Berlin-Fennpfuhl

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Fennpfuhl
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Wartenberg Falkenberg Malchow Neu-Hohenschönhausen Alt-Hohenschönhausen Fennpfuhl Lichtenberg Rummelsburg Friedrichsfelde KarlshorstFennpfuhl auf der Karte von Lichtenberg
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Koordinaten 52° 31′ 42″ N, 13° 28′ 27″ O52.52833333333313.474166666667Koordinaten: 52° 31′ 42″ N, 13° 28′ 27″ O
Fläche 2,12 km²
Einwohner 32.119 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 15.150 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 10367 und 10369
Ortsteilnummer 1111
Verwaltungsbezirk Lichtenberg

Fennpfuhl ist ein Ortsteil im Bezirk Lichtenberg von Berlin. Der Name leitet sich vom Wohngebiet am Fennpfuhl beziehungsweise dem dortigen Fennpfuhl ab. Erst nach der Verwaltungsreform 2001 wurde das Wohngebiet zu einem eigenen Ortsteil, zuvor gehörte es zu Lichtenberg mit dem Zusatz (Nord). Fennpfuhl ist nach Friedenau der am zweitdichtesten besiedelte Ortsteil Berlins.

Geschichte[Bearbeiten]

Planungen[Bearbeiten]

Blick auf den Fennpfuhlpark, im Zentrum das Hochhaus am Anton-Saefkow-Platz

Im April 1961 wurde mit der Bebauung des damaligen Gebietes Lichtenberg (Nord) begonnen. Die Planung war in drei Bauabschnitte untergliedert. Das insgesamt zu bebauende Gebiet umfasste eine Fläche von 175 Hektar. In der Erich-Kuttner-Straße am Rande des Gebietes (Bauabschnitt I) wurde das erste Haus des künftigen Plattenbau-Typs P2 errichtet, eines der meistgebauten Wohnungstypen der DDR. Das als Muster- und Experimentalbau errichtete Gebäude steht mittlerweile unter Denkmalschutz.[1]

Dem heutigen Neubaugebiet mussten einige Kleingartenanlagen und eine alte Randbebauung um den Roederplatz herum weichen. Erste Ausschreibungen für die Bebauung des feuchten Gebietes gab es bereits 1956/1957 als gesamtdeutschen Architekturwettbewerb Fennpfuhl, die der Hamburger Architekt Ernst May gewonnen hatte. Die Realisierung wurde wegen der zu erwartenden Probleme mit der Trockenlegung des Gebietes und aus Geldmangel auf unbestimmte Zeit verschoben.[2]

Die Bauphase von 1972 bis 1986[Bearbeiten]

Am Langpfuhl, 1976

Am 2. Dezember 1972 erfolgte mit der Grundsteinlegung für das Doppel-Hochhaus am Roederplatz der offizielle Baubeginn für das Gebiet am Fennpfuhl, das die erste zusammenhängende Plattenbau-Großwohnsiedlung der DDR wurde. In den nächsten Jahren entstanden im damaligen Bereich Lichtenberg (Nord) Wohnhäuser für 50.000 Einwohner. Von der sehr dünnen alten Bebauung blieb nur wenig erhalten. Neben einem größeren Komplex von Wohnhäusern aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen Karl-Lade- und Erich-Kuttner-Straße sind lediglich einige Gebäude an der Alfred-Jung-Straße sowie zwischen der Josef-Orlopp-Straße und der Herzbergstraße auf der Ostseite der Möllendorffstraße vorhanden. Außerdem gibt es an Altbauten noch das 1912 in Betrieb genommene Schulgebäude in der Paul-Junius-Straße (jetzt: Musikschule Lichtenberg und Volkshochschule), eine ehemalige Fabrikantenvilla am Anton-Saefkow-Platz, die auch als Standesamt des Bezirks dient, ein Kinderheim in der Möllendorffstraße sowie Reste eines ehemaligen Handelskontors in der Franz-Jacob-Straße.

