Berlin-Oberschöneweide

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Oberschöneweide
Ortsteil von Berlin
Alt-Treptow Plänterwald Baumschulenweg Oberschöneweide Niederschöneweide Johannisthal Altglienicke Bohnsdorf Grünau Schmöckwitz Friedrichshagen Müggelheim Rahnsdorf Köpenick Adlershof Brandenburg BerlinOberschöneweide auf der Karte von Treptow-Köpenick
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Koordinaten 52° 27′ 43″ N, 13° 30′ 54″ O52.46213.51534Koordinaten: 52° 27′ 43″ N, 13° 30′ 54″ O
Höhe 34 m ü. NN
Fläche 6,18 km²
Einwohner 19.956 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 3229 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 12459
Ortsteilnummer 0909
Verwaltungsbezirk Treptow-Köpenick

Oberschöneweide ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick und gehörte zu den bedeutendsten Fabrikquartieren Deutschlands. Die Geschichte des Ortsteils ist eng mit der AEG verbunden, die von hier aus Weltgeltung erlangte.

Geografie[Bearbeiten]

Oberschöneweide liegt im nordwestlichen Teil des Bezirks Treptow-Köpenick am nördlichen Ufer der Spree. Dem Ortsteil gegenüber auf der anderen Spreeseite liegen die Ortsteile Plänterwald, Baumschulenweg, Niederschöneweide und die Ortslage Spindlersfeld des Ortsteils Köpenick (von Norden nach Südosten). Im Osten grenzt Oberschöneweide an Köpenick. Die Ortsteilgrenze verläuft durch die Wuhlheide. Nördlich liegen die Ortsteile Karlshorst und Rummelsburg (Nordwest) des Bezirks Lichtenberg.

Das Gelände von Oberschöneweide ist flach und im Kern stark bebaut. Entlang der Spree erstreckt sich die Industriebebauung. Lediglich im Osten ist am Ufer eine lockere und gemischte Bebauung des Geländes und im Nordwesten befinden sich mehrere Kleingartenanlagen. Parallel zum Industriegebiet befindet sich das Wohngebiet, nur geteilt durch die Wilhelminenhof- und Nalepastraße. Im Norden und Nordosten des Ortsteiles erstreckt sich die Wuhlheide mit dem denkmalgeschützten Volkspark Wuhlheide.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Siedlungen[Bearbeiten]

Der Name Schöne Weyde wird das erste Mal 1598 in einer Reisebeschreibung des brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. erwähnt. Sie beschreibt eine ausgedehnte Uferwiese links der Spree in Flussrichtung. Die Bezeichnung Schöneweide wurde in späteren Jahren auf Karten für beide Seiten der Spree benutzt. In schriftlichen Überlieferungen ist aber weiter die Rede von „bei der schönen Weide“. Das Gebiet nördlich der Spree gehört zum Kreis Niederbarnim.

Postkarte des Ausflugslokals Wilhelminenhof, 1903

Das älteste nachweisbare Gehöft war die ansehnliche Acker-, Vieh- und Gastwirtschaft Quappenkrug, benannt nach dem Wirt Quappe. Der Quappenkrug wurde 1682 vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm erworben und dem Domänenamt Köpenick unterstellt. Seit 1717 wurde der Quappenkrug verpachtet. Auf dem Weg zwischen Köpenick und Berlin kehrten hier die Reisenden und Schiffer ein. Parallel zu der in Köpenick aufblühenden Textilerzeugung entstanden, wie auch am Südufer der Spree, zum Ende des 18. Jahrhunderts östlich und westlich des Quappenkrugs Kattunbleichen. Zum Quappenkrug kam um 1800 eine Meierei hinzu, und es bildete sich ein kleines Vorwerk heraus. 1814 erwarb der Oberfinanzrat Reinbeck das inzwischen Forst- und Landgut gewordene Areal. Er ließ das Gebäude schlossähnlich ausbauen und nannte es mit königlichem Einverständnis nach dem Vornamen seiner Frau Wilhelminenhof. Aus dem Wilhelminenhof wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein sehr beliebtes Ausflugslokal.

