Berlin-Charlottenburg

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Charlottenburg
Ortsteil von Berlin
Berlin Halensee Westend Grunewald Schmargendorf Wilmersdorf Charlottenburg Charlottenburg-NordCharlottenburg auf der Karte von Charlottenburg-Wilmersdorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 31′ 0″ N, 13° 18′ 0″ O52.51666666666713.3Koordinaten: 52° 31′ 0″ N, 13° 18′ 0″ O
Fläche 10,6 km²
Einwohner 123.226 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 11.625 Einwohner/km²
Postleitzahlen 10585, 10587, 10589, 10623, 10625, 10627, 10629, 14052, 14055, 14057, 14059
Ortsteilnummer 0401
Gliederung
Verwaltungsbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortslagen

Charlottenburg ist ein Ortsteil des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf.

Im Jahr 1705 als Stadt gegründet, wurde Charlottenburg 1893 zur Großstadt. Bei der Eingemeindung 1920 nach Groß-Berlin wurde daraus der eigenständige Bezirk Charlottenburg. Zuvor war Charlottenburg zeitweise die Gemeinde mit dem höchsten Steueraufkommen pro Kopf in Deutschland gewesen.[1] Nach der Fusion mit dem damaligen Bezirk Wilmersdorf zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bei der Verwaltungsreform 2001 wurde Charlottenburg zum Ortsteil.

Im Jahr 2004 erfolgte eine Neuordnung der Ortsteile des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, wodurch das Gebiet des ehemaligen Bezirks Charlottenburg in die heutigen Ortsteile Westend, Charlottenburg-Nord und Charlottenburg aufgeteilt wurde.

Geografie[Bearbeiten]

Grenzen[Bearbeiten]

Charlottenburg wird wie folgt begrenzt (Betrachtung im Uhrzeigersinn):

Der heutige Ortsteil Charlottenburg liegt im Warschau-Berliner Urstromtal, während Teile des westlich angrenzenden Ortsteils Westend, der bis September 2004 zu Charlottenburg gehörte, auf der Hochfläche des Teltow gelegen sind.

Ortsteilstruktur[Bearbeiten]

Blick auf Charlottenburg vom Funkturm

Unterhalb der amtlichen Gliederung, nach der der ehemalige Bezirk Charlottenburg laut Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vom 30. September 2004 in die drei Ortsteile Charlottenburg, Westend und Charlottenburg-Nord aufgeteilt wurde, gibt es regionale Unterstrukturen bekannter Ortslagen und Stadtkieze innerhalb des Ortsteils Charlottenburg:

Einwohner[Bearbeiten]

Der Ortsteil Charlottenburg hat 123.226 Einwohner und ist damit der bevölkerungsreichste des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Die überproportionale Häufung russischer Bewohner − insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg − führte zum Spitznamen Charlottengrad. Im Jahr 2011 stammte die Bevölkerung aus folgenden Herkunftsgebieten:[2]

  • Deutschland: 71.099 (59,3 % der Bevölkerung)
  • Türkei: 6.534 (5,4 % der Bevölkerung)
  • ehemalige Sowjetunion: 5.743 (4,7 % der Bevölkerung)
  • Polen: 4.849 (4 % der Bevölkerung)
  • Ostasien (u. a. China, Vietnam etc.): 3.565 (3 % der Bevölkerung)
  • ehemaliges Jugoslawien: 3.565 (3 % der Bevölkerung)
  • arabische Staaten: 3.492 (3 % der Bevölkerung)
  • Lateinamerika: 2.000 (1,6 % der Bevölkerung)
  • Schwarzafrika: 1.300 (1,1 % der Bevölkerung)
  • gemischter Migrationshintergrund (nicht eindeutig einem Herkunftsgebiet zuordenbar): 4.213 (3,5 % der Bevölkerung)
  • anderes Herkunftsgebiet/Andere (u. a. EU-Länder etc.): 13.663 (11,4 % der Bevölkerung)

Geschichte[Bearbeiten]

Frühe Siedlungen[Bearbeiten]

Casow, Lietzow und der darauf zuführende Priesterweg um 1680

Im ausgehenden Mittelalter sind auf Charlottenburger Grund drei Siedlungen nachgewiesen: die Höfe Lietzow, Casow und eine Ansiedlung namens Glienicke. Obwohl alle drei Namen slawischen Ursprungs sind, ist für diese Zeit von einer gemischten slawisch-deutschen Besiedelung auszugehen.

