Berlin-Lichtenrade

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Lichtenrade
Ortsteil von Berlin
Berlin Friedenau Schöneberg Tempelhof Mariendorf Marienfelde Lichtenrade BrandenburgLichtenrade auf der Karte von Tempelhof-Schöneberg
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 24′ 0″ N, 13° 24′ 0″ O52.413.4Koordinaten: 52° 24′ 0″ N, 13° 24′ 0″ O
Fläche 10,1 km²
Einwohner 49.707 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 4921 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12305, 12307, 12309
Ortsteilnummer 0706
Verwaltungsbezirk Tempelhof-Schöneberg

Lichtenrade ist der südlichste Ortsteil des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg und wurde 1375 das erste Mal urkundlich erwähnt. Neben Schmöckwitz (Rauchfangwerder) ist Lichtenrade der südlichste Ortsteil Berlins.

Das ehemalige Angerdorf liegt im Süden Berlins und reicht bis an die Landesgrenze zu Brandenburg und dessen Landkreise Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald heran.

Lage[Bearbeiten]

Lichtenrade ist historisch ländlich geprägt. Die Form des alten Dorfangers ist noch heute gut zu erkennen. Er ist von vielen Bäumen umsäumt, sodass er wie ein kleiner Park wirkt. In seiner Mitte liegen die Dorfkirche Lichtenrade und der Dorfteich (Giebelpfuhl), der so groß ist, dass bei dickem Eis Eishockey auf ihm gespielt werden kann. Er ist der größte noch erhaltene Dorfteich in Berlin. Der Dorfanger hat, neben denen von Marienfelde und Lübars, am stärksten seinen geschlossenen dörflichen Charakter bewahrt.

Nach der Eingemeindung der Teltower Landgemeinde 1920 nach Groß-Berlin wurden die Ackerflächen nach und nach mit Einfamilienhäusern bebaut. Voraussetzung dafür war der Bau der Dresdener Bahn, die 1883 einen Haltepunkt in Lichtenrade erhielt. Als Verbindung zwischen Dorf und Haltepunkt wurde die Bahnhofstraße angelegt, die bis heute das Einkaufszentrum von Lichtenrade ist. Grundlage für den weiteren Ausbau Lichtenrades war die Anlage des unterirdischen Lichtenrader-Lankwitzer-Regenwasser-Sammelkanals (Lilaresa) 1928/1929, der Überflutungen des sumpfigen Geländes verhinderte und ein Gebiet von 2000 Hektar entwässerte.[1] In den 1960er und 1970er Jahren entstanden mehrere Hochhaussiedlungen: Petruswerk-Siedlung (Bornhagenweg), Lichtenrade-Mitte (John-Locke-Siedlung, Steinstraße) und Lichtenrade-Ost (Nahariyastraße). Um den in Lichtenrade-Ost lebenden Menschen mehr Erholungsmöglichkeiten zu bieten, wurde ab 1979 der Lichtenrader Volkspark angelegt, im Wesentlichen durch eine örtliche Bürgerinitiative.

Denkmal für das
KZ Sachsenhausen, Außenlager Lichtenrade

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1953 wurde in der Pasinger Straße 27 bei Bauarbeiten ein bronzezeitlicher Hortfund etwa aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. entdeckt. Dieser Schatzfund ist also rund 3000 Jahre alt.

Gegründet wohl um 1230, wurde das Dorf als Lichtenrode im Jahr 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. erstmals urkundlich erwähnt. Der Name soll sich aus „Lichtenrode“, eine durch Rodung entstandene Lichtung, herleiten. Die Dorfkirche wurde am Anfang des 14. Jahrhunderts auf dem Dorfanger als schlichte Feldsteinkirche erbaut. Obwohl Lichtenrade gemeinsam mit den Dörfern Marienfelde, Mariendorf und Tempelhof von 1920 bis 2000 den Bezirk Tempelhof bildete, ist Lichtenrade, anders als die drei anderen Dörfer, keine Gründung des Templerordens. Im Jahre 1375 hatte das Dorf 67 Hufen (eine deutlich überdurchschnittlich hohe Zahl), davon vier Pfarrhufen und eine Kirchenhufe. Sechs Hufen waren von Bede und Zehnt befreit; ein Lehnschulze wurde allerdings erst 1536 erwähnt. Es gab 1375 sieben Kossätenhöfe und einen Krug. Die Rechte an den Abgaben und Dienstleistungen waren 1375 breit gestreut: Johann von Wulkow, die (Witwe?) Posin aus Dallgow, die Erben des C. Lietzen aus Berlin. In späteren Jahren werden die von Krummensee, die Bürger Donner und Schaum aus Berlin bzw. Cölln sowie der Markgraf genannt. Seit 1508 hatte auch das Domkapitel aus Berlin Rechte am Dorf; sie galten bis 1872[2] und sind im Straßennamen Im Domstift erhalten geblieben.

