Berlin-Heiligensee

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Heiligensee
Ortsteil von Berlin
Berlin Heiligensee Konradshöhe Frohnau Tegel Hermsdorf Waidmannslust Lübars Märkisches Viertel Borsigwalde Wittenau Reinickendorf BrandenburgHeiligensee auf der Karte von Reinickendorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 37′ 0″ N, 13° 14′ 0″ O52.61666666666713.233333333333Koordinaten: 52° 37′ 0″ N, 13° 14′ 0″ O
Höhe 30–65 m ü. NN
Fläche 10,7 km²
Einwohner 17.784 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 1662 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 13503, 13505
Ortsteilnummer 1204
Gliederung
Verwaltungsbezirk Reinickendorf
Ortslagen

Heiligensee ist der westlichste Ortsteil des zwölften Berliner Verwaltungsbezirks Reinickendorf.

Geografie[Bearbeiten]

Das ursprüngliche Dorf liegt auf einer Halbinsel zwischen der Havel und dem namensgebenden Heiligensee. Inzwischen erstreckt sich der Ortsteil längs der Havel weiter nach Süden bis zum Ortsteil Konradshöhe.

Die nördliche und westliche Grenze entspricht der von Berlin: Die Stadt grenzt hier an den Landkreis Oberhavel mit den Städten Hennigsdorf und Hohen Neuendorf (mit dem Stadtteil Stolpe). Auf der östlichen Seite grenzt Heiligensee an Berlin-Tegel und auf der nordöstlichen Seite an Berlin-Frohnau. Heiligensee beinhaltet die kleine Ortslage Schulzendorf. Eine natürliche Grenze bildet dabei der Tegeler Forst im Osten und Süden und der Nieder Neuendorfer See im Westen.

Die Baumberge (früher auch Der Bumberg) sind eine Besonderheit in Heiligensee. Es ist eine Binnendünenlandschaft, die zum Ende der letzten Eiszeit entstand. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Baumberge bis in die 1980er Jahre als französisches Manövergebiet benutzt. Die Franzosen waren damals alliierte Schutzmacht in Reinickendorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Wappen von Heiligensee

Die erste nachweisliche Besiedlung Heiligensees fand etwa 2000 v. Chr. durch germanische Semnonen statt. Sie wurden um 700 n. Chr. durch slawische Wenden abgelöst. Um 1230 errichteten deutsche Siedler das Straßenangerdorf Heiligensee, in dem spätestens seit 1352 ein Hof der von Bredow mit anfangs zehn abgabenfreien Hufen nachweisbar ist (1450: 16 Hufen); die von Bredow hatten dafür dem Markgrafen Vasallendienst zu leisten. Im Jahre 1308 wird erstmals Heiligensee urkundlich erwähnt, als Hyelegense. 1352 wird der Hof der von Bredow genannt. Im Landbuch Karls IV. (1375) wird Heyligense, Heyligensee, Hilgensey und Hilgense erwähnt, mit insgesamt 61 Hufen, davon vier Pfarrhufen und sechs abgabenfreie Hufen des Lehnschulzen, der ein Lehnspferd zu halten hat. Das Dorf hatte einen Krug. Ausdrücklich wird eine Fähre erwähnt. Heiligensee erlangte seit dem Ende des 14. Jahrhunderts zunehmend Bekanntheit, weil es am damals stark frequentierten Pilgerweg Berlin–Wilsnack lag.

Seit dem 1. Oktober 1920 ist Heiligensee ein Teil von Berlin. Im August/September 2008 beging Heiligensee mit zahlreichen Veranstaltungen sein 700-jähriges Jubiläum, meist rund um den historischen Dorfanger. Hierbei wurde am 12. September 2008 eine Stele des Berliner Künstlers Kai Dräger mit einer Umzäunung des Kunstschmieds Jupp Kaiser von der damaligen Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura enthüllt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bis ins 20. Jahrhundert lebten die Bewohner Heiligensees größtenteils von den Erträgen der Landwirtschaft. Davon zeugen noch heute das bewirtschaftete Südfeld an der Heiligenseestraße und das Mittelfeld in der Straße Am Dachsbau.

In den 1930er Jahren wurde die Borsigsiedlung errichtet, in der die Arbeiter der Borsigwerke lebten.

Heutzutage füllt die Firma Underberg an der Hennigsdorfer Straße unter anderem ihren Boonekamp ab. Auf dem Nachbargelände stellt die Firma Tetra-Pak ihre bekannten Verpackungen her.

