Berlin-Lichtenrade
| Lichtenrade Ortsteil von Berlin |
|
|---|---|
| Koordinaten | 52° 24′ 0″ N, 13° 24′ 0″ O52.413.4Koordinaten: 52° 24′ 0″ N, 13° 24′ 0″ O |
| Fläche | 10,1 km² |
| Einwohner | 49.562 (31. Dez. 2012) |
| Bevölkerungsdichte | 4907 Einwohner/km² |
| Eingemeindung | 1. Okt. 1920 |
| Postleitzahlen | 12305, 12307, 12309 |
| Ortsteilnummer | 0706 |
| Verwaltungsbezirk | Tempelhof-Schöneberg |
Lichtenrade ist der südlichste Ortsteil des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg und wurde 1375 das erste Mal urkundlich erwähnt.
Das ehemalige Angerdorf liegt im Süden Berlins und reicht bis an die Landesgrenze zu Brandenburg und dessen Landkreise Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald heran.
Inhaltsverzeichnis |
Lage [Bearbeiten]
Lichtenrade ist historisch ländlich geprägt. Nach der Eingemeindung 1920 nach Groß-Berlin wurden die Ackerflächen nach und nach mit Einfamilienhäusern bebaut. Voraussetzung dafür waren der Bau des Teltowkanals 1906 und des Lichtenrader-Lankwitzer-Regenwasser-Sammelkanals („Lilaresa“), die zur Trockenlegung des sumpfigen Geländes führten. In den 1960er und 1970er Jahren entstanden zudem mehrere Hochhaussiedlungen (Lichtenrade Ost – Nahariyastraße, Petruswerk-Siedlung, John-Locke-Siedlung). Um den in Lichtenrade Ost lebenden Menschen ebenfalls Erholungsmöglichkeiten zu bieten, wurde 1981 mit der Anlage des Lichtenrader Volksparks begonnen.
Geschichte [Bearbeiten]
Im Jahr 1375 wurde Lichtenrade im Landbuch Kaiser Karls IV. erstmals erwähnt. Der Name soll sich aus „Lichtenrode“, eine durch Rodung entstandene Lichtung, herleiten. Der Ort entwickelte sich und vervielfachte seine Einwohnerzahl im 19. Jahrhundert. Die im Jahr 1898 am Dorfanger erbaute Volksschule hatte 238 Schüler verteilt auf fünf Klassen. Im Jahr 1911 mussten zwei weitere Klassenräume eröffnet werden. Am 6. Februar 1906 wurde die Freiwillige Feuerwehr Lichtenrade gegründet. 1920 wurde Lichtenrade – zusammen mit vielen anderen Orten und Städten – nach Groß-Berlin eingemeindet und wurde Ortsteil des Bezirks Tempelhof.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde in Lichtenrade eine Außenstelle des Konzentrationslagers Sachsenhausen unterhalten. Dazu befindet sich im Bornhagenweg ein Denkmal. Seit 1941 wurden Kriegsgefangene aus der Ukraine in dem Lager untergebracht.
Bundesweite Aufmerksamkeit erzielte der Ortsteil in den Jahren 2010 und 2011 durch Demonstrationen, an denen sich wöchentlich bis zu 6000 Menschen beteiligten, um gegen geänderte Flugroutenpläne der Deutschen Flugsicherung zu protestierten. Gastredner waren unter anderem der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit und Renate Künast, die damalige Spitzenkandidatin der Berliner Grünen.
Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Auf dem Lichtenrader Dorfanger steht die Dorfkirche Lichtenrade aus dem 14. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit wurde die Kirche vielfach verändert. Die ursprünglich im Übergang vom romanischen zum gotischen Stil errichteten Spitzbogenfenster wurden später zugemauert und durch Rundfenster ersetzt. Dies kann man noch heute im Mauerwerk erkennen. Der erst später angebaute Turm wurde 1810 wegen Baufälligkeit abgetragen. Erst 1902 erhielt die Kirche einen neuen, aus Feldsteinen errichteten Turm mit spitzem Helmdach. Statt der Holzdecke zog man 1922 ein Tonnengewölbe ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche am 29. Dezember 1943 durch einen Bombenangriff schwer beschädigt und brannte bis auf die Umfassungsmauern ab. Nach dem Krieg wurde das Gotteshaus neu eingerichtet, erhielt der Turm ein noch heute erhaltenes Satteldach und wurde die Decke wieder als flache Holzdecke ausgebildet. Im Jahr 1968 wurde die Orgel in Betrieb genommen. Gleich neben der Kirche befindet sich der Giebelpfuhl, der als der größte Berliner Dorfteich gilt.
