Berlin-Adlershof

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Adlershof
Ortsteil von Berlin
Alt-Treptow Plänterwald Baumschulenweg Oberschöneweide Niederschöneweide Johannisthal Altglienicke Bohnsdorf Grünau Schmöckwitz Friedrichshagen Müggelheim Rahnsdorf Köpenick Adlershof Brandenburg BerlinAdlershof auf der Karte von Treptow-Köpenick
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Koordinaten 52° 26′ 16″ N, 13° 32′ 51″ O52.437913.547634Koordinaten: 52° 26′ 16″ N, 13° 32′ 51″ O
Höhe 34 m ü. NN
Fläche 6,11 km²
Einwohner 15.927 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 2607 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 12489
Ortsteilnummer 0907
Gliederung
Verwaltungsbezirk Treptow-Köpenick
Ortslagen

Adlershof [-ˈhoːf] (Aussprache: endbetont, damit ungleich zum nahegelegenen Adlergestell) ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick. Bis zur Verwaltungsreform 2001 war es ein Ortsteil des ehemaligen Bezirks Treptow.

Auf der südwestlichen Seite von Adlershof entsteht die neue Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien (WISTA). Das dortige Management bemüht sich, den Begriff Adlershof als Synonym für dieses Gelände zu etablieren, allerdings ohne dabei Rücksicht auf das wesentlich ältere Zentrum von Adlershof zu nehmen.[1][2][3]

Die alten Wohnviertel und Siedlungen liegen auf der nordöstlichen Seite. Zukünftig sollen neue Wohnviertel auf dem nordwestlich angrenzenden ehemaligen Flugplatz Johannisthal entstehen und den WISTA-Standort zur Wissenschaftsstadt komplettieren.

Geografie[Bearbeiten]

Adlershof liegt zu beiden Seiten des S-Bahnhofs Adlershof an der Görlitzer Bahn, die vom nordwestlichen Schöneweide weiter ins südöstliche Grünau verläuft. Die Wohngebiete liegen nordöstlich des hochliegenden Bahndamms, das Entwicklungsgebiet der Wissenschaftsstadt südwestlich. Der Haltepunkt Adlershof wurde an der historischen Straßenverbindung vom westlichen Rudow (Rudower Chaussee) zum nordöstlichen Köpenick (Dörpfeldstraße) angelegt, letztere bildet die Hauptstraße der Siedlungen.

Das Südende des Ortes wird durch den Teltowkanal markiert, entlang dessen ältere Wege (von Köpenick ins südwestliche Altglienicke) aktuell zu einem leistungsfähigen Straßenzug ausgebaut werden (Glienicker Straße, Glienicker Weg, Köpenicker Straße, Ernst-Ruska-Ufer). Das Nordende reicht bis zum Stadtwald Köllnische Heide.

Ortslagen

Alter Ortsteil Adlershof:

  • Nordöstlich der Bahntrasse
  • Rund um die Dörpfeldstraße (Einkaufsstraße)
  • Der wesentliche Teil aller Wohnungen, Handel und Gewerbe sowie medizinischer Einrichtungen von Adlershof befindet sich hier

Neuer Ortsteil Adlershof:

  • Südwestlich der Bahntrasse
  • Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien (WISTA)
  • Der wesentliche Teil aller Wissenschafts- und Technologieunternehmen von Adlershof hat hier ihren Sitz

Geschichte[Bearbeiten]

Das Fernsehzentrum Adlershof mit seinem charakteristischen Turm
Adlershof Marktplatz

Die Besiedlung des Adlershofer Fleckens geht auf Büdner zurück, Kleinstbauern mit eigenem Haus und angeschlossenen Feldern. Im 16. Jahrhundert verstärkte sich das Phänomen der Büdnerkolonien, deren Hausbesitzer nicht aus der Feldarbeit allein leben konnten, jedoch in anliegenden Dörfern und Städten als Tagelöhner weiteres Einkommen fanden. Der Verbindungsweg in der Nähe der wachsenden Stadt Köpenick und dem bis ins 12. Jahrhundert nachweisbaren Rudow bot hierfür einen guten Siedlungsgrund.

