Berlin-Pankow

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Pankow
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Buch Karow Wilhelmsruh Rosenthal Blankenfelde Niederschönhausen Heinersdorf Blankenburg Französisch Buchholz Pankow Prenzlauer Berg Weißensee Stadtrandsiedlung MalchowPankow auf der Karte von Pankow
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Koordinaten 52° 34′ 9″ N, 13° 24′ 12″ O52.56916666666713.403333333333Koordinaten: 52° 34′ 9″ N, 13° 24′ 12″ O
Fläche 5,66 km²
Einwohner 59.708 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 10.549 Einwohner/km²
Postleitzahlen 13187, 13189
Ortsteilnummer 0307
Verwaltungsbezirk Pankow

Pankow [ˈpaŋkoː] ist der namensgebende Ortsteil des Berliner Bezirks Pankow.

Im Sprachgebrauch können Örtlichkeiten von Pankow auch in den nördlich angrenzenden Bebauungen von Heinersdorf (Pankow-Heinersdorf) und Niederschönhausen (Pankow-Schönhausen) liegen. Pankow liegt im Urstromtal der Panke und ist nach diesem Nebenfluss der Spree benannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Vom 13. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Archäologische Spuren einer spätslawischen Vorbesiedlung wurden bisher nicht gefunden. Das Dorf Pankow wurde demnach von deutschen Siedlern „aus wilder Wurzel“ um 1230 (wie alle anderen Dörfer auf dem südwestlichen Barnim) als Angerdorf gegründet, und zwar an der Panke, von der eine slawische Flurnamenbezeichnung als Ortsname übernommen wurde. Urkundlich wurde Pankow erstmals 1311 erwähnt. Im Landbuch Karls IV. von 1375 wird Pankow mit 42 Hufen ausgewiesen, davon vier Pfarrhufen. Das Dorf hatte nur sechs Bauernhufen. Der Rest war auf drei Höfe verteilt: Kerstian Duseke hatte insgesamt 12 Hufen, Hans Duseken hatte 7½ Hufen, und der Berliner Bürger Wartenberg hatte vom Berliner Rat, dem Eigentümer, 12½ Hufen, die er selbst bewirtschaftete. Das Dorf hatte einen Krug. Die Dorfkirche Pankow entstand als spätgotische Feldsteinkirche im 15. Jahrhundert. Durch einen umfangreichen Erweiterungsbau aus Backstein in den Jahren 1857–1859 verlor die Dorfkirche einen wesentlichen Teil ihres dörflichen Charakters.

Die dörfliche Entwicklungsetappe vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurde von einem städtischen Aufschwung der Gründerjahre im 19. Jahrhundert abgelöst.[1] Noch immer ist der ursprüngliche Dorfcharakter am Verlauf der Breiten Straße zu erkennen, die den ursprünglichen Dorfanger mit der Kirche im Zentrum nachzeichnet. Das am Anfang der heutigen Damerowstraße befindliche Kavalierschloss unterstreicht diese gewachsene Struktur des Ortsteils. Von hier aus starteten im 19. Jahrhundert die Jagdgesellschaften nach Buchholz und darüber hinaus in das Umland. Dieses Gebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Kindergarten genutzt.

In den folgenden Jahrhunderten wurde Pankow von wechselnden Besitzverhältnissen geprägt, unter anderem kaufte 1691 der Kurfürst Friedrich III. ein Herrenhaus und ließ dies zum Schloss Schönhausen umgestalten. Damit erhielt Pankow eine verstärkte Bedeutung als Residenz des Hauses Hohenzollern. Ende des 19. Jahrhunderts setzte die Entwicklung zu einem Ort der Sommerfrische für die Städter ein, was wiederum zu einem Ausbau der Infrastruktur führte. Das heutige Straßensystem wurde um 1900 herum angelegt unter Nutzung vorhandener früherer Handelswege wie der Wollankstraße.

Seit 1818 gehörte Pankow zum Landkreis Niederbarnim. Obwohl die Einwohnerzahl der Landgemeinde 1919 bereits bei 58.000 Menschen lag, war der Ort zu dieser Zeit formal noch immer ein „Dorf“ da ihm kein Stadtrecht verliehen worden war. Im Jahr 1920 wurde Pankow durch das Groß-Berlin-Gesetz als Ortsteil zum Bezirk Pankow eingemeindet. Das Rathaus Pankow ist seit dieser Zeit bis heute Sitz des Bezirksbürgermeisters.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs stieß die Rote Armee nach Pankow zuerst über Heinersdorf vor. Im Bereich der Prenzlauer Promenade/Binzstraße fanden erbitterte Gefechte mit letzten Gruppen des Volkssturms statt, die sich in der Neumannstraße verschanzt hatten. Am 22. April 1945 schlugen die Truppen ihr Quartier in der Binzstraße auf. In Höhe der Trelleborger Straße wurde eine Begräbnisstätte für die gefallenen Rotarmisten errichtet. Die Umbettung der Toten erfolgte mit der Errichtung des Sowjetischen Ehrenmals in der Schönholzer Heide (im Volkspark Schönholzer Heide).
In Berlin-Buch befindet sich ein weiteres Ehrenmal im Bucher Schlosspark. Die ursprünglich dort bestatteten Rotarmisten wurden ebenfalls in das Ehrenmal in der Schönholzer Heide umgebettet.

