Berlin-Gatow

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Berliner Ortsteil Gatow. Zum gleichnamigen Ortsteil der brandenburgischen Stadt Schwedt (Oder) siehe Gatow (Schwedt).
Gatow
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Kladow Gatow Staaken Falkenhagener Feld Wilhelmstadt Spandau Haselhorst Siemensstadt HakenfeldeGatow auf der Karte von Spandau
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 29′ 20″ N, 13° 10′ 54″ O52.48888888888913.181666666667Koordinaten: 52° 29′ 20″ N, 13° 10′ 54″ O
Fläche 10,113 km²
Einwohner 4155 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 411 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 14089
Ortsteilnummer 0505
Gliederung
Verwaltungsbezirk Spandau
Ortslagen
  • Alt-Gatow
  • Hohengatow
  • Siedlung Habichtswald
  • Siedlung Havelblick

Gatow [ˈgaːtoː] ist ein Berliner Ortsteil, der im Süden des Bezirks Spandau liegt. Gatow ist einer der am geringsten bevölkerten Ortsteile von Berlin mit 4.155 Einwohnern (Stand: 30. Juni 2014). Im Süden grenzt er an Kladow, im Norden an die Wilhelmstadt, im Osten verläuft die Havel und im Westen die Stadtgrenze von Berlin, die Gatow von den angrenzenden Ortschaften Potsdam (Ortsteil Groß Glienicke) und Dallgow, Ortsteil Seeburg trennt. Geologisch liegt Gatow auf den Ausläufern der glazial geprägten Nauener Platte zur Havelniederung.

Gatow wird auch als „Dorf in der Großstadt“ beschrieben. So gibt es viele Einfamilienhäuser mit Gärten und wenige Mehrfamilienwohnhäuser.

Man kann innerhalb von 15 Minuten mit der BVG das Zentrum von Spandau mit U-Bahnhof, S-Bahnhof und Fernbahnhof und innerhalb von 30 Minuten die City West erreichen.

Geschichte[Bearbeiten]

Wahrscheinlich kurz nach 1200 gründeten deutsche Siedler das Straßendorf Gatow. Archäologisch konnte bisher keine slawische Vorbesiedlung festgestellt werden. Das Dorf wird urkundlich fassbar 1258 durch dortige Hebungen des Klosters Spandau. Als urkundliche Ersterwähnung gilt das Jahr 1272: Gatho. Im Landbuch Karls IV. (1375) ist Gatow/Gotow/Gothow mit 50 Hufen verzeichnet, davon vier Pfarrhufen; es wohnten dort vier Kossäten. Im Jahr 1450 wird ein Krug erwähnt; die Kossätenstellen liegen wüst. Seit 1590 wird ein Schulze erwähnt, mit einem Hof von sechs Lehnhufen, der sich im 17. Jahrhundert zum Rittergut wandelte. Die 1375 durch die Pfarrhufen fassbare Dorfkirche (Ortsmitte, westliche Straßenseite, mit Friedhof) ist zunächst Mutterkirche, später des Öfteren nur Filialkirche von Nachbardörfern. Die Dorfherrschaft lag von 1258 bis 1558 beim Kloster Spandau, nach dessen vollzogener Reformation beim Amt Spandau (bis 1872).

Gatow gehörte vor dem Mauerfall zum britischen Sektor von West-Berlin. Die britische Besatzungsmacht betrieb dort den 1935 errichteten Flugplatz Gatow als Militärflugplatz. Um dessen Gleichwertigkeit mit den Flughäfen Tegel (französische Besatzungszone) und Tempelhof (amerikanische Besatzungszone) zu betonen, achteten die Briten darauf, dass Königin Elisabeth II. in Gatow landete und wieder startete, wenn sie West-Berlin besuchte. Am 30. Juni 1994 wurde der Flugbetrieb eingestellt. 1969 wurde auch ein Golfplatz angelegt und The British Golf Club Gatow gegründet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Dorfkirche Gatow[Bearbeiten]

Hauptartikel Dorfkirche Gatow

Der Feldsteinkern der Dorfkirche wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts erbaut. Damit ist sie das älteste noch erhaltene Bauwerk in Gatow und hat den Status eines Baudenkmals. Zunächst entstand eine Feldsteinkirche. Über die Jahrhunderte wurde die Kirche immer wieder erweitert. Die letzten großen Restaurierungen erfuhr die Kirche in den Jahren 1935 (Fertigstellung am 22. Dezember 1935) und 1953. Im Inneren hängt über dem Altar ein auf Holz gemaltes Gemälde: die um 1495 entstandene „Beweinung Christi“, die der Werkstatt des Nürnberger Malers Michael Wolgemut zugeordnet wird.

