Berlin-Gropiusstadt

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Gropiusstadt
Ortsteil von Berlin
Berlin Neukölln Britz Buckow Buckow Gropiusstadt Rudow BrandenburgGropiusstadt auf der Karte von Neukölln
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 25′ 33″ N, 13° 27′ 41″ O52.42583333333313.461388888889Koordinaten: 52° 25′ 33″ N, 13° 27′ 41″ O
Fläche 2,66 km²
Einwohner 36.487 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 13.717 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12351, 12353
Ortsteilnummer 0805
Verwaltungsbezirk Neukölln

Die Gropiusstadt ist ein Ortsteil im Berliner Bezirk Neukölln. Sie entstand von 1962 bis 1975 als Großwohnsiedlung zwischen den alten Siedlungen Britz, Buckow und Rudow.

Seit 2002 ist Gropiusstadt neben Neukölln, Britz, Buckow und Rudow ein eigener Ortsteil im Bezirk Neukölln. Den Beschluss hierzu traf das zuständige Bezirksamt anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Grundsteinlegung der Siedlung.

Die rund 18.500 Wohnungen der von Walter Gropius geplanten Trabantenstadt wurden zu 90 Prozent als Sozialbauwohnungen errichtet. Seit den 1980er Jahren gilt die Gropiusstadt als sozialer Brennpunkt. Über Berlin hinaus bekannt geworden ist sie vor allem durch das Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo und den Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, deren Protagonistin Christiane Felscherinow hier aufwuchs.

Planung[Bearbeiten]

Mitte der 1950er Jahre begannen erste Vorüberlegungen für die Schaffung einer Großsiedlung im Süden Neuköllns. Die Wiederaufbauarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg gewann an Dynamik und getreu dem Motto der Charta von Athen sollte auch in die dicht bebauten Gründerzeitviertel „Licht, Luft und Sonne“ einziehen. Für die Bewohner der dabei abzureißenden Hinter- und Seitenhäuser musste aber neuer Wohnraum geschaffen werden.

Aus Überlegungen, die in Britz gelegene Hufeisensiedlung von Bruno Taut nach Süden zu erweitern, entstand die Idee, die an der südlichen Stadtgrenze Berlins gelegene Ackerfläche für das Wohnungsbauvorhaben zu nutzen. Im Mai 1958 begannen erste Grundstücksankäufe für die Großsiedlung Berlin-Britz-Buckow-Rudow (BBR), wie der Planungsname nach den beteiligten Stadtteilen lautete. Ab 1962 betreute der Bauhaus-Architekt Walter Gropius mit seinem Büro The Architects Collaborative (TAC) federführend die Planung. Er wollte die „mannigfaltigen Elemente des herkömmlichen Stadtlebens“ mit den damals modernen Methoden des Städtebaus verbinden.

Die Konzeption sah als Reminiszenz an die Hufeisensiedlung kreisrunde Baukörper mit dazwischen liegenden, überschaubaren Wohnvierteln und Einfamilienhaussiedlungen vor, in denen zentral Geschäftszentren und eine Anbindung an die zu verlängernde U-Bahnlinie 7 eingebettet waren. Große Grünflächen dazwischen sollten die Bebauung auflockern und den Bewohnern zur Naherholung dienen.

Die Gropiusstadt
Das höchste Berliner Wohnhaus in der Fritz-Erler-Allee 120
Die Gropiusstadt aus Sicht des südlich gelegenen Großziethen
Wohnblock der Gropiusstadt
Die Gropiusstadt von der Rudower Höhe aus

Mit dem Mauerbau am 13. August 1961 änderten sich schlagartig die Rahmenbedingungen in West-Berlin: da keine Wachstumsflächen nach außen mehr verfügbar waren, mussten die Bauvorhaben nun deutlich verdichtet werden. Statt der ursprünglich vorgesehenen 14.500 Wohnungen wurden die Planungen modifiziert, die endgültige Planfassung sah auf 264 Hektar fast 19.000 Wohneinheiten für mehr als 50.000 Menschen vor. Als Folge der höheren Dichte wurden nun mehr Flächen für Infrastruktureinrichtungen (Schulen, Einkaufszentren etc.) und Stellplätze benötigt, sodass die Gebäude auf der verbleibenden Fläche deutlich in die Höhe wachsen mussten. Statt der von Gropius vorgesehenen maximal fünf Geschosse hat das höchste hier stehende Gebäude (Wohnhochhaus Ideal, Fritz-Erler-Allee 120) 30 Wohnetagen und ist mit 89 Metern Höhe eines der höchsten deutschen Wohngebäude nach dem Kölner Colonia-Hochhaus (AXA-Hochhaus), dem Kölner Uni-Center, dem Hamburger Mundsburg Tower, dem Mannheimer Collini-Center und der Neckaruferbebauung Nord. Auch die Grünflächen wurden deutlich reduziert.

