer Wirtschaftsstruktur sehr stark vom Bergbau abhängig. Im Bergwerk Ibbenbüren wird ausschließlich Anthrazitkohle abgebaut, die als Kraftwerks- und Hausbrandkohle geeignet ist. Als besonders stellt sich die positive Identifikation und Verbundenheit der Menschen in der Region mit ihrem Bergwerk dar, die sich im täglichen Leben niederschlägt.

Geschichte[1][Bearbeiten]

Zusammenschluss der Gruben[Bearbeiten]

Das heutige Bergwerk Ibbenbüren geht auf einem Zusammenschluss der Grube Glücksburg mit der Grube Schafberg im Jahr 1846 zurück. Das Bergwerk war bis 1924 in preußischem Staatsbesitz. Zu Beginn umfasste die zusammengelegte Grube Glücksburg den Morgensternschacht und den Beustschacht, beide mit zugehörigen Stollen und Lichtlöchern. Der Name Grube Glücksburg wandelte sich mit der Zeit zum Ostfeld und später dann zum aktuellen Namen Bergwerk Ibbenbüren.

Als 1852 bekannt wurde, dass die Hannoversche Westbahn durch Ibbenbüren gebaut wird, wurde das Bergwerk auf den erwarteten Absatz von Kohlen an und durch die Eisenbahn ausgerichtet. Schon 1851 wurde mit Bauarbeiten am Von-der-Heydt-Schacht in Erwartung des Bahnbaus begonnen. Dieser Schacht lag im Taleinschnitt der Plane, nur wenige hundert Meter von der späteren Bahnstrecke entfernt. Vom Schacht aus entstand eine Kohlenbahn zum nahen Bahnhof Ibbenbüren.

Schachtanlage von Oeynhausen[Bearbeiten]

1858 erkannte man, das die vorhandenen Anlagen den zukünftigen Bedarf von Kohlen nicht decken können, so dass eine Tiefbauanlage projektiert wurde. 1860 wurde mit dem Teufen des von Oeynhausenschachtes 1 begonnen. Gleichzeitig wurde mit dem Vortrieb des Ibbenbürener Förderstollens vom Bahnhof Ibbenbüren aus begonnen.

Aufgrund von starken Schwierigkeiten der Wasserhaltung beim Abteufen des Schachtes wurde der Schachtbau dem englischen Ingenieur William Coulson übertragen. Nach großen Schwierigkeiten erfolgte der Durchschlag zum Ibbenbürener Förderstollen 1865 bei 73 Meter Teufe. Die Probleme bei der Wasserhaltung forderten auch bei der Endteufe Tribut. So wurde das Füllort nicht, wie ursprünglich vorgesehen, im Flöz Glücksburg angesetzt, sondern bei geringerer Schachtendtiefe von 205,58 m. Da die Wasserhaltung fast den gesamten Schacht einnahm und für die Kohlenförderung kein Platz blieb, entschloss man sich, einen weiteren Schacht nur für die Förderung anzulegen. Dieser wurde 1872 mit einer Teufe von 202,25 m fertiggestellt.

Der Beustschacht wurde, nachdem der von-Oeynhausen-Schacht sich selbst mit Kohlen versorgen konnte, 1870 stillgelegt. Die Stilllegung des von-der-Heydt-Schachtes erfolgte 1885. Er war überflüssig geworden, da er bereits mit den von Oeynhausenschächten durchschlägig war und ein Tieferteufen nur unnötige Geldmittel verschlungen hätte.

Theodorschacht[Bearbeiten]

Mit der Wanderung der Abbaubetriebe im Flöz Glücksburg in Richtung Osten wurden die Anmarschwege für die Belegschaft länger. Um diese wieder zu verkürzen und die Bewetterung zu verbessern, wurde 2,5 km östlich der von-Oeynhausenschächte der Theodorschacht angelegt. Teufbeginn war der 21. August 1888. Benannt wurde der Schacht nach dem Oberberghauptmann Theodor Freund, dem Leiter der Preußischen Bergverwaltung.

Seine ursprüngliche Teufe war 135 m. 1924 wurde der Schacht auf die II. Tiefbausohle tiefergeteuft, 1934 auf die III. Tiefbausohle. Die Schachtanlage erhielt als erste im Ibbenbürener Revier eine Waschkaue.

Ersaufen und Sümpfen des Bergwerks[Bearbeiten]

Die schwerste Katastrophe im Ibbenbürener Bergbau ereilte das Bergwerk im Jahr 1894, als sich auf der I. Tiefbausohle in 150 m Teufe ein Wassereinbruch ereignete. In einem bereits abgebauten Bereich in der Nähe der Feldesgrenze des Bergwerks drang durch eine Kluft, die mit der Erzzeche Perm in Verbindung stand, Wasser ein. Diese Wasserzuflüsse waren so gewaltig, dass das Bergwerk innerhalb weniger Wochen bis zur Stollensohle absoff.

Sofort wurden Maßnahmen zur Sicherung der Kohlenförderung unternommen. Es wurde der Abbau komplett auf das Flottwellflöz verlagert, das über der Stollensohle lag. Hierzu wurde der Flottwell-Hilfsschacht 100 m nördlich der v. Oeynhausenschächte geteuft. Auch das zweite Ibbenbürener Bergwerk Westfeld wurde ausgebaut.

Zunächst wurde vom Handelsministerium in Berlin die Stilllegung favorisiert. Dies wurde mit der damals nur regionalen Bedeutung gerechtfertigt. Eine Petition auf Initiative des Ibbenbürener Reichstagsabgeordneten Heinrich Wattendorff konnte jedoch erreichen, dass das Bergwerk doch gesümpft wurde.

Zur Sümpfung wurde das gesamte Bergwerk umgebaut und neu gestaltet. Der bisherige Wasserhaltungsschacht von Oeynhausen 1 wurde Förderschacht, der Förderschacht von Oeynhausen 2 Wasserhaltungsschacht. Für die damalige Zeit riesige Pumpen wurden am Schacht 2 eingebaut. Noch heute ist im Bergbaumuseum Ibbenbüren der Haspel zum Einhängen der Pumpengetriebe zu bewundern.

