Berlin-Kladow

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Kladow
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Kladow Gatow Staaken Falkenhagener Feld Wilhelmstadt Spandau Haselhorst Siemensstadt HakenfeldeKladow auf der Karte von Spandau
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 27′ 11″ N, 13° 8′ 34″ O52.45305555555613.142777777778Koordinaten: 52° 27′ 11″ N, 13° 8′ 34″ O
Fläche 14,779 km²
Einwohner 14.731 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 997 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 14089
Ortsteilnummer 0506
Gliederung
Verwaltungsbezirk Spandau
Ortslagen
  • Alt-Kladow

Kladow [ˈklaːdoː] ist der südlichste Ortsteil des Berliner Bezirks Spandau. Der Name wird vom slawischen Wort ‚kloda‘ (= Baumstamm) hergeleitet.

Lage[Bearbeiten]

Der Ortsteil Kladow wird im Norden vom Ortsteil Gatow, im Osten und Südosten von der Havel und im Westen und Südwesten vom Land Brandenburg begrenzt. Dort liegen die Nachbardörfer Potsdam-Sacrow und Groß Glienicke. Mit rund 14.000 Einwohnern gehört Kladow zu den Teilen Berlins, die ihren dörflichen Charakter erhalten haben. Nahe dem Ortskern liegt die Uferpromenade, der die unbewohnte Insel Imchen vorgelagert ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Gebiet Kladows sind archäologisch slawische Siedlungen aus dem 9. bis 12. Jahrhundert und frühmittelalterliche Metallverarbeitung (Kladower Silberfund) nachgewiesen. Die Erwähnung eines der Kladower Kirche gehörenden Ackers in Alt-Clado im Jahr 1590 lässt vermuten, dass einmal eine ältere Siedlung dieses Namens an anderer Stelle im Gemeindegebiet lag. Die Ortsform des vorfindlichen Platzdorfs deutet darauf hin, dass die Ende des 12. Jahrhunderts zuziehenden deutschen Siedler eine slawische Siedlung übernahmen.[1]

Urkundlich bezeugt wurde der Ort erstmals 1267 als Clodow. Im Landbuch Karls IV. (1375) wird Cladow mit 48 Hufen erwähnt, davon acht Pfarrhufen[2] und drei Schulzenhufen. Es gab vier Kossäten, aber ausdrücklich keinen Krug (taberna). Sämtliche Rechte am Dorf gehörten den Benediktinerinnen von Spandau, die sie schon vor 1267 durch die Markgrafen erhalten hatten.

Gedenkstein der Finnenhaussiedlung, errichtet 1958–1961

Im Zuge der Reformation verlor das Kloster 1558 seine Patronatsrechte, und das Dorf kam an das Amt Spandau (bis 1872). Wie die ganze Gegend erlitt auch Kladow im Dreißigjährigen Krieg starke Verwüstungen; sechs Bauernstellen waren verlassen. Ab 1660 unterstand es privaten Grundherren. 1685 erhielt Johannes Kunckel das Lehnschulzengut zur Finanzierung seiner Versuche. Im 18. Jahrhundert wurden auf königliche Order hin Maulbeerbäume zum Zweck der Seidenraupenzucht gepflanzt. 1744 wurde das Vorwerk Neu-Kladow angelegt, bei dem 1800 ein Gutshaus gebaut wurde. 1808 wurden große Teile des Dorfes durch einen Brand zerstört. Erst 1818 wurde die vermutlich schon im 13. Jahrhundert erbaute Dorfkirche wiederaufgebaut, die heute noch steht.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert begann der Zuzug städtischer Bevölkerung. Ein Berliner Bauunternehmer kaufte das Gut Neu-Kladow. Am Havelufer entstanden zahlreiche Villen. Im Rahmen der Schaffung Groß-Berlins wurde 1920 die bis dahin eigenständige Stadt Spandau und ihr Umland samt der Gemeinde Kladow Teil Groß-Berlins. In den Jahren 1934/1935 wurde der Militär-Flugplatz Kladow errichtet, der nach dem Zweiten Weltkrieg dem Ortsteil Gatow zugeordnet wurde und als Flugplatz Gatow neben Tempelhof und Tegel einer der drei Berliner Flughäfen war, die während der Berlin-Blockade die von den Alliierten errichtete Luftbrücke möglich machten. 1953 wurde die Schilfdachkapelle Zum Guten Hirten erbaut.

Heute zeigt sich Kladow als Dorf in der Millionenstadt. Gebäude wie das Gut Neukladow (1800) und die Dorfkirche (1818) datieren zurück bis ins 19. Jahrhundert. Allerdings wurden in Kladow auch viele Neubausiedlungen errichtet wie die 1959/1960 errichtete Finnenhaussiedlung. Das neueste Bauprojekt auf einer südwestlichen Teilfläche des ehemaligen Flugplatzes Gatow (dessen Gelände vollständig zu Kladow gehört) ist die Landstadt Gatow. Mit der Einweihung des neuen Einkaufszentrums Cladow-Center an der Kreuzung des Ritterfelddamms mit dem Kladower Damm hat sich das Leben teilweise aus dem Dorfkern heraus verlagert. Nach wie vor bietet dieser jedoch zahlreiche – teilweise alteingesessene – Geschäfte und Restaurants. Im aktuellen Sozialatlas von Berlin belegt Kladow den neunten Platz (von 96 Ortsteilen), zählt also (ebenso wie Gatow) zu den „guten Gegenden“.

Ort und Verkehr[Bearbeiten]

Im Busverkehr des VBB ist Kladow sowohl mit dem westlichen Zentrum von Berlin als auch mit denen von Spandau und Potsdam verbunden. Zudem fährt die Fährlinie F10 der BVG stündlich zwischen Kladow und Wannsee im VBB-Tarifverbund.

Kladow verfügt über eine Oberschule, das Hans-Carossa-Gymnasium sowie zwei Grundschulen (die Grundschule am Ritterfeld und die Mary-Poppins-Grundschule). Komplettiert wird das Bildungsprogramm durch die Freie Waldorfschule Havelhöhe – Eugen Kolisko in der Nähe des anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe.

Kossätenhaus im
Sakrower Kirchweg 6/8

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auf dem ehemaligen Flugplatz Gatow, dessen Gelände heute vollständig im Ortsteil Kladow liegt, befindet sich unter anderem das Luftwaffenmuseum der Bundeswehr (Am Flugplatz Gatow 33). Hier werden viele Exponate aus den Beständen der Bundeswehr und der NVA (zum Beispiel Tornado, Phantom, Starfighter, MIG) gezeigt (Eintritt kostenlos).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Kladow – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Anderenfalls hätten sie eine für die Deutsche Ostsiedlung typische Ortsform wie das Angerdorf oder das Straßendorf angelegt.
  2. Eine erstaunliche Anzahl, denn üblicherweise gibt es vier (nur) Pfarrhufen.