Zum anderen boten die landschaftlichen Gegebenheiten einen guten Platz für Kleinstbauern – parallel zum Verlauf von Spree und Dahme zog sich eine Kette von Feuchtwiesen und Heidelandschaften, die einen fruchtbaren Grund abgeben – historisch belegt sind Namen wie Köllnische Heide, Krachtfenn, Rudower Wiesen und Vollkropfgraben, aber auch der Name Johannisthal weist auf die tiefere Lage hin. Die Lage des Bruchtals ist heute gut auf Landkarten abzulesen, da Anfang des 20. Jahrhunderts am südwestlichen Rand dieser Rinne der Teltowkanal errichtet wurde, der somit ebenfalls diese topographischen Verhältnisse nutzt.

Im Zuge der Peuplierung Preußens, mit der Friedrich II. neue Bewohner nach Preußen holte und gezielt ansiedelte, wurden die Gemarkungen ab 1749 neu inspiziert. Am heutigen Adlershof existierte zu der Zeit eine Büdnerkolonie Am Suszen Grundt, deren Name auf die günstige Lage verweist. Hier hatten acht Büdner je einen Morgen Gartenland und einen Morgen Wiese sowie das Recht zur Haltung einer Kuh.[4] Nordöstlich der Büdnerkolonie lag der bewirtschaftete Gutshof Adlershof. Im Bruchtal wurden 1753 Johannisthal, 1754 Adlershof und Altglienicke gegründet.

Für den Gutshof Adlershof ist hierbei ein Zinsvertrag vom 14. April 1754 belegt, dessen Datum als Gründungsjahr des heutigen Ortsteils Adlershof angesehen wird. Vorher gab es bereits eine Maulbeerplantage von 75 Morgen, die durch die Domäne Köpenick auf einer Lichtung auf dem Suessen Grunde angelegt war. Auf Anordnung von Johann Friedrich von Pfeiffer wurde Wald gerodet und ein Etablissement von 406 Morgen mit 320 Morgen Ackerland eingerichtet. Der Erbpächter Siwicke wurde verpflichtet, neben der Errichtung des Guths Adlers Hoff noch acht Büdner anzusiedeln. Der Gutshof wurde auf Höhe der heutigen Waldstraße und Zinsgutstraße am Ostrand der neuen Gemarkung eingerichtet, die vier Doppelhäuser der Büdner als Vorwerk am Westrand der Gemarkung, zwischen Adler Stell und Hoffmanstraße, alle Gebäude verbunden durch die schon bestehende Dorfstraße (eigentlich die Heerstraße zwischen Rudow und Köpenick).[5]

Der Gutsbetrieb erlebte eine schwierige wirtschaftliche Geschichte, mehrfach wechselnde Eigner, Unterverpachtungen des Vorwerks und Bittschriften der Büdner – aus einem Brief von 1780 ist ersichtlich, dass nur noch eine Familie am Süssengrund wohnte.[5] Am 24. April 1789 wurden schließlich die Büdnerkolonie Süszengrundt und das Zinsgut Adlershoff zu einem eigenständigen Gutsbezirk zusammengefasst. Aus dieser Zeit ist auch ein Gerichtssiegel mit der Umschrift Suezengrundt-Adlershof belegt, das als Wappenbild den Preußischen Adler zeigt. Der Name des Zinsgutes Adlershof setzte sich später als alleinige Bezeichnung durch.

Der Glienicker Weg, 1894

Lange Zeit blieben die drei neugegründeten Dörfer im Bruchtal Erholungsgebiete vor den Toren Berlins, das sich im 19. Jahrhundert so stark vergrößerte, dass 1860 die Berliner Zollmauer aufgehoben wurde und sich das Stadtgebiet 1861 fast verdoppelte. Mit dem Bau der Berlin-Görlitzer Eisenbahn 1866/1867 erreichte der Aufschwung auch Adlershof – die Gemeinden Adlershof und Altglienicke erhielten jeweils eine Haltestelle an der Görlitzer Bahn, die Haltestelle Adlershof an der Rudower Chaussee, der Weg zwischen Köpenick und Rudow sowie eine Meile südlich die Haltestelle Glienicke am Glienicker Weg, die 1701 angelegte Verbindung von Köpenick zum damaligen Alt- und Neu-Glienicke.