Ortsteilgeschichte bis in das 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Zwischen 1945 und 1949 war Pankow ein Ortsteil im Sowjetischen Sektor Berlins und zwischen 1949 und 1990 Ortsteil im damaligen Ost-Berliner Stadtbezirk Pankow. Zu diesem Verwaltungsbereich gehörten die heute eigenständigen Ortsteile Niederschönhausen mit Schönholz und Nordend, Rosenthal mit Wilhelmsruh, Blankenfelde, Buchholz, Heinersdorf, Blankenburg, Karow und Buch.

In den 1980er Jahren ließ der Magistrat von Berlin größere Flächen von Kleingartenanlagen räumen und auf dem gewonnenen Bauland neue Wohnviertel errichten, beispielsweise beiderseits der Arnold-Zweig-Straße.

Nach der Wende war (Alt-)Pankow dann zwischen 1990 und 2001 Ortsteil im Bezirk Pankow. Nach der Bezirksverwaltungsreform des Jahres 2001 blieb Pankow weiterhin ein Ortsteil im nunmehr vergrößerten Bezirk Pankow.

Großbauvorhaben Pankower Tor[Bearbeiten]

Im Bereich des früheren Rangierbahnhofs zwischen den Stationen Pankow und Pankow-Heinersdorf, nördlich begrenzt durch die S-Bahntrasse und südlich durch den Straßenzug Granitzstraße/Prenzlauer Promenade, ist das Stadtviertel Pankower Tor geplant. Investor ist der in Schlossparknähe aufgewachsene Unternehmer Kurt Krieger, dem u. a. die Einrichtungshäuser Möbel-Krieger, Höffner und Sconto gehören. Zu dem von Krieger erworbenen und bereits seit einigen Jahren in der Planungsphase befindlichen Areal gehört auch der denkmalgeschützte Ringlokschuppen an der Heinersdorfer Brücke.[2][3] Der Rangier- und Güterbahnhof wurde 1996 stillgelegt. Der Berliner Senat und der Bezirk Pankow waren lange gegen ein hier geplantes Einkaufszentrum, inzwischen zeichnet sich ein Kompromiss ab.[4] Damit andere Einkaufszentren und weitere Geschäfte im Bezirk nicht gefährdet werden, einigte sich die BVV mit dem Investor auf einen Kompromiss: das neue Einkaufszentrum wird kleiner ausfallen und soll nicht nahe dem Bahnhof Pankow, sondern Richtung Prenzlauer Promenade gebaut werden. Krieger rechnet mit einer Investition von rund 350 Millionen Euro und einer Fertigstellung der Baumaßnahmen bis frühestens 2021.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Nachdem sich die Bevölkerungszahl seit der Gründung nicht wesentlich erhöht hatte, stieg sie ab Mitte des 19. Jahrhunderts auf das etwa Hundertfache bis um 1910 an.[6] Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der im Ortsteil durchgeführten Enttrümmerung gab es eine stetige Zunahme der Einwohner, die erst seit 1990 wieder rückläufig ist.

Bevölkerungsentwicklung
1801 1850 1856 1860 1870 1880 1890 1900 1910 1920 1930 2010
286 1.037 1.343 1.611 2.105 4.109 7.480 21.534 29.346 61.070 72.064 56.324

Verkehr[Bearbeiten]

Eingang S-Bahnhof Pankow

S-Bahn[Bearbeiten]

Im Ortsteil befinden sich die S-Bahn-Stationen Pankow und Pankow-Heinersdorf, die von den Linien S2, S8 und S9 bedient werden. Ebenfalls noch auf dem Gebiet des Ortsteils Pankow an der Grenze zu Wedding liegt der Bahnhof Wollankstraße (Linien S1, S25, S85).

U-Bahn[Bearbeiten]

Außerdem gibt es zwei U-Bahnhöfe, beide an der U-Bahnlinie U2 gelegen. Bis 1993 hieß der heutige U-Bahnhof Vinetastraße, der am 1. Juli 1930 eröffnet wurde, noch Pankow (Vinetastraße). Ursprünglich war er als Vinetastraße eröffnet worden. Damals war eine Verlängerung über den heutigen Bahnhof Berlin-Pankow bis Pankow-Kirche geplant. Die Weltwirtschaftskrise verhinderte jedoch den Weiterbau. Der Bahnhof befindet sich unterirdisch, sodass die vom Hochbahnhof Schönhauser Allee kommenden Züge eine Rampe herunterfahren müssen.

