Berijew A-50

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Berijew A-50 Schmel
Berijew A-50 „Schmel“
Typ: Luftraumaufklärungsflugzeug
Entwurfsland: SowjetunionSowjetunion Sowjetunion/RusslandRussland Russland
Hersteller:
Erstflug: 1978
Indienststellung: 1984
Produktionszeit: Seit 1984 in Serienproduktion
Stückzahl: ca. 40

Die Berijew A-50 Schmel (russisch Бериев А-50 Шмель, NATO-Codename: „Mainstay“) ist ein in der Sowjetunion entwickeltes vierstrahliges AWACS-Flugzeug, das auf dem Transportflugzeug Iljuschin Il-76 basiert. Sie bildet das Gegenstück zur US-amerikanischen Boeing E-3 Sentry. Die Berijew A-50 wird bisweilen fälschlicherweise als Iljuschin Il-82 bezeichnet. In Russland wird eine erheblich modernisierte Version unter dem Namen Berijew A-100 entwickelt, deren Erstflug im Laufe des Jahres 2013 erwartet wurde.

Konstruktion[Bearbeiten]

Die A-50 besitzt einen verlängerten Rumpf, um Raum für Bildschirmkonsolen und Kommunikationssysteme zu schaffen. Die Hauptaufgabe besteht in der Luftraumaufklärung, wozu die A-50 eine Radarantenne in dem sich drehenden Teller verwendet. Die Umrüstung der Basis-Il-76 zu A-50 erfolgt beim Hersteller Berijew, der die ersten Serienmaschinen 1984 auslieferte.

Weiterhin dient die A-50 als Kommandozentrale, um das Vorgehen verbündeter Einheiten zu koordinieren. Dazu können, über eine Satellitenkommunikation oder direkt, Radardaten mit verbündeten Kampfeinheiten ausgetauscht werden. So kann jedes Flugzeug ein volles Radarbild bekommen, ohne das eigene Radar einzuschalten; auch ist ein Austausch der Radardaten verbündeter Flugzeuge und Bodenstationen möglich.

Zur Selbstverteidigung verfügt das Flugzeug anstelle der zwei 23-mm-Bordkanonen der Il-76 im Heck über ECM sowie Infrarot- und Radar-Täuschkörper sowie Radarwarnempfänger.

Die Version A-50M ist eine verbesserte Variante der A-50. Als A-60 wird eine für Tests von Laserwaffen umgerüstete Il-76 bezeichnet.

Unter dem Namen A-50I wurde eine Version für den Export nach China vorgesehen, die mit einem von Israel Aerospace Industries entwickelten AESA (ein Phased-Array-Radar) ausgestattet werden sollte. Auf Druck der USA wurde dieses Geschäft von Seiten Israels storniert, später aber von China mit der KJ-2000, die Ende 2003 ihren Erstflug hatte, ein eigenes Muster mit gleicher Technik hergestellt. Bisher wurden vier KJ-2000 gebaut.

Drei für Indien bestimmte Maschinen tragen die Bezeichnung A-50EI. Berijew übernimmt dabei die Ausstattung der Kabine und die Montage der Radarverkleidung auf dem Rumpfrücken. Das Radar wird von IAI Eltat geliefert und installiert. Es arbeitet mit elektronischer Strahlschwenkung. Die erste dieser Maschinen hatte am 29. November 2007 in Taganrog ihren Erstflug.

Ein modernisiertes und mit neuem Radarequipment ausgestattetes Modell unter der Bezeichnung Berijew A-100 wird seit Anfang der 2010er-Jahre in Russland entwickelt. Der Erstflug des Prototyps ist für 2013 vorgesehen.[1]

Nutzer[Bearbeiten]

Frühere Nutzer[Bearbeiten]

Der Irak stattete mit Hilfe von Frankreich und Russland drei Zivilmaschinen vom Typ Iljuschin IL-76 mit einer Radarausrüstung ähnlich der A-50 aus. Eine Maschine wurde zerstört, die verbliebenen zwei Maschinen wurden während des Golfkriegs 1991 von ihren Besatzungen in den Iran geflogen. Der Iran behielt die Maschinen als Reparationszahlung für die Verluste aus dem Iran-Irak Krieg.[4] Nur eine Maschine konnte einsatzbereit gehalten werden, die andere wurde vermutlich als Ersatzteillieferant ausgeschlachtet. Die eine einsatzbereite Maschine ging während einer Militärparade am 22. September 2009 bei einer Kollision in der Luft mit einer Northrop F-5E Tiger II (oder HESA Saeqeh) verloren, die siebenköpfige Besatzung starb.[5] Die Kollision mit anschließender Explosion wurde mit einer Kamera aufgezeichnet.[6]

Technische Daten[Bearbeiten]

Risszeichnung der Berijew A-50
A-50
A-50 auf einer Ausstellung 1997
Kenngröße Daten
Typ:    Luftraumaufklärungsflugzeug
Länge:    47,50 m
Flügelspannweite:    50,54 m
Flügelfläche:    ca. 300,0 m²
Flügelstreckung:    8,51
Tragflächenbelastung:   
  • minimal (Leergewicht): 250 kg/m²
  • maximal (maximales Startgewicht): 575 kg/m²
Höhe:    14,76 m
Leergewicht:    ca. 75.000 kg
Maximales Startgewicht:    172.370 kg
Treibstoffkapazität:    64.820 kg
Höchstgeschwindigkeit:    765 km/h
Dienstgipfelhöhe:    10.200 m
Flugreichweite:    7.300 km
Maximale Einsatzdauer:    7 Stunden 42 Minuten
Besatzung:    16
Triebwerk:    vier Mantelstromtriebwerke Solowjow D-30KP mit je 117,68 kN Schub  

Zwischenfälle[Bearbeiten]

Am 15. September 2009 fingen im äußersten Nordwesten des NATO-Mitgliedslandes Estland im Rahmen von Air Policing Baltikum zwei deutsche Eurofighter eine russische A-50 ab.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berijew A-50 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fachzeitschrift Air International, Januar 2013, S. 54.
  2. Russian fleet of A-50.
  3. India requests deal for three more AEW aircraft. flightglobal.com. 9. April 2010. Abgerufen am 3. Juni 2012.
  4. Aircraft Museum – A-50 'Mainstay'. aerospaceweb.org. Abgerufen am 3. Juni 2012.
  5. Iran loses AWACS in mid-air collision. Arabian Aerospace. 29. September 2009. Abgerufen am 5. Juli 2011.
  6. Caught on camera: The horrifying moment a military jet fell out of the sky and exploded in a fireball. Mail Online. 6. Juni 2011. Abgerufen am 3. Juni 2012.
  7. Rheinische Post vom 3. November 2009: Deutsche Jets fangen Russen ab.