Gleichzeitig mit der Umbenennung der Landsberger Chaussee im Gebiet in Leninallee wurden am 11. Juli 1973 nördlich der Landsberger Chaussee sowie östlich des Weißenseer Wegs sechs neu angelegte Straßen benannt. Ebenso wie fünf weitere Straßen und der Anton-Saefkow-Platz, die am 2. April 1975 im Zentrum und im Süden des Gebietes benannt wurden, erhielten sie Namen von kommunistischen Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus aus der Gruppe um Anton Saefkow, Franz Jacob und Bernhard Bästlein. Am 14. Januar 1976 erfolgten die Umbenennungen des Weißenseer Wegs in Ho-Chi-Minh-Straße nach dem ersten (nord)vietnamesischen Präsidenten Ho Chi Minh sowie der Möllendorffstraße in Jacques-Duclos-Straße nach dem französischen kommunistischen Politiker Jacques Duclos.

Die Bebauung um den als gesellschaftliches Zentrum geplanten Anton-Saefkow-Platz mit Wohnhochhäusern mit Geschäften, einer Schwimmhalle, einer Sporthalle und einem Kaufhaus (Konsument) sowie die Anlage des Fennpfuhlparks dauerte hingegen auf Grund von Bauproblemen wegen des morastigen Untergrunds noch bis in die 1980er Jahre.

Gaststättenkomplex Seeterrassen, im Oktober 2008 abgerissen

Zwischen 1978 und 1981 wurde der frühere Fennpfuhl mit dem ebenso alten Langpfuhl zu einem zusammenhängenden Gewässer verbunden und eine Brücke über den Verbindungskanal gebaut, die Fennpfuhlbrücke. Um das Gewässer entstand unter Einbeziehung vorhandener alter Bäume ein Park. Ein zweigeschossiges Gasthaus, die Seeterrassen, wurde direkt am Fennpfuhl gebaut. Der Name dieses Restaurants war vermutlich eine Anlehnung an die hier um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts vorhandene Vergnügungslokalität Seeterrasse, die gut besucht war und auch kulturelle Veranstaltungen ausrichtete, wofür sie sogar über Tribünen verfügte.

Die Kirche am Fennpfuhl

In den Jahren 1983/1984 errichteten Bauarbeiter aus dem erzgebirgischen Schwarzenberg am Rande des Parks das evangelische Gemeindezentrum Am Fennpfuhl. Es war das zweite neue Gotteshaus, das auf Basis eines am 6. März 1976 vereinbarten Kirchenneubauprogramms zwischen Erich Honecker und Albrecht Schönherr fertiggestellt wurde.

Die aus der vorherigen Bebauung erhalten gebliebene 1905/1906 errichtete Fabrikantenvilla im neoklassizistischen Stil, die während der Bauzeit für Lichtenberg (Nord) der Bauleitung gedient hatte, wurde nach Bauabschluss renoviert und am 12. Mai 1986 zum neuen Standort des Standesamtes Berlin-Lichtenberg, das zuvor im Lichtenberger Rathaus angesiedelt war.

Änderungen und Ergänzungen von 1987 bis 1990[Bearbeiten]

An der Leninallee/Ecke Ho-Chi-Minh-Straße hatten die Planungen eine Sportanlage mit Aschenbahn und Fußballstadion vorgesehen. Die Fläche wurde längere Zeit offen gehalten. Doch nach einer Besichtigung des Neubaugebietes durch Vertreter des damaligen Berliner Magistrats wurde an dieser Stelle eine Wohnbebauung vorgenommen. Es entstanden drei Punkthochhäuser. Ein kleinerer Sportplatz wurde danach etwas weiter südlich an der Ho-Chi-Minh-Straße doch noch fertiggestellt.

Nach 1990[Bearbeiten]

Die Handels- und Dienstleistungsqualität des Ortsteils wurde durch Um- oder Neubauten erheblich verbessert. So zog das Warenhaus Horten in das alte Konsument-Gebäude, (später Kaufhof bis April 2007), die drei Gebäude des ehemaligen Bauarbeiter-Hotels nordöstlich des Wohngebietes wurden mit einem Neubau zusammengefasst (wofür die Gaststätte „Suhler Eck“ abgerissen wurde) und zu einem neuen Hotelkomplex (heute Quality Hotels und Holiday Inn) mit eigener Gaststätte Wilhelmsberg aufgewertet. Die Einkaufs- und Bürozentren Storkower Bogen am S-Bahnhof Storkower Straße, City-Point-Center am Roederplatz sowie die Landsberger Spitze an der Landsberger Allee/Ecke Oderbruchstraße entstanden. Unmittelbar westlich des Gebietes wurde am S-Bahnhof Landsberger Allee das Einkaufs- und Dienstleistungscenter Forum Landsberger Allee an der Ecke Storkower Straße am 5. November 1998 eröffnet.

