Berlin-Hakenfelde

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Hakenfelde
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Kladow Gatow Staaken Falkenhagener Feld Wilhelmstadt Spandau Haselhorst Siemensstadt HakenfeldeHakenfelde auf der Karte von Spandau
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Koordinaten 52° 34′ 40″ N, 13° 10′ 51″ O52.57777777777813.180833333333Koordinaten: 52° 34′ 40″ N, 13° 10′ 51″ O
Fläche 20,381 km²
Einwohner 27.157 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 1332 Einwohner/km²
Neugründung 2003
Postleitzahl 13587
Ortsteilnummer 0507
Verwaltungsbezirk Spandau

Hakenfelde ist ein Ortsteil des Bezirks Spandau im Nordwesten Berlins.

Lage[Bearbeiten]

Das Gebiet von Hakenfelde grenzt im Süden und Südwesten (Radelandstraße – Hohenzollernring – Neuendorfer Straße bis zum Schultheiß-Quartier) an die Spandauer Ortsteile Falkenhagener Feld und Spandau. Im Osten (einschließlich Eiswerder und Kleiner Wall) wird er durch die Havel vom Ortsteil Haselhorst und dem zum Bezirk Reinickendorf gehörenden Ortsteil Konradshöhe und die Ortslage Tegelort begrenzt.

Im Norden und Westen verläuft seine Grenze mit der Berliner Stadtgrenze zum Land Brandenburg und berührt die Stadt Hennigsdorf (Landkreis Oberhavel) und die Gemeinde Schönwalde-Glien sowie die Stadt Falkensee (Landkreis Havelland).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Hakenfelde ist abgeleitet von einer 1730 am Stadtrand von Spandau erbauten Meierei, die nach ihrem Erbauer und Besitzer, dem Kaufmann Johann Ludwig Haake (auch: Haacke), genannt wurde. Anstelle der Meierei stand hier später das Schlösschen der seit 1853 zu Gastspielen in Berlin weilenden Tänzerin Pepita de Oliva. Die Künstlerin gab dem Pepita ihren Namen.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert stand etwas entfernt das beliebte Vergnügungslokal Karlslust. Am 8. Februar 1947 kam es zu einer der größten Berliner Brandkatastrophen. 80 junge Menschen starben und über 150 wurden schwer verletzt, als das Lokal während einer Karneval-Kostüm-Tanzveranstaltung gegen 22:45 Uhr zu brennen begann. Wegen der großen Kälte wollten die über 1000 Besucher ihre Mäntel von der Garderobe holen, was zu einer Massenpanik führte. Die Toten waren meist Mitglieder des Spandauer Sportvereins.[1]

Hakenfelde war seit etwa 1880 auch der Name einer Straße, die den Spandauer Forst von den davor liegenden Feldern trennte. Diese Straße heißt seit 1953 Hakenfelder Straße.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Von Hakenfelde zum Bahnhof Zoo fuhr am 2. Oktober 1967 die letzte Straßenbahn in West-Berlin.

Hakenfelde ist über mehrere Buslinien an den zentralen Bahnhof Spandau angebunden, von wo aus Anschlüsse in die Berliner Innenstadt, zum Regional- und zum Fernverkehr (einschließlich ICE-Halt) bestehen. Ebenfalls endet dort die S-Bahn-Linie S5 und die U-Bahn-Linie U7. Eine Buslinie verläuft direkt bis zum Messegelände/ZOB/ICC, eine andere zum Bahnhof Zoo, weitere nach Hennigsdorf und Paaren im Glien (Brandenburg).

Als Hauptverkehrsstraßen durch Hakenfelde führen vom Falkenseer Platz die Schönwalder Straße und Schönwalder Allee nach Schönwalde-Glien bzw. die Neuendorfer- und Streitstraße sowie Niederneuendorfer Allee nach Hennigsdorf.