In den 1860er Jahren siedelten sich die Dampf-Waschanstalt Weißenburg und das Gasthaus Sadowa östlich und die Gaststätte Waldschlößchen westlich des Wilhelminenhofs an. Diese Siedlungen bildeten den Gutsbezirk Etablissements bei Köpenick Anteil. Damals herrschte noch die Tendenz zur Ausbildung eines Erholungsgebietes vor. So erhielt 1869 die Ausflugsgaststätte Sadowa einen großen Saal und konnte 1879 bereits zwölf Sommerwohnungen anbieten. Es folgten weiter Restaurants und Gaststätten, wie Spreeschloß, Strandschloß und Tabberts Waldschlößchen. Des Weiteren begann der Ausbau der Villenkolonie Ostend. 1871 wurden die im Kreis Niederbarnim – also am rechten Spreeufer – gelegenen Etablissements bei Köpenick Oberschöneweide benannt. Der Ortsvorsteher wurde angewiesen, die Bildung der politischen Gemeinde vorzubereiten. Doch mit dem Gründerkrach in den 1870er Jahren stagnierte die Entwicklung des Ortes und der Gemeinde wieder. Die Villenkolonie blieb auf Grund schlechter Verkehrsanbindungen in den Anfängen stecken. Der 1877 nördlich in der Wuhlheide eingerichtete Bahn-Haltepunkt Sadowa (heute: S-Bahnhof Wuhlheide) war zu weit weg. Die Errichtung einer Pferde-Straßenbahnlinie nach Rummelsburg oder Köpenick gelang nicht und eine Brücke über die Spree existierte noch nicht. Erst 1885 gab es eine Flussüberquerung über die Spree mit der vom Kreis Teltow angelegten Kettenfähre.

Die Industrialisierung[Bearbeiten]

Industriebauten der Gründerzeit am Spreeufer, Blick von Niederschöneweide
Alte Feuerwache in der Siemensstraße, jetzt Freiwillige Feuerwehr
Kabelwerk Oberspree am Spreeufer

Die Entwicklung des Ortes bekam erst wieder 1889 den entscheidenden Impuls, als das private Konsortium der „Grundrentengesellschaft AG in Berlin“ den Wilhelminenhof und umliegendes Land kaufte. Die Grundrentengesellschaft begann umgehend mit der Parzellierung und dem weiteren Verkauf. Sie beantragte von sich aus die Bildung eines selbstständigen Gemeindebezirks. Die Ortsgemarkung brauchte aber noch einige Jahre. Die Grundrentengesellschaft legte selbst die ersten Straßenzüge mit den typischen Arbeitermietshäusern an. An der Stelle, an der sich heute die Stubenrauchbrücke befindet, errichtete sie noch 1889 eine Holzbrücke über die Spree. Über die Brücke führte auch ein Eisenbahngleis zum Bahnhof Johannisthal-Niederschöneweide und beseitigte die gewerblichen Standortnachteile. Beiderseits des aufgekauften und aufgelösten Wilhelminenhofs ließen sich zahlreiche große Industriebetriebe nieder. Die AEG baute dort 1890 eine Fabrik für Akkumulatoren, ab 1895 das Elektrizitätswerk Oberspree, ab 1896 ein Kabelwerk mit dazugehörigem Kupferwalzwerk, Gummiwerk und Drahtzieherei und ab 1901 das Messingwalzwerk. Außerdem entstanden 1898 die Deutschen Niles-Werke für den Werkzeugmaschinenbau.