Die den Ortsteil querenden großen Magistralen, die Leninallee, die Ho-Chi-Minh-Straße und die Jacques-Duclos-Straße, erhielten 1992 nach Empfehlungen des Senats von Berlin ihre früheren Namen zurück.

Bis 2001 wurden fast alle Wohnhäuser saniert. Der Besitzer der meisten Wohngebäude im Fennpfuhl-Gebiet war bereits von Anfang an eine Genossenschaft, die AWG-Elektrokohle, aus der nun nach Beschluss durch die Mitgliederversammlung die Wohnungsbaugenossenschaft Lichtenberg e. G. (WGLi) wurde. Diese Genossenschaft sanierte zwischen 1991 und 2001 ihre Wohngebäude, das Umfeld wird durch Grünanlagen und Parkmöglichkeiten aufgewertet. Ebenso wurde das Altersheim an der Judith-Auer-Straße umfassend saniert. Die frühere HO-Kaufhalle an der Judith-Auer-Straße/Ecke Landsberger Allee, in die kurzzeitig Kaiser's eingezogen war, wich einem Neubau, dem Castello, einem Wohn- und Geschäftskomplex. Das Bauwerk in sehr eigenwilliger Architektur entstand nach Entwürfen des deutschen Architekten Hinrich Baller.

Nach Beendigung der Sanierung des Fennpfuhl-Gebietes zog die WGLi aus ihren alten provisorischen Baracken an der Paul-Junius-Straße in einen Neubau an der Landsberger Allee, in dem auch attraktive Eigentumswohnungen vorhanden sind. An Stelle der Baracken entstand im Herbst 2007 eine gärtnerische Anlage, die den Fennpfuhlpark erweitert.

Der Gaststättenkomplex Seeterrassen wurde nach einigen Neubewirtschaftungsversuchen um das Jahr 2000 leergezogen. Weil sich kein neuer Betreiber oder Erwerber finden ließ, wurde das Gebäude im Oktober 2008 abgetragen. Die Fläche wurde schrittweise eingeebnet und in den Park integriert.

Der Verein Junge Tauchpioniere Berlin e.V. führte im Jahr 2010 eine umfangreiche Grundreinigung des Sees durch.

Verkehr[Bearbeiten]

Tatra-Zug der Linie M8 auf der Karl-Lade-Straße

Das Verkehrsnetz des Ortsteils Fennpfuhl wird im Wesentlichen durch vier Straßenzüge bestimmt. In Nord-Süd-Richtung ist dies der Weißenseer Weg, der von Weißensee aus kommend am Roederplatz in die Möllendorffstraße übergeht und zum ehemaligen Dorfkern Lichtenberg weiterführt. In Ost-West-Richtung verläuft die Landsberger Allee vom Platz der Vereinten Nationen aus kommend durch das Gebiet weiter in Richtung Marzahn. Im Westen des Ortsteils gehen von ihr zwei Straßenzüge nach Nord- beziehungsweise Südosten ab: die Oderbruchstraße, im weiteren Verlauf Hohenschönhauser Straße, die an der Kreuzung Weißenseer Weg in die Konrad-Wolf-Straße übergeht, und die Karl-Lade-Straße. Die Straßenbahntrasse in Verlängerung der Karl-Lade-Straße geht am Roederplatz in die Herzbergstraße über. Am südwestlichen Rand verläuft die Storkower Straße parallel zur Ringbahn, die gleichzeitig die Bezirksgrenze darstellt. Die beiden 1895 und 1881 eröffneten Ringbahnhöfe Landsberger Allee und Storkower Straße liegen bereits außerhalb des Bezirks.