Lietzow (auch: Lietze, Lutze, Lutzen, Lützow, Lusze, Lütze und Lucene genannt) wurde zuerst 1239 urkundlich erwähnt. Es befand sich im Bereich der heute Alt-Lietzow genannten Straße hinter dem Rathaus Charlottenburg, Casow lag gegenüber auf der anderen Spreeseite auf dem Gebiet des heutigen Kalowswerder. 1315 wurden Lietzow und Casow dem Nonnenkloster St. Marien in Spandau zugesprochen. Dabei wurde möglicherweise der große Hof Lietzow zu einem Dorf erweitert. Im Zuge der Reformation wurde das Nonnenkloster geschlossen. Während der Bereich von Lietzow bis zum heutigen Tag durchgehend besiedelt war, wurde Casow, ebenso wie die dritte Ansiedlung Glienicke, irgendwann aufgegeben. Aufgrund alter Flurnamen vermutet man Glienicke im heute von Kantstraße, Fasanenstraße, Kurfürstendamm und Uhlandstraße eingeschlossenen Gebiet, an einem heute verlandeten See, dem Glienicker See, gelegen.

Die Entwicklung Lietzows ist gut dokumentiert. Über 400 Jahre hinweg hatte die Familie Berendt das Dorfschulzenamt inne und musste als Ausgleich für diese Tätigkeit geringere Abgaben leisten. Kirchlich wurde Lietzow vom Wilmersdorfer Pfarrer mitversorgt, der über den damaligen Priesterweg, heute die Achse Leibnizstraße – Konstanzer Straße – Brandenburgische Straße, zwischen Wilmersdorf und Lietzow pendelte.

Residenzstadt[Bearbeiten]

Eingeschossiges Bürgerhaus nach den Modellplanungen für Charlottenburg

Im Jahr 1695 erhielt Sophie Charlotte den Ort Lietzow und das Vorwerk Ruhleben von ihrem Mann Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg übereignet, im Austausch gegen ihre abgelegeneren Güter in Caputh und Langerwisch. Dort ließ sie das Sommerschloss Lützenburg errichten, das 1699 fertiggestellt wurde. Nach der Krönung ihres Gemahls zum König Friedrich I. in Preußen im Jahr 1701 ließ Sophie Charlotte das kleine Schloss zu einer repräsentativen Anlage erweitern. Kurz nach dem Tod Sophie Charlottes erhielt die Siedlung gegenüber dem Schloss Lützenburg am 5. April 1705 von Friedrich I. den Namen Charlottenburg und gleichzeitig das Stadtrecht. Das Schloss Lützenburg wurde ebenfalls in Schloss Charlottenburg umbenannt. Bis 1720 war der König zugleich Bürgermeister der Stadt. In dem Jahr wurde auch das Dorf Lietzow nach Charlottenburg eingemeindet. Damit hatte die Stadt Charlottenburg die Ausdehnung erreicht, die sie bis Mitte der 1850er Jahre behalten sollte, die heutige Altstadt Charlottenburg.

Friedrichs Nachfolger Friedrich Wilhelm I., bekannt als Soldatenkönig, hielt sich nur selten im Charlottenburger Schloss auf, was sich negativ auf die Entwicklung der noch sehr kleinen Residenzstadt auswirkte. Er versuchte sogar – erfolglos – Charlottenburg das Stadtrecht wieder zu entziehen. Erst mit dem Regierungsantritt seines Nachfolgers Friedrichs des Großen 1740, der im Schloss zumindest regelmäßig Hoffeste abhielt, rückte auch die Stadt Charlottenburg mehr ins Rampenlicht. Im Laufe seiner Regierungszeit bevorzugte er jedoch das teilweise von ihm selbst geplante Schloss Sanssouci nahe Potsdam als Sommersitz. Als jedoch nach seinem Tod im Jahre 1786 sein Neffe Friedrich Wilhelm II. die Regierungsgeschäfte übernahm, wurde das Schloss Charlottenburg zu dessen bevorzugtem Wohnsitz. Bereits 1769 hatte Friedrich Wilhelm seiner Geliebten und vielleicht einzigen Vertrauten Wilhelmine Enke, der späteren Gräfin von Lichtenau, einen Palast mit dazugehörigem Park im Dreieck zwischen Berliner Straße (heute: Otto-Suhr-Allee), Spreestraße (heute: Wintersteinstraße) und der Spree geschenkt. Das Areal schloss sich direkt an den Schlosspark an. Auch sein Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm III. erkor das Schloss Charlottenburg zu seinem Lieblingswohnsitz.

