Berlin-Müggelheim

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Müggelheim
Ortsteil von Berlin
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Koordinaten 52° 24′ 0″ N, 13° 39′ 0″ O52.413.6534Koordinaten: 52° 24′ 0″ N, 13° 39′ 0″ O
Höhe 34 m ü. NN
Fläche 22,22 km²
Einwohner 6519 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 293 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 12559
Ortsteilnummer 0914
Gliederung
Verwaltungsbezirk Treptow-Köpenick
Ortslagen
  • Ludwigshöhe
  • Siedlung Schönhorst

Müggelheim ist ein Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin. Im 19. Jahrhundert war längere Zeit der amtliche Ortsname Müggelsheim in Gebrauch.[1]

Geografie[Bearbeiten]

Die Siedlung Müggelheim liegt im Stadtforst südlich des Müggelsees und östlich der Müggelberge. Nahe dem Dorfkern befindet sich das nördliche Ende der Großen Krampe, im Nordosten Müggelheims der See Krumme Laake, häufig auch Krumme Lake genannt.

Ortslagen von Müggelheim
  • Ludwigshöhe
  • Schönhorst

Geschichte[Bearbeiten]

Alte Schule und Kirche auf dem Dorfanger

Müggelheim wurde im Jahr 1747 von 20 Familien aus Odernheim im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken gegründet; die Siedlungsgeschichte hat große Ähnlichkeit mit der des benachbarten Friedrichshagen. Dass es sich, wie früher oft angenommen, um Glaubensflüchtlinge handelte, ist schon deshalb unglaubhaft, weil der 1747 regierende Herzog von Pfalz-Zweibrücken protestantischen Glaubens war.[2] König Friedrich II. unterstützte die Ansiedelung der reformierten Auswanderer durch einige Privilegien. Dennoch mussten sich die Siedler durch jahrelange härteste Rodungs- und Kultivierungsarbeiten auf den kargen Sandböden erst einmal eine Existenz schaffen. Die Dorfkirche wurde erst 1804 gebaut, vorher hielt man die Gottesdienste in der Betstube des 1763 auf der Dorfaue errichteten Schulhauses ab. 1920 erfolgte die Eingemeindung nach Groß-Berlin als mit Abstand kleinste Landgemeinde mit 186 Einwohnern. Bald danach errichteten hier zahlreiche Berliner in der ruhigen Wald- oder Seelage ein Eigenheim- oder Wochenendhäuschen. Hinzu kam während des Zweiten Weltkriegs der Bau von Behelfsheimen für die ausgebombten Großstädter. 1955 besaß Müggelheim schon fast 5000 Einwohner. Mit der planmäßigen Erstellung weiterer Wohnungen und Eigenheime im Selbstbau in den folgenden Jahrzehnten wuchs die Siedlung auf über 6000 Bewohner. An die Pfälzer Herkunftsorte der Kolonisten Müggelheims erinnern heute Straßennamen, die am Ende der 1920er und in den 1930er Jahren festgelegt wurden. Sie wurden umgesetzt, als die „600er-Straßen“ des Müggelheimer Besiedlungsplans angelegt, ausgebaut und bebaut wurden. Für Benennungen nach 1945 wurden auch andere Bezüge genutzt.

Wappen[Bearbeiten]

Aktuelles Wappen
Wappen von 1987

Als Ortsteil von Berlin führt Müggelheim kein amtliches Wappen. Das erst nach der Eingemeindung Müggelheims nach Groß-Berlin geschaffene Wappen dient kulturellen und historischen Zwecken. Es zeigt im Göpelschnitt vorn eine grüne Weintraube mit neun Beeren und einem Blatt, hinten eine goldene (gelbe) Garbe mit fünf Ähren und unten einen silbernen (weißen) sich windenden nach rechts blickenden Fisch. Die Originalzeichnung des Wappens wurde 1946 im Vorfeld zur 200-Jahrfeier Müggelheims angefertigt. Ihr lag das ehemalige Dienstsiegel des Müggelheimer Gemeindevorstehers zu Grunde, das vor 1920 der Eingemeindung Müggelheims nach Groß-Berlin verwendet wurde. Als Urheber der Originalwappenzeichnung, die sich im Besitz des Stadtbezirksamt Treptow-Köpenick befindet, gilt der Müggelheimer Zeichenlehrer Carl Steinmetz. Die Weintrauben stehen symbolisch für die ersten Siedler, die Weinbauern aus der Pfalz waren, und sich hier 1747 niederließen um Wein anzubauen, was nicht von Erfolg gekrönt war. Das Ährenbündel symbolisiert die landwirtschaftliche Tätigkeit und der Fisch für den Fischfang, die ein Haupterwerbszweig der späteren Bevölkerung waren. Die in der Umgebung von Müggelheim gelegenen Gewässer, aber vor allem die Große Krampe, sind immer noch ein beliebtes Anglerparadies.