Eine Autofähre pendelt am Aalemannufer zwischen Hakenfelde und Tegelort über die Havel. Eine Personenfähre, die die Anlegestellen Hakenfelde und Havelspitze mit Tegelort, den Inseln Valentinswerder und Maienwerder sowie Saatwinkel verbindet, verkehrt seit 2011 nur noch am Wochenende.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Nahezu zwei Drittel des Ortsteils Hakenfelde macht der Spandauer Forst aus, der sich mit Wildgehege, weitläufigen Spazier- und Radwegen (wie der Berliner Mauerweg, der Radweg Berlin–Kopenhagen und der Havelradweg) als ein vielbesuchtes Naherholungsgebiet erweist. Mit seinen beiden Forstrevieren Hakenfelde und Radeland reicht er vom Westufer der Havel bis zum Stadtrand im Norden und Westen. Die Naturschutzgebiete Teufelsbruch, Großer und Kleiner Rohrpfuhl, die Kuhlake mit den Versickerungsteichen und die breiten, offenen Wiesen (im Nordwesten) machen den Spandauer Forst zu einem der schönsten Berliner Waldgebiete. Von 120 der in Berlin vorkommenden Vogelarten leben hier rund 90 und machen ihn zu einem bedeutenden Vogelschutzgebiet.

Im nordwestlichsten Zipfel von Hakenfelde liegt Eiskeller. Es ist eine besondere Kälteregion, die Überlieferungen zufolge in früherer Zeit als Lagerungsort von Eis aus dem nahe gelegenen Falkenhagener See (heute im Stadtgebiet von Falkensee) gedient haben soll.[2] Derzeit gibt dort eine Wettermessstation meteorologische Daten an. Während der Teilung Deutschlands war Eiskeller eine West-Berliner Enklave in der DDR.

Eine ähnliche Besonderheit stellten von 1961 bis 1988 die im Nordosten von Hakenfelde direkt an der Havel gelegenen ehemaligen Exklaven Fichtewiese und Erlengrund dar. Diese wurden zu DDR-Zeiten von West-Berliner Bürgern als Gartenkolonie genutzt. Die Exklave Erlengrund ließ sich nur per Boot aus dem gegenüberliegenden Berliner Ortsteil Konradshöhe erreichen, die Exklave Fichtewiese bis zu einem Gebietsaustausch am 1. Juli 1988 nur durch ein Tor im Grenzzaun.[3]

In den Jahren 1907 bis 1910 wurde am Rande des Spandauer Forstes das Evangelische Johannesstift errichtet. Bereits 1858 war es von Johann Hinrich Wichern gegründet und am Tegeler Forst in Plötzensee gebaut worden. Dort musste es jedoch dem Ausbau des Westhafens weichen und wurde mit Stiftskirche, Behinderteneinrichtungen, Seniorenheimen, einem Krankenhaus und zwei Schulen hierher verlegt. Die „Bötzowbahn“ richtete eigens einen heute stillgelegten Bahnhof Johannesstift ein.

Östlich des Geländes des Johannesstiftes ist zwischen 1914 und 1916 die Gartenstadt Waldsiedlung Hakenfelde entstanden. Sie ist in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz gestellt worden und bietet zahlreichen Eigenheimbesitzern ein grünes Refugium abseits des Straßenverkehrs.

An der Streitstraße liegen die von 1938 bis 1942 nach Plänen von Hans Hertlein errichteten Gebäude des ehemaligen Luftfahrtgerätewerks von Siemens & Halske (LGW Hakenfelde). Heute beherbergen die Bauten des nach dem Lyriker Hans Carossa benannten Carossa-Quartiers u. a. zahlreiche Ladengeschäfte, ein Spielcasino, eine Arbeitsagentur sowie eine Moschee.