Der Ort entwickelte sich und vervielfachte seine Einwohnerzahl im 19. Jahrhundert. 1858 gab es 18 Hofeigentümer, 1900 bereits 75 Häuser. Die im Jahr 1898 am Dorfanger erbaute Volksschule hatte 238 Schüler verteilt auf fünf Klassen. Im Jahr 1911 mussten zwei weitere Klassenräume eröffnet werden. Am 6. Februar 1906 wurde die Freiwillige Feuerwehr Lichtenrade gegründet. 1920 wurde Lichtenrade – zusammen mit vielen anderen Orten und Städten – nach Groß-Berlin eingemeindet und wurde Ortsteil des Bezirks Tempelhof. Zu diesem Zeitpunkt hatte Lichtenrade 4.836 Einwohner (heute: rund 50.000).

Während des Zweiten Weltkriegs wurde in Lichtenrade eine Außenstelle des Konzentrationslagers Sachsenhausen unterhalten. Seit 1941 wurden Kriegsgefangene aus der Ukraine in dem Lager untergebracht. Dazu befindet sich im Bornhagenweg ein Denkmal. Die Eisenbahnschienen assoziieren den Transport ins ferne Auschwitz;[3] jedoch waren die Lichtenrader im Alltag von den Zwangsarbeitern nur durch einen Stacheldraht getrennt, mit denen sie sogar bei Beschäftigung in der dörflichen Landwirtschaft unmittelbaren Kontakt hatten.

Bundesweite Aufmerksamkeit erzielte der Ortsteil in den Jahren 2010 und 2011 durch Demonstrationen, an denen sich wöchentlich bis zu 6000 Menschen beteiligten, um gegen geänderte Flugroutenpläne der Deutschen Flugsicherung zu protestierten. Gastredner waren neben dem Wahlkreisabgeordneten von Tempelhof-Schöneberg, Jan-Marco Luczak, unter anderem der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit und Renate Künast, die damalige Spitzenkandidatin der Berliner Grünen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Panorama der Dorfaue Lichtenrade
Die Dorfkirche Lichtenrade mit ihrem markanten Satteldach

Auf dem Lichtenrader Dorfanger steht die Dorfkirche Lichtenrade aus dem 14. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit wurde die Kirche mehrfach verändert. Die ursprünglichen gotischen Spitzbogenfenster und das ebenfalls auf der Südseite des Langhauses gelegene spitzbogige Portal, beide mit Backsteinen gerahmt, wurden zugemauert und 1769 durch Rundfenster ersetzt, die größer und heller waren und dadurch das Lesen im Gesangbuch erleichterten, wie es die Reformation in Brandenburg 1539 mit sich gebracht hatte. Die Änderung und Verlegung der Öffnungen kann man noch heute im Mauerwerk erkennen.

Der erst nach dem Mittelalter, etwa um 1660 angebaute Dachturm wurde 1810 wegen Baufälligkeit abgetragen. Erst 1902 erhielt die Kirche einen neuen, aquadratischen, aus maschinenbehauenen Feldsteinen errichteten Turm mit spitzem oktogonalen Pyramidendach, begleitet von vier kleinen Spitztürmchen. Statt der Holzdecke zog man 1922 ein Tonnengewölbe ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche am 29. Dezember 1943 durch einen Bombenangriff schwer beschädigt und brannte bis auf die Umfassungsmauern ab. Nach dem Krieg wurde das Gotteshaus neu eingerichtet. Der Turm erhielt ein noch heute erhaltenes querstehendes Satteldach, und die Decke wurde wieder als flache Holzdecke ausgebildet. Im Jahr 1968 wurde die Orgel in Betrieb genommen. Gleich neben der Kirche befindet sich der Giebelpfuhl, der als der größte Berliner Dorfteich gilt.

Die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche wurde 1956 errichtet.