Bauphase[Bearbeiten]

Am 7. November 1962 legte der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt im Beisein von Walter Gropius feierlich den Grundstein für den ersten Bauabschnitt. Die Bebauung entstand komplett in Regie der städtischen Wohnungsbaugesellschaften GEHAG und DEGEWO, private Investoren kamen praktisch nicht zum Zug. Ab 1965 begann man parallel zum Siedlungsbau die U-Bahn von Britz-Süd nach Rudow zu verlängern. Entlang der U-Bahn-Stationen entstanden Stadtteilzentren, entlang der Strecke entstand oberirdisch ein Grünzug. 1969 starb Gropius, 1972 wurde die Siedlung, obwohl noch in der Bauphase, nach dem berühmten Bauhaus-Architekten benannt. Im Jahr 1975 wurde die Gropiusstadt fertiggestellt. Nach Abschluss der Bauarbeiten waren für 1,74 Milliarden Mark insgesamt 18.500 Wohneinheiten mitsamt Verkehrserschließung und Infrastrukturfolgeeinrichtungen entstanden.

Weitere Entwicklung[Bearbeiten]

Stellte die Gropiusstadt in den ersten Jahren einen attraktiven Ortsteil dar, der Lebensqualität bot, die es in der Innenstadt oft nicht gab, so entwickelte er sich ab Ende der 1970er Jahre durch die 90 Prozent Sozialbauwohnungsanteil zum Problemgebiet. Auch die von Le Corbusier geprägte, stark ideologisierte Stadtplanung der 1950er und 1960er Jahre führte vielfach nicht zu den gewünschten Ergebnissen und brachte vormals ungeahnte Probleme mit sich. Auch die vom Berliner Senat gegen den Willen von Gropius durchgeführten Planänderungen trugen ihren Teil zur Lage bei.

Die noch nicht allzu stark bewachsenen Freiflächen hatten wenig Aufenthaltsqualität, dunkle Ecken und Treppenhäuser entwickelten sich zu Angsträumen. Die Bewohner blieben in ihren Appartements eher unter sich und trotz vielfältiger sozialer Einrichtungen entwickelte sich das soziale Leben nicht wie erwartet. Die Bewohner bemängelten den Verlust innerstädtischer Urbanität durch die weiten Freiflächen, die Nachbarschaftsprobleme durch die hohe Wohndichte und den Verlust des Kiez-Gefühls. Die Mieterfluktuation stieg, ebenso wie die Leerstandsquote. Die in der Gropiusstadt aufgewachsene Christiane Felscherinow gibt in ihrem Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo eine Darstellung der sozialen Probleme.

Im Jahr 1986 wurden mit großen Investitionen Wohnumfeldverbesserungen vorgenommen. Das öffentliche Grün wurde entsprechend Gropius' ursprünglichen Vorstellungen aufgewertet, Plätze umgestaltet und man versuchte mit gezielten Maßnahmen zusätzliche Angebote (wie Jugendclubs, Quartiersmanagement) für die Bewohner zu schaffen.

Nach der Wende änderten sich die Verhältnisse signifikant. Der großzügige Bundeszuschuss für die Berliner Städtebauförderung entfiel, die Wohnnachfrage sank, weil die Berliner auch ins Brandenburger Umland ziehen können, und Zuzügler aus Osteuropa ließen den Ausländeranteil ansteigen. Seit 2001 ist kein Wohnberechtigungsschein mehr für den Bezug der Wohnungen erforderlich, wodurch die Attraktivität der Gropiusstadt wieder zugenommen hat. Die Leerstandsquote liegt nach Angaben der Wohnungsbaugesellschaft degewo, die eine der Haupteigentümerinnen ist, im einstelligen Bereich. Seit 2004 verkauft die Wohnungsbaugesellschaft GEHAG sukzessive Wohnungen an internationale Investoren. Seit August 2006 ist ein Teil der Gropiusstadt Quartiersmanagementgebiet mit Präventionsabsicht.