Die Tagesanlagen wurden komplett erneuert. Am Ibbenbürener Förderstollen wurde die schon vor dem Wassereinbruch projektierte Kohlenwäsche errichtet. Die Wasserlösung erfolgte bis dahin über den Dickenberger Tiefenstollen, musste aber wegen dessen zu geringer Leistungsfähigkeit auf den Ibbenbürener Förderstollen umgelegt werden. Neue Klärteiche mussten am Püsselbürener Damm angelegt werden. Diese klären noch heute das Grubenwasser des Bergwerks.

Die eigentliche Sümpfung begann am 9. Dezember 1896 und dauerte bis zum 12. September 1898 an. Die erste wieder aus Flöz Glücksburg geförderte Kohle wurde am 18. Oktober 1898 durch jubelnde Menschenmassen am Ibbenbürener Förderstollen in Empfang genommen. Die Kohlenwäsche und die Brikettfabrik gingen jedoch erst 1899 in Betrieb. 1905 erfolgte der Bau eines Zechenkraftwerkes, 1912 die Inbetriebnahme des Nike-Kraftwerk Ibbenbüren an der Kohlenwäsche.

Übernahme durch die Preußag[Bearbeiten]

Haupteingang mit Gebäuden aus den Jahren 1925 (rechts) bzw. 1927 (Hintergrund)

Durch die Verträge von Versailles und die Ruhrbesetzung war die Kohlenförderung in Deutschland 1923 auf einen Tiefstpunkt gefallen. Auch die Lage des Ibbenbürener Ostfeldes war mehr als trostlos. Zwar war die Belegschaft von 1000 Mann in der Kriegszeit auf 1600 in 1923 angewachsen, trotzdem sank die Förderquote von 300.000 Tonnen pro Jahr auf 200.000 t/a herab. Hauptgrund war die in der Kriegszeit vernachlässigte Aus- und Vorrichtung neuer Kohlenfelder.

Aufgefangen werden konnte der Förderrückgang durch Pachtgruben, die überall im Revier entstanden. Die größte Bedeutung hatten die Zeche Mathilde und Grube Mieke. In Spitzenzeiten waren über 100 dieser Klein- und Kleinstbergwerke in Ibbenbüren aktiv.

Die beiden Zechen Ost- und Westfeld wurden am 1. November 1924 der 1923 gegründeten Preußag übertragen. Diese leitete sofort umfangreiche Modernisierungsschritte ein und begann, neue Flöze für das Bergwerk zu erschließen. Die von Oeynhausenschächte 1 & 2 wurden bis zur III. Tiefbausohle tiefer geteuft. Die Tagesanlagen wurden völlig umgestaltet, eine neue Kohlenwäsche und Brikettfabrik wurde direkt auf dem Gelände der v. Oeynhausenschachtanlage in Betrieb genommen. Eine Zechenbahn zum Bahnhof Esch und ein neues Kesselhaus wurden errichtet. Die Fördermaschine sowie das Schachtgerüst des von Oeynhausen-Schachtes 1 wurden erneuert. Diese Arbeiten zogen sich bis 1928 hin.

Nachdem die Kohlenwäsche und die Zechenbahn fertiggestellt waren, wurden die Aufbereitung, Brikettierung und Verladung im Ibbenbürener Bahnhof stillgelegt. Zeitgleich wurde der Betrieb des Ibbenbürener Förderstollens eingestellt, der seither nur noch der Entwässerung der Grube dient. Untertage wurden die Förderwagen von hölzernen Förderwagen mit 39 cm Spurweite auf eiserne mit 60 cm Spurweite umgestellt.

Fördergerüst des von Oeynhausenschachtes 3

Schon 1920 wurde der Nordschacht projektiert, jedoch zugunsten eines dritten von Oeynhausenschachtes fallengelassen. Im Februar 1930 wurde der erste Spatenstich für den neuen von Oeynhausenschacht 3 gemacht. Dieser wurde bis zur III. Tiefbausohle mit 6,20 m Durchmesser geteuft und mit 338 m am 5. September 1931 durchschlägig.

Der von Oeynhausenschacht 3 erhielt eine Dampffördermaschine mit 1500 PS Leistung. Als er im Mai 1932 die Förderung aufnahm, wurde auch die Seilfahrt hierher verlegt. Ein 1896 gebauter Schornstein wurde mit dem noch heute prägenden Wasserbehälter zum Wasserturm umgebaut.

Untertage wurden die Flöze Reden und Theodor neu angefahren und erstmals erschlossen.

Erfindung des Schälschrappers und des Kohlenhobels[Bearbeiten]

Denkmal des auf dem Bergwerk erfundenen Kohlenhobels am Bahnhof Ibbenbüren

Die mechanische Kohlegewinnung wurde auf dem Bergwerk Ibbenbüren entscheidend weiterentwickelt. Bei Versuchen wurden erste Erfolge mit der schälenden Gewinnung erzielt. Infolgedessen wurde 1941 in der Betriebswerkstatt des Oeynhausenschachtes der erste Kohlenhobel gebaut und erfolgreich untertage erprobt.

Nachdem der Kohlenhobel ständig verbessert wurde, wurde er am 24. März 1942 in Berlin zum Patent angemeldet. Der Strebfortschritt konnte von 1,49 m/Tag auf 3,00 m/Tag gesteigert werden. Die Schichtleistung stieg von 3,6 t auf 7,6 t je Mann und Schicht. An der Entwicklung des Kohlenhobels hatte der Maschinenfahrsteiger Konrad Grebe maßgeblich mitgewirkt. Der gebürtige Saarländer war seit 1931 auf dem Bergwerk Ibbenbüren angelegt.

Auch der Schälschrapper, ein weiterentwickelter Kohlenhobel mit Schrapperanbau, wurde in Ibbenbüren entwickelt. Er wurde speziell auf Flöze geringer Mächtigkeit ausgerichtet.

Das Bergwerk wurde von direkten Kriegshandlungen nicht betroffen. Durch den Stromausfall in den letzten Kriegstagen soffen einige Tiefbaue in den Flözen Reden und Glücksburg ab. Einzig das Turmfördergerüst des Morgensternschachtes wurde von herannahenden britischen Streitkräften beschossen, weil sie es für eine Radarstation hielten.

