Berkut (Spezialeinheit)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Emblem der Berkut-Einheiten des ukrainischen Innenministeriums

Berkut (ukr. Беркут „Steinadler“) war eine Spezialeinheit der ukrainischen Milizija, die dem Innenministerium unterstellt war.[1] Der Aufgabenbereich lag in polizeilichen Sonderlagen wie Crowd and Riot Control, SWAT und Terrorismusbekämpfung. Auf der Krim besteht seit März 2014 wieder eine Berkut-Einheit, die dem russischen Innenministerium unterstellt ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Berkut-Einheiten bei einer Großdemonstration 2013

1988 wurden in der gesamten Sowjetunion und somit auch auf dem Territorium der Ukrainischen SSR, OMON-Einheiten in größeren Städten gegründet bzw. stationiert. Nach der Auflösung der Sowjetunion wurden die OMON-Einheiten den jeweiligen Sicherheitsbehörden der Nachfolgestaaten unterstellt. In der Ukraine wurde die OMON in Berkut umbenannt und 1992 wurde beschlossen, in jeder Hauptstadt einer Oblast eine Einheit zu stationieren. Je nach Oblast bestanden die Einheiten aus 50 bis zu 600 Mann. Im Januar 2008 bestand die Einheit aus zwei Regimentern, sechs Bataillonen und 19 Kompanien mit insgesamt 3250 Mitgliedern.[2] Die Mitglieder der Berkut stammten im Jahr 2013 überwiegend aus den östlichen Regionen der Ukraine sowie der Krim.[3]

Nach den Protesten im Rahmen des Euromaidan in Kiew Anfang 2014 wurden die Berkut-Einheiten für gewaltsame Einsätze gegen Demonstranten und für Todesopfer verantwortlich gemacht.

In der letzten Februarwoche 2014 gerieten die Einheit zunehmend unter Druck. Die Kommandeure befürchteten, dass sie es sein würden, denen man die Verantwortung für die Opfer und mögliche zukünftige Tote anlasten würde. Sie nahmen an, zornige Demonstranten würden die Berkut- Polizisten öffentlich aufhängen oder erschießen, während sich die politische Verantwortlichen davonmachten. Weiterhin wirkte sich der Diebstahl von Waffen aus einem Lager bei Lwiw auf die Lageeinschätzung der Polizisten aus, da sie annehmen mussten, die Waffen würden in Kürze Kiew erreichen und gegen sie eingesetzt. Kontaktversuche mit vorgesetzten Stellen im Innenministerium blieben erfolglos. Am 21. Februar wurde die Vereinbarung über die Beilegung der Krise in der Ukraine zwischen der Janukowytsch-Regierung und der Opposition ausgehandelt. Noch während der Unterzeichungszeremonie begann am 21. Februar der Abzug der Polizeieinheiten aus den Regierungskomplexen der Hauptstadt. Wer genau den Abzugsbefehl zu verantworten hatte, ist unklar. Der Stellvertretende Innenminister Viktor Dubovik befahl nach Angabe eines Kommandeurs, seine Berkut-Einheit abzurücken und vermittelte Kontakt zu Oppositionellen, die die Polizisten aus der Stadt eskortieren. Im Verlauf des 21. Februar wurden nahezu alle Polizeieinheiten und Wachen abgezogen, so dass der ukrainische Präsident Wiktor Janukowytsch beschloss aus Kiew zu fliehen.[4]

Am 24. Februar wurde in der Werchowna Rada ein Gesetzentwurf zur Auflösung der Berkut-Einheiten eingereicht.[5] Der amtierende Innenminister der Ukraine, Arsen Awakow, verfügte am 26. Februar 2014 die Auflösung der Sondereinheit.[6] Awakow erklärte, das Innenministerium werde rund 3000 Berkut-Angehörige zu ihrer Rolle und ihrem Verhalten bei den Einsätzen gegen Protestierende befragen. Die Ukraine wolle eine neue Spezialeinheit zum Schutz der öffentlichen Ordnung aufbauen, die bisherigen Berkut-Einheiten seien diskreditiert.[7]

Dagegen erklärte der Bürgermeister der russisch dominierten Stadt Sewastopol auf der Krim, Aleksej Tschalyj, die dort stationierte Berkut-Einheit werde nicht aufgelöst. Er kündigte an, den Berkut-Angehörigen weiterhin ihre Gehälter zahlen zu wollen. Sie sollten an den Kontrollstellen auf den Straßen nach Sewastopol Dienst tun.[8] Bei ihrer Rückkehr aus Kiew wurden die Berkut-Angehörigen gefeiert. Sie baten öffentlich um Vergebung dafür, dass sie „die Faschisten“ in Kiew „nicht aufhalten konnten“.[9]

Emblem der Berkut-Einheiten des russischen Innenministeriums auf der Krim ab 2014