Die Kettenfähre wurde 1891 durch eine Holzbrücke ersetzt, die wiederum 1908 durch die stählerne Stubenrauchbrücke ersetzt wurde. Mit dem Kaisersteg, einer Fußgängerbrücke, entstand 1897 ein zweiter Spreeübergang. Der stetig wachsende Verkehr führte 1903/1904 zur Errichtung des dritten Spreeübergangs, der Treskowbrücke, nach Plänen von Karl Bernhard. Die Grundrentengesellschaft legte noch vor der Jahrhundertwende die Trasse der Industriebahn Oberschöneweide an. Sie durchzog die gesamte Wilhelminenhofstraße und verband 17 Fabriken mit den Bahnhof Niederschöneweide-Johannisthal und dem Betriebsbahnhof Rummelsburg.

Es entstand ein industrielles Ballungsgebiet aus 25 Großbetrieben und einer Vielzahl von kleinen Betrieben, Werkstätten und Labors. Ein Drittel der Firmen gehörte zur Elektroindustrie. Die nächststärkeren Zweige waren die Metallindustrie und der Maschinenbau. Das Elektrizitätswerk Oberspree war damals das erste außerhalb Berlins gelegene Großkraftwerk und das erste Drehstromkraftwerk im Deutschen Reich. Das Elektrizitätswerk wurde zum Vorreiter der heutigen Stromerzeugung, denn zum ersten Mal wurde elektrische Energie in ein Versorgungsnetz eingespeist und weiterverteilt.

Während des Ersten Weltkriegs wurde Oberschöneweide ein hochrangiges Zentrum der Rüstungsindustrie. Durch die hohe Anzahl von Arbeitern in den Großbetrieben entwickelte sich Oberschöneweide zu einem Zentrum der Arbeiterklasse und der Sozialdemokratie.

Selbstständige Landgemeinde[Bearbeiten]

Der 1901 für die Neue Automobil-Gesellschaft (N.A.G.) der AEG errichtete und heute denkmalgeschützte Peter-Behrens-Bau in der Ostendstraße 1–6
Evangelische Christuskirche, erbaut 1907/1908

Unter Einbeziehung großer Teile des Gutsbezirks Köpenicker Forst wurde am 16. März 1898 Oberschöneweide als selbstständige Landgemeinde mit 149 Hektar ausgegliedert. In den folgenden Jahren vergrößerte sich die Fläche noch durch den Zukauf forstfiskalischen Landes.

Die AEG verpflichtete die bekanntesten Architekten der Zeit sowie Spezialisten des Industriebaus, um ihre Fabrikanlagen zu entwerfen. In der Zeit von 1890 bis 1920 entstand so in Oberschöneweide ein bemerkenswertes Gebäudeensemble von Geschossfabriken, ausgedehnten Produktionshallen und Verwaltungsbauten. In unmittelbarer Nähe der Werke – nur durch eine Straße getrennt – entstanden zahlreiche viergeschossige Mietshäuser mit Hinterhäusern und Seitenflügeln, die vorrangig von der Arbeiterbevölkerung bewohnt wurden. In den Randzonen entstanden großzügiger angelegte Mietshäuser, die für die besser dotierten Angestellten vorgesehen waren.

Darüber hinaus wurden zahlreiche Kommunalbauten errichtet, beispielsweise mehrere große Gemeindeschulen, eine höhere Knaben- und Mädchenschule und ein Realgymnasium. Eine Gasanstalt war seit 1898 vorhanden. 1899 wurde die zweigeschossige Feuerwache eingeweiht. Der AEG-Begründer Emil Rathenau ließ 1902 in der Wuhlheide den Waldfriedhof Oberschöneweide anlegen. Die 1897 installierte Postagentur wurde 1905 von einem Postamt 1. Klasse abgelöst. Ebenfalls 1905 wurde das Abwasserpumpwerk fertig. Die katholische Kirche wurde 1907 und die evangelische Kirche ein Jahr später eingeweiht. Die Versorgung der Industrie und Bevölkerung mit Leitungswasser übernahm zunächst Boxhagen-Rummelsburg und später das 1905–1908 angelegte Wasserwerk. Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt die Gemeinde Elektrizität und den Anschluss an die Kanalisation.

