Berlin-Malchow

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Malchow
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Wartenberg Falkenberg Malchow Neu-Hohenschönhausen Alt-Hohenschönhausen Fennpfuhl Lichtenberg Rummelsburg Friedrichsfelde KarlshorstMalchow auf der Karte von Lichtenberg
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 34′ 45″ N, 13° 28′ 57″ O52.57916666666713.4825Koordinaten: 52° 34′ 45″ N, 13° 28′ 57″ O
Fläche 1,54 km²
Einwohner 535 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 347 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 13051
Ortsteilnummer 1106
Verwaltungsbezirk Lichtenberg

Malchow [ˈmalçoː] ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Lichtenberg. Der mit der Verwaltungsreform 2001 neu gebildete Ortsteil Stadtrandsiedlung Malchow liegt hingegen im angrenzenden Bezirk Pankow.

Geschichte[Bearbeiten]

Beginn der Besiedlung bis zum Mittelalter[Bearbeiten]

Bereits in der Mittelsteinzeit (um 5000 v. Chr.) nutzten Jäger, Sammler und Fischer das Gebiet um Malchow als Rastplatz. Aufgrund des Fischreichtums und der fruchtbaren Böden begann fortan die Besiedlung. Das bezeugen archäologische Funde wie Feuersteingeräte und herzförmige Pfeilspitzen. In der jüngeren Bronzezeit (ca. 1200 v. Chr.) wurde das Gebiet dann intensiver besiedelt und genutzt. Auch aus der vorrömischen Eisenzeit und dem slawischen Frühmittelalter stammen Funde von Malchower Boden.[1]

Während des 13. Jahrhunderts gründeten deutsche Bauern das Dorf Malchow, vermutlich um 1230, wie die meisten Dörfer im Berliner Raum auf dem Barnim. Das relative sorgfältig gequaderte Feldsteinmauerwerk zeigt, dass die frühgotische Dorfkirche in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut wurde (1945 durch Wehrmachtsangehörige gesprengt). 1344 wurde der Ort Malchow in einer Schenkungsurkunde von Ludwig dem Älteren (Markgraf von Brandenburg) erstmals als Malchowe erwähnt. Im Landbuch Karls IV. von 1375 wurde das Dorf mit 52 Hufen erwähnt, davon vier Pfarrhufen. Es hatte einen Gasthof (taberna). Im Dorf wohnten neben den Hufenbauern 28 Kossäten. Bereits vor 1375 war das Dorf im Besitz des Malchower Nebenzweigs des Adelsgeschlechts von Barfus. Sie verkauften es 1684 an Paul von Fuchs.

Erweiterung im 17. Jahrhundert[Bearbeiten]

Karte des Malchower Gutshofes mit Lustgarten und Orangerie um 1750

Im Jahr 1629 lagerten die kaiserlichen Regimenter unter Wallenstein in Malchow. Eine Schmiede und eine Bockwindmühle erhielt der Ort im Jahre 1642. Paul von Fuchs, ein brandenburgisch-preußischer Staatsminister, tauschte 1684 seinen Blankenburger Besitz gegen das Malchower Gut. Die nachfolgenden Jahre werden als Malchows Blütezeit bezeichnet, da Paul von Fuchs den Ort zu seinem „Edelsitz“ ausbaute. Unter seiner Führung wurde ein Predigerwitwen- und Waisenhaus errichtet und die Kirche erneuert. Im 18. Jahrhundert erwarben nacheinander König Friedrich I. und dann Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt das Gut. Neben dem Anlegen von neuen Alleen wurde auch der Lustgarten erweitert. Ab 1734 wurde Malchow von Niederschönhausen verwaltet, bis es – nachdem es im 19. Jahrhundert noch einmal unter privater Führung stand – 1882 von der Stadt Berlin erworben wurde, die große Flächen als Rieselfelder nutzte. Zu dieser Zeit begann gezielte Zucht von Speisefischen am Malchower See, die bis in die 1960er Jahre betrieben wurde. 1920 wurde auch Malchow zu Groß-Berlin eingemeindet und dem Bezirk Weißensee zugeordnet.

Neue Wohngebiete entstehen[Bearbeiten]

Ende der 1920er Jahre bekam Malchow eine Omnibusverbindung nach Weißensee und rückte so näher an die Stadt Berlin heran. In den 1930er Jahren expandierte Malchow durch die Entstehung der Siedlung Margaretenhöhe und der von den NILES-Werken errichteten Niles-Siedlung südöstlich des Malchower Sees.