Nach der Niederlage Preußens in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 wurde Charlottenburg für zwei Jahre von den Franzosen besetzt. Napoleon residierte selbst im Schloss Charlottenburg, während seine Truppen ein großes Heerlager jenseits der heutigen Ringbahn im Bereich der Königin-Elisabeth-Straße errichteten.

Sommerfrische[Bearbeiten]

Nicht nur die persönlichen Vorlieben der Regenten förderten die Entwicklung Charlottenburgs im ausgehenden 18. Jahrhundert. Die auf wenig fruchtbarem Grund errichtete kleine Stadt wurde auch als Naherholungsgebiet der aufstrebenden Stadt Berlin entdeckt. Nachdem in den 1770er Jahren der erste richtige Gasthof in der Berliner Straße (heute: Otto-Suhr-Allee) eröffnet wurde, folgten viele weitere Gaststätten und Biergärten, die vor allem am Wochenende gut frequentiert waren.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb Charlottenburg Ausflugsgebiet und Sommerfrische für die Berliner. Wer nicht mit dem Schiff über die Spree gefahren kam, konnte sich vom Brandenburger Tor nach Charlottenburg und zurück fahren lassen: zunächst mit sogenannten „Torwagen“, wenig komfortablen und unregelmäßig verkehrenden offenen Gefährten, ab 1865 auch mit der Pferdestraßenbahn. Westlich von Charlottenburg wurde 1866 die Villenkolonie Westend gegründet. Das Gelände des Palastes der Gräfin Lichtenau erwarb 1869 der Lichterfelder Immobilienspekulant J.A.W. Carstenn, um dort eine großformatige Vergnügungsstätte mit Palmenhaus, die „Flora“, zu errichten. Die „Flora“ existierte nur kurze Zeit. Zur Belustigung des Publikums ist eine sogenannte „Völkerschau“ einer „Aschanti-Karawane“ für das Jahr 1887 dokumentiert.[3] Nach der Insolvenz wurde die Vergnügungsstätte 1904 gesprengt und das Gelände in 54 Baustellen aufgeteilt. So entstanden Eosander- und Lohmeyerstraße.

Bürgerliche Großstadt[Bearbeiten]

Bewohner vor dem Familienhaus Charlottenburg, Jens Birkholm, 1910.
Das städtische Familienhaus beherbergte als soziale Einrichtung Obdachlose und Kranke.

Die zunehmende Attraktivität zog mehr und mehr wohlhabende Berliner Bürger an, die sich vorzugsweise an der repräsentativen Verbindungsstraße zwischen dem Schloss und Berlin ansiedelten. So ließ sich etwa Werner Siemens 1862 an der Berliner Straße 34–36 (heute: Otto-Suhr-Allee 10–16) nahe dem Platz Am Knie (Ernst-Reuter-Platz) eine Villa errichten. Auch ließen sich ab den 1870er Jahren wichtige Industriebetriebe wie Siemens & Halske und Schering im Nordosten Charlottenburgs nieder. Damit begann ein rasantes Wachstum der Stadt.

Gelenkt wurde dieses Wachstum durch den Hobrecht-Plan, der der Expansion der Stadt Berlin ins Umland eine gewisse Struktur verlieh. Das großzügige Wabenmuster der projektierten Straßen war konzipiert für die Errichtung von Mietskasernen, von denen sich James Hobrecht eine soziale Durchmischung versprach, mit dem gehobenen Bürgertum im Vorderhaus, dem einfachen Volk in den Hinterhäusern und Seitenflügeln und kleinen Handwerksbetrieben in den Innenhöfen. Diese soziale Durchmischung fand auch tatsächlich statt, allerdings hatte Hobrecht nicht vorausgesehen, dass die Grundstücke von Spekulanten viel zu dicht bebaut wurden, sodass das Leben in den engen, dunklen und feuchten Hinterhöfen sehr ungesund war.[4] Daraus entwickelten sich im Laufe der Zeit soziale Brennpunkte. In Charlottenburg ist dabei vor allem der Kiez südlich des Klausenerplatzes zu nennen.