Der heutige U-Bahnhof Pankow ist der Endbahnhof der Linie U2. Er wurde am 16. September 2000 eröffnet. Bereits 1988 wurde die Strecke nördlich des Bahnhofs Vinetastraße verlängert, um eine geplante Betriebswerkstatt an der Granitzstraße anzuschließen. Diese wurde jedoch aufgrund des Mauerfalls nicht verwirklicht. 1994 wurden die Gleisanlagen dann zu einer Kehrgleisanlage erweitert und 1997 begann der Weiterbau bis zum Umsteigebahnhof mit der S-Bahn. Hinter dem Bahnhof befindet sich eine Kehrgleisanlage, die auch bei einem immer noch geplanten Ausbau bis Pankow-Kirche in die Strecke miteinbezogen werden kann.

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten]

Mehrere Straßenbahn- und Omnibuslinien erschließen den Ortsteil. Ein großer Verkehrsknoten ist der Bereich um den Bahnhof Pankow.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Im Jahr 1920 wurde Pankow nach Groß-Berlin eingemeindet. Die Bürgermeister des Bezirks Pankow sind dort beschrieben.

Bedeutende Baudenkmale in Pankow[Bearbeiten]

Pankow in der Kunst, in den Medien und im Sport[Bearbeiten]

  • Die im Norden Berlins gelegene Ortschaft Pankow mit ihren umliegenden Gebieten galt bereits Ende des 19. Jahrhunderts als beliebtes Ausflugsziel. In diversen Liedern kommt Pankow vor, so „Komm Karlineken komm […] wir woll'n nach Pankow geh'n […] Pankow, kille, kille, Pankow […]“ oder in „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel […] Auf der Schönholzer Heide da gab's 'ne Keilerei […]“
  • Im Jahr 1983 veröffentlichte Udo Lindenberg sein Lied Sonderzug nach Pankow, nachdem die DDR-Behörden seinen Wunsch abgelehnt hatten, in der DDR ein Konzert geben zu können.
  • Der Fußballverein VfB Einheit zu Pankow, 1893 als VfB Pankow gegründet, gilt als der „Begründer“ von Vereinsnamen wie „VfB“, „VfL“ oder „VfR“.[16]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ferdinand Beyer: Aus vergilbten Blättern – Geschichte von Pankow. Buchdruckerei Gutenberg, 1922.
  • Rudolph Dörrier: Pankow. Panko-Press, 2000. (Nachdruck der Kleinen Chronik eine Berliner Bezirks. 1949)
  • Dirk Finkemeier, Elke Rölling und Projektgruppe: Vom petit palais zum Gästehaus – Die Geschichte von Schloß und Park Schönhausen in Pankow/Niederschönhausen. Kulturamt Pankow, Berlin 1998, DNB 956802680.
  • Ralph Hoppe: Bolle reiste jüngst … – Pankow im Wandel der Geschichte. be.bra verlag, Berlin 1998, ISBN 3-930863-45-6.
  • Ralph Hoppe: Pankow. Zwischen Idylle und Metropole. be.bra verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-8148-0198-8.
  • Heinz Knobloch: Berliner Fenster. Mitteldeutscher Verlag, Halle/ Leipzig 1981, ISBN 3-354-00140-2, S. 26–73. („Bei uns in Pankow“)
  •  Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin-II. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 20–49.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Pankow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Geschichte von Pankow, Berlin.de (offizielles Stadtportal)
  2.  Stefan Strauss: Ein neues Stadtviertel für Pankow. Der Unternehmer Kurt Krieger will einen Park anlegen, Wohnungen bauen und Möbel verkaufen. In: Berliner Zeitung. 13. Mai 2011
  3. Website mit allen aktuellen Informationen zum Projekt Pankower Tor; abgerufen am 19. Mai 2011.
  4. rbb Online: Investor Krieger darf in Pankow Einkaufszentrum bauen.
  5. Ein erster Schritt in Richtung Pankower Tor. In: Berliner Woche, Ausgabe Pankow, 25. Mai 2011
  6. Rudolf Dörrier: Kleine Pankower Chronik. Nachdruck von 1949.
  7. BD Rathaus Pankow, Breite Straße 24a–26, 1901–1903 von Wilhelm Johow; Erweiterungsbau 1927–1929 von A. Poetschke und Rudolf Klante
  8. BD Alte Bäckerei Wollankstraße 130, Wohnhaus mit Seitenflügel, um 1860; Nebengebäude für die Bäckerei Hartmann, um 1875
  9. BD Amtsgericht Pankow mit Vorgarteneinfriedung und Gerichtsgefängnis, Kissingenstraße 5/6, 1902–1906 von Paul Thoemer und Rudolf Mönnich
  10. Baudenkmalsensemble Kissingenviertel
  11. BD ehemaliges Jüdisches Waisenhaus, Berliner Straße 120/121 (Pankow), 1912/1913 von Alexander Beer
  12. BD Caragiale-Bibliothek, Mühlenstraße 24, ehemaliges jüdisches Lehrlingsheim, 1896
  13. BD Realgymnasium Pankow mit Rektorenwohnhaus und Turnhalle, Kissingenstraße 12, 1906/1907 von Wilhelm Johow
  14. BD Postamt, Berliner Straße 12, 1924 von Carl Schmidt
  15. BD Villa Garbáty mit Gartenanlage und Einfriedung, um 1890
  16. Seite über deutsche Fußball-Vereinsnamen