Berlin-Mahlsdorf

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Mahlsdorf
Ortsteil von Berlin
Berlin Marzahn Hellersdorf Kaulsdorf Mahlsdorf Biesdorf BrandenburgMahlsdorf auf der Karte von Marzahn-Hellersdorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 30′ 22″ N, 13° 36′ 54″ O52.50611111111113.615Koordinaten: 52° 30′ 22″ N, 13° 36′ 54″ O
Fläche 12,94 km²
Einwohner 27.083 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 2093 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 12623
Ortsteilnummer 1004
Gliederung
Verwaltungsbezirk Marzahn-Hellersdorf
Ortslagen
  • Mahlsdorf-Nord
  • Mahlsdorf-Süd

Mahlsdorf ist ein Ortsteil im Bezirk Marzahn-Hellersdorf von Berlin. Erstmals urkundlich erwähnt wurde es 1345 als Malterstorp. Zusammen mit Kaulsdorf und Biesdorf befindet sich hier Deutschlands größtes zusammenhängendes Gebiet mit Ein- und Zweifamilienhäusern.[1]

Topografie[Bearbeiten]

Südlich der gemeinsam geführten Trasse der Bundesstraßen B 1 und B 5 liegt an der Grenze zu Kaulsdorf der sogenannte Berliner Balkon, die einzige Stelle im Berliner Raum, an der der Höhenunterschied der Barnimhochebene zum Berliner Urstromtal (rund 15 Meter) nachvollzogen werden kann.

Entwicklung der Gemeinde[Bearbeiten]

Mahlsdorf wurde, wie alle anderen Dorfkirchen im Berliner Umland auf dem Barnim, um 1230 gegründet. Es war ein nord-süd-ausgerichtetes Straßendorf; die Dorfkirche liegt auf der westlichen Straßenseite. Die alte Fernhandelsstraße von Berlin über Frankfurt nach Posen und Gnesen verlief südlich der Kirche des Dorfes, das später entlang der ausgebauteren Fernhandelstraße erweitert wurde. Urkundlich ersterwähnt wurde es 1345 als Maltersdorf. Im Landbuch Karls IV. von 1375 ist Mahlsdorf mit 50 Hufen erwähnt, darunter vier Pfarrhufen; es gab auch einen Krug (taberna). Im Jahr 1450 wurden zusätzlich zwei Kirchenhufen erwähnt, und 1459 zählte Mahlsdorf zur Propstei Berlin. Die dörflichen Rechte teilten sich die von Grieben und die von Falkenberg, die auch entsprechend über das Kirchenpatronat verfügten.

Im Jahr 1753 besiedelten auf Erlass des preußischen Königs Friedrich II. Kolonisten aus Plattenhardt in Württemberg den neuen Ortsteil Kiekemal, der aus der Gemarkung Barnim dazu kam. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts gab es eine nur geringfügige Entwicklung mit rund 250 Einwohnern. Danach kam es – besonders in der Gründerzeit – zu einem explosionsartigen Wachstum, gefördert auch durch eine 1885 eröffnete Eisenbahnstation.

Mahlsdorf gehörte zum Landkreis Niederbarnim in der preußischen Provinz Brandenburg. 1920 – damals lebten hier 6000 Einwohner – wurde es nach Berlin eingemeindet und gehörte zum Bezirk Lichtenberg (in der DDR „Stadtbezirk“). 1979 wurde Mahlsdorf Teil des seinerzeit neu gebildeten Stadtbezirks Marzahn, 1986 des damals neu entstandenen Stadtbezirks Hellersdorf.

Sozialstruktur[Bearbeiten]

Mahlsdorf gilt als Stadtteil mit sehr günstiger Sozialstruktur und hoher Kaufkraft (Platz 33 unter allen 178 Berliner Bezirks-PLZ). Der Sozialindex ist deutlich höher als im Berliner Durchschnitt. In Mahlsdorf leben nur sehr wenige Sozialhilfeempfänger, es ist die niedrigste Anzahl und der geringste Anteil aller Stadtteile (Stand 2004). Der Ausländeranteil ist ebenfalls sehr gering mit 1,3 % (Stand 2004).

Baudenkmale[Bearbeiten]

Mittelalterliche Dorfkirche[Bearbeiten]

Das älteste Gebäude in Mahlsdorf ist die Dorfkirche[2] aus dem 13. Jahrhundert. Das Gotteshaus ist ein ursprünglich frühgotischer Feldsteinbau. Typisch für die Zeit wurde das Kirchenschiff als gedrungener Langhaussaal ausgeführt, an den im Osten ein eingezogener, rechteckiger Altarraum mit geradem Rechteckchor anschließt. An einigen Stellen sind noch die Umrisslinien der 1699 vermauerten und durch übergroße Rundbogenöffnungen ersetzten frühgotischen Fenster zu erkennen.

Dem bis zum Traufgesims in Schiffbreite angelegten Westturm wurde im Spätmittelalter ein schmaler Rechteckturm aufgesetzt. Sein Satteldach stammt aus der Zeit um 1900 und verläuft entgegen der Gepflogenheit von West nach Ost. Beiderseits des Chors befinden sich die üblichen Sakristeianbauten.

Die mittelalterliche Raumgliederung des Innenraums ist noch an dem spitzen Triumphbogen zwischen Schiff und Chor zu erkennen. Eine der Glocken trägt die Jahreszahl 1488. An Lampert Distelmeyer, Kanzler des Kurfürsten Joachim II., erinnert eine Steintafel mit seinem Wappen. Die Kanzel ist ein Geschenk seines Schwiegersohnes Johann von Kötteritz aus der Zeit um 1620.