Vor dem Hintergrund der Einführung der Gasbeleuchtung drängte der Berliner Polizeipräsident zum Bau eines eigenen Gaswerkes für Charlottenburg, das 1861 am Charlottenburger Ufer (heute Einsteinufer) des Landwehrkanals den Betrieb aufnahm; ein weiteres an der Gaußstr. (Charlottenburger Verbindungskanal) ging 1891 ans Netz. So kam Charlottenburg sehr frühzeitig zu einer Straßenbeleuchtung. Der Bestand der alten Gaslaternen ist heute allerdings bedroht.[5]

Nachdem die Stadt Charlottenburg bei der Volkszählung 1875 mehr als 25.000 Einwohner hatte, wurde sie zum 1. Januar 1877 auf eigenen Antrag aus dem Kreis Teltow ausgegliedert und zum eigenständigen Stadtkreis erhoben. Gleichzeitig wurde das Bürgermeisteramt von Hans Fritsche übernommen, dem es gelang, die Finanzen der Stadt zu sanieren.[6] In Fritsches bis zu seinem Tod 1898 reichende Amtszeit fiel eine Bevölkerungsexplosion, in der sich die Einwohnerzahl versiebenfachte. Damit herrschte ein ständiger Mangel an Infrastruktureinrichtungen: Die Schulklassen waren überfüllt, das Rathaus bald zu klein und das kleine Krankenhaus in der Kirchstraße (heute: Gierkezeile) trotz Erweiterungsbauten ständig überbelegt. Selbst die Kirchen waren dem Ansturm der Gläubigen oft nicht gewachsen. Da Charlottenburg nach 1875 eine wohlhabende Stadt geworden war, konnte die Stadtverwaltung die Probleme bekämpfen, ohne sie jedoch zu lösen.[1]

Die heutige Technische Universität wurde 1878 bis 1884 als Technische Hochschule erbaut. 1893 hatte Charlottenburg erstmals mehr als 100.000 Einwohner und wurde somit zur Großstadt und gleichzeitig neben Berlin zur größten Stadt in der Provinz Brandenburg. Damit war das alte Rathaus mit seinem kleinstädtischen Zuschnitt viel zu klein geworden. Der zur 200-Jahr-Feier im Jahr 1905 fertiggestellte repräsentative Rathaus-Neubau mit dem stattlichen, 88 Meter hohen Turm, der die Kuppel des Schlosses deutlich überragt, zeugt von dem gewachsenen bürgerlichen Selbstbewusstsein. Im Jahr 1900 errichtete die Stadt auch aus Gründen der Abgrenzung vom konkurrierenden Berlin das Elektrizitätswerk Charlottenburg, das der Stromversorgung von Haushalten und Industrie, den auf elektrischen Betrieb umgestellten Straßenbahnen und ab 1905 der Straßenbeleuchtung diente.[7][8] Das weltbekannte Kaufhaus des Westens wurde 1907 eröffnet (aufgrund späterer Änderung des Grenzverlaufes liegt das „KaDeWe“ heute im Ortsteil Schöneberg).

Um 1900 war Charlottenburg eine Stadt großer sozialer Gegensätze auf kleinem Raum. So standen beispielsweise am östlichen Ende der Zillestraße vielen einfachen Arbeitern und Handwerkern – in Häusern teils ohne Wasseranschluss – wenige, besonders reiche Charlottenburger gegenüber, die, wie die Familie Siemens, meist nur wenige hundert Meter entfernt in der Nähe des heutigen Ernst-Reuter-Platzes lebten. Diese sorgten nicht nur für das hohe Steueraufkommen der Stadt, viele unterstützten auch mit Stiftungen das städtische Sozialwesen.[1] Einige der von den Stiftungen finanzierten Einrichtungen entstanden auf dem Gebiet des seit 1878 zu Charlottenburg gehörigen Westend.