Dies bot die Voraussetzung, dass Adlershof zum Industriestandort heranwachsen konnte. 1879 wurde das Landgut aufgelöst, und Adlershof zur städtischen Gemeinde. Auf der östlichen Seite der Görlitzer Bahn und entlang des Adlergestells wurden zwischen dem nördlichen Adlershof am Rudower Weg und dem südlichen Glienicker Weg große Baugrundstücke ausgewiesen. Die Einwohnerzahl wuchs rasch von 344 im Jahr 1880 auf 8006 Bewohner im Jahr 1900. Mit dem Bau des Bahnhofs Adlershof wurde die Haltestelle Glienicke aufgegeben. Mit der Errichtung des Teltowkanals 1906, der heute das Südende der Gemeinde markiert, kam es in Adlershof zur großflächigen Industrialisierung südlich und westlich der alten Siedlungsgebiete.

im Jahr 1909 eröffnete der erste deutsche Motorflugplatz in Johannisthal-Adlershof, der schnell international bekannt wurde. Um den Flugplatz Johannisthal bildete sich ein Zentrum mit Unterkünften, Produktionshallen, Fliegerschulen, und vielen namhaften Konstrukteuren und bekannten Fliegern. 1912 wurde die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL), der Vorgänger des heutigen Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), in Adlershof gegründet. Im gleichen Jahr eröffnete die Städtische Straßenbahn Cöpenick ihre Linie vom Köllnischen Platz bis zum Bahnhof Adlershof. Bereits drei Jahre zuvor bestand mit einer Straßenbahnlinie der Teltower Kreisbahnen Anschluss ins benachbarte Altglienicke. 1920/1921 wurden diese beiden Strecken vereint und fortan von der Berliner Straßenbahn betrieben. Am 17. Mai 1920 wurde in der Radickestraße 43 die Weltliche Schule eröffnet, die erste nichtkonfessionelle Schule Preußens.[6]

In Berlin-Adlershof befand sich auch die zentrale Polizeifunkstelle des Deutschen Reiches mit zwei 120 Meter hohen, selbststrahlenden Sendemasten.

Nach 1945 wurde in Adlershof die Akademie der Wissenschaften der DDR angesiedelt, die viele Institute der angewandten Forschung beherbergte. Auch das Fernsehen wurde am Standort platziert – von 1950 bis 1952 entstand das Fernsehzentrum Adlershof nach Plänen von Wolfgang Wunsch. In den neuen Studios ging am 21. Dezember 1952 erstmals der Deutsche Fernsehfunk (DFF) auf Sendung. Bis Anfang 1990 war in Adlershof auch das Wachregiment Feliks Dzierzynski der DDR-Staatssicherheit (Gesamtstärke 12.000 Mann) mit Teilen stationiert. Das Regiment nutzte den ehemaligen Flugplatz als Munitionslagerplatz, für die „militärische Körperertüchtigung“ und als Paradeübungsstrecke. Auch das Akademie- und das Fernsehgelände waren in dieser Zeit eingezäunt, sodass diese Gelände faktisch losgelöst von den Wohngebieten auf der nordöstlichen Seite des Bahndamms existierten.

In Berlin-Adlershof wurde auch ein Radioteleskop mit 36 Meter Durchmesser errichtet und einige Forschungsinstitute angesiedelt.

Mit der Wende und friedlichen Revolution in der DDR wurden die Betriebe fast vollständig abgewickelt, und die Betriebsgelände waren plötzlich weithin ungenutzt. So entstand der Plan, die bestehenden Einrichtungen und verbliebenen Institute in eine neue integrierte Landschaft aus Wissenschaft und Wirtschaft einzubinden. Ein markantes Symbol dieser neuen Landschaft ist heute das BESSY-II Elektronensynchrotron, errichtet zwischen 1993 und 1997.

Im Zuge der Entwicklungspläne für die Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien wurde Adlershof weit ausgebaut. Der direkte Autobahnanschluss an die A 113 wurde 2005 (Richtung Berliner Südring) und 2008 (Richtung Schönefeld) fertiggestellt. Die ursprünglich bis 2015 gehenden Entwicklungspläne (einschließlich einer neuen lockeren Wohnbebauung für bis zu 8000 Einwohner) wurden Ende 2007 auf dem bis dahin erreichten Stand beendet. Im Bau befindlich sind weiterhin der Ausbau des Glienicker Weges sowie die Verlängerung der Straßenbahn über die Rudower Chaussee.

