Berlin-Hermsdorf

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Hermsdorf
Ortsteil von Berlin
Berlin Heiligensee Konradshöhe Frohnau Tegel Hermsdorf Waidmannslust Lübars Märkisches Viertel Borsigwalde Wittenau Reinickendorf BrandenburgHermsdorf auf der Karte von Reinickendorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 37′ 0″ N, 13° 19′ 0″ O52.61666666666713.316666666667Koordinaten: 52° 37′ 0″ N, 13° 19′ 0″ O
Fläche 6,1 km²
Einwohner 16.213 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 2658 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 13467
Ortsteilnummer 1206
Verwaltungsbezirk Reinickendorf

Hermsdorf ist ein Ortsteil des Berliner Bezirks Reinickendorf.

Geografie[Bearbeiten]

Lage und Ausdehnung[Bearbeiten]

Der Ortsteil Hermsdorf liegt im zentralen Norden Reinickendorfs und ist mit rund 6,1 km² Fläche der sechstgrößte der elf Ortsteile des Bezirks.

Seine nördliche Begrenzung bildet die Stadtgrenze Berlins und ihre gedachte Verlängerung in westlicher Richtung bis zum Forst Tegel entlang der Burgfrauenstraße und dem Falkentaler Steig. Im Nordosten schließt sich die brandenburgische Gemeinde Glienicke/Nordbahn mit dem sogenannten Entenschnabel an. Im Nordwesten befindet sich der Ortsteil Frohnau.

Die Abgrenzung zu Tegel im Westen folgt dem Waldrand bis dieser auf das Tegeler Fließ, eine eiszeitliche Abflussrinne, trifft. Der übrige Grenzverlauf ist bis zur Stadtgrenze im Nordosten mit dem Fließtal identisch. Jenseits des Bachs liegen östlich beziehungsweise südöstlich die Ortsteile Lübars und Waidmannslust.

Gliederung[Bearbeiten]

Der historische Ortskern befindet sich am östlichen Ende der Straße Alt-Hermsdorf. Dieser Bereich steht unter Denkmalschutz. Der Ursprung Hermsdorfs liegt also im Südosten des heutigen Ortsgebiets, etwa einen Kilometer westlich des Hermsdorfer Sees, dem größten Gewässer des Ortsteils. Dazwischen liegt das sogenannte „Seebadviertel“, nördlich davon ehemalige Tongruben und Torfstiche sowie der Waldsee mit dem umliegenden Waldseeviertel.

Als Ortsteilzentrum hat sich die Heinsestraße am S-Bahnhof Berlin-Hermsdorf etabliert. Nordwestlich davon liegt das Kurviertel mit dem Dominikus-Krankenhaus. Der städtische Friedhof Hermsdorf an der Frohnauer Straße gehört geografisch bereits zum Ortsteil Frohnau.

Geschichte[Bearbeiten]

Ende des 11. Jahrhunderts entstand eine spätslawische Siedlung am Tegeler Fließ. Es handelte sich um die halbkreisförmige Anlage eines platzartig erweiterten Sackgassendorfes (Sackanger, ähnlich wie das Museumsdorf Düppel und die ursprüngliche Anlage von Lankwitz), nicht jedoch um einen Rundling, wie die irreführende Straßenbezeichnung „Rundlingsteig“ nahelegt.[Anm. 1] Um 1230 nahmen deutsche Zuzügler das Dorf in ihren Besitz, unter Beibehaltung der slawischen Bevölkerung. Hermsdorf wurde erstmals 1349 (als Hermanstorp) urkundlich erwähnt. Im Landbuch Karls IV. (1375) werden fünf Höfe erwähnt mit dem Hinweis, dass sie keine (vermessenen) Hufen haben, sondern nur (unvermessene) Äcker. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf die slawische, nichtdeutsche Dorfgründung. Außerdem werden drei wüste Höfe erwähnt. Erstmals 1450 werden 16 Hufen gezählt, von denen aber zwei Hufen wüst sind. Im Jahr 1541, also zwei Jahre nach der Reformation in Brandenburg, wird ein Pfarrer genannt, der die Gemeinde von Dalldorf (heute: Wittenau) aus betreut. Mit der Übernahme der slawischen Siedlung in deutsche Hände, wird wie üblich auch eine Holzkirche entstanden sein; der genaue Zeitpunkt ist jedoch unbekannt.[Anm. 2] Der Standort der spätmittelalterliche Fachwerkkirche soll im Sackanger gewesen sein. Sie wurde 1756 abgebrochen und durch eine neue Fachwerkkirche am heutigen Standort der Dorfkirche ersetzt.