Villa Lemm[Bearbeiten]

Villa Lemm, Bedienstetenhaus
Villa Lemm, Garten

Die Villa Lemm liegt am Rothenbücherweg 2 direkt an der Havel. Das Anwesen hat eine Größe von rund 24.000 m². In den Jahren 1907 und 1908 ließ sich der Schuhputzmittelfabrikant Otto Lemm die Villa von dem Berliner Architekten Max Werner erbauen, 1913 wurde die Gartenanlage erweitert. Die Villa entspricht dabei dem Stil englischer Landhäuser, der Terrassengarten dagegen ist im italienischen Stil gestaltet. Von 1945 bis 1990 wurde die Villa vom britischen Stadtkommandanten bewohnt, der hier jährlich am Geburtstag von Königin Elisabeth II. ein großes Fest veranstaltete.

Nach der deutschen Wiedervereinigung ging die Villa Lemm in den Besitz des Landes Berlin über. Zu dieser Zeit wurde der Garten unter Denkmalschutz gestellt. Das Grundstück stand zeitweise als Residenz des Bundeskanzlers zur Diskussion. Die Villa Lemm wurde 1995 von dem Unternehmer und Kunstsammler Hartwig Piepenbrock gekauft und saniert. Insbesondere der Garten wurde wieder in seine ursprüngliche Form gebracht. Das Gelände ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Jaczo-Schlucht[Bearbeiten]

Weitere Örtlichkeiten[Bearbeiten]

Die Havel an der Badewiese neben der Villa Lemm
Die „Appelwiese“
Ein typisches Bild für die Rieselfelder

Badewiese: Gatow hat drei Havelbadewiesen. Die beiden bekanntesten sind die „Große Badewiese“ in Höhe der Ortslage Hohengatow gegenüber vom Grunewaldturm und die „Kleine Badewiese“ in der Nähe des alten Gatower Dorfkerns. Eine weitere kleinere Badewiese befindet sich neben der Villa Lemm (in Richtung Heerstraße). Die Einheimischen nennen diese idyllische Badestelle an der Villa Lemm „Uferpromenade“ oder „Appelwiese“. Die Jugend Gatows nennt sie auch „Obstwiese“, weil hier mitunter Obst in Form von Alkohol konsumiert wird. In den 1970er Jahren war dort ein Bauwagen des DRK aufgestellt, um bei kleineren Badeunfällen Erste Hilfe zu leisten. Nach dem Fall der Mauer verlor Gatow aber als Badeort für die Berliner zunehmend an Bedeutung, die DLRG zog sich von der Appelwiese zurück. Gatow und Kladow waren – vor dem Mauerfall – neben dem Wannsee die Badestellen in Berlin.

Rieselfelder Gatow: Die teilweise auch im Ortsteil Wilhelmstadt liegenden Rieselfelder sind ein Relikt aus den früheren Zeiten der Abwasserentsorgung. Früher wurden hier die Abwässer aus einem größeren Teil von (West-)Berlin im Sandboden versickert. Obwohl die Schlämme abgeschöpft wurden, ist der Boden bis heute mit unzähligen Rückständen verseucht. Seit vielen Jahren sind die Rieselfelder außer Betrieb und haben sich zu einer Heidelandschaft entwickelt (Landschaftsschutzgebiet). Die Berliner Wasserbetriebe führten bis 2010 Elutionsstudien durch, in denen untersucht wurde, inwieweit Schwermetalle aus dem Boden herausgewaschen werden und inwiefern sich der Boden erholt. Zu diesem Zweck wurden fertig geklärte Abwässer des Klärwerks Ruhleben versickert.

Gatow grenzte entlang der Potsdamer Chaussee an die DDR. Verbliebene Teile der ehemaligen Grenzanlagen im Originalzustand befinden sich im Ortsteil Kladow am nördlichen Ende des Groß-Glienicker Sees (am Ende der Gutsstraße ist ein kleines Segment der Berliner Mauer noch vorhanden), an dem ein Fuß- und Fahrradweg Groß Glienicke mit Kladow verbindet und die ehemalige Grenze überquert.

Das Naturschutzgebiet Windmühlenberg mit dem gefährdeten und in Berlin inzwischen seltenen Vegetationstyp der Sand-Trockenrasenflora. Die in den Jahren 2007/2008 erbaute Bockwindmühle an der Buchwaldzeile wurde 2008 vom damaligen Spandauer Bürgermeister Konrad Birkholz und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit feierlich eingeweiht.

Der ehemalige Flugplatz Gatow liegt vollständig im Ortsteil Kladow.

Organisationen und Vereine[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Gatow – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien