Berlin-Friedrichshain

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Friedrichshain
Ortsteil von Berlin
Kreuzberg Freidrichshain BerlinFriedrichshain auf der Karte von Friedrichshain-Kreuzberg
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 30′ 57″ N, 13° 27′ 15″ O52.51583333333313.454166666667Koordinaten: 52° 30′ 57″ N, 13° 27′ 15″ O
Höhe 33–78 m ü. NN
Fläche 9,78 km²
Einwohner 122.956 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 12.572 Einwohner/km²
Neugründung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 10243, 10245, 10247, 10249, 10178, 10179, 10317
Ortsteilnummer 0201
Gliederung
Verwaltungsbezirk Friedrichshain-Kreuzberg
Ortslagen

Friedrichshain ist ein Ortsteil im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin. Bis zur Fusion mit dem benachbarten damaligen Bezirk Kreuzberg bei der Verwaltungsreform 2001 gab es einen eigenständigen Bezirk Friedrichshain, der mit dem heutigen Ortsteil Friedrichshain deckungsgleich ist. Der Ortsteil hat seinen Namen vom Volkspark Friedrichshain im Norden und erstreckt sich nach Süden bis zum Spreeufer.

Der Ortsteil gehört zu den Szenevierteln Berlins und ist deshalb von Gentrifizierung betroffen.

Begrenzung und Bebauungsstruktur[Bearbeiten]

Friedrichshain wird – im Uhrzeigersinn westlich beginnend – folgendermaßen begrenzt: Lichtenberger Straße, Mollstraße, Otto-Braun-Straße, Am Friedrichshain, Virchowstraße, Margarete-Sommer-Straße, Danziger Straße, Landsberger Allee, Hausburgstraße, Thaerstraße, Eldenaer Straße, S-Bahn-Trasse, Kynaststraße, Stralauer Halbinsel, Spree.

Der Ortsteil ist ein typischer ehemaliger Arbeiter-Stadtteil und galt als klassischer Mietskasernen-Bereich. Allerdings wird heute nur noch der östliche Teil des Ortsteils von dieser Bebauungsstruktur aus der Gründerzeit geprägt. Im äußersten Westen dominieren Plattenbaustrukturen, im Osten überwiegend die Mietskasernenstruktur. Dazwischen bestehen Bereiche, in denen neoklassizistische Architektur aus der Frühzeit der DDR dominiert. Im Süden nehmen ehemalige Hafen-, Bahn- und Industrieareale weite Teile des Ortsteils ein. Ein Teil der Bahnanlagen werden genutzt (Ostbahnhof, Bahnhof Warschauer Straße, Ostkreuz) und sind Teil der verkehrlich wichtigen Ost-West-Bahntrasse durch die Berliner Innenstadt (Stadtbahn).

Die Gründerzeitquartiere im Osten des Ortsteils gelten als Szene- und Kneipenviertel, insbesondere der Bereich südlich der Frankfurter Allee und östlich der Warschauer Straße. Zentrum dieses Kneipenbereichs ist die Simon-Dach-Straße.

Im westlichen Teil des Ortsteils dominiert heute Bebauung aus unterschiedlichen Phasen der Nachkriegszeit. Die Grenze zur Gründerzeitbebauung im östlichen Teil markieren in etwa der Comeniusplatz und die Kadiner Straße. Westlich davon sind Gründerzeitbauten nur noch insulär vorhanden. Eine dominante Magistrale bildet dabei die in den 1950er Jahren zur Prachtstraße ausgebaute Karl-Marx-Allee (ehemals: Stalinallee) im charakteristischen Stil des stalinistischen Neo-Klassizismus. Auch nördlich und südlich davon dehnt sich Bebauung in dieser Bauweise aus. Eine Sonderrolle nimmt der Bereich rund um die Hildegard-Jadamowitz-Straße ein. Hier befindet sich die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete Wohnzelle Friedrichshain, die an Siedlungen der klassischen Moderne aus den 1920er Jahren erinnert. Westlich des U-Bahnhofs Weberwiese ist im Wesentlichen nur noch der Bereich der ehemaligen Stalinallee selbst von Bauten aus der stalinistischen Ära geprägt. Ansonsten dominiert im Westen des Ortsteils weithin Plattenbauweise und ein Städtebau, der an Großsiedlungsbau erinnert: aufgelockerte und durchgrünte Bauweise mit Hochhausscheiben, Hochhausschlangen und Punkthochhäusern.

Besondere Bereiche im Ortsteil sind der Volkspark Friedrichshain im Norden, sowie die Uferbereiche der Spree im Süden und die ausgedehnten Bahnareale bzw. ehemaligen Bahnareale relativ im Süden des Ortsteils sowie die Halbinsel Stralau im Südosten, wo aktuell eine eher hochpreisige Wohnlage mit Wassernähe (Spree und Rummelsburger Bucht) entsteht, mit vorstädtischem, teils mondänem Charakter. Die teils nicht mehr genutzten Bahnareale umfassen Teile der Stadtbahntrasse, des heutigen Ostbahnhofs (ehemals: Schlesischer Bahnhof), den ehemaligen Ostgüterbahnhof (früher: Schlesischer Güterbahnhof), den Postbahnhof, den alten Bahnhof der Königlichen Ostbahn, den ehemaligen Wriezener Bahnhof sowie weitere Güterbahnhofsareale, das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk (RAW-Gelände) und die Trasse von Ost- und Schlesischer Bahn bis zum Ostkreuz. Die Grundstücke am Friedrichshainer Ufer der Spree gehören zum Projektgebiet Media-Spree, der größte Teil davon war zu DDR-Zeiten Grenzgebiet.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Wappen des Stadtbezirks 1987–1993
Das Wappen des Bezirks 1993–2000
Warschauer Straße, 1910
An der Krautstraße, 1952

Friedrichshain gliedert sich historisch in die Gebiete östliche Stralauer Vorstadt, Boxhagen, Stralau, Samariterviertel und die östliche Königsstadt, dazu die ehemals zu Lichtenberg gehörende Kolonie Friedrichsberg. Vor 1920 verlief die Stadtgrenze quer durch den Bezirk. Zumindest dem Namen nach zeugen davon das Frankfurter Tor und die Oberbaumbrücke als Bezeichnungen alter Zollstationen. Das Frankfurter Tor als ehemaliges Stadttor (siehe auch: Berliner Zoll- und Akzisemauer) befand sich allerdings auf Höhe des U-Bahnhofs Weberwiese und nicht an der heutigen, Frankfurter Tor genannten, Kreuzung Warschauer Straße/Karl-Marx-Allee. Erst mit der Neuordnung der Stadt Berlin in den 1920er Jahren entstand der heutige Ortsteil als Bezirk. Er unterteilt sich in sechs Gebiete, die durch die großen Straßen des Bezirkes gegliedert werden, zuzüglich Stralau und Stralauer Kiez im Süden an der Spree.

Vorgeschichte des Ortsteils[Bearbeiten]

Der älteste Teil des heutigen Ortsteils Friedrichshain ist das mittelalterliche Fischerdorf Stralau, auf der Halbinsel Stralau gelegen, das auch der Stralauer Vorstadt ihren Namen gab.

Daneben sind Boxhagen und Friedrichberg historische Ortslagen im Ortsteil. Boxhagen ist seit dem 16. Jahrhundert der Name eines Vorwerks, später auch einer kleinen Kolonisten-Ansiedlung. Vor dem 16. Jahrhundert war Boxhagen bereits als Flurname gebräuchlich. Friedrichberg ist ebenfalls eine Kolonie (Kolonisten-Ansiedlung), die hier 1770 erfolgte.

Der weitaus größte Teil des heutigen Ortsteil Friedrichshain geht auf ehemalige Vorstädte Berlins zurück, und zwar einerseits auf Teilbereiche der Königsstadt, andererseits auf den überwiegenden Teil der Stralauer Vorstadt. Diese macht den größten Teil des heutigen Ortsteils aus.

Die Vorgeschichte Friedrichshains ist daher vor allem die Geschichte der Stralauer Vorstadt (auch: Stralauer Viertel). Dieses Gebiet war eine Vorstadt Alt-Berlins, das im 17. Jahrhundert östlich der alten Stadtgrenze (Stadtgrenze war damals der Verlauf der heutigen S-Bahntrasse zwischen Alexanderplatz und westlich der Jannowitzbrücke) in Richtung des Dorfes Stralau entstand. Die Stralauer Vorstadt dehnte sich nach und nach immer weiter nach Osten aus.