Da das Wappen Müggelheims nicht amtlich verliehen wurde, gibt es keine amtliche Vorlage für das Wappen und es existieren heute mehrere Versionen des Wappens. Eine gebräuchliche Variante findet sich schon in Anmerkungen in der Originalzeichnung wieder – dort ist das rechte Feld (vorn) in gelb tingiert mit einer grünen Weintraube und ein mit Bleistift angebrachter handschriftlicher Zusatz verweist auf dieses Feld mit dem Hinweis „rot“. Das linke Feld (hinten) ist in der Originalzeichnung grün tingiert mit einer gelben Garbe und der handschriftliche Zusatz zu diesem Feld vermerkt „weiß“. Das untere Feld ist in der Originalzeichnung hellblau tingiert mit einem gelben Fisch und zwei angedeuteten Wellen, je eine rechts und links neben dem Fisch. An diesem Feld befindet sich kein weiterer handschriftlicher Hinweis. Diese handschriftlichen Änderungen wurden noch im Vorfeld der 200-Jahr-Feier vorgenommen. Wann sie umgesetzt wurden lässt sich nicht mehr mit bestimmen. Zur 200-Jahr-Feier 1947 wurde das Wappen in der Tingierung der Originalzeichnung verwendet. In den verschiedenen Wappenabbildungen weichen auch die Figuren (Weintraube, Garbe, Fisch) in ihrer Darstellung voneinander ab. In dem 1987 verlegten Buch Als der Wappenbär geboren wurde von Heinz Machatscheck ist das Wappen in der geänderten Tingierung zu sehen. Vorn grüne Weintraube in roten Feld, hinten goldene (gelbe) Garbe in silbernen (weißen) Feld und unten silberner (weißer) Fisch im blauen Feld ohne angedeutete Wellen. Das Wappen ist zusätzlich mit einer Version des Berliner Wappens als Herzschild belegt. Der Herzschild zeigt den schwarzen Berliner Bären in einen blauen Schild, über dem Schild eine rote fünftürmige Mauerkrone. Das Berliner Wappen sollte die Zugehörigkeit zu Berlin symbolisieren.

Seit den 1990er-Jahren wird das Wappen wieder ohne Herzschild in der folgenden Tingierung verwendet: Vorn eine grüne Weintraube in goldenen (gelben) Feld, hinten eine goldene (gelbe) Garbe mit fünf Ähren in roten Feld und unten ein silberner (weißer) sich windender Fisch begleitet von zwei angedeuteten Wellen in blauen Feld. In dieser Tingierung ist das Wappen auf dem Ortseingangsschild (2009) zu sehen.

Gewässer, Inseln in Müggelheim[Bearbeiten]

  • Spree: der Flusslauf zwischen dem Dreieck aus Stadtgrenze/Erkner/Amt Spreenhagen und dem Dämeritzsee gehört zum Ortsteil mit einer Länge von 1610 Metern. (Lage)
  • Müggelspree (Lage), das Südufer und teilweise der Südteil der Müggelspree auf 2930 Meter liegen im Ortsteil
    • Der Krumme Strom (Lage) an der Straße 37
    • Lupenwehr (Lage)
    • Walloch: Rest eines Altarms der Spree von 240 Metern Länge (Lage)
    • Insel am Walloch (Lage)
  • Bauersee (Lage), 20.128 m²
    • Parine, Abfluss am Bauersee zum Kleinen Müggelsee (Lage)
    • Insel am Bauersee (Lage), auf der 24.354 m² großen Insel liegt eine Kleingartenkolonie.
  • Gosener Kanal am Nordwesten der Gosener Wiesen (Lage) verbindet den Dämeritzsee und Seddinsee
  • Große Krampe (Lage)
  • Kleine Krampe (Lage)
  • Krampenburg (Lage)
  • Krumme Lake (Lage)
  • Seddinsee: im Ortsteil liegt ein zum NSG gehörender nordwestlicher Abschnitt. (Lage)
  • Durch das NSG Gosener Wiesen fließen oder liegen
    • Gosener Graben (Lage) mit 3260 Metern zwischen Dämeritz- und Seddinsee
    • Die Durchfahrt (Lage) entlang der Gosener Landstraße
    • Großer Strom (Lage) entwässert die Gosener Wiesen in den Seddinsee
    • Das Strenge Loch (Lage), entwässert die Gosener Wiesen in den Großen Strom

Prominente Bewohner von Müggelheim[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arbeitsgruppe „Müggelheimgeschichte“ unter der Leitung von Herbert Pieper: Das Müggelheim-Buch – Landschaft, Geschichte, Personen. Berlin 1997.
  • Jürgen Walther: Auf dem Weg in eine neue Heimat. Pfälzer in Müggelheim und in anderen Orten Preußens. In: Die Mark Brandenburg. Heft 75, Berlin 2009, ISBN 978-3-910134-11-9.
  • Marianne Schäfer: Ein Dorf am Rande von Berlin : Müggelheimer Erinnerungen. Remscheid : Re Di Roma-Verlag, 2011, ISBN 978-3-86870-378-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Müggelheim – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arbeitsgruppe „Müggelheimgeschichte“ unter der Leitung von Herbert Pieper: Das Müggelheim-Buch – Landschaft, Geschichte, Personen. Berlin 1997, S. 37 (Fußnote 166); vgl. auch Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Berlin 1998, ISBN 3-7466-5291-X, online Projekt Gutenberg – DE: Die Müggelsberge
  2. Herbert Pieper: Kamen die Pfälzer wegen ihres Glaubens nach Preußen? (Eine Legende). In: Das Müggelheim-Buch – Landschaft, Geschichte, Personen. Berlin 1997, S. 82–85.
  3. Heinz Hentschke
  4. In Müggelheim arbeitete Heinz Hentschke an der Ortschronik Die Geschichte von Müggelheim, aufgeschrieben in der Müggelheimer Ortschronik. Berlin 1985, Manuskript (u. a. als Quelle in Das Müggelheim-Buch – Landschaft, Geschichte, Personen. Berlin 1997, S. 187)