Berlin-Heinersdorf

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Heinersdorf
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Buch Karow Wilhelmsruh Rosenthal Blankenfelde Niederschönhausen Heinersdorf Blankenburg Französisch Buchholz Pankow Prenzlauer Berg Weißensee Stadtrandsiedlung MalchowHeinersdorf auf der Karte von Pankow
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Koordinaten 52° 34′ 1″ N, 13° 26′ 24″ O52.56694444444413.44Koordinaten: 52° 34′ 1″ N, 13° 26′ 24″ O
Fläche 3,95 km²
Einwohner 6545 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 1657 Einwohner/km²
Postleitzahl 13089
Ortsteilnummer 0304
Verwaltungsbezirk Pankow

Berlin-Heinersdorf ist ein Ortsteil im Bezirk Pankow von Berlin. 1920 wurde die bis dahin selbstständige Landgemeinde nördlich von Berlin mit damals 1006 Einwohnern durch das Groß-Berlin-Gesetz eingemeindet. Der Ortsteil gehörte zunächst zum seinerzeitigen Bezirk Pankow und von 1986 bis 2001 zum Bezirk Weißensee.

Geschichte[Bearbeiten]

Das um 1230 gegründete Straßendorf Heinersdorf wurde 1319 erstmals urkundlich erwähnt, als es für 150 Mark brandenburgischen Silbers als Hinrickestorppe von Markgraf Woldemar an das Heilig-Geist-Hospital in Berlin verkauft wurde.[1] Im Landbuch Karls IV. (1375) wird Heinersdorf mit 36 Hufen ausgewiesen, davon vier Pfarrhufen für die Dorfkirche Heinersdorf, sowie einem Krug. Die Grundherrschaft hatte von 1319–1691 das Heilig-Geist-Hospital, dem im Jahre 1375 zwölf Hufen gehörten, die es auch selbst bebaute. Danach wechselte das Dorf mehrfach den Besitzer.

Heinersdorf 1894

Entlang der Bahnstrecke nach Bernau entstand seit etwa 1900 nach Norden hin eine Ortserweiterung in offener Bauweise mit Siedlungshäusern. Der historische Dorfkern um die Kirche blieb weitgehend erhalten.

Für die zunehmende Zahl der Heinersdorfer Einwohner wurde 1890 der städtische Friedhof Heinersdorf angelegt. Hier befindet sich eine Sammelgrabanlage für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Bemerkenswert ist das Grab des Heinersdorfer Bürgermeisters und Lebensmittelfabrikanten Friedrich Tinius.[2]

1920 wurde Heinersdorf in den neuen Bezirk Pankow von Groß-Berlin eingemeindet. 1986 wurde es zusammen mit Blankenburg und Karow dem damaligen Stadtbezirk Weißensee zugeordnet. Mit der Bezirksreform 2001 kam es unter der Ortsteilnummer 0304 wieder zum fusionierten Bezirk Pankow.

Bau der Khadija-Moschee[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2006 erregte die Absicht der Ahmadiyya Muslim-Gemeinde öffentliche Aufmerksamkeit,[3] auf einem von ihr erworbenen Grundstück in der Tiniusstraße die Khadija-Moschee zu errichten.[4] Es ist nach 1923 der zweite Versuch der Ahmadiyya-Gemeinde, in Berlin eine Moschee zu errichten. Da hinsichtlich des Baurechts keine Versagungsgründe vorlagen, hat das Bezirksamt den Bauvorbescheid positiv beschieden. Gegen das Vorhaben gründete sich eine Bürgerinitiative[5] und verschiedene Gruppen, insbesondere die lokale CDU, aber auch die NPD organisierten Protestmärsche, wogegen es andererseits Proteste seitens linker Gruppen gab. Initiativen der Bürgerinitiative, ein Bürgerbegehren gegen den Moscheebau einzuleiten, wurden vom Bezirksamt als unzulässig zurückgewiesen.