Die heutige Griechische Allee sollte mit der katholischen Kirche, dem Postamt und weiteren Einrichtungen das Ortszentrum bilden. Hier war auch ein Rathaus für die noch eigenständige Gemeinde am damaligen Rathausplatz geplant. Die in gleicher Zeit projektierte U-Bahnlinie E vom Alexanderplatz nach Friedrichsfelde sollte in einer zweiten Etappe über Karlshorst nach Oberschöneweide führen, um eine direkte Anbindung an das Berliner Zentrum zu schaffen.

Am westlichen Rand der Gemeinde wurde 1899 auf dem Gelände der ehemaligen Försterei Neue Scheune ein großes Petroleumlager Nobelhof angelegt. Als weiteren Industriebetrieb gründete die AEG 1901 die Neue Automobil-Gesellschaft AG (N.A.G. ) Das Fabrikgebäude in der Ostendstraße 1–6 entwarf der Architekt Peter Behrens.

Die Bebauung konzentrierte sich auf das Ortszentrum von Oberschöneweide an der Spree. So blieb das Gelände am westlichen Uferstreifen weitgehend unbebaut. Auch der Uferstreifen im Osten nach Köpenick wurde nur vereinzelt mit Villen und kleineren Fabriken bebaut. Seit Ende des 19. Jahrhunderts kamen hier mehrere Klub- und Bootshäuser von Rudersportvereinen hinzu, wie das von der AEG in Auftrag gegebene Bootshaus Elektra.

Die AEG richtete in Oberschöneweide außerdem eine Reihe weiterer wegweisender Einrichtungen betrieblicher Sozialpolitik ein. Darunter waren die Stelle einer „Fabrikpflegerin“ für weibliche Beschäftigte oder die Gründung eine der ersten Fabrikkrippen für Kinder von Arbeiterinnen des Kabelwerks Oberspree und anderen Schöneweider Betrieben.[1]

Im Jahr 1910 zog das Elisabeth-Kinder-Hospital nach Oberschöneweide in die Karlshorster Straße (heute: Treskowallee) und wurde in Königin-Elisabeth-Hospital umbenannt.

Aus dem ehemaligen Ausflugsgebiet war ein wichtiges Industrie- und Arbeiterwohngebiet mit großstädtischen Zügen geworden. Die Randgebiete konnten ihren Charakter als Erholungslandschaft mit der benachbarten Wuhlheide noch längere Zeit bewahren.

Wilhelminenhof-/Ecke Edisonstraße

Eingemeindung nach Berlin[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1920 trat das Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin in Kraft. Laut Gesetz bildeten Oberschöneweide und andere Landgemeinden den ursprünglich 15. Verwaltungsbezirk Treptow von Groß-Berlin. Die Gemeindevertretungen der eingegliederten Landgemeinden wirkten nur noch kurze Zeit kommissarisch fort. Sie wurden von ihren Verantwortungen entpflichtet und als örtliche Dienststellen in die Bezirksverwaltung eingegliedert. So endete die kommunale Selbstständigkeit Oberschöneweides bereits nach nur 22 Jahren.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

In den Bezirken Treptow und Köpenick wurde 1938 eine Gebietsreform durchgeführt. Dabei wurden die Ortsteile Oberschöneweide und Wuhlheide aus dem Bezirk Treptow herausgelöst und dem Bezirk Köpenick eingegliedert.

Neue Treskowbrücke über der Spree; die alte wurde 1945 gesprengt. Links Spreehöfe, rechts ehemaliger VEB TRO (AEG), heute: Rathenau-Hallen

In der Zeit des Nationalsozialismus entwickelte sich Oberschöneweide zu einer Hochburg des Widerstands. Trotz der ständigen Verhaftungen und Todesurteile gegen die Widerstandskämpfer hörte der Widerstand nicht auf. Die Widerstandszellen waren in den Jahren 1942 bis 1944 am zahlreichsten. Die Fabriken in Oberschöneweide blieben das Fundament der illegalen Berliner KPD-Zentrale.