Nordschacht und Sprung in die Teufe[Bearbeiten]

Das auf Mettinger Gebiet liegende Nordschacht-Gelände

In den 1950er Jahren setzte sich der Aufwärtstrend des Bergwerkes weiter fort. Der von Oeynhausenschacht 1 wurde weitere 60 Meter bis zu seiner heutigen Endteufe tiefergeteuft. Der von Oeynhausenschacht 3 wurde bis 1962 in Schritten bis zu seiner Endteufe 832 m (−672 m NN) auf der 4. Sohle geteuft. Die Flöze 1, 1a und 2 wurden so erschlossen. Am Standort der von Oeynhausenschachtanlage wurde 1954 das Preussag Ballastkraftwerk Ibbenbüren zur Verstromung der Ballastkohlen in Betrieb genommen.

1951 wurde in der Nähe der ehemaligen Schachtanlage Perm des Erzbergbaus in Laggenbeck der Notbergbau Perm eröffnet. Über einen Schrägstollen wurde hier bis 1960 Kohle gefördert, um den Kohlenmangel in der noch jungen Bundesrepublik zu mildern.

Das umfangreichste Projekt der 50er Jahre war die Anlegung des Nordschachtes bei Mettingen. Der Abbau der Kohle verlagerte sich immer weiter nach Norden und in immer größere Tiefe, da die Flöze nach Norden hin einfallen. Für die Förderung, Fahrung, Wetterführung und Wasserhaltung ergaben sich mittlerweile große Probleme.

1953 wurde mit dem Teufen des Nordgesenks von der 3. Sohle aus begonnen. Von übertage aus wurde mit dem Teufen des Nordschachtes am 9. Juli 1956 begonnen. Dieser wurde mit dem Nordgesenk im November 1957 durchschlägig. Das Gesenk hatte mittlerweile das Niveau des Flözes Theodor erreicht. Die vorläufige Endteufe wurde im Flöz 2a 1960 mit 807,65 m erreicht.

Gleichzeitig wurden am Nordschacht Kauen, eine Lampenstube und Parkplätze für 1500 Mann erstellt. Zur verbesserten Wetterführung wurde der Theodorschacht auf seine heutige Endteufe von 603,60 m gebracht und der Schachtdurchmesser von 3,60 m auf 6,20 m erweitert.

Als weiterer Wetterschacht gemeinsam mit dem Westfeld wurde der Bockradener Schacht errichtet. Der ursprünglich auch als Seilfahrtschacht für den Bockradener Graben und das Beustfeld projektierte Schacht wurde wegen zu großer Wasserzuflüsse zunächst bei 391,1 m unterbrochen und bislang nicht wieder aufgenommen. Nach Stilllegung des Westfeldes dient er heute noch als Wetterschacht für das Bergwerk Ibbenbüren. Weiterhin existiert hier ein unterirdisches Wasserwerk für das Bergwerk.

Die Zechenbahn wurde 1962 bis zum Hafen Mittellandkanal Km 4 verlängert und elektrifiziert. 1967 wurde das vorhandene Preußagkraftwerk um das RWE-Kraftwerk Ibbenbüren Block A ergänzt.

Um die tiefen Anthrazitkohlenflöze zu erschließen, wurde der Nordschacht ab 1974 auf 1417,5 m tiefergeteuft und hier die 5. Sohle angelegt. Durch einen Querschlag gelangte von nun an die in den Anthrazitkohleflözen geförderte Kohle zum von Oeynhausenschacht 3. Dieser wurde 1974 von Gestellförderung auf Skipförderung umgestellt. Ebenso wurde die Streckenförderung von Wagenförderung auf Bandförderung umgestellt. Nach der Kohlenkrise und einschneidenden Veränderungen auch im Ibbenbürener Kohlenrevier wurde 1979 das Westfeld stillgelegt. Auch der Morgensternschacht im Morgensternfeld ganz im Osten des Betriebsbereiches wurde stillgelegt und verfüllt. Dieser wurde um 1940 von der stillgelegten Pachtgrube Concordia übernommen. Zuletzt diente er der Wetterführung und Wasserhaltung.

1980 bis Heute[Bearbeiten]

Um das Jahr 1980 wurden auch zahlreiche Änderungen im Tagesbetrieb des Bergwerkes durchgeführt. Die Kohlenwäsche wurde erweitert sowie die Brikettfabrik stillgelegt. Am Nordschacht wurde eine zentrale Kühlanlage in Betrieb genommen. Hier wird Wasser heruntergekühlt, welches die Grubenwetter untertage kühlen soll.

Da die Anthrazitkohlenflöze viel Grubengas enthalten, muss dieses abgesaugt und verbrannt werden. Hierzu wurde die EVA (Energie-Versorgungsanlage) errichtet, die das Grubengas zur Stromproduktion nutzt. Das Preußag-eigene Ballastkraftwerk am Standort wurde 1985 mit der Inbetriebnahme der EVA stillgelegt.[2] Seit 1986 ist das Kraftwerk Ibbenbüren Block B in Betrieb und der größte Abnehmer der Kohle aus dem Bergwerk. Der Block A wurde daraufhin 1987 stillgelegt. 1987 wurde die große Halle der Rohkohlenvergleichmäßigungsanlage gebaut, die die verschiedenen Kohlesorten der verschiedenen Flöze vergleichmäßigt.

1986-88 wurde der Nordschacht auf seine Endteufe von 1.545 m gebracht, und die 6. Sohle angesetzt. 1993 wurde eine Materialsortieranlage am Nordschacht angeschlossen, um das von untertage anfallende Material zu sichten und zu sortieren.[3]

Seit der Übernahme der Preussag und damit auch des Bergwerks in Ibbenbüren durch die Deutsche Steinkohle AG des RAG-Konzerns am 1. Januar 1999 ist der Betreiber die „DSK Anthrazit Ibbenbüren GmbH“, seit dem 1. Januar 2008 umbenannt in „RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH“.[4]

Der genehmigte Betriebsplan endet 2018, danach ist die endgültige Schließung geplant. [5] [6]

Feldteile[Bearbeiten]

Die Ibbenbürener Bergplatte ist durch die Anhebung aus großer Tiefe in mehrere Teilfelder (häufig auch Schollen genannt) zerbrochen, die durch Sprünge voneinander getrennt sind. Die Teilfelder sind von West nach Ost gegliedert:[7]

Beust-Feld[Bearbeiten]

Das Beust-Feld ist nach dem Beustschacht, der in diesem Feld lag, benannt worden und ist die westlichste Scholle des Ostfeldes. Der Beustschacht wiederum ist nach dem preußischen ersten Hauptbergmann Ernst August von Beust benannt worden, der die Hauptaufsicht über die Ibbenbürener Gruben hatte.