Die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche wurde 1956 errichtet.
In der Nähe des S-Bahnhofs steht an der Dresdener Bahn noch immer die zwischen 1897 und 1899 erbaute Mälzerei der Schöneberger Schlossbrauerei. Dieses Gebäude war vor der Hochhausbebauung in Lichtenrade weithin sichtbar und ist auch heute noch eine markante Landmarke. Nachdem die Brauerei den Mälzerei-Betrieb nach dem Ersten Weltkrieg eingestellt hatte, wurde das Gebäude, vor allem im Zweiten Weltkrieg und der sich anschließenden Nachkriegszeit, als staatliches Lagerhaus für Nahrungsmittelreserven genutzt.
In der Tutzinger Straße befindet sich ein Gebäude, das früher dem Prinzen von Sachsen-Anhalt gehörte.
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Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Lichtenrade
Bevölkerungsentwicklung [Bearbeiten]
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| um 1800 | 112 |
| 1890 | 546 |
| 1900 | 851 |
| 1910 | 3.239 |
| 1920 | 4.836 |
| 2005 | 50.452 |
| 2011 | 49.489 |
Verkehr [Bearbeiten]
Seit 1883 gibt es in Lichtenrade einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Berlin–Dresden. Auf dieser Trasse verläuft zurzeit nur die S-Bahn, ein Wiederaufbau der Fernbahn – allerdings ohne Halt in Lichtenrade – ist geplant. Die abschließende Erarbeitung des Planfeststellungsbeschlusses durch das Eisenbahn-Bundesamt ist für das Jahr 2013 geplant.
Die nach dem Mauerbau im Jahr 1961 unterbrochene S-Bahn-Verbindung in die heutige Gemeinde Blankenfelde-Mahlow wurde am 31. August 1992 wiedereröffnet.
Des Weiteren befand sich in Lichtenrade zwischen dem 26. Juli 1948 und dem 21. März 1951 der Bahnhof Lichtenrade (Güteraußenring) – Lra.[1] Die Bahnanlagen sind jedoch seit einiger Zeit zum größten Teil wieder entfernt worden.
Die Straßenbahn-Linie 99 fuhr – nach kriegsbedingter Unterbrechung – vom 10. September 1945 bis 1. Oktober 1961 über Lichtenrader Damm, Goltzstraße und Bahnhofstraße bis zum S-Bahnhof Lichtenrade und wurde durch die Omnibuslinie A76 ersetzt, die diese Strecke noch heute – als M76 – bedient.[2] Weitere Buslinien erschließen den Ortsteil, teilweise auch mit Verbindung ins Umland.
Söhne und Töchter des Ortsteils [Bearbeiten]
- Klaus Wowereit, SPD-Politiker, Regierender Bürgermeister von Berlin[3]
- Christian Fiedler, Fußballtorwart
- Mike Kluge, Radrennfahrer
- John Anthony Brooks, Fußballspieler
Weblinks [Bearbeiten]
- lichtenrade-berlin.de – Informationen zu Lichtenrade nebst Geschichte u. v. m. (private Website)
- Geschichtliches aus unserer Gemeinde. Mit Ortschronik Lichtenrade, erstellt 1920 von Pfarrer E.F. Klein (* 14. April 1863, † 3. April 1953), Hrsg. Evangelischen Kirchengemeinde Berlin Lichtenrade, spätestens Februar 2006
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Karte der Reichsbahndirektion Berlin 1946
- ↑ [Wolfgang Karmer – Linienchronik der Berliner Straßenbahn 1945–1993 – Arbeitskreis Berliner Nahverkehr e. V.; Seite 210 ff]
- ↑ Klaus Wowereit/wegewerk GmbH (Agentur): Klaus Wowereit – Biografie. In: Wowereits offizielle Homepage. Abgerufen am 4. September 2008.
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