Bis zum 19. Jahrhundert wurde im eher ländlichen Stralauer Viertel vor allem Gartenbau betrieben.

Mit dem Bau des Frankfurter Bahnhofs 1842 veränderte sich der Stadtteil, Mietskasernen und Fabriken wurden errichtet. Textilindustrie (Weberei, Bleichen und Färbereien), Holzverarbeitung und ein Papierwerk, Lebensmittelindustrie (Brauereien, Molkereibetriebe, Fleischfabriken, Zuckerfabrik, Essigfabrik, Mühlen) sowie Eisengießerei und Maschinenfabriken (z. B. Julius Pintsch AG) sind Beispiele für die beginnende Industrialisierung des Bezirks.

Das erste Wasserwerk Berlins ging 1856 am Stralauer Tor in Betrieb (etwa auf dem Gelände des späteren Glühlampenwerkes). Am Stralauer Platz wurde 1845–1847 eine erste kommunale Gasanstalt Berlins errichtet.

Mit dem Bahnhof der Königlichen Ostbahn, dem Wriezener Bahnhof und Güterbahnhofsflächen kamen bis zum Ersten Weltkrieg nach und nach großflächig weitere Bahnareale dazu.

Bis 1920 wuchs die Stralauer Vorstadt immer mehr nach Osten und grenzte dann unmittelbar an Boxhagen und an Friedrichsberg (beides dann inzwischen zu Lichtenberg gehörig). Das Samariterviertel und (das heute nicht zu Friedrichshain gehörende) Schlachthofgelände gehörten auch zur Stralauer Vorstadt, ebenso der Rudolfskiez, Stralau allerdings nicht.

Entwicklung des Stadtteils seit der Bildung Groß-Berlins[Bearbeiten]

Im Jahr 1920 wurde der seinerzeitige Bezirk Friedrichshain gebildet. Er umfasste den größten Teil der Stralauer Vorstadt, einen kleinen Teil der Königsstadt und Stralau. Boxhagen und Friedrichberg gehörten 1920 noch nicht dazu und wurden zunächst dem Bezirk Lichtenberg zugeordnet. Den weitaus größten Anteil an der 1920 geschaffenen Bezirksfläche umfasste die vormalige Stralauer Vorstadt. Der Name Friedrichshain war als Stadtgebietsname neu und leitet sich vom Volkspark am Rande des damaligen Bezirks her.

Friedrichshain war in den 1920er und 1930er Jahren eine Hochburg der Sozialdemokraten und Kommunisten. Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam es in Friedrichshain immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen mit den Schlägertrupps der SA, in deren Folge das SA-Mitglied Horst Wessel getötet wurde. Die Nationalsozialisten nutzten diesen Anlass zu zahlreichen Übergriffen und Morden an politisch Andersdenkenden. Von 1933 bis 1945 trug der Bezirk den Namen Horst-Wessel-Stadt. In den 1930er Jahren hatte er etwa 340.000 Einwohner.

Eine beträchtliche Veränderung des Bezirksgebietes fand 1938 statt, als ihm die westlich der Ringbahn gelegenen Teile des Bezirks Lichtenberg eingegliedert wurden, die den Großteil des historischen Gebietes Friedrichsberg sowie Boxhagen ausmachen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile Friedrichshains durch die Luftangriffe der Alliierten und den Häuserkampf in der Schlacht um Berlin zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Friedrichshain im sowjetischen Sektor und dadurch seit der Teilung der Berliner Verwaltung in Ost-Berlin, seit 1961 in unmittelbarer Mauerlage zu Kreuzberg. Die erhaltene Hinterlandmauer wird heute als East-Side-Gallery bezeichnet.

Im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden auch die Wohnzelle Friedrichshain und die damalige Stalinallee. Im weiteren Verlauf der DDR-Zeit wurden auch die Plattenbaubereiche im Westen des Ortsteils errichtet.

Die politische Wende 1989/1990 markierte auch in Friedrichshain eine tiefe und folgenreiche Zäsur.