Zum weiter westlich gelegenen Brockradener Graben grenzt sich das Feld mit dem Beust-Sprung ab. Südlich grenzt der Berg-Sprung das Beust-Feld ein. Auf dem Beustfeld liegen die oftmals auf Kartenwerken genannten geografischen Bezeichnungen Donnerberg und Mittelberg als kleine Erhebungen auf der Ibbenbürener Karbonscholle. Im Beustfeld liegt neben dem Beustschacht auch der Bockradener Stollen als bergbauliche Anlage.

Östlich wird das Beustfeld durch den Fahlbachsprung begrenzt. Dieser ist an der Oberfläche teilweise sichtbar durch das Fahlbachtal im nördlichen Bereich der Karbonscholle. Seit Anfang 2012 wird im Beust-Feld erstmals seit den 1950er Jahren wieder Kohle abgebaut. Früher wurde hier das Flöz Glücksburg abgebaut, bis zum Jahresanfang 2012 lag das Feld praktisch still. Seit Januar wird nun im Flöz 54 in einem Streb wieder Kohle gewonnen.

Oeynhausen-Feld[Bearbeiten]

Das östlich des Beust-Feldes liegende Oeynhausenfeld gehört mit dem Mathilde-Feld und dem Rudolf-Feld des Westfeldes sowie dem Theodor-Feld zu den vier großen Teilfeldern der Ibbenbürener Karbonscholle. Gegenüber dem Beust-Feld ist das Oeynhausen-Feld durch den Fahlbachsprung um 180 m emporgehoben, was an der Erdoberfläche außer dem Fahlbachtal jedoch kaum sichtbar ist. Die Namensgebung erfolgte nach dem Oeynhausenschacht.

Zum östlichen Theodor-Feld ist das Oeynhausenfeld durch den Theodorsprung abgegrenzt. Im Oeynhausen-Feld wurde und wird in allen bauwürdigen Kohlenflözen Kohle gewonnen. Zusammen mit dem Theodor-Feld war das Oeynhausenfeld in der Vergangenheit das Hauptabbaugebiet des Bergwerkes.

Im Oeynhausen-Feld liegen die Anlagen des Oeynhausenschachtes sowie der Ibbenbürener Förderstollen und der Nordschacht.

Theodor-Feld[Bearbeiten]

An das Oeynhausen-Feld grenzt östlich, getrennt durch den Theodorsprung, das Theodor-Feld an. Es wurde nach dem im Feld liegenden Theodorschacht benannt. Auch hier wurde und wird Kohle abgebaut.

Knüppescher Graben[Bearbeiten]

Wiederum östlich an das Theodorfeld grenzt der Knüppesche Graben, welcher einen komplizierten geologischen Aufbau hat. Bedingt durch die Anhebung der Karbonscholle hat dieser Bereich des Gebirges als Druckauffangzone gewirkt. An der Oberfläche lässt sich dieses Feld vor allem durch dem Graben erkennen, der sich im Süden zur Ibbenbürener Talung öffnet. Bergbau hat hier nur in vergangener Zeit stattgefunden.

Morgenstern-Feld[Bearbeiten]

Auch das östlichste Teilfeld der Ibbenbürener Karbonscholle beherbergt schon seit einigen Jahren keine Abbaubetriebe mehr. Wie der Knüppesche Graben ist das Morgensternfeld sehr kompliziert aufgebaut, was den Bergbau hier erschwerte.

Im Morgenstern-Feld befindet sich zudem der höchste Punkt der Ibbenbürener Bergplatte. Der im Morgenstern-Feld liegende Morgensternschacht ist seit 1979 stillgelegt und verfüllt. Kohle wird hier nicht mehr abgebaut.

Kohlenflöze[Bearbeiten]

Im Abbau befindlich[Bearbeiten]

  • Flöz 40 (derzeit inaktiv)
  • Flöz 43 (1 Abbaufeld aktiv, 1 Abbaufeld in Planung. Streb 8/9 Aktiv. 9/10 in Planung)
  • Flöz 45 (derzeit inaktiv)
  • Flöz 48 (1 Abbaufeld aktiv, Streb 15/16 und 16/17 Westen in der Vorrichtung)
  • Flöz 51 (1 Abbaufeld wird aufgefahren, Strecke 6 Westen, Flöz 51 als Abbau/Wetterstrecke zu Streb 16/17 Westen 48, Basisstrecke 8-5 Westen Flöz 51 wird derzeit aufgefahren, Flöz 51 (Sonderbedingungen))
  • Flöz 53 (derzeit inaktiv)
  • Flöz 54 (1 Abbaufeld aktiv, 1 Abbaufeld in Planung. Streb 8a/9 Norden aktiv. 10/10 N 54 GO (10 Norden 54 Gegenort)wird aufgefahren.)
  • Flöz 59 (derzeit inaktiv)
  • Flöz 65/68 (1 Abbaufeld aktiv, 6/7a Osten)
  • Flöz 74 (1 Abbaufeld aktiv, 4 Abbaufelder in Planung. Streb 6/7 Westen aktiv. 5/6, 6/7a, 8/9, 9/10 Osten in Planung, wird teilweise derzeit aufgefahren.)

In der Vergangenheit abgebaut[Bearbeiten]

  • Flöz Flottwell
  • Flöz Flottwell Nebenflöz (auch Röschenflöz genannt)
  • Flöz Glücksburg
  • Flöz Bentingsbank
  • Flöz Reden
  • Flöz Theodor
  • Flöz 1a
  • Flöz 2

Kohleverwertung[Bearbeiten]

Die im Bergwerk Ibbenbüren geförderte Kohle wird zum größten Teil direkt im benachbarten Kraftwerk Ibbenbüren verfeuert. Hier macht das Anthrazit des Bergwerkes den größten Teil des Brennstoffes aus. Einige weitere Kraftwerke werden entweder per Eisenbahn oder Schiff mit Kohle versorgt.