Bedingt durch die relativ zentrumsnahe Lage und das vorgegebene Hauptstraßennetz war das Areal bereits vor dem Bau des Wohngebietes gut durch den öffentlichen Personennahverkehr erschlossen. Am 12. Juni 1893 ging eine Straßenbahnlinie der Neuen Berliner Pferdebahn-Gesellschaft in Betrieb, die vom Bahnhof Friedrichsberg (heute Frankfurter Allee) aus kommend über Lichtenberg und Roederplatz zur Irren-Anstalt Herzberge führte.[3] Die Straßenbahn Berlin–Hohenschönhausen nahm am 22. Oktober 1899 ihren Betrieb auf,[4] am 2. November 1912 folgte die Straßenbahnstrecke durch die Roederstraße (heute: Karl-Lade-Straße und ihre Verlängerung).[5] Die Straßenbahnstrecke durch den Weißenseer Weg kam am 2. Juli 1927 hinzu.[6] Diese war Bestandteil des so genannten Nordrings, der von Lichtenberg über Weißensee weiter in Richtung Wedding führte. Sämtliche Strecken sind nach wie vor in Betrieb. Sie werden innerhalb des Ortsteils von den Straßenbahnlinien M5, M6, M8, M13, 16 und 21 befahren.

Ab dem 14. Januar 1953 fuhr zusätzlich zur Straßenbahn eine Obuslinie durch den späteren Ortsteil. Die Linie O14 führte vom Loeperplatz über den Roederplatz zum Bahnhof Lichtenberg. Später wurde sie mit der Linie O30 vereint und zu einer Ringlinie erweitert. Als zweite Linie führte der O41 (ab 1960: O37) von der Kreuzung Leninallee/Ecke Dimitroffstraße aus über die Leninallee nach Bürknersfelde und später weiter zum Bahnhof Lichtenberg. Bis Anfang 1973 wurde der Obusverkehr in Ost-Berlin wieder eingestellt und die Linien auf Omnibus umgestellt.[7] In den 1980er Jahren verkehrten im Wohngebiet zwei Buslinien, der 30er als Nachfolger der Obuslinie O30 und der 56er. Letzterer kam von Weißensee aus und führte über Storkower Straße, Leninallee, Vulkanstraße, Herzbergstraße und Jacques-Duclos-Straße (heute Möllendorffstraße) zum S-Bahnhof Storkower Straße und bediente auf seinem Weg weite Teile des Neubaugebietes. Nach der Wende erhielten die Linien die Nummern 240 beziehungsweise 156.[8] Der 240er änderte 1993 seine Strecke und endet seitdem am S-Bahnhof Storkower Straße;[9] der 156er fährt seit 1994 auf direktem Wege von der Storkower Straße zum gleichnamigen S-Bahnhof, die Streckenführung über die Landsberger Allee und den Roederplatz wurde aufgegeben.[10] Die Wege beider Linien im Ortsteil sind seitdem weitgehend konstant geblieben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hauptstadt der DDR Berlin. Stadtinformationen und Straßenverzeichnis von 1977 und 1978. VEB Tourist Verlag 1977, 1978.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Fennpfuhl – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Musterbau P2 an der Erich-Kuttner-Straße
  2. Ostberlin. Am Fennpfuhl; In: Der Spiegel Nr. 17/1957 vom 3. April 1957
  3.  Hans-Joachim Pohl: Die Neue Berliner Pferdebahn-Gesellschaft. Die Verkehrserschließung Weißensees und Lichtenbergs (Teil 1). In: Verkehrsgeschichtliche Blätter. Heft 1, 1986, S. 2–11.
  4.  Wanja Abramowski: 90 Jahre Straßenbahn Berlin–Hohenschönhausen. Berlin 1989.
  5.  Heinz Jung, Wolfgang Kramer: Linienchronik der Berliner Straßenbahnen 1902–1945. 41. Folge. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 9, 1967, S. 155–156.
  6.  Heinz Jung, Wolfgang Kramer: Linienchronik der Berliner Straßenbahnen 1902–1945. 4. Folge. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 4, 1964, S. 50–51.
  7.  Heinz Jung, Carl-Wilhelm Schmiedeke: Der Obus in Ost-Berlin. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 1, 1973, S. 1–8.
  8. Vereinigung Ost/West und BVG/BVB (2.Juni 1991). In: Die Berliner Linienchronik. Abgerufen am 19. Februar 2013.
  9. Linienverzeichnis 1993/1994 mit Stand 23.Mai 1993. In: Die Berliner Linienchronik. Abgerufen am 19. Februar 2013.
  10. Linienverzeichnis 1994/1995 mit Stand 25.September 1994. In: Die Berliner Linienchronik. Abgerufen am 19. Februar 2013.