Durch die Masseneinberufungen ab 1941 entstand Personalmangel in den Fabriken. Um die Produktion aufrechtzuerhalten, wurden immer mehr Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen aus allen Ländern Europas eingesetzt.[2] In der Wuhlheide wurden mehrere Barackenlager für Zwangsarbeiter errichtet. Hier befand sich auch das gleichnamige, der Gestapo unterstehende Berliner Arbeitserziehungslager. Allein im Kabelwerk Oberspree und anderen, in dem AEG-Fabrikkomplex gelegenen Werken arbeiteten mehr als 6000 ausländische Zwangsarbeiter, 1944/1945 auch weibliche Häftlinge des KZ Sachsenhausen.[3]

Bei den Luftangriffen der Alliierten am 21. Juni und 6. August 1944 wurde Oberschöneweide mit einem dichten Bombenteppich belegt. Dabei wurde das Kabelwerk Wilhelminenhof stark zerstört. Ende Februar 1945 wurde Oberschöneweide noch einmal in seiner ganzen Ausdehnung bombardiert. Unter den Todesopfern waren viele ausländische Zwangsarbeiter.

Am 16. April 1945 begann die Schlacht um Berlin, die letzte große Schlacht des Zweiten Weltkriegs in Europa. Bevor die deutschen Truppen abzogen und Oberschöneweide der Roten Armee kampflos überließen, sprengten die SS noch den Kaisersteg und die Treskowbrücke. Am 24. April befand sich Oberschöneweide in den Händen der 8. Gardearmee der 1. Weißrussischen Front.

Zeit zwischen 1945 und 1990[Bearbeiten]

Nach der verwaltungsmäßigen Gliederung von Groß-Berlin durch die alliierten Siegermächte fiel Oberschöneweide mit den anderen Ortsteilen des Bezirks Köpenick unter sowjetische Kontrolle.

Wie überall in den sowjetisch besetzten Gebieten wurden auch in Oberschöneweide zunächst alle nicht zerstörten Produktionsmittel demontiert und in die Sowjetunion gebracht. Es folgte die Enteignung der Industriebetriebe; sie wurden später in Volkseigene Betriebe umgewandelt.

Das Königin-Elisabeth-Krankenhaus diente ab Oktober 1945 den sowjetischen Truppen als Militärkrankenhaus. Das blieb es bis zum vollständigen Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutschland im Jahr 1994.

In den 1950er Jahren wurde das Funkhaus Nalepastraße in der gleichnamigen Straße errichtet. Hier wurden zentral vom Rundfunk der DDR sämtliche Hörfunkprogramme der DDR produziert.

Nach der Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Aufgrund der sich verändernden Marktlage nach der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 kam es bei vielen Betrieben der DDR zu Massenentlassungen, Schließungen und Privatisierungen. Dies war das Ende des traditionsreichen Industriestandorts. Der südkoreanische Industriegigant Samsung betrieb über die Samsung SDI in Oberschöneweide bis Ende 2005 einen Produktionsstandort für Röhrenfernseher und Mobilfunkgeräte. Er gab den Standort trotz des Erhaltes von Subventionsmitteln in Millionenhöhe seitens des Landes Berlin aufgrund von Absatzproblemen und Unwirtschaftlichkeit auf. Die Industriegebäude Oberschöneweides stehen seit 1991 unter Denkmalschutz und sind ein Schwerpunkt der Berliner Industriedenkmalpflege. Auf den Industriegeländen haben sich viele kleine Handwerksbetriebe angesiedelt. Zu den traditionsreichen, mittelständischen Unternehmen gehören die Silicon Sensor GmbH (entstand durch Ausgründung aus dem damaligen Werk für Fernsehelektronik) und die BAE Batterien GmbH (am Standort der Accumulatoren Fabrik Aktiengesellschaft, AFA).