Um 1955 wurde das frühere Gut in Malchow in Volkseigentum umgewandelt. Das Volkseigene Gut (VEG) Malchow diente nun der Futterproduktion. Durch die Abspaltung Hohenschönhausens 1985 von Weißensee wurde Malchow aufgeteilt. Der Dorfkern sowie die Siedlung Margaretenhöhe gehörten seitdem zum Bezirk Hohenschönhausen. Die Stadtrandsiedlung verblieb dagegen im Bezirk Weißensee, der 2001 im Bezirk Pankow aufging.

Die DDR-Pläne für Malchow sahen ab 1990 den Bau einer Großsiedlung vor.

Malchow ab 1990[Bearbeiten]

Seit der Bezirksreform im Jahr 2001 und der daraus resultierenden Auflösung des Bezirks Hohenschönhausen gehört Malchow zum Bezirk Lichtenberg. Die Grenzen des Ortsteils wurden ebenfalls neu geschnitten; die Siedlung Margaretenhöhe wurde dem Ortsteil Wartenberg und die Niles-Siedlung dem Ortsteil Neu-Hohenschönhausen zugeschlagen. Nach der Einwohnerzahl ist Malchow mit 488 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2010) der kleinste Ortsteil von Berlin.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Gedenkstätte Malchow
Heimstätte Malchow, vermutlich das Witwen- und Waisenhaus
  • Die mittelalterliche Dorfkirche im alten Dorfzentrum stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg vollkommen zerstört und ist nicht wieder aufgebaut worden. Erhalten sind noch einige Reste der Umfassungsmauern. In der Ruine stehen einige Inschriftgrabsteine der Pfarrerfamilie Neander vom Ende des 17. Jahrhunderts.
  • An der Dorfstraße 9 steht das ehemalige Malchower Herrenhaus. Es war von 1682 bis 1705 im Besitz des Ministers Paul von Fuchs, der es zu einer barocken, schlossähnlichen Anlage umgestaltete.[2] In der Folgezeit wurden zahlreiche Veränderungen durchgeführt. Der zweigeschossige Putzbau mit zwei pavillonartigen Seitenflügeln erhielt seine heutige Gestalt 1865 bis 1866 im Stil der Schinkel-Nachfolge.[3] Von 1951 bis 2004 wurde das Gebäude von der landwirtschaftlich-gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität genutzt.[4] Der westlich des Schlosses angelegte barocke Lustgarten ist nur noch in Ansätzen erkennbar.
  • Zahlreiche Gutsarbeiterhäuser des ausgehenden 19. Jahrhunderts

Bildung, Kultur und Natur[Bearbeiten]

  • Grundschule im Grünen mit einem Kinderbauernhof, genannt Knirpsenfarm[5]
  • Naturschutzstation, organisiert das jährlich stattfindende Storchenfest[6]
  • Der Hechtgraben, der Berl und der Malchower See bilden den Wasserreichtum des Ortsteils. Der Malchower See dient auch als Angelgewässer.
  • Das Naturschutzgebiet Malchower Aue liegt etwas abseits des Sees. Es ist als Brut- und Durchzugsgebiet für Vögel als auch für die Erhaltung heimischer Amphibienarten von großer Bedeutung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Malchow – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Museum Lichtenberg im Stadthaus (Hrsg.): Faszination Archäologie. Funde aus Ur- und Frühgeschichte in Lichtenberg und Hohenschönhausen. Begleitbroschüre zur Ausstellung, Berlin 2012.
  2.  Oliver Menges, Karsten Thieme: Gutshaus Malchow. Bauanalyse und Nutzungsperspektiven. In: Dorothée Sack, Martin Gussone, Dietmar Kurapkat, Daniela Spiegel (Hrsg.): Masterstudium Denkmalpflege Jahrbuch 2006-08. Berlin 2008, ISBN 978-3-931278-49-6, S. 88 (PDF-Datei; 813 kB).
  3. Horst Ulrich, Uwe Prell, Ernst Luuk: Berlin Handbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt. FAB-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-927551-27-9, S. 795.
  4. Friedpark: Friedhof Malchow – Paul von Fuchs. Abgerufen am 6. Oktober 2012.
  5. Handzahme Raubtiere auf der Knirpsenfarm. Robert-bosch-Stiftung übernimmt Patenschaft für Frettchendamen. In: Berliner Woche, 30. Juni 2010, S. 7.
  6. Storchenfest in Malchow. In: Berliner Woche, 30. Juni 2010, S. 7.