Das ehemalige Straßenbahndepot ist das letzte Gewerbegrundstück am historischen Dorfkern von Alt-Heiligensee. Von 1989 bis 2003 hatte dort der Steinrestaurierungs- und Steinmetzbetrieb Steinforum seinen Sitz. Bis April 2009 war dort die Prometheus Projekt GmbH ansässig, ein Unternehmen, das innovative IT- und CNC-Technologie mit traditionellem Handwerk verbindet. Im Oktober 2008 wurde das Grundstück vom Liegenschaftsfonds Berlin an eine Immobilienverwaltungsgesellschaft verkauft.

Kunst[Bearbeiten]

Zwischen 1939 und 1978 lebte die bekannte Collagekünstlerin Hannah Höch in ihrem Haus An der Wildbahn 33. Im ehemaligen Straßenbahndepot am historischen Dorfanger (Alt-Heiligensee 73–75) war von 1989 bis 2008 der Künstler und Bildhauer Kai Dräger mit seinem Atelier ansässig.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Kindergärten[Bearbeiten]

  • Elterninitiativ-Kindertagesstätte Regenbogenkinder e. V., Sandhauser Straße 145
  • Dachskinder e. V., Am Dachsbau 3–5, Kindertagesstätte mit naturverbundenem Konzept.
  • Evangelischer Dorfkindergarten, Alt-Heiligensee 45–47
  • Evangelische Kita Waldkirche, Stolpmünder Weg 35–43
  • Montessori-Kinderhaus Zwergenstube e. V., Am Bärensprung 42
  • Kita Havelmäuse, Hennigsdorfer Straße 130

Grundschulen[Bearbeiten]

In Heiligensee befinden folgende Grundschulen:

  • die Ellef-Ringnes-Grundschule (bis 1967 17. Grundschule) im Stolpmünder Weg 45[1]
  • die Otfried-Preußler-Grundschule (2010 aus der Heiligensee-Grundschule und der Erpelgrund-Schule zusammengelegt) in der Schulzendorfer Straße 99–101
  • der Grundschulteil des Martin-Luther-King-Förderzentrums (Klassen 3 bis 6) im Stolpmünder Weg 47
  • die Montessori-Schule Heiligensee, Ersatzschule in freier Trägerschaft (gegründet 2012), Im Bärensprung 58

Oberschule[Bearbeiten]

Im Kurzebracker Weg 40–46 befindet sich die Albrecht-Haushofer-Oberschule, eine Sekundarschule.

Diakonieeinrichtung[Bearbeiten]

In Schulzendorf, unweit des gleichnamigen S-Bahnhofs, befindet sich das 1966 gegründete Diakonie-Zentrum. Das Besondere an diesem Zentrum ist die soziale Zusammenarbeit zwischen Menschen unterschiedlicher Altersklassen und Schichten. So helfen sich die Menschen mit professioneller Unterstützung gegenseitig.

Auf dem Gelände des Diakoniezentrums befindet sich seit Dezember 2010 die Demokratische Schule X (Gemeinschaftsschule in freier Trägerschaft) und die Montessorischule Heiligensee.

Justiz[Bearbeiten]

In den ehemaligen Flak-Kasernen von 1937 in der Ruppiner Chaussee 268 befindet sich die offene Justizvollzugsanstalt Heiligensee mit über 240 Haftplätzen.

Feuerwehr[Bearbeiten]

In Alt-Heiligensee steht mitten auf dem historischen Dorfanger die alte Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr von Heiligensee. Hier finden auch die regelmäßigen Übungen statt.

Kirchengemeinden[Bearbeiten]

Es befinden sich drei Kirchengemeinden in Heiligensee, davon sind zwei evangelischer und eine katholischer Konfession:

  • Die Kirche St. Marien der katholischen Gemeinde befindet sich in der Schulzendorfer Straße 74–78 unweit der Erpelgrundschule. Die Kirche gehört seit dem 1. Juli 2004 zur katholischen Gemeinde Herz Jesu, deren Pfarrkirche und Pfarrhaus sich in Tegel befinden.
  • Die Kirche der evangelischen Matthias-Claudius-Gemeinde befindet sich in der Schulzendorfer Straße 19–21.

Die beiden anderen Kirchen, die zur evangelischen Kirchengemeinde Heiligensee gehören, befinden sich

  • auf dem Dorfanger in Alt-Heiligensee (Dorfkirche Heiligensee) und
  • in der Borsigsiedlung im Stolpmünder Weg 35–43 (Waldkirche) direkt neben der Ellef-Ringnes-Grundschule.

Weiterhin versammelt sich eine Religionsgemeinde der Zeugen Jehovas im eigenen Saal am Mattenbuder Pfad 21.

Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten]

In Heiligensee befinden sich zahlreiche Jugendfreizeitheime und Spielplätze. So zum Beispiel

  • das Walter-May-Schullandheim am Elchdamm in den Baumbergen,
  • das Jugendfreizeitheim auf dem Dorfanger und
  • das Freibad Heiligensee in der Sandhauser Straße 132–140.

Verkehr[Bearbeiten]

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten]

Die Trasse der Kremmener Bahn führt durch Heiligensee, auf dem Gebiet des Ortsteils befinden sich die Bahnhöfe Schulzendorf (b Tegel) und Heiligensee. Hier verkehrt die Linie S25 der S-Bahn Berlin. Weiterhin ist Heiligensee tagsüber mit den Buslinien 124, 133 (Richtung Tegel) und 324 (Richtung Konradshöhe) sowie mit den Nachtbuslinien N24 und N22 erschlossen.

Individualverkehr[Bearbeiten]

Nahezu parallel zur Bahntrasse führt seit 1987 die A 111 als Europastraße 26 durch den Ortsteil. Die Anbindung erfolgt über die Anschlussstelle 3 – Schulzendorfer Straße. Bis zum Mauerfall befand sich auf Höhe der Polizeikaserne auf dieser Strecke auch der Grenzkontrollpunkt Heiligensee in die DDR.

Historisches[Bearbeiten]

Meilenstein in der Ruppiner Chaussee

Im Jahr 1840 wurde ein Meilenstein in der heutigen Ruppiner Chaussee mit der Aufschrift „II MEILEN bis BERLIN“ errichtet. Mit „Berlin“ bezog man sich seinerzeit auf das Oranienburger Tor und eine preußische Meile entspricht einer Strecke von etwa 7,53 Kilometern. Dieser Meilenstein ist noch heute dort zu sehen.

Im Mittelalter befuhr eine Fähre die engste Stelle des Nieder Neuendorfer Sees und verband somit die Dörfer Heiligensee und Nieder Neuendorf. Davon zeugt noch heute die Namensgebung der beiden Straßen: ‚Fährweg‘ auf Nieder Neuendorfer Seite und ‚Fährstraße‘ auf Heiligenseer Seite. Mit Errichtung einer Brücke in Hennigsdorf im Jahr 1506 fuhren allerdings immer seltener Menschen mit der Fähre. Das Fährrecht an dieser Stelle besteht allerdings noch bis heute.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand unter sowjetischer Besatzung eine Behelfsbrücke, die wenige Jahre später wieder abgetragen wurde.

Am 29. Mai 1913 eröffnete die Straßenbahn der Gemeinde Heiligensee an der Havel ihren Betrieb und verband das Dorf Heiligensee mit Tegel über die damalige Kirschallee (heute: Heiligenseestraße). Hiervon zeugt noch heute das alte – inzwischen unter Denkmalschutz stehende – Depot am Dorfanger (Alt-Heiligensee 73–75) und der breite Grünstreifen entlang der Heiligenseestraße. 1920 übernahm die Große Berliner Straßenbahn mit der Eingemeindung des Dorfes nach Groß-Berlin auch die Straßenbahn. Aufgrund der Eröffnung der U-Bahnlinie U6 in Tegel wurde die Straßenbahnlinie am 1. Juni 1958 eingestellt. Von diesem Zeitpunkt an übernahmen Omnibusse diese Strecke.

In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg befand sich ein kleiner Flugplatz in Schulzendorf zwischen den heutigen Straßen Im Erpelgrund und An der Wildbahn. Die Einweihung erfolgte am 19. Juli 1911. Am 29. Mai 1913 fand eine öffentliche Flugveranstaltung statt. Ende 1914 übernahm das Militär das Gelände, nutzte es aber nur kurze Zeit. 1919 wurde der Flugplatz aufgegeben und zu Siedlungsgebiet umgewandelt.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Kühn: Heiligensee Chronik. 3 Bände, 1977–1982, Ev. Kirchengemeinde Berlin-Heiligensee (auszugsweise auch unter www.kg-heiligensee.de).
  • Ralf Schmiedecke: Archivbilder Reinickendorf – Berlins grüner Norden. Sutton Verlag GmbH, ISBN 3-89702-587-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Heiligensee – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Ellef-Ringnes-Grundschule zieht in die leerstehende Heiligensee-Grundschule um, weil im Oktober 2013 die große Turnhalle nach Brandstiftung abgebrannt ist.
  2. Verkehr zu den Berliner Flughäfen im Wandel der Zeit in Berliner Verkehrblätter, Nr. 12/2013, S. 230