Berlin-Friedrichshagen

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Friedrichshagen
Ortsteil von Berlin
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Koordinaten 52° 27′ 0″ N, 13° 37′ 0″ O52.4513.61666666666734Koordinaten: 52° 27′ 0″ N, 13° 37′ 0″ O
Höhe 34 m ü. NN
Fläche 14,02 km²
Einwohner 17.686 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 1261 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 12587
Ortsteilnummer 0911
Gliederung
Verwaltungsbezirk Treptow-Köpenick
Ortslagen
Luftbild von Friedrichshagen am Müggelsee

Friedrichshagen ist ein Ortsteil im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick, am Nordufer des Müggelsees gelegen.

Ortsbeschreibung[Bearbeiten]

Mittelpunkt von Friedrichshagen ist die Bölschestraße, die zwei Jahrhunderte Baugeschichte repräsentiert. Die für ihre Einkaufsmöglichkeiten und vielfältige Gastronomie bekannte Straße konnte durch Sanierungsmaßnahmen ihren Charakter – einerseits Lebensader und andererseits Flaniermeile – erhalten.

Berliner Bürgerbräu

An der Einmündung der Bölschestraße zum Müggelseedamm – ganz in der Nähe des Spreetunnels – befand sich das Betriebsgelände der Berliner Bürgerbräu. Bis zu ihrer Schließung 2010 war sie die letzte private und älteste Brauerei Berlins. Teile des Industriebaus der Privatbrauerei sind unter Denkmalschutz gestellt worden.

In Richtung Rahnsdorf befindet sich beidseitig des Müggelseedamms das Wasserwerk Friedrichshagen. Das Alte Wasserwerk Friedrichshagen ist Endstation der Straßenbahnlinie 60 vom S-Bahnhof Adlershof.

Die Straßenbahnlinie 88 ist eine Überlandstraßenbahn, die vom S-Bahnhof Friedrichshagen über Schöneiche nach Alt-Rüdersdorf fährt.

Geschichte[Bearbeiten]

Friedrichshagen wurde als Kolonistendorf Friedrichsgnade am 29. Mai 1753 von Friedrich II. gegründet und zehn Jahre später in Friedrichshagen umbenannt.[1] Vornehmlich wurden dort Baumwollspinner aus Böhmen und Schlesien angesiedelt, die in einfachen Lehmfachwerkhäusern lebten. Sie betrieben sowohl Baumwollspinnerei in Heimarbeit als auch Seidenraupenzucht und verdienten sich in den Wintermonaten ihren Lebensunterhalt durch Besenbinderei. Um Nahrung für die Seidenraupen zu haben, pflanzten die Friedrichshagener mehrere hundert Maulbeerbäume.

Inmitten der Siedlung errichteten sie einen Betsaal mit Schulstube und Lehrerwohnung. Erst um 1800 bekamen sie ein eigenes Gotteshaus, das aber nur ein schlichter Saalbau war, dem 1848 ein Glockentürmchen hinzugefügt wurde.

Im Jahr 1849 wurde die Haltestelle Friedrichshagen auf der Strecke der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn von Berlin in Richtung Frankfurt (Oder) eröffnet. Durch diese günstige Verkehrsanbindung entwickelte sich Friedrichshagen im 19. Jahrhundert zu einem Villenvorort und beliebten Ausflugsziel für „Sommerfrischler“, die besonders die landschaftlichen Reize des Müggelsees genossen. Friedrichshagen erhielt um 1880 den Titel „Klimatischer Luftkurort“ und es entstanden zwei Badestellen, ein Kurpark sowie Biergärten, Cafés und Hotels.

Beschädigte Christophoruskirche nach dem Orkan vom 13. November 1972
Christophoruskirche Friedrichshagen

Hermann Gladenbeck verlegte 1887 seine bekannte Bildgießerei nach Friedrichshagen und bis 1926 wurden in Friedrichshagen Standbilder und Denkmale nach den Entwürfen bekannter Bildhauer in Erz gegossen.

Ab 1888 wurde in Friedrichshagen ein großes Wasserwerk im Stil einer neogotischen Klosteranlage zur Wasserversorgung des Berliner Ostens errichtet und am 28. Oktober 1893 eröffnet. Nach zahlreichen Erweiterungs- und Modernisierungsbauten ist das Wasserwerk Friedrichshagen bis heute im Dienst. In einem Schöpfmaschinenhaus am Ufer des Müggelsees befindet sich seit 1987 das Wasserwerkmuseum der Berliner Wasserbetriebe. Das gesamte Betriebsgelände steht unter Denkmalschutz.