Einwohnerentwicklung
BESSY- und FIRST-Gebäude
Jahr Einwohner
1772 81
1801 65
1817 56
1840 86
1858 107
1871 198
1875 322
Jahr Einwohner
1880 344
1885 743
1890 3.346
1895 5.591
1900 8.006
1905 9.114
1910 10.645
Jahr Einwohner
1919 12.655
1925 14.440
1935 20.845
1945 19.816
1948 20.000
1971 21.497
1981 18.229
Jahr Einwohner
1985 17.601
1991 14.179
1995 13.746
2000 14.237
2004 15.251
2009 15.098
30. Juni 2014 15.927

Lage und Bebauung[Bearbeiten]

Der WISTA-Technologiepark aus der Vogelperspektive
Das WISTA-Gelände in Berlin-Adlershof

Der Ortsbereich Adlershof ist relativ scharf abgegrenzt von umliegenden Ortsteilen, es gibt nur sieben Zufahrten. Der Ortsteil wird durch einen breiten hochliegenden Bahndamm geteilt, der mehrere Eisenbahnen und die S-Bahn führt (Trasse nach Schönefeld und Königs Wusterhausen; S-Bahnlinien S8, S9, S45, S46, S85). Es führen nur zwei Straßen unter diesem Bahndamm, sodass der Ortsteil verhältnismäßig scharf geteilt wird, noch unterstrichen durch die sechsspurige Bundesstraße 96a, die hier Adlergestell heißt, direkt neben dem Bahndamm. Die beiden Ortsbereiche müssen jeweils getrennt betrachtet werden und haben sich in der Bebauung völlig unabhängig voneinander entwickelt.

Der südwestliche Bereich wird durch die WISTA Entwicklungsgesellschaft verwaltet. Zu DDR-Zeiten befanden sich dort nur große eingezäunte Betriebsgelände mit eigenen Straßennetzen. Dazwischen fanden sich nur die Rudower Chaussee und die Agastraße (heute: Am Studio) als öffentlich befahrbare Wege, diese sind auch jetzt die großen Straßen in diesem Gebiet. Das Ernst-Ruska-Ufer am Teltowkanal ist ein Neubau, dort befanden sich ursprünglich Bahngleise. Die Gleise waren über den heute noch existierenden Kohlebahnhof am Glienicker Weg mit der Bahnstrecke verbunden, die nach Norden in einen Rangierbahnhof mündet.

Das ehemalige Akademiegelände ist heute schon weitgehend ausgebaut. Am Südende findet sich das BESSY-Elektronensynchrotron, weitere alte Gebäude sind erneuert, oder abgerissen und neugebaut. Der Bereich nördlich der Rudower Chaussee befindet sich in der Entwicklung. In einem breiten Streifen sind dort schon Neubauten der Humboldt-Universität zu Berlin zu finden. Der ehemalige Flugplatz soll zum großen Teil Erholungsgebiet werden. Außerdem sollen neue Wohngebiete entstehen, angebunden an die Wohngebiete in Johannisthal.

Die Wohngebiete im nordöstlichen Bereich werden durch die Dörpfeldstraße geteilt. In deren Mitte befindet sich der vergleichsweise kleine Marktplatz. Durch ungesteuerte Entwicklung hat dieser den ursprünglichen Piazza-Charakter verloren und ist heute kein natürlicher Treffpunkt mehr. Da Adlershof auf Feuchtwiesen errichtet wurde, herrschte sehr lange Zeit eine Traufhöhe von zwölf Metern (in vielen anderen alten Ortsteilen Berlins 22 Meter), sodass die Bebauung geprägt ist von zwei- bis viergeschossigen Gebäuden. Erst in jüngerer Zeit wurden Gebäude um ein bis zwei Stockwerke erhöht. Die einzigen alten, hohen Gebäude sind die beiden Kirchen südöstlich des Marktplatzes.

Der Friedhof findet sich südlich der Köllnischen Heide, einem Waldstück zwischen Adlershof und Oberspree. Dies ist das eigentliche Naherholungsgebiet des Ortes. Der neue Landschaftspark auf der Westseite wird weniger genutzt. Beliebt sind dort die Skaterbahnen und die – für Inlineskates geeigneten – gepflasterten langen Wege.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die isothermischen Kugellabore

In der Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Adlershof stehen die in der Denkmalliste des Landes Berlin eingetragenen Kulturdenkmale.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind:

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Adlershof – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Adlershof – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] (PDF; 5,4 MB) in: Adlershofer Zeitung 1/2009, S. 3
  2. [2] (PDF; 7,7 MB) in: Adlershofer-Zeitung 5/2010, S. 16
  3. [3] (PDF; 10,7 MB) in: Adlershofer-Zeitung 10/2010, S. 12
  4. Süßer Grund. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  5. a b Rudi Hinte: Adlershof – Teil I – 1754–1920. Medienbüro Ebner, Berlin 2000.
  6. Pascale Hugues: Marthe & Mathilde. rororo TB, ISBN 978-3-499-62415-5, S. 153. Gedenktafel