Unweit der Waldsiedlung liegt der 1912 erbaute Schützenhof. Es ersetzte das vorherige Haus von 1703, das an der Neuendorfer Straße lag und an das die dortige Schützenstraße noch erinnert. Das Haus gehört der Schützengilde zu Spandau Korp. 1334, die zu den ältesten Schützenvereinen Deutschlands zählt (bei 12.400 Gilden steht sie vom Alter her an 14. Stelle).

Einige hundert Meter nördlich des Schützenhofes lag früher das Kraftwerk Oberhavel. 1914 ging das städtische Kreiskraftwerk ans Stromnetz. Oft gab es Beschwerden von Anwohnern aus Hakenfelde, aber auch aus Heiligensee und Tegelort wegen Lärmbelästigung durch die Kohleförderung aus dem Kran und lästigen Geräuschen der Kühlluft-Generatoren. Es konnte „hörbare“ Abhilfe geschaffen werden. 1959 wurde das Kraftwerk erheblich ausgebaut. Sein Schornstein erreichte eine Höhe von 120 Metern. 1976 wurde die Errichtung eines neuen Kraftwerkes inmitten des Spandauer Stadtforstes (Standort Oberjägerweg) angekündigt. Es gab erhebliche Proteste seitens der Bürger, die auch gerichtliche Klagen gegen das Projekt nicht scheuten und schließlich den Bau verhinderten (stattdessen kam es zum Bau des Kraftwerkes Reuter West im Spandauer Industriegebiet an der Spree). Nach dem Fall der Mauer im Jahr 1989 verlor das Kohlekraftwerk an Bedeutung. Seit Februar 2002 ist der Betrieb völlig eingestellt worden. 2005 begann der Abriss und war 2009 abgeschlossen. Das Grundstück wurde vom Betreiber Vattenfall an einen Investor veräußert.

Weiter südlich liegt an der Niederneuendorfer Allee die Justizvollzugsanstalt Hakenfelde. 1978 als Nebenanstalt der JVA Düppel gegründet, ist sie seit 1991 eine selbstständige Anstalt. Nach einer Umbauphase konnte 1998 im neuen Gebäude der Vollzugsdienst fortgesetzt werden mit 248 Einzelhaftplätzen (zuzüglich 170 Plätze in der Nebenanstalt Kisselnallee) – als moderne „Selbststelleranstalt des offenen Vollzugs“. Bekannte Häftlinge waren die ehemaligen DDR-Politiker Egon Krenz, Günter Schabowski und Heinz Keßler sowie der Schauspieler Karsten Speck, der Profi-Boxer Graciano Rocchigiani und der Skandalschiedsrichter Robert Hoyzer.

Spandauer-See-Brücke über die Havel zwischen Hakenfelde und Haselhorst

Ende des 20. Jahrhunderts entstanden am Westufer der Havel mehrere Quartiere, die zusammen mit Gebieten im Ortsteil Haselhorst am Ostufer die Wasserstadt Oberhavel mit 12.000 neuen Wohnungen bilden sollten. Anlässlich der 800-Jahr-Feier Spandaus im Jahr 1997 wurde der Teil der Havel zwischen Zitadelle und Tegeler See Spandauer See genannt. Die „Taufe“ erfolgte vom Deck der „MS Deutschland“, die am Wröhmännerpark vor Anker lag. Der imposante Bau der Spandauer See-Brücke ist lebendiger Beweis dieses Ereignisses. Im Quartier Havelspitze der Wasserstadt, unweit der zweiten Havelüberquerung mit dem Namen „Wasserstadtbrücke“ aus dem Jahr 2000 liegt nun auch – an der Hugo-Cassirer-Straße – das Bürgeramt Wasserstadt. Zudem wurde der angrenzende Nordhafen Spandau rückgebaut. Am Südufer entstanden Reihenhäuser und komfortable Stadtvillen und am Nordufer als Teil des Maselakeparks eine gestufte Uferpromenade. Am Nordufer des Aalemannkanals wurde seit 1994 das moderne Wohnquartier Aalemannufer mit rund 500 Wohnungen erbaut. Im Gegensatz zur Wasserstadt, die nach Ansicht von Stadtplanern zu hoch und zu dicht bebaut sei, wurde das Quartier Aalemannufer gezielt individueller und kleinmaßstäblicher konzipiert.[4]