Im Jahr 1890 wurde der Friedrichshagener Dichterkreis gegründet. Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler haben den Ort Hinter der Weltstadt (Buchtitel von Wilhelm Bölsche) gewählt, da sie einerseits die Ruhe, die Natur für ihre kreativen Phasen, andererseits aber die Nähe zu den Verlegern schätzten (siehe auch: Neuer Friedrichshagener Dichterkreis).

Die schlichte Saalkirche (um 1800 vermutlich ein verputzter Backsteinbau in barock-klassizistischen Formen) auf dem Marktplatz (inzwischen umbenannt in Friedrichsplatz) erhielt 1903 als Nachfolgebau die wesentlich größere Christophoruskirche, weil die Bevölkerung erheblich zugenommen hatte. Am 25. September 1904 wurde ihr gegenüber ein Denkmal Friedrichs II. feierlich enthüllt. Dessen Kosten überstiegen den Jahresetat für Soziales des damals noch kleinen Ortes beträchtlich. Das Denkmal überstand beide Weltkriege ohne Schäden, wurde aber nach Ende des Zweiten Weltkriegs vom Sockel gestoßen. Erst 1946 wurde es nach einer Buntmetallsammlung eingeschmolzen.

Die Eingemeindung des damals 14.850 Einwohner zählenden Ortes im Bezirk Köpenick nach Groß-Berlin erfolgte 1920.

Um die Belebung des Ausflugverkehrs auf beiden Seiten der Müggelspree zu steigern, wurde im Jahr 1927 der überlastete Fährbetrieb durch den Spreetunnel Friedrichshagen abgelöst. Er besteht aus zwei, auf einer in der Mitte der Spree aufgeschütteten Insel in Beton gegossenen Tunnelröhren, die anschließend versenkt und unter Wasser zusammengefügt wurden; zur damaligen Zeit eine Pionierleistung technischer Baukunst. Durch den Spreetunnel kann man auf die Südseite des Müggelsees wechseln und trockenen Fußes zu den Ausflugsgaststätten gelangen.

Im November 1972 wurde während des Orkans Quimburga der Turm der Christophoruskirche so schwer beschädigt, dass er abgetragen werden musste. Wegen fehlender finanzieller und materieller Mittel konnte der Kirchturm erst Jahre später in verkürzter und vereinfachter Form wieder errichtet werden.

Denkmal von Friedrich II.

Mit der 250-Jahr-Feier Friedrichshagens im Jahre 2003 wurde auf dem Karree (Marktplatz) gegenüber der Christophoruskirche ein neues – von dem armenischen Bildhauer Spartak Babajan geschaffenes Bronze-Standbild Friedrichs II. aufgestellt, das dem 1904 aufgestellten Denkmal nachempfunden ist. Eine Bürgerinitiative hatte dafür Spenden gesammelt. Gegossen wurde die Plastik in der Bildgießerei Seiler im nahen Schöneiche. Das neue Standbild stellt den König, der durch die Trockenlegung von Landstrichen, Neugründung von Dörfern und die Ansiedlung von Kolonisten eine neue Provinz im Frieden eroberte, im Alter von 41 Jahren dar. Friedrich II. trägt seine typische Uniform und stützt sich mit der rechten Hand auf den leicht zur Seite ausgestellten Krückstock.

Ortslage Hirschgarten[Bearbeiten]

In Friedrichshagen befindet sich zur Ortsteilgrenze nach Köpenick die Ortslage Hirschgarten mit dem gleichnamigen S-Bahnhof. Hirschgarten wurde als Villenkolonie im Juni des Jahres 1870 vom Bankier Albert Hirte nach einem Bebauungsplan von Eduard Titz begründet. Die Ortsbezeichnung soll auf den Namen des Bankiers Hirsch zurückzuführen sein, der sich hier als einer der ersten eine Villa bauen ließ. In Hirschgarten wurde seinerzeit ein Naturbad errichtet, das besondere Anziehungskraft besaß, da es über eine warme Quelle verfügte. Als die Quelle versiegte, wurde der Solebadbetrieb eingestellt. In Hirschgarten mündet das Neuenhagener Mühlenfließ (auch „Erpe“ genannt) in die Spree.