Besetzte Häuser in der Mainzer Straße im Juni 1990
Mainzer Straße, 2006

In der Wendezeit und danach nutzten viele Hausbesetzer aus der linken Szene – vor allem aus West-Berlin – den hohen Leerstand in den unsanierten Altbaugebieten im östlichen Teil des Bezirks, um neue Hausbesetzungen durchzuführen. 1990 endete diese Hausbesetzerwelle mit Straßenschlachten in der Mainzer Straße. Viele der Häuser wurden durch die Polizei geräumt (siehe: Räumung der Mainzer Straße). Einige der ehemaligen Besetzer wohnen noch heute in „ihren“ Häusern. Aus der Hausbesetzerkultur entstanden nicht selten wichtige und beliebte soziokulturelle Einrichtungen in Friedrichshain: Bars, Veranstaltungsräume, Beratungsstellen, Videokinos. Dies trug wohl auch dazu bei, dass Friedrichshain immer mehr zuziehende Studenten und Touristen anlockt, die den „Szene-Stadtteil“ für sich entdecken.

Flaniermeile Simon-Dach-Straße

Ende der 1990er Jahre entwickelte sich die Gegend um die Simon-Dach-Straße zum Kneipenviertel mit vielen kleinen Läden, die eher junges Publikum aus der ganzen Stadt und Touristen anziehen. Insbesondere die vielen Kneipen mit ihren zahlreichen Sitzplätzen auf den breiten Gehsteigen sind bei einigen Anwohnern nicht nur auf Gegenliebe gestoßen: In jüngster Zeit ist Friedrichshain – insbesondere die Simon-Dach-Straße – des Öfteren in die öffentliche Diskussion um Lärmbelästigung und um den sogenannten „Ballermann-Tourismus“ geraten. Vor allem in den Sommermonaten entbrennt regelmäßig Streit zwischen Anwohnern und Gastronomen.

Heute ist der größte Teil der Altbauten saniert, und der Bezirk befindet sich im fortschreitenden Gentrifizierungsprozess, weil die aufgrund der Gaststätten, Läden und Ateliers steigende Attraktivität den Ortsteil auch für Investoren interessant macht. Der Bezirk ist durch ein alternativ-studentisches Milieu geprägt und eine Hochburg linker Parteien. Die Grünen und die Piraten erreichten hier neben dem benachbarten Kreuzberg ihre höchsten Wahlergebnisse.

Osthafen und Glühlampenwerk im Rudolfkiez[Bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg und während des Bestehens der DDR war Friedrichshain ein Arbeiterbezirk mit vielen Industrie- und Gewerbebetrieben. Der im Süden von Friedrichshain gelegene Osthafen war zu DDR-Zeiten einer der wichtigsten Warenumschlagplätze in Ost-Berlin. Die alten Lager- und Kühlhäuser am Ufer zeugen noch heute von dieser Zeit. Der U-Bahnhof Osthafen (bis 1924: Stralauer T[h]or), direkt an der Oberbaumbrücke gelegen, wurde nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgebaut. Zu Mauerzeiten war der Osthafen Grenzgebiet und daher nur noch eingeschränkt nutzbar. Nach der Wende wurden einige Hafengebäude aufwendig saniert. Das Eierkühlhaus direkt an der Oberbaumbrücke wird heute von Universal Music als Firmenniederlassung genutzt, daneben hat der Musiksender MTV sein Quartier bezogen.