Hermsdorf ging 1349 im Rahmen der Umformung zu einem Gut an Ritter Busse Milow, von 1585 bis 1694 an die von Götze zu Rosenthal. Um 1585 errichtete diese Familie einen Rittersitz, der um 1640 im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde.

Im Jahr 1865 wurde eine Postagentur eingerichtet. 1898 wurde eine Solequelle entdeckt, die allerdings zehn Jahre später bereits wieder versiegte.[1] Der Ort hieß damals Hermsdorf in der Mark.[2]

Eine ebenerdige Haltestelle der Berliner Nordbahn wurde 1877 eröffnet, deren Gleise zwischen 1909 und 1910 auf den heutigen Bahndamm hochgelegt wurden. Am heutigen Bahnhof Hermsdorf, der 1913 eingeweiht wurde, halten die Züge der elektrischen S-Bahn seit 1925.

Im Jahr 1907 wurden ein Gas- und ein Wasserwerk errichtet, 1914 wurde die Feuerwache eingeweiht. 1920 wurde Hermsdorf nach Groß-Berlin eingemeindet und das Dominikus-Krankenhaus eingeweiht.

Zwischen 1923 und 1926 hatte die Hermsdorfer Celluloidwarenfabrik auch Zelluloidpuppen im Angebot; sie trugen als Markenzeichen einen Marienkäfer mit den Buchstaben DADA.[3]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen des Ortsteils zeigt eine silberne Kirche mit dem Turm auf der heraldisch linken Seite vor blauem Himmel auf grünem Boden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Strecke der Berliner Nordbahn durchzieht den Ortsteil mittig von Nordnordwest nach Südsüdost. Die Trasse liegt heute auf einem erhöhten Bahndamm. Am Bahnhof Hermsdorf halten die Züge der S-Bahnlinie S1.

Hauptverkehrsstraßen sind die östlich des Bahndamms in Nord-Süd-Richtung verlaufende Berliner Straße (Bundesstraße 96) und der Hermsdorfer Damm, der – die B 96 und die Gleisstrecke kreuzend – das Waldseeviertel mit Tegel verbindet und an der A 111-Anschlussstelle Waidmannsluster Damm auf selbigen trifft.

Die Buslinie 125 der BVG verbindet den Ortsteil über den Hermsdorfer Damm mit dem Verkehrsknotenpunkt am U-Bahnhof Alt-Tegel (Linie U6, weitere Buslinien, S-Bahnhof Tegel der Linie S25 in Fußnähe) und über die Frohnauer Straße mit dem Ortsteil Frohnau sowie die BVG-Buslinie 220 entlang der B 96 mit dem S-Bahnhof Wittenau und weiter nach Tegel. Für das von beiden Buslinien nicht unmittelbar erreichte Wohngebiet östlich des Waldsees verkehrt der „Kiezbus“ 326 vom S-Bahnhof Hermsdorf. Nachtbusverbindungen bestehen mit den Linien N20 (vom Hauptbahnhof) und N25 (von Tegel).

Gewässer in Hermsdorf[Bearbeiten]

  • Brandpfuhl
  • Ceciliengraben
  • Dominicusteich
  • ehemalige Tongruben
  • Gartenteich
  • Golzteich
  • Hermsdorfer See
  • Hohenfeldteich
  • Langer Teichpfuhl
  • Sylvesterteich
  • Waldsee
  • Wernickepfuhl
  • Wickengartenteich
  • Wolfsteich

Tourismus[Bearbeiten]

Die Jugendherberge Ernst Reuter

Im Südwesten von Hermsdorf gibt es die Jugendherberge Ernst Reuter des Deutschen Jugendherbergswerks.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Persönlichkeiten mit biografischen Bezügen zu Hermsdorf:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans J Arnold: Als in Hermsdorf noch die Semnonen wohnten. Berlin 2002, ISBN 3-927611-18-2.
  • Gerd Koischwitz, Klaus Schlickeiser: Hermsdorf. Vom Rittergut zur Gartenstadt. 3. veränderte Auflage. Förderkreis für Kultur und Bildung in Reinickendorf, Berlin 1998, ISBN 3-927611-10-7.
  • Oliver Ohmann: Berlin-Hermsdorf. Sutton, Erfurt 2010, ISBN 978-3-86680-709-9.
  • Klaus Schlickeiser: Entdecken Sie Reinickendorf. Spaziergänge in Hermsdorf. Berlin 2005, ISBN 3-927611-23-9.
  • Klaus Schlickeiser: Berlin-Hermsdorf auf historischen Ansichtskarten. Ein historischer Stadtrundgang. Drei-Kastanien-Verlag, Lutherstadt Wittenberg 1999, ISBN 3-933028-23-X.
  • Klaus Schlickeiser: Festschrift 650 Jahre Hermsdorf. 1349–1999. Berlin 1999, ISBN 3-927611-12-3.
  • Inger König: Jrosse Klappe – nischt dahinta. Eine Nachkriegskindheit in Berlin-Hermsdorf. Wiss.-Verlag Rothe, Passau 1996, ISBN 3-927575-50-X.
  • Bettina Goldberg: Schulgeschichte als Gesellschaftsgeschichte. Die höheren Schulen im Berliner Vorort Hermsdorf (1893–1945). Ed. Hentrich, Berlin 1994, ISBN 3-89468-087-3.
  • Avigdor Ben-Trojan, Tilly Zacharow: Jüdische Spurensuche in Berlin-Reinickendorf. Band 2. Ich denke oft an Onkel Franz. Hermsdorf und Umgebung. Boesche, Berlin 2004, ISBN 3-923809-82-4.
  • Hans-Jürgen Rach: Die Dörfer in Berlin. Ein Handbuch der ehemaligen Landgemeinden im Stadtgebiet von Berlin. Verlag für Bauwesen, Berlin 1988, ISBN 3-87776-211-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Hermsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Ein Rundling bildet mindestens einer Dreiviertelkreis, von dessen Höfen alle direkten Zugang zu ihren Feldern haben. Dies ist in Hermsdorf wegen der Lage am Fließ nicht möglich.
  2. Etwa zum gleichen Zeitpunkt (1539) wird für zwei ebenfalls am Wasser gelegene slawische Dörfer, nämlich Rahnsdorf und Woltersdorf, ausdrücklich vermerkt, dass sie keine Kirchen, also noch nicht einmal Holzkirchen, haben. Rahnsdorf ist ebenfalls unverhuft.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Irene Mössinger: Am Wasser durch Berlins grünen Norden. In: Berliner Morgenpost, 5. Juni 2008, Zugriff am 16. Dezember 2011.
  2. Gerd Appenzeller: Hans, Willy, Maria, Gertrud und Annchen †. In: Der Tagesspiegel, 24. November 2001, Zugriff am 16. Dezember 2011.
  3. Jean Bach: Hermsdorfer Celluloidwarenfabrik. In: Internationales Handbuch der Puppenmarken. Ein Puppen-Bestimmungsbuch Verlag Laterna Magica, München 1989, ISBN 3-87467-389-8, S. 58.
  4. Ina von Reck, geb. von Grumbkow. In: Literaturport.de. Abgerufen am 22. April 2010.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTipps und Adressen, Berlin-Hermsdorf. In: Berliner Morgenpost. 9. Mai 2009, abgerufen am 22. April 2010.
  6. Fotografie der Gedenktafel an der Schloßstraße 17
  7. Robert Mielke. In: Literaturport.de. Abgerufen am 22. April 2010.