Bei der Volkszählung 1910 lebten in Charlottenburg bereits rund 306.000 Menschen. In den Jahren 1911 und 1912 wurde das Deutsche Opernhaus in der Bismarckstraße errichtet. Durch das 1920 verabschiedete Groß-Berlin-Gesetz wurde Charlottenburg am 1. Oktober 1920 in das neugeschaffene Groß-Berlin eingegliedert und mit dem Gutsbezirk Plötzensee sowie großen Teilen der Gutsbezirke Heerstraße und Jungfernheide zum siebten Bezirk von Berlin zusammengefasst und Teil des sogenannten „Neuen Westens“.[9]

Stadtteil Berlins[Bearbeiten]

Um der nach dem Ersten Weltkrieg entstehenden Massenarbeitslosigkeit zu begegnen, wurden Vorkriegsplanungen des Charlottenburger Stadtgartendirektors Erwin Barth wieder aufgegriffen und der Lietzenseepark neu gestaltet und die Jungfernheide als großer Volkspark angelegt.

Die sich rasch entwickelnde Automobilindustrie hatte Interesse an einer nur für Autos zugelassenen Teststrecke. Zu diesem Zweck wurde die AVUS (Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße) zwischen Charlottenburg und Nikolassee angelegt. Der Bau wurde 1913 begonnen, kriegsbedingt jedoch erst 1921 fertiggestellt.

Bereits 1905 bis 1907 wurden am Zoologischen Garten Ausstellungshallen errichtet, die jedoch ihren Zweck nie so recht erfüllen konnten. Insbesondere die Autoindustrie benötigte geräumigere Hallen. Für sie wurde 1914 die Automobil-Ausstellungshalle am Nordende der AVUS errichtet. Zur Verkehrsanbindung wurde der Bahnhof Witzleben an der Ringbahnstrecke eingefügt und 1916 eröffnet. Kriegsbedingt fanden die ersten Ausstellungen in der Automobil-Ausstellungshalle erst 1919 statt. Damit war der Anfang für das heutige Messegelände gemacht. Bald reichte die eine große Ausstellungshalle nicht mehr aus. So wurde 1924 eine zweite Automobil-Ausstellungshalle auf dem Gelände des heutigen Omnibusbahnhofs errichtet. Für die sich rasch entwickelnde Funkindustrie wurde eine dritte Ausstellungshalle südlich der neuen Automobil-Ausstellungshalle ganz aus Holz erbaut, um den Funkempfang nicht zu stören. Gleichzeitig wurde mit dem Bau des Berliner Funkturms begonnen, der 1927 fertiggestellt wurde. Die hölzerne Funkhalle brannte 1935 ab, wobei auch der Funkturm schwer beschädigt wurde.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus stand zunächst die Ausrichtung der bereits 1929 an Berlin vergebenen Olympischen Sommerspiele 1936 im Vordergrund. Der zunächst vorgesehene Ausbau des damals auf Charlottenburger Grund gelegenen Deutschen Stadions wurde von Adolf Hitler zugunsten eines Neubaus am gleichen Ort gestoppt, von dem größere repräsentative und propagandistische Effekte zu erwarten waren. Der Auftrag wurde erneut an Werner March vergeben, Sohn von Otto March, dem Architekten des Deutschen Stadions. Das äußere Erscheinungsbild des neu erbauten Olympiastadions wurde allerdings von Hitler persönlich und seinem Baumeister Albert Speer stark beeinflusst. Zahlreiche weitere Anlagen wurden in diesem Zusammenhang erbaut: Als erstes die 1935 fertiggestellte Deutschlandhalle, in der die Olympischen Boxwettkämpfe stattfanden; dann die auf dem damals Reichssportfeld genannten Olympiagelände gelegene Waldbühne (damals nach Hitlers väterlichem Vorbild Dietrich Eckart benannt), sowie der Glockenturm mit Langemarckhalle und dem angrenzenden Maifeld als Aufmarschplatz.