Im nördlich vom Hafen gelegenen Industriegebiet hatte die Deutsche Gasglühlicht AG ein großes Werk zur Herstellung von Glühlampen errichtet, das 1919/20 zum Osram Werk D (Drahtwerk) wurde. Die im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Fabrik im Rudolfkiez wurde zu DDR-Zeiten zunächst Berliner Glühlampenwerk und 1969 in das Kombinat Glühlampenwerke NARVA integriert. in den Glühlampenwerken NARVA waren zeitweise bis zu 5000 Beschäftigte tätig. Nach deren Abwicklung verschwanden nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch der Begriff „NARVA“ aus Berlin und Friedrichshain fast vollständig. Einzig der Sportverein SG NARVA Berlin und der Club „NARVA Lounge“ erinnern noch an den alten Namen.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das gesamte Areal an einen Investor verkauft, der jedoch an einer weiteren industriellen Produktion kein Interesse hatte. Der Gebäudekomplex, der heute Oberbaum City genannt wird, wurde mit einem Kostenaufwand von über einer Milliarde Euro saniert und in der Folge vor allem an Dienstleistungsbetriebe vermietet. Insgesamt haben sich heute rund 70 Firmen mit etwa 2200 Beschäftigten angesiedelt. Zu dem Industriegebiet gehört Berlins ältestes Hochhaus (Narva/Osram-Turm), das 1909 errichtet wurde. Nach der Sanierung wurde der Turm um einen fünfgeschossigen Glasaufsatz erweitert. Seit der Turm mit Lichtinstallationen versehen wurde, erhebt er sich wie ein Pilz über die umliegenden Gebäude.

Industrie-Areal an der Ringbahn[Bearbeiten]

Im Osten von Friedrichshain liegt ein weiteres ehemaliges Industriegebiet. Dort und im angrenzenden Ortsteil Lichtenberg hat ab 1904 Georg Knorr einen großen Büro- und Fabrikkomplex errichtet (Knorr-Bremse AG), der heute zum größten Teil von der Deutschen Rentenversicherung genutzt wird. Die Knorr-Bremse AG wurde 1954 in den VEB Berliner Bremsenwerk umgewandelt. Heute befindet sich in einem der Gebäude ein Museum der Knorr-Bremse AG.

Volkspark Friedrichshain und Krankenhaus im Friedrichshain[Bearbeiten]

Von 1846 bis 1848 wurde im Osten vor den Toren der Stadt Berlin der Volkspark Friedrichshain angelegt, der später namensgebend für den Ortsteil werden sollte. Es war der erste Volkspark Berlins.

Im Jahr 1874 wurde auf Anraten von Rudolf Virchow das erste städtische Krankenhaus Berlins, das Krankenhaus im Friedrichshain, nach sechsjähriger Bauzeit eröffnet. Es wurde unmittelbar an der Landsberger Allee im Volkspark Friedrichshain erbaut, der zum Ausgleich nach Osten hin um den sogenannten „Neuen Hain“ erweitert wurde. Im Krankenhaus befand sich unter anderem das erste Nierentransplantationszentrum der DDR. Heute gehört das Krankenhaus zur Vivantes GmbH und ist Unfall-Schwerpunkt-Krankenhaus.

Karl-Marx-Allee[Bearbeiten]

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs gab es in der Schlacht um Berlin intensive Kämpfe zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee an der Frankfurter Allee, die dadurch fast vollständig in ihrem Bestand zerstört wurde.

Nach dem Wiederaufbau in den 1950er Jahren ist sie durch Wohnblöcke des auch als „Zuckerbäckerstil“ bezeichneten Sozialistischen Klassizismus geprägt. Seit 1949 hieß die Straße Stalinallee, bevor sie im Zuge der späten Entstalinisierung in der DDR 1961 in Karl-Marx-Allee und Frankfurter Allee umbenannt wurde. Am 17. Juni 1953 begann hier der Aufstand der Bauarbeiter. Nahe dem Frankfurter Tor wurde 1962 das Kino Kosmos eröffnet – damals das größte und modernste Kino der DDR. 1996 wurde es zum ersten Multiplex-Kino Berlins erweitert und Ende 2005 zum Veranstaltungszentrum umgebaut.

Die Bauten der Karl-Marx-Allee stehen heute unter Denkmalschutz und wurden in den 2000er Jahren aufwendig saniert.

Verkehr[Bearbeiten]

In den Jahren 1895 bis 1899 wurde zwischen Stralau und Treptow eine Tunnelbahn gebaut, die beweisen sollte, dass U-Bahnen auch unter Flüssen wie der Spree gebaut werden können. 1932 wurde der Straßenbahnbetrieb durch den Tunnel eingestellt, 1948 wurde der Tunnel wegen kriegsbedingter Schäden verfüllt. Heute erinnern nur noch die Tunnelstraße und eine kleine Grünfläche an den Spreetunnel.