Das Ladenzentrum an der Johannisthaler Chaussee hat sich durch Überdachung und mehrere Erweiterungsbauten von einem Ortsteilzentrum zu einem Einkaufszentrum von überregionaler Bedeutung entwickelt. Die Gropius-Passagen gehören heute mit über 85.000 m² Einkaufsfläche und 170 Geschäften zu den größten Einkaufszentren in Deutschland.

Verkehr[Bearbeiten]

Die zentrale Anbindung an die Innenstadtbezirke erfolgt über die U-Bahn-Linie U7. In der Gropiusstadt liegen die Bahnhöfe Johannisthaler Chaussee, Lipschitzallee, Wutzkyallee und Zwickauer Damm. Um alle vier Bahnhöfe herum wurden die zentralen Versorgungseinrichtungen für die Bewohner errichtet. Die Verlängerung der U-Bahn-Linie C (heute U7) und ihre Trasse unterhalb des Grünzugs Britz-Buckow-Rudow war mit der Planung der Trabantenstadt verbunden und wurde seit Ende der 1950er Jahre geplant und Anfang der 1960er umgesetzt.

Kirchengemeinden[Bearbeiten]

In der Gropiusstadt entstanden in der Bauphase und auch danach eine Reihe neuer Kirchengemeinden.

  • St. Dominicus (katholisch)
  • Martin-Luther King (evangelisch)
  • Gropiusstadt-Süd (evangelisch)
  • Dreieinigkeitsgemeinde (evangelisch)

Schulen[Bearbeiten]

  • Hugo-Heimann-Grundschule
  • Janusz-Korczak-Grundschule
  • Katholische Grundschule St. Marien
  • Martin-Lichtenstein-Grundschule
  • Walt-Disney-Grundschule
  • Grundschule Am Regenweiher
  • Liebig-Oberschule (Sekundarschule)
  • Walter-Gropius-Schule (Gesamtschule)
  • Hermann-von-Helmholtz-Oberschule (Sekundarschule)
  • Lise-Meitner-Schule (Berufliches Oberstufenzentrum)

Sportvereine[Bearbeiten]

In der Gropiusstadt haben folgende Sportvereine ihr Quartier:

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten in der Gropiusstadt sind die in der Berliner Denkmalliste aufgenommene Jungfernmühle und die Dreieinigkeitskirche. Unter den zahlreichen Wohnhochhäusern besitzt das Wohnhochhaus Ideal eine besondere Bedeutung, da es das höchste Wohnhaus im Berliner Stadtgebiet und eines der höchsten Wohngebäude Deutschlands ist.

Mit der Bebauung vorheriger Landwirtschaftsflächen wurde der Gedanke einer grünen Stadt umgesetzt, dafür steht das Rudower Wäldchen im Ortsteil.

Das Rudower Wäldchen (Lage) ist in der amtlichen Liste als Park mit der Straßennummer 8041 geführt. Es bedeckt eine Fläche von 600 Meter Länge und ist teilweise 100 Meter breit. 1872 wurde es im Auftrag Kaiser Wilhelms I. von Wildmeister Hugo Luther angepflanzt[1] und ist seit 1959 das Landschaftsschutzgebiet „Vogelschutzgebiet am Wildmeisterdamm in Rudow“ und war durch seine Lage nahe der Berliner Mauer ein „Niemandsland“. Seit 2006 liegt hier ein Abschnitt des Berliner Mauerwegs entlang des ehemaligen Grenzverlaufs.[2] Allerdings ging durch den Bau der Gropiusstadt der Wild- und der Vogelbestand zurück. U-Bahnhof Lipschitzallee (westlich) und Wutzkyallee (östlich) liegen in der Nähe beide ungeführ 350 Meter vom Wäldchen, das im Norden am Wildmeisterdamm endet. Der Wildmeisterdamm ist hier in der Trasse der Buckower Bahnhofstraße noch ein Fußweg im Bereich des „Teltower Dörferwegs“ Nr. 15 der 20 grünen Hauptwege Berlins“.[3] Planungen im Land Brandenburg sehen eine Fortsetzung der Begrünung über die Landesgrenze hinweg nach Großziethen hinein vor.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Gropiusstadt – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Georg Miethke: Das Vogelwäldchen
  2. Gartenkulturpfad Neukoelln: Rudower Wäldchen
  3. 20 Grüne Hauptwege: Teltower Dörferweg – Beschreibung