Auf seiner am 28. Februar 2014 in Rostow am Don abgehaltenen Pressekonferenz verteidigte der abgesetzte ukrainische Präsident Wiktor Janukowytsch den Einsatz der in Kiew eingesetzten Berkut-Einheiten. Ein Schießbefehl sei von ihm nicht erteilt worden. Vielmehr seien die Berkut-Polizisten „verbrannt, beschossen und getötet“ worden. Er habe sich bei ihnen entschuldigt.[10] Ebenfalls am 28. Februar teilte das Außenministerium in Moskau mit, dass Russland Berkut-Angehörige bevorzugt einbürgern wolle. Das russische Generalkonsulat in Simferopol habe entsprechende Anweisungen erhalten.[11][12] Nach der Annektierung der Krim zu Russland wurde die örtliche Berkut-Einheit unter ihrem alten Namen als Polizeitruppe in das russische Innenministerium integriert. Der russische Innenminister Wladimir Kolokolzew erklärte, die Berkut-Einheiten hätten während des Euromaidan Mut und Tapferkeit bewiesen.[13]

Aufgaben[Bearbeiten]

Die Berkut-Einheiten wurden in bewaffneten Spezialoperationen eingesetzt, um Verbrechen der organisierten Kriminalität zu bekämpfen, Geiselbefreiungen durchzuführen, aber auch, um bei Massenveranstaltungen für die öffentliche Sicherheit zu sorgen.[2]

Einsätze[Bearbeiten]

Mitglieder der Spezialeinheit wurden u. a. bei der Eindämmung der Orange Revolution[14] und dem Euromaidan in Kiew[15] eingesetzt. Nach Angaben der Organisatoren der prorussischen Proteste wurden dabei fünfzehn Angehörige der Spezialeinheit getötet.[16]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Innenministerium rüstet auf, Ukraine Nachrichten vom 9. August 2011
  2. a b 16 років спецпідрозділи «Беркут» охороняють наш спокій! („Seit 16 Jahren schützen die Spezialeinheiten des «Berkut» unsere Ruhe“). In: Website des Innenministeriums der Ukraine (Міністерство внутрішніх справ України). 16. Januar 2008, abgerufen am 24. Mai 2015 (ukrainisch): „Спецпідрозділи «Беркут» фактично є резервом Міністра внутрішніх справ України і у разі необхідності забезпечення правопорядку, припинення групових порушень громадського порядку та масових заворушень, проведення спецоперацій, у тому числі антитерористичних, локалізації і знешкодження злочинних угруповань, озброєних злочинців можуть мобільно передислокуватися в інші регіони держави. На сьогодні «Беркут» складається з 2 полків, 6 окремих батальйонів і 19 рот загальною чисельність понад 3 тисячі 250 чоловік.“
  3. Andrey LIPSKIY: “It seems right to initiate the annexation of the eastern regions of Ukraine to Russia”. In: Novaya Gazeta. 28. Februar 2015, abgerufen am 22. Mai 2015 (englisch): „Besides, the Berkut units that are used to suppress the riots in Kiev are mostly formed of the natives of the Crimea and eastern regions.“
  4. Andrew Higgins und Andrew Kramer: "Ukraine Leader Was Defeated Even Before He Was Ousted" NYT vom 3. Januar 2015, gesichtet am 3. Januar 2015
  5. Ukrainian parliament may ban Berkut special task force,^Webseite der Agentur Interfax vom 24. Februar 2014
  6. Berkut-Spezialkräfte werden aufgelöst, Zeit Online vom 26. Februar 2014
  7. Blick zurück mit Schaudern in Kiew, NZZ vom 27. Februar 2014
  8. Gewalt zwischen Russen und Tataren auf der Krim, FAZ vom 27. Februar 2014
  9. „Wir sind die Berkut, unser Schlag ist hart“, SPON vom 27. Februar 2014
  10. „Ich bin nirgendwohin geflohen“, FAZ vom 28. Februar 2014
  11. „Krim-Liveticker“, Die Welt Online vom 28. Februar 2014
  12. Ukrainische Berkut-Sonderpolizisten begrüßen geplante Vergabe russischer Pässe, Webseite von RIA Novosti vom 28. Februar 2014
  13. Russian interior bodies created in Crimea and Sevastopol, Webseite von ITAR-TASS vom 25. März 2014
  14. Taras Kuzio: State-led violence in Ukraine’s 2004 elections and orange revolution, in: Communist and Post-Communist Studies, Nr. 43, Elsevier Verlag, Amsterdam, 2010, S. 383–395 (PDF; 242 kB)
  15. Liveticker Ukraine: Zahl der Toten bei Straßenschlachten in Kiew steigt auf 18, n24.de vom 18. Februar 2014
  16. 30 марта исполняется 40 дней со дня гибели бойцов Беркута и ВВ, на Юго-Востоке Украины пройдут митинги, rusvesna.su am 30. März 2014