In Friedrichshain befindet sich einer der großen Berliner Fernbahnhöfe – der Ostbahnhof. Mit der Inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofs im Jahr 2006 verlor der Ostbahnhof an Bedeutung, da die meisten Fernzüge der Deutschen Bahn in Nord-Süd-Richtung nunmehr den als Kreuzungsbahnhof konzipierten neuen Hauptbahnhof passieren.

Der Ostbahnhof hatte im Laufe der Zeit unterschiedliche Namen: Frankfurter Bahnhof, Niederschlesisch-Märkischer Bahnhof, Schlesischer Bahnhof, Ostbahnhof, Hauptbahnhof und heute wieder Ostbahnhof. Nebenan lag der Wriezener Bahnhof, der Anfangs- und Endpunkt der Eisenbahn nach Wriezen und ursprünglich nur ein Nebenbahnsteig des heutigen Ostbahnhofs. Mit dem Bau der Stadtbahn 1882, die zu einem Teil auf dem alten Stadtgraben errichtet wurde, befand sich der heutige Ostbahnhof auf einer durchgehenden Bahntrasse, während der Wriezener Bahnhof als Kopfbahnhof und Vorortbahnhof rasch an Bedeutung verlor. Er existiert heute nicht mehr. An seiner Stelle wurde im September 2006 ein Gewerbegebiet mit Metro-Großmarkt und Hellweg-Baumarkt eröffnet.

Der ebenfalls in Friedrichshain gelegene S-Bahnhof Ostkreuz ist mit etwa 100.000 täglichen S-Bahn-Nutzern einer der größten Umsteigebahnhöfe Deutschlands. Der Bahnhof wird seit Jahren aufwendig umgebaut und soll an das Regionalbahnnetz angeschlossen werden. Im Zuge der Bauarbeiten soll der Platz vor dem Bahnhof umgestaltet und ein neues Bahnhofsgebäude gebaut werden. Der Umbau hat im Frühjahr 2007 begonnen und sollte ursprünglich bis 2016 andauern, verzögert sich nach aktuellen Planungen jedoch bis voraussichtlich 2018.[1] Die Ringbahnhalle der S-Bahn ist seit April 2012 fertig.

Über ein Hochbahnviadukt gelangt man von Kreuzberg über die Oberbaumbrücke nach Friedrichshain zum Endbahnhof der Linie U1 an der Warschauer Straße. Die Station Warschauer Straße ist ein imposanter Industriebau mit einer umfangreichen Gleisanlage und zwei großen Abstellhallen. Die gesamte Anlage wurde zu Beginn der 1990er Jahre aufwendig restauriert.

Die langfristige Berliner U-Bahn-Planung sah vor, die Linie U1 nicht an der Warschauer Brücke enden zu lassen, sondern sie bis zum Frankfurter Tor zu verlängern. Dieses Vorhaben ist zwischenzeitlich jedoch zugunsten der Sanierung anderer, bereits bestehender U-Bahn-Linien aufgegeben worden. Unweit vom Hochbahnhof Warschauer Straße befand sich vor dem Zweiten Weltkrieg der Hochbahnhof Stralauer Tor, später Osthafen, der aber im Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde.

Friedrichshain wurde 1930 über die heutige Linie U5 mit den östlichen Außenbezirken und dem Alexanderplatz verbunden. Ein Ausbau bis ins Regierungsviertel zum neuen Berliner Hauptbahnhof soll bis zum Jahr 2019 erfolgen.