Kultur[Bearbeiten]

Wegen der Lage im äußersten Südosten Berlins ist Friedrichshagen bis heute ein sogenanntes „Künstlerdorf“ geblieben. Jeden Sommer öffnen bildende Künstler ihre Ateliers und gewähren Einblicke in ihre Arbeit. Darüber hinaus beherbergt Friedrichshagen eine Vielzahl von Galerien, in denen in wechselnden Ausstellungen Werke von Künstlern aus ganz Europa zu sehen sind.

Das 1930 erbaute Naturtheater Friedrichshagen in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs bietet im Sommer Kinovorstellungen und Konzerte unter freiem Himmel und ergänzt damit das Angebot des historischen Kinos Union. Neben regelmäßigen Konzerten und Kleinkunstveranstaltungen gilt das jeweils im Frühjahr und im Herbst stattfindende „Kneipenfest“ als einer der musikalischen Höhepunkte. Eine Nacht lang bietet sich dann den Musikliebhabern in zahlreichen Lokalen eine Auswahl von Klassik über Jazz bis hin zu Rock und Blues. Jährlich im Herbst wird in Friedrichshagen das Kultur-Festival „Dichter.dran“ veranstaltet. Für ein ganzes Wochenende werden in vielen Läden, Ateliers, Schulen und anderen Veranstaltungsorten Kulturevents angeboten. Am zweiten Mai-Wochenende jeden Jahres wird auf der Bölschestraße das „Bölschefest“ veranstaltet, regelmäßig zieht dieses Spektakel rund 200.000 Besucher in den Ortsteil, die durch die Straße schlendern, das Kulturprogramm auf der Bühne am Marktplatz verfolgen und sich am Höhenfeuerwerk über dem nächtlichen Müggelsee erfreuen.

Verkehr[Bearbeiten]

Die zentrale Straße des Ortsteils ist die Bölschestraße, die diesen in Nord-Süd-Richtung durchquert. Abgeschlossen wird diese Straße vom Müggelseedamm im Süden und dem Fürstenwalder Damm im Norden, die den Ortsteil in Ost-West-Richtung tangieren. Weitere Straßenverbindungen bestehen in Richtung Dahlwitz-Hoppegarten sowie nach Schöneiche.

Seit 1842 ist Friedrichshagen über einen Bahnhof an der Niederschlesisch-Märkischen Bahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Seit 1928 hält hier die Berliner S-Bahn. Der S-Bahnhof ist gleichzeitig Umsteigepunkt zur Berliner Straßenbahn sowie zur 1910 eröffneten Schöneicher Straßenbahn. Bereits seit 1891 verkehrte im Ort die Friedrichshagener Straßenbahn, die 1906 durch die Cöpenicker Straßenbahn übernommen wurde, die wiederum 1920 in der Berliner Straßenbahn aufging.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Burkhardt: Ein Rundgang durch Friedrichshagen auf den Spuren des Dichterkreises. Friedrichshagener Hefte. Band 14. 3. Aufl. Brandel, Berlin 2001.
  • Rolf F. Lang (Hrsg.): Festschrift 250 Jahre Friedrichshagen (1753–2003). Hrsg. i. A. des Kulturhistorischen Vereins Friedrichshagen e. V. Edition Friedrichshagen. Band 7. Müggel-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-9806805-7-6.
  • Marcel Piethe: Ein Spinnerdorf. Woraus Friedrichshagen entstand. In: Die Mark Brandenburg. Heft 75, Berlin 2009, ISBN 978-3-910134-11-9.
  • Katrin Brandel: Friedrichshagen – Alte Ansichtskarten vom Rande Berlins. 1. Aufl. Brandel, Berlin, 2009. ISBN 978-3-00-029385-6.
  • Katrin Brandel, Aribert Giesche: Lokaltermin in Friedrichshagen. Von Gasthäusern und Kneipen am Rande Berlins. 1. Aufl. Brandel, Berlin, 2011, ISBN 978-3-00-036551-5.
  • Katrin Brandel (Hrsg.): Friedrichshagener Hefte Nr. 1–64. Berlin, 1995–2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Friedrichshagen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Eine ähnliche Kolonistengründung für Glaubensflüchtlinge war das 1747 errichtete Müggelheim in unmittelbarer Nachbarschaft.