Im Südosten Hakenfeldes steht seit der Wende zum 20. Jahrhundert der Sonnenhof Kaiser Wilhelm II. Es ist ein evangelisches Kinderheim, dessen Gründung auf die Initiative des Pfarrers Alexander Spengler zurückgeht: Um die Not der Arbeiterkinder seiner Gemeinde zu lindern, gründete er 1894 den Verein für Kinderhort Spandau-Neustadt, der seine Arbeit zunächst im Kellergeschoss der Schulhäuser aufnahm. Nach Erwerb eines Grundstücks an der Neuendorfer Straße baute der Verein mit großer finanzieller Unterstützung Kaiser Wilhelms II. das Waisenhaus, das am 8. Oktober 1906 eingeweiht wurde und heute als evangelisches Kinderheim mit 51 Plätzen geführt wird. Die Betreuungsangebote der stationären Einrichtung reichen vom Heim als „zweitem Zuhause“ über familienergänzende Angebote bis zu Wohngemeinschaften und betreutem Einzelwohnen. Die Gruppen sind außer im Stammhaus an der Neuendorfer Straße noch in drei weiteren Gebäuden und auch in Einzelwohnungen untergebracht.

Kirchen[Bearbeiten]

Die evangelische Wichernkirche als „wandernde Kirche“ (sie stand von 1897 bis 1906 in Charlottenburg-Westend und von 1908 bis 1932 in Siemensstadt) wurde in Hakenfelde am 23. Oktober 1932 eingeweiht. Mit dem Mitte der 1950er Jahre gebauten Gemeindezentrum Radeland am Schwanter Weg hat die Wichern-Radelandgemeinde (seit 2004 fusioniert) somit zwei Standbeine in Hakenfelde. Sie gehört zum Kirchenkreis Spandau der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Das katholische Gemeindezentrum St. Lambertus an der Cautiusstraße empfing seine Weihe am 31. August 1975. Zusammen mit der 1928 im Fichtenweg errichteten St. Elisabeth-Kapelle besitzen die Gläubigen in Hakenfelde zwei Gottesdienststätten. Sie gehören seit 2003 durch Fusion zur Spandauer Pfarrgemeinde „Maria, Hilfe der Christen“ im Dekanat Spandau des Erzbistums Berlin, aus der die Pfarrgemeinde St. Lambertus 1975 hervorgegangen war.

Die Heilig-Geist-Kapelle der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) an der Schönwalder Allee war ursprünglich eine Stadtvilla und wurde 1958 als Gottesdienststätte mit Gemeindesaal und Pfarrwohnung eingeweiht. Bis 2010 war das Haus zugleich Sitz des Superintendenten des Kirchenbezirks Berlin-Brandenburg der SELK.

Schulen[Bearbeiten]

In Hakenfelde gibt es drei Grundschulen:

  • Die Schule am Eichenwald,
  • die Carl-Schurz-Schule und
  • die Evangelische Schule Spandau im Johannesstift.

Außerdem bestehen

  • eine Gesamtschule, die Heinrich-Böll-Oberschule, sowie
  • eine Sonderschule, die August-Hermann-Francke-Schule im Johannesstift.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Hakenfelde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Spandauer Totentanz. In: Der Spiegel. Nr. 47, 1947 (online).
  2. Claudia Fuchs: Berlins Nordpol. In: Berliner Zeitung, 22. Dezember 2001.
  3. Berliner Mauerweg: Übersichtskarte (PDF; 678 kB) Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin
  4. Lothar Münner: Kleine Mustersiedlung am Aalemannufer. In: Berliner Zeitung, 28. Mai 1997.