Friedrichshain wurde ab den 1870er Jahren von mehreren Straßenbahnlinien erschlossen. Bis zur Jahrhundertwende fuhren diese meist als Pferdebahn. Die ältesten Strecken auf dem Gebiet des heutigen Ortsteils waren die Ringbahn der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn über Friedenstraße – Strausberger Straße – Andreasstraße – Schillingbrücke in den Jahren 1876–1879 sowie die Strecke vom Alexanderplatz durch die heutige Karl-Marx-Allee und Frankfurter Allee nach Friedrichsberg im Jahr 1878.[2][3] 1881–1883 folgte die Strecken durch die Landsberger Allee und Petersburger Straße zum Zentralvieh- und Schlachthof am Forckenbeckplatz, 1885 die Straßenbahn durch die Holzmarktstraße in Richtung Schlesischer Bahnhof und 1890 die Straßenbahn durch den Grünen Weg (heute: Singerstraße) zum Küstriner Platz (heute: Franz-Mehring-Platz).[4] Zur Jahrhundertwende wurden diese Strecken elektrifiziert und neue Strecken anderer Betreiber eröffnet. Ab 1899 fuhren die Berliner Ostbahnen vom Schlesischen Bahnhof durch den oben erwähnten Spreetunnel nach Treptow und die Züge der Continentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen durch die Landsberger Allee nach Hohenschönhausen.[5][6] 1901 eröffnete die Hochbahngesellschaft, die auch die erste Berliner U-Bahn betrieb, die Flachbahn von der Warschauer Brücke zum Zentralviehhof, und 1908 nahm die Stadt Berlin ihre erste eigene Straßenbahnlinie in Betrieb.[7] Ab 1907 fuhren zudem Straßenbahnen von der Frankfurter Allee nach Boxhagen-Rummelsburg.[3] Bis 1928 wurden sämtliche Betriebe vereint. Nach 1945 gingen die Strecken durch die Frankfurter Allee, den ehemaligen Grünen Weg und entlang der Friedenstraße nicht mehr in Betrieb.[8] Die Verbindung durch die Andreasstraße wurde bis 1966 stillgelegt, jene entlang der Holzmarktstraße und Stralauer Allee folgte bis 1969.[9] In Betrieb sind nach wie vor die Strecken entlang der Landsberger Allee/Platz der Vereinten Nationen/Mollstraße (Linien M5, M6 und M8), Petersburger Straße/Warschauer Straße (M10), Scharnweberstraße/Weichselstraße/Holteistraße/Wühlischstraße/Kopernikusstraße (Linie M13) und Eldenaer Straße/Weidenweg sowie Boxhagener Straße (Linie 21).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ausschnitt aus dem Pharus-Plan Berlin von 1902

Kirchen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf Schmiedecke: Berlin-Friedrichshain (= Die Reihe Archivbilder). Sutton, Erfurt 2006, ISBN 3-86680-038-X.
  • Jan Feustel: Spaziergänge in Friedrichshain (= Berlinische Reminiszenzen. No. 64). Haude & Spener, Berlin 1994, ISBN 3-7759-0357-7.
  • John Stave: Stube und Küche. Erlebtes und Erlesenes. 5. Auflage. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-359-00478-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Friedrichshain – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Großbaustelle in Berlin – Bauarbeiten am Ostkreuz verzögern sich bis 2017. In: Der Tagesspiegel, 15. Mai 2013. Abgerufen am 11. Juni 2013.
  2.  Heinz Jung: Die Straßenbahn-Ringlinien in Berlin. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 1, 1961, S. 3–4.
  3. a b  Hans-Joachim Pohl: Die Neue Berliner Pferdebahn-Gesellschaft. Die Verkehrserschließung Weißensees und Lichtenbergs (Teil 1). In: Verkehrsgeschichtliche Blätter. Heft 1, 1986, S. 2–11.
  4. Jens Dudczak, Uwe Dudczak: Große Berliner Straßenbahn. In: beefland. Abgerufen am 26. März 2013.
  5.  Wilfried Seydel: Der Straßenbahntunnel zwischen Stralau und Treptow. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter. Heft 1, 1981, S. 9–15.
  6.  Michael Günther: Mit Zinsgarantie zum Gutsschloß. Wie die Straßenbahn nach “Hohen=Schönhausen” kam. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter. Heft 5, 1999, S. 118–131.
  7.  Hans-Joachim Pohl: Die Städtischen Straßenbahnen in Berlin. Geschichte eines kommunalen Verkehrsbetriebes. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter. Heft 5, 1983, S. 86–106.
  8.  Sigurd Hilkenbach, Wolfgang Kramer: Die Straßenbahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG-Ost/BVB) 1949–1991. transpress, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-71063-3, S. 15–16.
  9.  Sigurd Hilkenbach, Wolfgang Kramer: Die Straßenbahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG-Ost/BVB) 1949–1991. transpress, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-71063-3, S. 18–19.