Ein beachtlicher Teil der geförderten Kohle wird auf dem nicht-subventionierten Markt für Kohleheizungen abgesetzt. Dieser Markt erfährt in der letzten Zeit einen neuen Aufschwung, da Kohlekessel wesentlich billiger zu betreiben sind als vergleichbare Öl- oder Gasheizungen. Die Kohle wird neben kleineren Hausbrandanlagen auch für große Heizungen vor allem in Gärtnereien und Schwimmbädern genutzt. Teilweise wird die Kohle sogar ins benachbarte Ausland abgesetzt. Der Hausbrandmarkt macht in etwa 400.000 t im Jahr aus.

Eine Besonderheit ist, dass sich die in Ibbenbüren geförderte Anthrazitkohle hervorragend für die Wasseraufbereitung eignet.[8] So ist sie in Wasserwerken und auch Kleinstanlagen sowie in Spezialfiltern für Entwicklungshilfe zu finden. Die Anthrazitkohle wird aufbereitet und kann in diesem Zustand besonders gut Chlor oder Trihalogenmethan und allgemeine oxidierbare Substanzen effektiv aus dem Wasser entfernen.[9] Auch wird die Kohle zur Herstellung von Kohlenstoffelektroden benutzt, oder zur Aufkohlung und Schlackenschäumung in der Stahlindustrie.[10]

Tagesanlagen[Bearbeiten]

Schächte aktiv[Bearbeiten]

Schachtname Teufe Bemerkungen
v. Oeynhausenschacht 1 414,90 m Materialförderschacht
v. Oeynhausenschacht 2 339,30 m ohne Fördergerüst, zeitweise Wasserhaltung
v. Oeynhausenschacht 3 868,00 m Hauptförderschacht, 4 Skips
Theodorschacht 603,3 m Hauptwetterschacht
Nordschacht 1.545 m Hauptseilfahr- und Materialschacht
Bockradener Schacht 391,1 m Wetterschacht

Nordschacht[Bearbeiten]

Der Nordschacht ist der Hauptseilfahrschacht des Bergwerkes Ibbenbüren. Er befindet sich südlich der Stadt Mettingen direkt am Köllbachtal. Zurzeit ist er der tiefste in Betrieb befindliche Steinkohlenschacht Europas. Diesen Titel besaß er schon einmal bis 1987; der ebenfalls Nordschacht genannte Schacht des Bergwerkes Saar hielt diesen Titel bis zum 30. Juni 2012. Seit diesem Tage ist der Nordschacht wieder der tiefste in Betrieb befindliche Steinkohlenschacht Europas.

Die Tagesanlagen des Nordschachtes umfassen neben dem Fördergerüst, Schwarz- und Weißkaue, Materiallager, Büros auch eine Materialsortieranlage. Beheizt werden die Gebäude am Nordschacht über eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage mit Gasmotoren, die Energie aus Grubengas liefern.[11][12]

Schächte stillgelegt[Bearbeiten]

Seilschacht[Bearbeiten]

Seilschacht mit Fördergerüst im Jahr 1870

Um die Leistungsfähigkeit des noch im Ausbau befindlichen von Oeynhausenschachtes zu steigern, wurde 1863 der Seilschacht zur I. Tiefbausohle abgeteuft. Dieser sollte die neu geschaffene Mittelsohle zwischen der I. Tiefbausohle des Oeynhausenschachtes und der Dickenberger Stollensohle des von-der-Heydt-Schachtes verbinden. Von hier aus sollte das Flöz Glücksburg abgebaut werden. Die Endteufe des Schachtes wurde 1870 mit 142 m erreicht.

Oberhalb der Ibbenbürener Förderstollensohle hatte der Schacht nur eine lichte Weite von 2,14 m × 2,51 m, während unterhalb dieser Sohle die Weite auf 5,60 m × 2,33 m anstieg. Dieses war dem Umstand geschuldet, dass der Seilschacht nicht höher als bis zur Föderstollensohle heben sollte. Auf dieser Eigenschaft ruht auch die Namensgebung des Schachtes, welcher im oberen Teil nur der Seilführung diente.

Es waren zwei Födertrume angelegt, in denen je ein Fördergefäß lief, zusätzlich war ein Fahrtrum eingebaut. Das Fördergerüst des Seilschachtes war das erste freistehende Fördergerüst im Ibbenbürener Bergbau. Bis dahin hatten alle Schächte gemauerte Treibehäuser mit umhaustem Seilscheibenstuhl.

Wie auch beim von Oeynhausenschacht machte sich das zuströmende Wasser unangenehm bemerkbar, die Abteufarbeiten wurden immer wieder stark behindert. Ein Wassereinbruch 1870 in den Oeynhausenschacht linderte die Wassernot, da das Wasser sich über Klüfte zum Oeynhausenschacht bewegte.

Seilschachtgebäude heute

Das nördliche Fördertrum wurde 1872 bis zu Tage erweitert, so dass auch vom Tage aus die Förderstollensohle erreicht werden konnte. Bis 1881 musste die Belegschaft am Seilschacht auf Fahrten einfahren, mit der Einführung der Seilfahrt entfiel diese zeit- und kräfteraubende Angelegenheit. Zeitgleich musste das bis dahin hölzerne Fördergerüst durch ein eisernes ersetzt werden, und der erste Abschnitt bis zur Stollensohle wurde sogar auf zweitrümige Förderung ausgelegt.

Bis 1893 diente der Schacht der Aus- und Einfahrt eines Teiles der Belegschaft. Mit der Stilllegung der Anlage im selben Jahr wurde das Gebäude als Fahrsteigerwohnung hergerichtet. Noch heute steht dieses Gebäude und ist Punkt 4 der Bergbauwanderroute Oeynhausenschacht.[13]

Flottwell-Hilfsschacht[Bearbeiten]

Infolge des großen Wassereinbruches 1894 und des daraus resultierenden Förderausfalls des Bergwerkes, wurde die Verlagerung der Förderung auf das Flottwellflöz notwendig. Da dieses zusammen mit dem Flottwell-Nebenflöz über der Förderstollensohle lag, war es vom Wassereinbruch nicht betroffen. Bis zur Baugrenze am Morgensternschacht standen noch 200.000 t Kohlen an, von denen mit schachbrettartigem Abbau 120.000 t gewonnen werden konnten.