Nach den Olympischen Spielen begannen etwa 1937 Hitlers Pläne zum Ausbau Berlins zur „Welthauptstadt Germania“ Gestalt anzunehmen. Berlin sollte dabei von zwei imposanten Achsen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung durchzogen werden. Die westliche Achse durchschnitt Charlottenburger Gebiet vom Tiergarten kommend über die heutige Straße des 17. Juni, Ernst-Reuter-Platz (ehemals: Knie), Bismarckstraße, Kaiserdamm, Theodor-Heuss-Platz, Heerstraße bis zur Stößenseebrücke. Der Bereich zwischen Brandenburger Tor und dem Theodor-Heuss-Platz wurde bis 1939 weitgehend fertig. Dabei musste die Durchfahrt durch das, erst Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete, Charlottenburger Tor erweitert werden. Da der westliche Teil entlang der Heerstraße noch weitgehend unbebautes Waldgelände war, bot sich das Gelände ringsum für weitere repräsentative Anlagen an. Ein Klinikum war zwischen Westend und Olympiagelände geplant, südlich der Heerstraße die wehrtechnische Fakultät, über deren Rohbau heute der aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkrieges aufgeschüttete Teufelsberg liegt, sowie eine Hochschulstadt zwischen Olympiagelände und Havel beiderseits der Heerstraße. Der Bahnhof Heerstraße sollte als repräsentativer Empfangsbahnhof für Staatsgäste neu errichtet werden. Der Theodor-Heuss-Platz (seinerzeit: Adolf-Hitler-Platz) sollte in diesem Zusammenhang zu einem repräsentativen Prunkplatz umgebaut werden, mit einem Mussolinidenkmal im Zentrum. Außer dem zu Kriegsbeginn fertigen Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät kamen die Projekte nur in Ansätzen über die Planungsphase hinaus.

Mit der Berliner Gebietsreform zum 1. April 1938 wurden zahlreiche Begradigungen der Bezirksgrenzen sowie einige größere Gebietsänderungen vorgenommen. Dabei kamen in Charlottenburg

City West[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg war besonders der östliche Teil Charlottenburgs stark durch Bombenangriffe zerstört. Die Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wurde, entgegen anfänglicher Planungen, nicht wieder aufgebaut, sondern bis heute als Ruine belassen. Durch die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges wurde Berlin in vier Sektoren geteilt und Charlottenburg dem Britischen Sektor zugeschlagen. Durch die sich bald abzeichnenden Ost-West-Konfrontationen entwickelte sich bald die Gegend um den Bahnhof Zoologischer Garten, Breitscheidplatz und Kurfürstendamm zur City West, dem neuen Zentrum West-Berlins, da sich das historische Zentrum im Sowjetischen Sektor befand. Damit knüpfte man an alte Traditionen aus der Weimarer Republik an.

Ab Mitte der 1950er Jahre nutzte man die reichlich vorhandenen Baulücken für den Bau von Hochhäusern, zunächst um das neu gestaltete und in Ernst-Reuter-Platz umbenannte Knie herum.

Am 2. Juni 1967 wurde bei einer Demonstration gegen den Besuch von Schah Reza Pahlavi der Student Benno Ohnesorg nahe der Deutschen Oper ohne erkennbaren Grund von dem Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen, was ein Auslöser für die heiße Phase der „68er-Bewegung“ war. Am Stuttgarter Platz siedelte sich die Kommune I an und erprobte dort neue Lebensformen. Die Boulevardpresse verfolgte das mit Abscheu und machte es monatelang zum Tagesgespräch.

In den 1970er Jahren ebbte die Neubautätigkeit ab und man setzte mehr auf die Sanierung und Erhaltung bestehender Wohnquartiere, wobei die für Berlin typische Hinterhofbebauung zugunsten einer höheren Wohnqualität ausgelichtet wurde. Das beste Beispiel ist das im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstörte Viertel um den Klausenerplatz in der Nähe des Spandauer Damms. Am Nassen Dreieck zwischen Hebbel-, Fritsche- und Zillestraße entstand durch die Grundwasserabsenkung im Zusammenhang mit dem Bau der U-Bahn-Linie U7 eine Einsturzgefahr der Wohnbebauung, die daraufhin 1972 sehr kurzfristig abgerissen werden musste.[10] Im Bauboom der Jahrhundertwende hatte man die Möglichkeiten zur Gründung im Bereich eines verlandeten Sees überschätzt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten]

Museum Berggruen im Stülerbau
Maison de France

Museen[Bearbeiten]

Sakralbauten[Bearbeiten]

Öffentliche Bauten[Bearbeiten]

Kulturelle Stätten[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Straßen und Plätze[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Erster Fernbahnhof war der Bahnhof Charlottenburg am Stuttgarter Platz als westlicher Endpunkt der Berliner Stadtbahn. Er wurde am 7. Februar 1882 in Betrieb genommen, die Verbindung zur Wetzlarer Bahn, die bereits 1879 den Bahnhof Grunewald erreicht hatte, am 1. Juni 1882.