„Die Industrielandschaft Schöneweide ist für die Elektropolis Berlin ‚nicht weniger charakteristisch – und nicht weniger wichtig – als die Museumsinsel für Spree-Athen‘.“

Norbert Huse

Am 1. Januar 2001 wurden aufgrund der Verwaltungsreform in Berlin die Bezirke Treptow und Köpenick zum neuen Großbezirk Treptow-Köpenick zusammengelegt. Seitdem gehört Oberschöneweide zu diesem neuen Bezirk.

Am 9. November 2005 begannen die Bauarbeiten für die Neuerrichtung des Kaiserstegs als Fußgänger- und Radwegbrücke. Aufgrund von statischen Fehlern verzögerte sich die Fertigstellung um ein Jahr. Am 25. September 2007 wurde der Kaisersteg für den Verkehr freigegeben. Die feierliche Eröffnung fand zusammen mit der Eröffnung des neu angelegten Stadtplatzes an der Brücke am 13. Dezember 2007 statt. Der Stadtplatz, mit öffentlicher Grünfläche und Schiffsanleger, und der bereits 2001 sanierte Kranbahnpark bilden den Zugang von der Wilhelminenhofstraße zum Kaisersteg und der Spree. Der Zugang war vorher durch das Industriegelände verwehrt. Zwischen der Treskowbrücke und dem östlichen Ende der Wilhelminenhofstraße wird ein Uferweg angelegt, der der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen soll. Am Uferweg sind ein Skulpturengarten und gastronomische Einrichtungen vorgesehen.

Auf dem ehemaligen AEG-Gelände an der Wilhelminenhofstraße zog 2006 die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) ein. Seit Herbst 2006 haben hier die ersten Studenten des Fachbereichs Gestaltung einen neuen Lernort gefunden. Seit dem Wintersemester 2009/2010 studieren über 5.000 Studenten an diesem Standort, 2013 bereits mehr als 9.000. Somit konzentriert die HTW den Lehrbetrieb nunmehr auf zwei Campusstandorte: Campus Treskowallee und Campus Wilhelminenhof.

Vor allem in der Berufsverkehrszeit herrscht auf der Spree-, Edison- und Siemensstraße ein starkes Verkehrsaufkommen. Dadurch werden die umliegenden Wohngebiete beeinträchtigt, was zur Aufnahme des gesamten Gebietes in die Lärmminderungsplanung für Berlin führte.[4] Zur Entlastung der Wohngebiete sind zwei weitere Brückenbauten geplant. Bei der einen Brücke handelt es sich um einen Teil der Süd-Ost-Verbindung (SOV),[5] die in deren ersten Bauabschnitt fertiggestellt werden soll. Sie führt östlich am Britzer Verbindungskanal über die Spree und verbindet die Rummelsburger Straße über dem heutigen Grenzweg mit der Köpenicker Landstraße/Schnellerstraße auf Niederschöneweider Gebiet. Am 27. Februar 2012 wurde der Planfeststellungsbeschluss erlassen, Baubeginn war 2013. Die Bauzeit soll drei Jahre betragen.[6] Die andere Brücke (Wilhelminenhofbrücke), deren Bauvorhaben sich noch in der Planung befindet, soll als östliche Verlängerung die Wilhelminenhofstraße über die Spree zur Schnellerstraße in Oberspree führen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1797 66
1801 77
1817 46
1840 87
1858 93
1871 153
Jahr Einwohner
1875 155
1880 170
1885 178
1890 159
1895 625
1900 5.850
Jahr Einwohner
1905 14.101
1910 21.369
1919 25.612
2004 16.376
2011 18.919