Als Gegenreaktion auf die Bürgerproteste gegen den Moschee-Bau in Heinersdorf gründeten sich 2006 mehrere Initiativen und Bündnisse.[6][7] Nachdem das Bezirksamt Ende Dezember 2006 die Baugenehmigung erteilte, wurde am 2. Januar 2007 der Grundstein für die Moschee gelegt. Am 16. Oktober 2008 wurde die Khadija-Moschee eröffnet.

Die Geschehnisse und Konflikte rund um den Bau der Heinersdorfer Moschee waren Vorlage für das Theaterstück Moschee DE von Kolja Mensing und Robert Thalheim, das im März 2010 am Staatstheater Hannover uraufgeführt wurde.[8]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Pankow-Heinersdorf von der B 109 gesehen, links das Widerlager der ehemaligen „Schwarzen Brücke“

Der Bahnhof Berlin-Pankow-Heinersdorf (Kürzel BPHD) an der Stettiner Bahn wurde am 1. Oktober 1893 eröffnet. Seit dem 8. August 1924 erfolgt hier elektrischer S-Bahn-Betrieb. Das an den Bahnhof angrenzende Bahnbetriebswerk mit Wasserturm und Ringlokschuppen wurde Ende der 1990er Jahre stillgelegt. Bahnhof und Betriebswerk liegen im Ortsteil Pankow, grenzen jedoch unmittelbar an Heinersdorf.

Seit August 1911 gibt es eine Straßenbahn in Heinersdorf. Diese verkehrte zunächst von der ehemaligen Kronprinzenstraße (heute Romain-Rolland-Straße) zur Uckermarkstraße in Schöneberg (Linie 72). Ab 1920 fuhr sie als Linie 73 von Heinersdorf zum Dönhoffplatz in Berlin-Mitte.[9]

Ab 1949 verkehrte die Linie 71 zwischen Heinersdorf und dem Berliner Rathaus (Jüdenstraße). Nach der Aufgabe des Straßenbahnverkehrs über den Alexanderplatz im Jahr 1967 fuhr sie zum Kupfergraben. 1993 erhielt sie eine neue Liniennummer. Die Linie 71 wurde zur Linie 1 mit der Endhaltestelle U-Bahnhof Schwartzkopffstraße. Als die BVG 2004 ihr Metrolinienkonzept einführte, wurden Liniennummer und Fahrziel erneut verändert (Linie M2, S-Bahnhof Hackescher Markt). Seit 2007 verkehrt die Straßenbahn als MetroTram der Linie M2 von Heinersdorf zum S- und U-Bahnhof Alexanderplatz.[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Heinersdorfer Feldsteinkirche
  • Dorfkirche Heinersdorf mit Einfriedung und Kirchhof errichtet um 1300 in der Romain-Rolland-Straße 54/56. Einwölbung und Vorhalle vom Ende des 15. Jahrhunderts. Westturm 1893 erneuert. Anbau errichtet 1934/1935. Pfarrhaus mit Verbindungsgang und Einfriedung (1909) von Carl James Bühring.[11] Renaissance-Taufstein von 1621. Nachträglich angebaute Seitenkapelle mit Netzrippengewölbe. Der Westturm wurde 1893 erneuert, das Pfarrhaus 1909 von Carl James Bühring angebaut. Die beiden Ostfenster sind Werke von Charles Crodel (1946).[12] Die zweimanualige Orgel mit 20 Registern stammt aus dem Jahr 1935 und wurde von der Firma Schuke errichtet (Opus 145).[13]
  • Altes Spritzenhaus von 1750
  • Ehemaliger Gemeindesaal Heinersdorf mit Toranlage und Einfriedung (um 1915), Romain-Rolland-Straße 52
  • Wohnhaus eines Pferdehändlers von 1780
  • Kleingartenanlage Märchenland von 1939 zwischen Heinersdorf und Malchow mit knapp 18 Hektar.
  • Wasserturm Heinersdorf (1911) und Gemeindeschule (1934/1935) von Richard Ermisch, in der Berliner Straße 66
  • Bauernhäuser (um 1880), Berliner Straße 82 und 83