Der Bahnhof Zoologischer Garten wurde ebenfalls am 7. Februar 1882 eröffnet, Fernzüge hielten dort jedoch erst ab 1884. Zu Zeiten der Berliner Mauer war er für West-Berlin über Jahrzehnte hinweg – ebenso wie die Flughäfen Tegel und Tempelhof – ein Symbol für die Verbindung mit der Bundesrepublik. Obwohl im Westteil der Stadt gelegen, wurde er bis zur Vereinigung der deutschen Bahnen zur Deutschen Bahn 1994 von der Deutschen Reichsbahn betrieben. Der S-Bahnhof wurde seit dem 9. Januar 1984 von der BVG betrieben und entsprechend modernisiert.

Inzwischen wird der Bahnhof von Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn zugunsten des im Jahr 2006 eröffneten Hauptbahnhofs nicht mehr bedient. Man befürchtete dadurch für die City West die Abkopplung vom Reiseverkehr.

Söhne und Töchter Charlottenburgs[Bearbeiten]

(chronologisch)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Gundlach: Geschichte der Stadt Charlottenburg. 2 Bände, Springer, Berlin 1905.
  • Helmut Engel, Stefi Jersch-Wenzel, Wilhelm Treue, Historische Kommission zu Berlin (Hrsg.): Geschichtslandschaft Charlottenburg. Charlottenburg, Teil 1 – Die historische Stadt. Nicolai, Berlin 1986, ISBN 3-87584-167-0.
  • Elke Kimmel, Ronald Oesterreich: Charlottenburg im Wandel der Geschichte. Vom Dorf zum eleganten Westen. Berlin Edition, Berlin 2005, ISBN 3-8148-0137-7.
  • Clemens Maria Peuser, Michael Peuser: Charlottenburg in königlicher und kaiserlicher Zeit – Die reichste Stadt Preußens. Verlag Michael Peuser, São Paulo 2004, ISBN 3-00-014695-4.
  • Katrin Achilles-Syndram, Sonnenstuhl (Hrsg.): Charlottenburg aufgeklappt. Schütze, Berlin 2005, ISBN 978-3-928589-20-8 (Ein Kartenwerk).
  • Bezirksamt Charlottenburg von Berlin: Vom Idyll zur Großstadt – Stadtkreis Charlottenburg 1877–1920. Berlin 1987.
  • Sonja Miltenberger: Charlottenburg in historischen Karten und Plänen. Berlin 1998, ISBN 3-932202-32-5.
  • Otto A. Borchert: Kennst du Charlottenburg? Was Straßennamen erzählen. Walter Göritz, Berlin 1930.
  • Dorothea Zöbl: Wo der König Bürgermeister war. Charlottenburger Stadtgeschichten seit 1700. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-7861-2686-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Charlottenburg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Stephan Brandt: Die Charlottenburger Altstadt. Sutton, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-861-4. S. 8.
  2. Statistik Berlin-Brandenburg
  3. Archivmaterial im Ethnologischen Museum Berlin, SMB: Vorgang E 609/1887 (I/MV 0706/I B 6 Afrika)
  4. Stephan Brandt: Die Charlottenburger Altstadt. Sutton, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-861-4. S. 7 f.
  5. Der Verein Gaslicht-Kultur e. V. setzt sich für den Erhalt der alten Gaslaternen Berlins ein.
  6. Gundlach, 1905, S. 481 ff.
  7. Gundlach, Wilhelm: Geschichte der Stadt Charlottenburg. Erster Band. Springer, Berlin 1905, S. 560 ff.
  8. Historische Kommission zu Berlin, Helmut Engel et al. (Hrsg.): Geschichtslandschaft Charlottenburg. Charlottenburg, Teil 1 – Die historische Stadt. Nicolai, Berlin 1986, ISBN 3-87584-167-0, S. 270 ff.
  9. Groß-Berlin-Gesetz, Anlage II
  10. Bezirkslexikon Charlottenburg-Wilmersdorf: Nasses Dreieck