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Industriearchitektur der Gründerzeit am Spreeufer, Wilhelminenhofstraße
Am Spreeufer
  • Waldfriedhof Oberschöneweide, wurde 1902 im Auftrag Emil Rathenaus vom Architekten und Maurermeister Max Stutterheim[7] in der Wuhlheide angelegt. Neben dem Familiengrab der Rathenaus liegen hier viele weitere Persönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhunderts, die sich um die Entwicklung Oberschöneweides verdient gemacht haben. Auch für die Gefallenen der beiden Weltkriege, einige sind hier begraben, wurden Gedenkstätten angelegt. Die gesamte Friedhofsanlage mit allen Gebäuden steht unter Denkmalschutz.
  • Peter-Behrens-Bau (unter Denkmalschutz) mit 70 Meter hohem Turm an der Ostendstraße
  • Funkhaus Nalepastraße (unter Denkmalschutz)
  • Ehemaliges Kabelwerk Oberspree, Industriegebäude zwischen der Wilhelminenhofstraße und der Spree
  • Rathenau-Hallen, Kultur- und Technologiezentrum
  • Industriesalon Schöneweide, Forum für Industrie-Technik-Kultur[8]
  • Künstlerhaus Atelierhaus79
  • Parkeisenbahn im Volkspark Wuhlheide
  • Kindl-Bühne Wuhlheide, hier finden jeden Sommer Konzerte für bis zu 17.000 Besucher statt.
  • Schauhallen Berlin – Center of international contemporary art (in Planung)

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Oberschöneweide

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Von Norden her ist Oberschöneweide aus dem Bezirk Lichtenberg zu erreichen. Zum einen aus dem Ortsteil Rummelsburg über die Köpenicker Chaussee, die an der Ortsgrenze in die Rummelsburger Landstraße übergeht. Zum anderen aus dem Ortsteil Karlshorst über die Straße Am Walde, die auf die Rummelsburger Landstraße stößt, über die Treskowallee und über die Köpenicker Allee, die an der östlichen Ortsgrenze verläuft und auf die Straße An der Wuhlheide stößt. Über die Straße An der Wuhlheide kommt man auch aus Köpenick, die dort noch Lindenstraße heißt, nach Oberschöneweide. Im Süden und Westen fließt die Spree. Von der anderen Uferseite kommt man über vier Brücken nach Oberschöneweide. Am östlichen Ende führt die Wilhelm-Spindler-Brücke aus Spindlersfeld über die Spree. In Höhe des Ortskernes führen die Treskowbrücke und die Stubenrauchbrücke aus Niederschöneweide über die Spree. Die Treskowbrücke ist für den Kraftfahrzeugverkehr nur in Richtung Oberschöneweide nutzbar. Der Kaisersteg, eine Fußgänger- und Radwegbrücke, verbindet die beiden Ortskerne von Nieder- und Oberschöneweide.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist Oberschöneweide mit der Straßenbahn zu erreichen. Durch Oberschöneweide fahren die Straßenbahnlinien M17, 21, 27, 37, 63 und 67. Im Nordwesten verbindet den Ortsteil die Fähre F11 mit dem Ortsteil Plänterwald. In Niederschöneweide befindet sich der S-Bahnhof Schöneweide, der den Großteil der Straßenbahnlinien bedient und zudem den Ortsteil mit dem Zentrum und dem Regionalverkehr verbindet. Die S-Bahnlinien S45, S46, S47, S8, S85 und S9 halten hier. Früher gab es durch eine Regionalbahn-Linie der ODEG auch eine Direktverbindung nach Frankfurt (Oder), diese bedient seit 2012 stattdessen den Bahnhof Lichtenberg.

Siehe auch: Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Oberschöneweide

Ansässige Unternehmen und Institutionen[Bearbeiten]

Technologie- und Gründerzentrum Spreeknie (TGS) in der Ostendstraße
  • Technologie- und Gründerzentrum Spreeknie (TGS)
  • E. Michaelis & Co. KG; Papiergroßhandlung
  • First Sensor AG, vormals Silicon Sensor GmbH; Hersteller von optischen Sensoren
  • BAE Batterien GmbH
  • iris-GmbH – Hersteller des automatischen Fahrgastzählsystems IRMA
  • Berliner WasserSportZentrale GbR; Sportbootschule
  • Sportstudio Orange-Fit (Golightly Energy GmbH)

Bildung[Bearbeiten]

Persönlichkeiten des Ortsteils[Bearbeiten]