In der Nähe des S-Bahnhofs steht an der Dresdener Bahn noch immer die zwischen 1897 und 1899 erbaute Mälzerei Lichtenrade der Schöneberger Schlossbrauerei. Dieses Gebäude war vor der Hochhausbebauung in Lichtenrade weithin sichtbar und ist auch heute noch eine markante Landmarke. Nachdem die Brauerei den Mälzerei-Betrieb nach dem Ersten Weltkrieg eingestellt hatte, wurde das Gebäude, vor allem im Zweiten Weltkrieg und der sich anschließenden Nachkriegszeit, als staatliches Lagerhaus für Nahrungsmittelreserven genutzt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
um 1800 112
1890 546
1900 851
1910 3.239
1920 4.836
2005 50.452
2011 49.489

Verkehr[Bearbeiten]

Luftaufnahme von Lichtenrade

Seit 1883 gibt es in Lichtenrade einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Berlin–Dresden. Auf dieser Trasse verläuft zurzeit nur die S-Bahn, ein Wiederaufbau der Fernbahn – allerdings ohne Halt in Lichtenrade – ist geplant. Die abschließende Erarbeitung des Planfeststellungsbeschlusses durch das Eisenbahn-Bundesamt war für das Jahr 2013 geplant.

Im Jahr 1938 wurde mit dem Bau des Güteraußenrings begonnen, hier die Strecke von Teltow über Lichtenrade, Großziethen und Schönefeld. Grund war, dass im Raum Großbeeren ein Rangierbahnhof im Bau war. Zur Überfahrung der Gleise wurde der Lichtenrader Damm zwischen Goethe- und Grimmstraße rampenartig erhöht, zunächst jedoch nur für die heutige Nord-Süd-Fahrbahn und der Fahrstreifen für die Straßenbahn (Linie 99). Die separate Süd-Nord-Fahrbahn begann erst am „Goetheplatz“, d. h. an der Kreuzung Lichtenrader Damm, Goethestraße/Potsdamer Straße.

Die nach dem Mauerbau im Jahr 1961 unterbrochene S-Bahn-Verbindung in die heutige Gemeinde Blankenfelde-Mahlow wurde am 31. August 1992 wiedereröffnet.

Des Weiteren befand sich in Lichtenrade zwischen dem 26. Juli 1948 und dem 21. März 1951 der Bahnhof Lichtenrade (Güteraußenring) – Lra.[4] Die Bahnanlagen sind jedoch seit einiger Zeit zum größten Teil wieder entfernt worden.

Die Straßenbahn-Linie 99 fuhr – nach kriegsbedingter Unterbrechung – vom 10. September 1945 bis 1. Oktober 1961 über Lichtenrader Damm, Goltzstraße und Bahnhofstraße bis zur Wendeschleife am S-Bahnhof Lichtenrade und wurde durch die Omnibuslinie A76 ersetzt, die diese Strecke noch heute – als M76 – bedient.[5] Weitere Buslinien erschließen den Ortsteil, teilweise auch mit Verbindung ins Umland.

Anfang der 1960er Jahre wurde der Lichtenrader Damm ab Goethestraße bis zur Goltzstraße um die bis dahin fehlende Süd-Nord-Fahrbahn ergänzt. Auf die Aufschüttung einer Rampe für sie über den Güteraußenring wurde verzichtet, da dieser spätestens seit 1961 nicht mehr in Betrieb war. Anfang der 2010er Jahre wurde schließlich auch der Kirchhainer Damm sechsspurig ausgebaut, mit einem schmalen Mittelstreifen und zum Teil mit Schallschutzwänden.

Söhne und Töchter des Ortsteils[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Lichtenrade – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  • lichtenrade-berlin.de – Informationen zu Lichtenrade nebst Geschichte u. v. m. (private Website)
  • Geschichtliches aus unserer Gemeinde. Mit Ortschronik Lichtenrade, erstellt 1920 von Pfarrer E. F. Klein (* 14. April 1863, † 3. April 1953), Hrsg. Evangelische Kirchengemeinde Berlin Lichtenrade, spätestens Februar 2006

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martina Heimann: Der „Lilaresa“ (Lichtenrader-Lankwitzer-Regenwasser-Sammlers). Private Website von Marina Heimann. Abgerufen am 10. August 2013.
  2. 1871 wurde Berlin Hauptstadt des neuen Kaiserreichs; der zeitliche Zusammenhang ist sicherlich nicht zufällig.
  3. Das KZ Sachsenhausen war aber kein Vernichtungslager, sondern wurde zum Arbeitslager. Ob dem Künstler und den bezirklichen Auftraggebern bewusst war, dass die gewählte Gestaltung am zu erinnernden Sachverhalt völlig vorbei geht, ist nicht bekannt.
  4. Karte der Reichsbahndirektion Berlin 1946
  5. Wolfgang Kramer – Linienchronik der Berliner Straßenbahn 1945–1993 – Arbeitskreis Berliner Nahverkehr e. V.; Seite 210 ff.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKlaus Wowereit/wegewerk GmbH (Agentur): Klaus Wowereit – Biografie. In: Wowereits offizielle Homepage. Abgerufen am 4. September 2008.