Zur Unterstützung der Förderung wurde der Flottwell-Hilfsschacht vom 10. Oktober 1894 bis auf die Förderstollensohle niedergeteuft. Er erreichte eine Teufe von 73 m und befand sich 80 m nördlich der von Oeynhausenschächte. Ab dem 1. April 1895 wurde die regelmäßige Förderung mit einer 10 PS Dampflokomobile aufgenommen.

Der im Volksmund wegen seiner Auspuffgeräusche der Dampflokomobile „Hächert“ genannte Schacht wurde 1927 mit Installation der neuen, leistungsfähigeren Fördermaschine im von Oeynhausenschacht 1 überflüssig und stillgelegt.

Morgensternschacht[Bearbeiten]

Förderturm des Morgensternschachtes

Der Morgensternschacht wurde 1824 als Förderschacht der Grube Schafberg geteuft. Der Anfangs 88 Meter tiefe Schacht wurde auf den Tiefen Schafberger Stollen niedergebracht, und erhielt als zweiter aller Ibbenbürener Gruben eine Dampffördermaschine. Nach der Zusammenlegung der Ibbenbürener Gruben zur „Grube Glücksburg“ ließ die Bedeutung nach. So wurde er am 1. April 1872 stillgelegt, die Gebäude abgebrochen und der Schacht verfüllt.[14]

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg füllte sich der Standort des Morgensternschachtes mit neuem Leben, als die Gewerkschaft Concordia das Morgensternfeld des Revieres pachtete. Von 1920 bis 1928 wurde der wieder aufgewältigte Morgensternschacht dazu benutzt, die im Morgensternfeld gewonnene Kohle zu heben und mittels Seilbahn zum Bahnhof Laggenbeck zu fördern.

Nach der erneuten Stilllegung 1928 ruhte der Betrieb einige Jahre, bis 1940 die erneute Inbetriebnahme durch das Bergwerk Ostfeld (heute Ibbenbüren) erfolgte. Der Schacht erhielt bis 1943 den bis heute existierenden gemauerten Förderturm, und wurde auf seine Endteufe von 348 m geteuft.[15]

Da der Abbau im Morgensternfeld sich durch die schwierige geologische Lagerung schon immer als sehr kompliziert herausstellt hatte, wurde der Morgensternschacht 1979 erneut stillgelegt und verfüllt. Zuletzt diente er vor allem der Wetterführung und Wasserhaltung.

Bis vor wenigen Jahren leuchtete auf dem Förderturm die markante Leuchtreklame für „Preußag Anthrazit“. Der Förderturm wird heute als Amateurfunkstation benutzt.[16] In Zukunft ist angedacht, ihn als Aussichtsturm und Cafe zu benutzen.[17] Der Morgensternschacht ist der Startpunkt der Bergbauwanderroute 1-Schafberg.[18]

Bergehalden[Bearbeiten]

Hopstener Halde[Bearbeiten]

Die Bergehalde Hopstener Straße war ehemals die Hauptbergehalde des Bergwerkes Ostfeld. Inzwischen befindet sie sich am Ende ihrer Betriebszeit und wird langsam auf die Renaturierung vorbereitet. Der offizielle Name der Bergehalde lautet Bergehalde Hopstener Straße, jedoch hat sich aus verschiedenen Gründen im Volksmund der Name Hopstener Halde eingebürgert. Dieses liegt zum einen an der Verkürzung des offiziellen Namens, der relativen Nähe zum Ort Hopsten und dem Umstand, dass die sich früher hier befindlichen Steinbrüche, in denen Ibbenbürener Sandstein gewonnen wurde, durch Hopstener Steinbruchunternehmen betrieben wurden.

Die Halde entstand Mitte der 1960er Jahre, als dem Bergwerk der Haldenraum knapp wurde. Durch veränderte Abbaubedingungen, wie der Verlagerung des Abbaus auf tiefere Flöze und dem Beginn des Bruchbaus, nahmen die Bergemengen erheblich zu. Da sich im Lampingslied viele, gerade aufgegebene kleinere Steinbrüche befanden, eignete sich das Gelände zur Anlegung einer Bergehalde.

Rudolfhalde[Bearbeiten]

Blick von der Bergehalde Rudolfschacht zum von Oeynhausenschacht und Kraftwerk Ibbenbüren

Neben der Hopstener Halde besitzt das Bergwerk noch die Berghalde Rudolfschacht, auch Rudolfhalde oder Buchholzer Halde genannt.[19] Diese befindet sich am ehemaligen Standort des Westfeldschachtes Rudolf am Buchholzer Damm. Die Halde liegt im Ibbenbürener Ortsteil Dickenberg und einem kleinen Teil der Gemeinde Recke. Die erst dem Westfeld dienende Halde wurde nach dessen Schließung vom Ostfeld übernommen und wird seit dieser Zeit als Bergehalde genutzt.[20]

Die Halde entstand ab 1927 mit dem Bau der Aufbereitung am Püsselbürener Förderstollen. Die Berge, die hier von der Kohle abgetrennt wurden, wurden mittels Förderwagen zum Rudolfschacht gefahren und hier auf Halde gekippt. Bereits um 1940 war die Rudolfhochhalde die größte Halde des Ibbenbürener Steinkohlenreviers. Noch heute ist ein Teil dieser steilen Hochhalde am Buchholzer Damm sichtbar. Diese ursprüngliche Halde hatte eine Fläche von 3,5 Hektar.

Seit mitte der 1960er Jahre wurden die Berge direkt am Rudolfschacht über einen Bandstollen auf Lkws verladen und mit diesen auf die Halde verbracht. Bis Mitte der 1970er Jahre wuchs die Haldenfläche auf 16 ha an. Nach der Stilllegung des Rudolfschachtes 1979 und dem Rückbau der Tagesanlagen im darauffolgenden Jahr konnte das ehemalige Schachtgelände auch zur Bergeverkippung genutzt werden.

Auch die Form der Bergehalde hat sich mit dem Jahren geändert. Schon seit den 60er Jahren wurde darauf geachtet, die Halde naturnah und zur Rekultivierung geeignet anzulegen.