Fast hundert Jahre jünger ist der Altar mit den Bildern von Maria, Johannes und der Stadt Jerusalem im Hintergrund (1710). Ein wappengeschmückter Grabstein im südlichen Sakristeianbau ist der 1579 verstorbenen Gertraut Grieben, eheliche Hausfrau des Peter Bretzke zu Stettin, gewidmet.

Gründerzeitmuseum[Bearbeiten]

Gründerzeitmuseum

Überregionale Bekanntheit hat der Ortsteil durch Charlotte von Mahlsdorf und das von ihr im Gutshaus Mahlsdorf[3] aufgebaute Gründerzeitmuseum erlangt. Das Museum beherbergt Europas größte zusammenhängende Sammlung von Gegenständen aus der Gründerzeit und ist beliebt als Drehort für Film- und TV-Produktionen, Theateraufführungen, sowie als Standesamt. Das Museum befindet sich innerhalb einer Parkanlage am Hultschiner Damm 333.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Jahr 2005 errichtete das Abfallentsorgungsunternehmen ALBA die modernste Recyclinganlage Europas auf dem Gelände der ehemaligen SERO gleich östlich des Berliner Balkons.

Von 1959 bis zur Wende befanden sich im ehemaligen Kino Lichtburg am Hultschiner Damm die Produktionsstudios für die Kindersendung Unser Sandmännchen des Fernsehens der DDR. Dort wurden über 1000 Sandmännchenfilme produziert und in 43 Länder weltweit verkauft. Nachdem es lange Jahre leer stand, wurde es um die Jahrtausendwende trotz vieler Bürgerproteste abgerissen und ein Supermarkt sowie ein Jugendclub errichtet.

Politik[Bearbeiten]

Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin im Jahr 2011 gewann im Wahlkreis Kaulsdorf-Süd/Mahlsdorf Mario Czaja mit 41,5 Prozent der Erststimmen das einzige Direktmandat der CDU in den östlichen Bezirken vor den Gegenkandidaten der SPD und Linkspartei.

Schulen[Bearbeiten]

Friedrich-Schiller-Grundschule

Die Oberschule am Elsengrund wurde zum Ende des Schuljahrs 2008/2009 geschlossen und mit dem Otto-Nagel-Gymnasium in Berlin-Biesdorf zusammengelegt.

Bahnverkehr[Bearbeiten]

S-Bahnhof Mahlsdorf

Am 1. September 1895 wurde der Bahnhof Mahlsdorf[8] an der 1867 eröffneten Preußischen Ostbahn in Betrieb genommen. Er bestand aus zwei Seitenbahnsteigen und lag an der Hönower Straße, die die Ostbahn höhengleich kreuzte.

Nachdem der Bahnhof 1929 hochgelegt wurde, erreichte die S-Bahn 1930 den Bahnhof Mahlsdorf. Die Hönower Straße war 1929 noch nicht abgesenkt, sodass die Fahrgäste zu Anfang das Gebäude durch die heutige erste Etage betreten mussten. Er bestand jetzt aus zwei Mittelbahnsteigen, einen für die S-Bahn und einen für die Strecke Mahlsdorf – Strausberg. Ab Ende Mai 1931 war auch ein anderes Provisorium für die S-Bahn-Fahrgäste beendet: die hölzerne Brücke vom S-Bahnsteig zum Empfangsgebäude konnte abgerissen werden. Im September 1941 kam es zu einem S-Bahn-Unglück, als ein in den Bahnhof einfahrender Zug den Prellbock überfuhr und auf die dahinter gelegene Hönower Straße hinabstürzte.

Seit dem 7. März 1947 fuhr die S-Bahn weiter nach Hoppegarten, seit dem 31. Oktober 1948 bis Strausberg.

Das Land Berlin hat auf dem zweiten Bahnsteig einen Regionalbahnhaltepunkt vorgesehen. Die Finanzierung ist allerdings noch unsicher.

Prominente Mahlsdorfer[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Mahlsdorf 1345–1995. Beiträge zur Geschichte. Dem 650. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung gewidmet. MAZZ-Verlagsgesellschaft, Berlin 1995.
  • Kurt Pomplun: Berlins alte Dorfkirchen. Verlag Bruno Hessling, Berlin 1967, S. 59.
  • Paul Großmann:
    • Geschichte der Mahlsdorfer Schützengilde. Gegründet am 23. Mai 1909, aus Anlass der Feier des 10-jährigen Bestehens am 23. Mai 1919, bearbeitet und hrsg. von Paul Grossmann, Berlin: Selbstverlag Paul Großmann, 1919
    • Mahlsdorfer Straßen-Verzeichnis, hrsg. unter Mitwirkung der Gemeindeverwaltung, Berlin-Mahlsdorf (Bahnhofstraße 2): K. E. Schulze, 1921
    • Mahlsdorfer Ortsgeschichte, die Freiwillige Feuerwehr. Ein Rückblick auf ihre Entstehung und Entwicklung. Zur Erinnerung an die Feier des 25jährigen Bestehens 1902–1927. Unter Benutzung meiner im Jahre 1912 erschienenen Denkschrift, bearb. und hrsg. von Paul Grossmann, Berlin-Mahlsdorf: Selbstverlag, 1927

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Mahlsdorf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 10 Vorurteile über Marzahn. Abgerufen am 2. September 2010.
  2. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  3. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  4. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  5. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  6. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  7. Freie Schule am Elsengrund
  8. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  9. Vergleiche diese GND-Nummer der Deutschen Nationalbibliothek