  • Wilhelm Weiskopff, letzter Gutsverwalter bis zur Ortsgründung, danach einer der ersten neun Schöffen (Gemeindevertreter) von Oberschöneweide
    (nach ihm wurde um 1900 eine Straße benannt)
  • Carl Deul, Baumeister und erster Bürgermeister von Oberschöneweide
    (nach ihm wurde um 1900 eine Straße benannt)
  • Paul Nalepa, Färbereibesitzer und einer der ersten neun Schöffen von Oberschöneweide
    (nach ihm wurde um 1906 eine Straße benannt)
  • Louis Tabbert, Inhaber der Weißbierbrauerei und einer der ersten neun Schöffen von Oberschöneweide
    (nach ihm wurde um 1906 eine Straße benannt)
  • Emil Rathenau, AEG-Begründer und einer der ersten neun Schöffen von Oberschöneweide
  • Fritz König, Fleischermeister und einer der ersten neun Schöffen von Oberschöneweide
    (nach ihm wurde um 1900 ein Platz an der Ecke Edison-/Wilhelminenhofstraße benannt, 1935 wurde der Platz amtlich aufgehoben)
  • Walther Rathenau, Außenminister

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Ort wird mitunter als „Oberschweineöde“ verballhornt,[10] zum Beispiel auch in dem Roman Schweineöde von Carsten Otte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Judith Uhlig: Köpenick – Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke. Stapp Verlag, 1997, ISBN 3-87776-077-5.
  • Hans-Jürgen Rach: Die Dörfer in Berlin. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1988, ISBN 3-87776-211-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Oberschöneweide – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Oberschöneweide – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Irmer: Eine Werks-Stiftung für Frauen – Die Mathilde Rathenau-Stiftung für weibliche Angestellte der ‚Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft‘ (AEG) im Deutschen Kaiserreich. In: Kurt Schilde, Andreas Ludwig (Hrsg.): Jüdische Wohlfahrtsstiftungen – Initiativen jüdischer Stifterinnen und Stifter zwischen Wohltätigkeit und sozialer Reform. Fachhochschulverlag, Frankfurt/Main 2010, S. 213–237.
  2. Thomas Irmer: … eine Art Sklavenhandel – Zwangsarbeit bei AEG/Telefunken in Berlin und Wedding. In: Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen (Hrsg.), Helmut Bräutigam, Doris Fürstenberg, Bernt Roder (Redaktion): Zwangsarbeit in Berlin 1938–1945 Metropol, Berlin 2002, S. 154–166.
  3. Thomas Irmer: Zwangsarbeit für die deutsche Elektroindustrie im besetzten Polen – Die ‚Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft‘ (AEG) und das Kabelwerk Krakau 1941–1944. In: Andreas Heusler, Mark Spoerer, Helmuth Trischler (Hrsg.): Rüstung, Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit im „Dritten Reich“. In: Perspektiven. Schriftenreihe der BMW Group. Konzernarchiv. Band 3. R. Oldenbourg, München 2010, S. 87–105 (Im Auftrag von MTU Aero Engines und BMW Group).
  4. Lärmminderungsplanung für Berlin – Aktionsplan. auf den Seiten der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, Stand: November 2008 (PDF-Datei, abgerufen am 9. Mai 2012).
  5. Neubau der Spreebrücke im Zuge der Süd-Ost-Verbindung (SOV). Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, abgerufen am 19. Mai 2014.
  6. Neue Spreebrücke kommt – Süd-Ost-Verbindung soll Straßen in Oberschöneweide entlasten. In: Berliner Woche, Ausgabe Treptow; 23. Jahrgang, 28. März 2012, S. 1, abgerufen am 9. Mai 2012.
  7. Stutterheim Max: Architekt, Edisonstraße, Ober-Schöneweide. In: Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, 1901, Teil I.
  8. Industriesalon Schöneweide e. V.
  9. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft: Berliner Schulen
  10. Begriff auf Mund Mische
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Dieser Artikel wurde am 29. September 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.