Zurzeit wird die Halde um weitere 35 Hektar nach Nordwesten erweitert. Mit 200 Meter[21] Höhe über dem Meeresspiegel gilt die Halde als höchster Punkt von Ibbenbüren. Paläontologen nutzen die Bergehalde häufig, um in den Waschbergen nach Fossilien wie etwa dem Arthropleura Tausendfüßler zu suchen. Die Kippstellen dürfen jedoch nur mit Erlaubnis des Bergwerkes betreten werden.[22]

Auf dem bis vor einigen Jahren höchsten Punkt der Halde steht das Gipfelkreuz des Dickenberges. Aufgestellt wurde es als Friedenskreuz der Kirchengemeinden des Ortsteiles.[23] Die schon renaturierten Bereiche der Bergehalde dienen als Naherholungsgebiet und sind naturnah rekultiviert worden.

Zechenbahn[Bearbeiten]

Zechenbahn Bergwerk Ibbenbüren
Streckenlänge: 5,2 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 16 2/3Hz 15 kV ehm. 50 Hz ~
Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
Bundesländer: Nordrhein-Westfalen
Kategorisierung: Werksbahn, eingleisig
Personenverkehr: kein Personenverkehr
Güterverkehr: Kohlen und Materialtransporte

Die Zechenbahn des Bergwerkes Ibbenbüren ist eine Werkbahn, die das Bergwerk mit dem Netz der Deutschen Bahn und dem Hafen Mittellandkanal 4 km verbindet.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Errichtung der Zechenbahn war 1927 notwendig, als der Umbau der Bergwerksanlagen im Ostfeld die Verlagerung der Kohlenaufbereitung und der Brikettfabrik zum Standort Oeynhausenschacht vorsah. Bis dahin wurde die gesamte Kohle des Ostfeldes durch den Ibbenbürener Förderstollen am „Bahnhof Ibbenbüren“ gefördert, verarbeitet und auch hier der Bahn übergeben.

Die Bahn führte zunächst nur bis zum Bahnhof Esch, schloss aber die „Kohlenwäsche Westfeld“ mit in das Streckennetz ein. 1961 wurde der Anschluss an den Hafen „4km Mittellandkanal“ fertiggestellt. Dieser hatte seit der Einstellung der Ziegeleibahn Habbes, die den Hafen mit der Ziegelei auf dem Dickenberg und dem Bahnhof Hörstel verband, keine Anbindung mehr an das Schienennetz.

Als weiteren bedeutenden Schritt wurde die gesamte Bahnanlage 1963 elektrifiziert. Zunächst wurde Strom mit 15 kV und 50 Hertz benutzt, da der übliche Bahnstrom noch nicht im Bereich Ibbenbüren vorlag. Später wurde das Netz auf 16 2/3 Hz an das Bahnstromnetz angeglichen. 1979 wurde die Aufbereitung Westfeld mit der Stilllegung des Westfeldes aufgegeben. Die Schienenanlagen bestehen jedoch bis heute als Abstellgleise für Waggons oder anderes schienengebundenes Material.

Strecke[Bearbeiten]

Gleise der Zechenbahn in Bockraden

Die Strecke beginnt an der Betriebsstelle „von Oeynhausen“ auf dem Betriebsgelände des „von Oeynhausenschachtes“. Hier werden Waggons mit Kohle beladen oder Güter entgegengenommen. Auch das Kraftwerk Ibbenbüren wird mit Versorgungsgütern wie Wasserchemikalien und Brennstoffen über ein Anschlussgleis versorgt. Auf dem Zechengelände liegen 15 Gleise, die zusätzlich mit zwei Schiebebühnen verbunden sind, um aufwendiges Rangieren zu vermeiden.

Ebenfalls auf dem Gelände befinden sich die Lokschuppen der Bahn.

Nach dem Verlassen des Geländes schlängelt sich die Bahn durch das nördliche Stadtgebiet von Ibbenbüren auf die Kante der Ibbenbürener Bergplatte zu. Hier befindet sich eine Steile Rampe, die zum Bahnhof Esch führt, der einige Kilometer weiter südwestlich des Bergwerks liegt. Mit einer maximalen Steigung von 25 ‰ zählt die Strecke zu den steilsten im Norddeutschen Raum. Die Bahn überwindet bis zum Bahnhof Esch um die 90 Höhenmeter. Kurz vor dem Bahnhof zweigt das Gleis zur Betriebstelle Püsselbüren ab, welche die Gleise der ehemaligen Aufbereitung Westfeld umfasst.

Im „Bahnhof Esch“ besitzt die Zechenbahn drei eigene Gleise, der Rest des Bahnhofes befindet sich im Besitz der Deutschen Bahn. Zum „Hafen 4km“ muss die Bahn durch die Bahnsteige des Bahnhofes Esch ein kurzes Stück über Gleise der Deutschen Bahn zurücklegen, um wieder hinter den Bahnsteigen auf das Gleis zum Hafen zu gelangen.

Kurz vor dem Hafen befindet sich der „Vorbahnhof Hafen“ mit mehreren Rangiergleisen. Dieser dient zu Rangieren und Abstellen von überschüssigen Waggons. Im Hafen bestehen noch weitere Anschlüsse zu den Firmen Akzo Nobel und Wibarco, deren Verkehr wird allerdings über die Deutsche Bahn abgewickelt.

Lokomotiven[Bearbeiten]

Lok E-102 der Zechenbahn mit Kesselwagen bergwärts fahrend

Die alte Zechenbahn besaß bis zu ihrer Elektrifizierung drei Tenderlokomotiven, die kurze Zeit später verschrottet wurden. Neben einer kleinen Rangierlok wurden auch je eine Lok der Baureihe 94 und 85 betrieben. Letztere erhielt wegen ihrer gewaltigen Ausmaße den Spitznamen „Ibbenbürener Bulle“.

Nach der Elektrifizierung wurden die Elektroloks E-101[24] und E-102 angeschafft. Diese sind auch heute noch auf der Strecke unterwegs und aufgrund ihres Aussehens ähnlich eines Krokodils häufig auch als „Ibbenbürener Krokodile“ betitelt. Nicht nur ihr Aussehen macht sie zu einer Besonderheit, sondern auch die Möglichkeit mit 50- oder 60-Hertz-Strom sowie eigenem Akku zu fahren.

Wagen[Bearbeiten]

Neben den Lokomotiven besitzt die Zechenbahn eigene Kippkübelwagen mit je drei Kübeln zu je neun Tonnen Kohleninhalt.[25]

Kohlenregion Ibbenbüren[Bearbeiten]

Zur Kohlenregion Ibbenbüren zählen neben Ibbenbüren auch die Orte Hopsten, Hörstel, Mettingen, Recke und Westerkappeln. Die Wirtschaftsstruktur dieser sechs Orte ist seit Jahrzehnten teilweise sehr stark mit dem Bergbau verwachsen.[26] Die Bürgermeister dieser Kohlegemeinden haben sich zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen, um die Interessen der Gemeinden im Zuge des Strukturwandels zu begleiten.