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Heinersdorf

Persönlichkeiten in oder aus Heinersdorf[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Seit 2002 sind mehrere Kriminalromane des Schriftstellers Mathias Christiansen mit starkem regionalem Bezug zu Heinersdorf erschienen, darunter Der falsche Feind (2004), Die dünne Linie (2003), der Kinderkrimi Das Geheimnis des alten Bahnhofs (2004) sowie der Titel Tod an der Grenze (2008, ISBN 978-3-7751-4895-5). Straßennamen und andere Örtlichkeiten in den Romanen sind allesamt authentisch und mischen sich mit einer fiktiven Story. In den Büchern findet sich immer auch ein Stück aktueller Heinersdorfer Geschichte.
  • Seit 2007 setzt sich die Zukunftswerkstatt Heinersdorf [15] für die Belange des Ortsteils ein. Als eingetragener, gemeinnütziger Verein ist sie unter anderem in den Bereichen Verkehr, Leitbild und Naturpark sowie Kinder und Jugend tätig, saniert Spielplätze, betreibt ein Nachbarschaftshaus und führt Dorffeste durch.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes und Eberhard Krätschell: Chronik von Berlin-Heinersdorf. Universal-Selbst-Verlag Limanel Inh. Hans Otto Fehmer, 1996, ISBN 393091705X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Heinersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Albert Rathenow. In: Biographie(n) Berliner Bürgermeister, Berlins Kommunalgeschichte im Überblick. Edition Luisenstadt, abgerufen am 15. September 2010.
  2. Tinius, Friedrich. In: Berlin ehrt Persönlichkeiten Gedächtnis und Würdigung. Edition Luisenstadt, 7. Oktober 2009, abgerufen am 15. September 2010.
  3. Konflikte in der Einwanderungsgesellschaft, Moscheebau in Heinersdorf. In: Moscheebau in Berlin. Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin – Mobiles Beratungsteam ‚Ostkreuz‘, abgerufen am 15. September 2010.
  4. Größe der Khadija-Moschee: zwei Gebetsräume von je 170 m², mit 250 Plätzen für Männer und 250 Plätzen für Frauen.
  5. Website der Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer Bürger e. V. Abgerufen am 15. September 2010.
  6. Website der Initiative aus Berlin-Heinersdorf: Heinersdorf öffne dich! Abgerufen am 15. September 2010.
  7. Website des Heinersdorf-Bündnisses „Kein Raum dem Rassismus! Für eine solidarische Gemeinschaft!“ Abgerufen am 15. September 2010.
  8. Stücke > Repertoire > Moschee DE. In: Website des Staatsschauspiel Hannover. Abgerufen am 15. September 2010.
  9. Liniennetz der Berliner Verkehrs Betriebe. In: Berliner Stadtplanarchiv. Mirko Tamkus, abgerufen am 17. September 2010.
  10.  Johannes Krätschell, Eberhard Krätschell, Werner Krätschell, Inge Hohmann, Hans Fehmer, Otto Fehmer: Chronik von Berlin-Heinersdorf: Aufzeichnungen zur Geschichte des Ortsteiles Berlin-Heinersdorf. Universal-Selbst-Vlg Limanel, 1996, ISBN 393091705X.
  11. Denkmalliste Berlin. Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, 1. September 2010, abgerufen am 15. September 2010 (PDF [2,2 MB]).
  12. Christine Goetz, Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Kirchen Berlin Potsdam. Wichern- und Morus-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-87554-368-8, S. 180.
  13. Werkverzeichnis der Alexander Schuke Potsdam-Orgelbau GmbH. Abgerufen am 18. September 2010 (PDF, 69 kB).
  14.  Dieter Borkowski: In der Heimat, da gibt's ein Wiedersehn. Das Neue Berlin, 1990, ISBN 3360003802.
  15. Website der Zukunftswerkstatt Heinersdorf Bürgerverein Berlin-Heinersdorf e. V. Abgerufen am 18. September 2010.