Hauptaufgabe des Arbeitskreises ist es, den Verlust von weit über 2.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen zu kompensieren. Die Region musste bereits wiederholt schwerwiegende Verluste von Arbeitsplätzen hinnehmen – wie 2005 die Aufgabe des Fliegerhorstes Hopsten, die Schließung des Karmannwerkes Rheine 2010 und die noch bevorstehende Schließung des Flugplatzes Rheine-Bentlage und die gerade erst abgeschlossene Textilkrise seit 1980, in der schon einmal mehrere tausend Arbeitsplätze verlorengegangen waren.

Neben den 2.400 direkt auf dem Bergwerk beschäftigten Personen sind laut Studien indirekt mehr als 6.000 Arbeitsplätze vom drohenden Ende des Bergbaus betroffen. Diese sind zum größten Teil abhängige aus den Zulieferbetrieben, wie aber auch einfache Folgestellen des Wertschöpfungskreislaufes wie Ladengeschäftsmitarbeiter. Der Wertschöpfungskreislauf für die Kohlengemeinden wurde 2009 mit ca. 150 Millionen Euro angegeben, dieses entspricht dem Geldfluss der in der Region verbleibt. Hierin enthalten sind 86 Millionen Euro an Gehältern der Mitarbeiter.

Neben dem drohenden Verlust der Arbeitsstellen droht der Verlust der 180 Ausbildungsstellen auf dem Bergwerk. Das Bergwerk ist mit Abstand der größte Ausbildungsbetrieb des Kreises Steinfurt. Die Ausbildungswerkstatt wird von vielen kleineren Betrieben genutzt um eine Überbetriebliche Ausbildung zu gewährleisten.[27][28]

Eine Besonderheit der Region ist es, dass sich nicht nur die Belegschaft, sondern auch die nicht auf dem Bergwerk tätige Bevölkerung sehr stark mit dem Bergwerk identifiziert.[29]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte des Ibbenbürener Bergbaus
  2. Angaben zur EVA
  3. Produktion Untertage
  4. Daten aus dem Jahr 1996Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  5. RP-Online: Interview mit RAG Chef Tönjes, abgerufen am 11. April 2014
  6. Bergbau rückt Westerkappeln nahe, in Westfälische Nachrichten vom 27. Juni 2013, abgerufen 11. April 2014
  7. http://www.lwl.org/westfalen-regional-download/PDF/S162_Ibbenbueren.pdf Aufteilung der Teilfelder
  8. http://www.saunashop-achhammer.de/cms/content/16/Filter-Anthrazit-N/1/ Filteranthrazit
  9. Wasseraufbereitung mit Ibbenbürener Anthrazit
  10. http://www.dsk-anthrazit-ibbenbueren.de/produkte/einsatzbereiche.shtml Verwertung der Ibbenbürener Kohle
  11. http://www.bergbau.tu-freiberg.de/bergbau/symposium/Stoettner.pdf?PHPSESSID=d5dc3c50687abf4c95502410bf43a929 Heizung mit Grubengas
  12. http://www.dmt.de/fileadmin/PDF/Infoservice/Einladung_Vortrag_Elektrotechnik_-_Web.pdf Fördermaschinensteuerung
  13. Der Seilschacht
  14. Dampfmaschine des alten Morgensternschachtes
  15. Morgernsternschacht
  16. Projekt Bergbau und Amateurfunk. Abgerufen am 4. Oktober 2012 (DL005 Morgensternschacht in Ibbenbüren).
  17. Zukunft des Förderturmes
  18. Bergbauwanderroute 1
  19. http://www.rag-anthrazit-ibbenbueren.de/nachrichten/20021012.php Erweiterung der Rudolfhalde ab 2005
  20. http://www.bezreg-arnsberg.nrw.de/themen/b/bergehalden/index.php Eingetragene Nutzung bei der Bez. Reg. Arnsberg
  21. Höhe der Bergehalde Rudolfschacht
  22. Paläontologen auf der Halde
  23. http://www.knappenverein-tecklenburgerland.de/archiv%202006.htm Gipfelkreuz
  24. Überholung der Lok E-101 nach Unfall.
  25. Zechenbahn auf Internetseite des Stadtmuseums
  26. Kohleregion Ibbenbüren (PDF; 1,1 MB)
  27. Aktuelle Situation und Ausblick der Kohlengemeinden (PDF; 1,1 MB)
  28. Infos zur Kohlenregion (PDF; 7,0 MB)
  29. Deutschlands tiefster Arbeitsplatz: 1630 Meter unter dem Meer. Spiegel Online, 27. Januar 2012, abgerufen am 26. Juli 2012 (Fotoreportage vom Bergwerk).

Literatur[Bearbeiten]

  • Hubert Rickelmann, Hans Röhrs: Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn/ München/ Wien/ Zürich 1987, ISBN 3-506-77223-6.
  • Hans Röhrs: Der Ibbenbürener Bergbau des 20. Jahrhunderts in Bildern. Ibbenbürener Vereinsdruckerei, Ibbenbüren 1998, ISBN 3-921290-94-5.
  • Hans Röhrs: Der Ibbenbürener Steinkohlen- und Erzbergbau und seine Mineralien. Bode, Haltern in Westfalen 1991.
  • Michael Schumann: Die Preussag - Werkbahn in Ibbenbüren - Zechenbahn für Anthrazit. In: Bahn Regional. Nr. 48, 1994.
  • Alfred Schuster, Manfred Hädicke, Klaus Köwing: Die Einheitsbezeichnungen der Flöze im Steinkohlenrevier Ibbenbüren. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung, Hannover 1987, DNB 880342455.
  • Georg Römhild: Die Forst- und Industrielandschaft des Dickenberger Bergbaubezirkes bei Ibbenbüren. Münster 1974.
  • Arend Thiermann Erläuterungen zur Geologischen Karte 3712 Tecklenburg. Geologisches Landesamt, NRW 1970, 243 S.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bergwerk Ibbenbüren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien