Berlin-Pankow
| Pankow Ortsteil von Berlin |
|
|---|---|
| Koordinaten | 52° 34′ 9″ N, 13° 24′ 12″ O52.56916666666713.403333333333Koordinaten: 52° 34′ 9″ N, 13° 24′ 12″ O |
| Fläche | 5,66 km² |
| Einwohner | 58.252 (31. Dez. 2012) |
| Bevölkerungsdichte | 10.292 Einwohner/km² |
| Postleitzahlen | 13187, 13189 |
| Ortsteilnummer | 0307 |
| Verwaltungsbezirk | Pankow |
Pankow [ˈpaŋkoː] ist der namensgebende Ortsteil des Berliner Bezirks Pankow.
Im Sprachgebrauch können Örtlichkeiten von Pankow auch in den nördlich angrenzenden Bebauungen von Heinersdorf (Pankow-Heinersdorf) und Niederschönhausen (Pankow-Schönhausen) liegen. Pankow liegt im Urstromtal der Panke und ist nach diesem Nebenfluss der Spree benannt.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte[Bearbeiten]
Vom 13. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]
Archäologische Spuren einer spätslawischen Vorbesiedlung wurden bisher nicht gefunden. Das Dorf Pankow wurde demnach von deutschen Siedlern „aus wilder Wurzel“ um 1230 (wie alle anderen Dörfer auf dem südwestlichen Barnim) als Angerdorf gegründet, und zwar an der Panke, von der eine slawische Flurnamenbezeichnung als Ortsname übernommen wurde. Urkundlich wurde Pankow erstmals 1311 erwähnt. Im Landbuch Karls IV. von 1375 wird Pankow mit 42 Hufen ausgewiesen, davon vier Pfarrhufen. Das Dorf hatte nur sechs Bauernhufen. Der Rest war auf drei Höfe verteilt: Kerstian Duseke hatte insgesamt 12 Hufen, Hans Duseken hatte 7½ Hufen, und der Berliner Bürger Wartenberg hatte vom Berliner Rat, dem Eigentümer, 12½ Hufen, die er selbst bewirtschaftete. Das Dorf hatte einen Krug. Die Dorfkirche Pankow entstand als spätgotische Feldsteinkirche im 15. Jahrhundert. Durch einen umfangreichen Erweiterungsbau aus Backstein in den Jahren 1857 bis 1859 verlor die Dorfkirche einen wesentlichen Teil ihres dörflichen Charakters.
Die dörfliche Entwicklungsetappe vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurde von einem städtischen Aufschwung der Gründerjahre im 19. Jahrhundert abgelöst.[1] Noch immer ist der ursprüngliche Dorfcharakter am Verlauf der Breiten Straße zu erkennen, die den ursprünglichen Dorfanger mit der Kirche im Zentrum nachzeichnet. Das am Anfang der heutigen Damerowstraße befindliche Kavalierschloss unterstreicht diese gewachsene Struktur des Ortsteils. Von hier aus starteten im 19. Jahrhundert die Jagdgesellschaften nach Buchholz und darüber hinaus in das Umland. Dieses Gebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Kindergarten genutzt.
In den folgenden Jahrhunderten wurde Pankow von wechselnden Besitzverhältnissen geprägt, u. a. kaufte es 1691 auch der Kurfürst Friedrich III. und ließ das Schloss Schönhausen errichten. Damit erhielt Pankow eine verstärkte Bedeutung als Residenz des Hauses Hohenzollern. Ende des 19. Jahrhunderts setzte die Entwicklung zu einem Ort der Sommerfrische für die Städter ein, was wiederum zu einem Ausbau der Infrastruktur führte. Das heutige Straßensystem wurde um 1900 herum angelegt unter Nutzung vorhandener früherer Handelswege wie der Wollankstraße.
1920 wurde Pankow durch das Groß-Berlin-Gesetz als Ortsteil zum Bezirk Pankow eingemeindet. Das Rathaus Pankow ist bis heute Sitz des Bezirksbürgermeisters.
Das Ende des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges stieß die Rote Armee nach Pankow zuerst über Heinersdorf vor. Im Bereich der Prenzlauer Promenade /Binzstraße fanden erbitterte Gefechte mit letzten Gruppen des Volkssturms statt, die sich in der Neumannstraße verschanzt hatten. Am 22. April 1945 schlugen die Truppen ihr Quartier in der Binzstraße auf. In Höhe der Trelleborger Straße wurde eine Begräbnisstätte für die gefallenen Sowjetsoldaten errichtet. Die Umbettung der Toten erfolgte mit der Errichtung des Ehrenmals in der Schönholzer Heide.
Ortsteilgeschichte bis in das 21. Jahrhundert[Bearbeiten]
Zwischen 1945 und 1949 war Pankow ein Ortsteil im Sowjetischen Sektor Berlins und zwischen 1949 und 1990 Ortsteil im Ost-Berliner Stadtbezirk Pankow. Zu diesem Verwaltungsbereich gehörten die heute eigenständigen Ortsteile Niederschönhausen mit Schönholz und Nordend, Rosenthal mit Wilhelmsruh, Blankenfelde, Buchholz, Heinersdorf, Blankenburg, Karow und Buch.
In den 1980er Jahren ließ der Magistrat von Berlin größere Flächen von Kleingartenanlagen räumen und auf dem gewonnenen Bauland neue Wohnviertel errichten, beispielsweise beiderseits der Arnold-Zweig-Straße.
Nach der Wende war (Alt-)Pankow dann zwischen 1990 und 2001 Ortsteil im Bezirk Pankow. Nach der Bezirksverwaltungsreform des Jahres 2001 blieb Pankow weiterhin ein Ortsteil im nunmehr vergrößerten Bezirk Pankow.
Großbauvorhaben Pankower Tor[Bearbeiten]
Im Bereich des früheren Rangierbahnhofs zwischen den Stationen Pankow und Pankow-Heinersdorf, nördlich begrenzt durch die S-Bahntrasse und südlich durch den Straßenzug Granitzstraße/Prenzlauer Promenade, entsteht ab 2012 schrittweise das neue Stadtviertel Pankower Tor. Hier engagiert sich der in Schlossparknähe aufgewachsene Unternehmer Kurt Krieger, dem u. a. die Einrichtungshäuser Möbel-Krieger, Höffner und Sconto gehören. Ein neues Straßensystem wird eine Schule für 1200 Schüler, einen Stadtpark, ein Einkaufszentrum und zwei Möbelhäuser aufnehmen. Zu dem von Krieger erworbenen und bereits seit einigen Jahren in der Planungsphase befindlichen Areal gehört auch der denkmalgeschützte Rund-Lokschuppen an der Heinersdorfer Brücke.[2][3] Der Rangier- und Güterbahnhof wurde 1996 stillgelegt. Die Mehrheit der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat die Planungen Kriegers auf ihren Sitzungen bislang unterstützt (Stand: Mai 2011).[4] Damit andere Einkaufszentren und weitere Geschäfte im Bezirk nicht gefährdet werden, einigte sich die BVV mit dem Investor auf einen Kompromiss: das neue Einkaufszentrum wird kleiner ausfallen und soll nicht nahe dem Bahnhof Pankow, sondern Richtung Prenzlauer Promenade gebaut werden. Krieger rechnet mit einer Investition von etwa 350 Millionen Euro und einer Fertigstellung der Baumaßnahmen bis frühestens 2021. [5]
Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]
Nachdem sich die Bevölkerungszahl seit der Gründung nicht wesentlich erhöht hatte, stieg sie ab Mitte des 19. Jahrhunderts auf das etwa Hundertfache bis um 1910 an.[6] Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der im Ortsteil durchgeführten Enttrümmerung gab es eine stetige Zunahme der Einwohner, die erst seit 1990 wieder rückläufig ist.
| 1801 | 1850 | 1856 | 1860 | 1870 | 1880 | 1890 | 1900 | 1910 | 1920 | 1930 | 2010 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 286 | 1.037 | 1.343 | 1.611 | 2.105 | 4.109 | 7.480 | 21.534 | 29.346 | 61.070 | 72.064 | 56.324 |
Verkehr[Bearbeiten]
S-Bahn[Bearbeiten]
Im Ortsteil befinden sich die S-Bahn-Stationen Pankow und Pankow-Heinersdorf, die von den Linien S2, S8 und S9 bedient werden. Ebenfalls noch auf dem Gebiet des Ortsteils Pankow an der Grenze zu Wedding liegt der Bahnhof Wollankstraße (Linien S1, S25, S85).
U-Bahn[Bearbeiten]
Außerdem gibt es zwei U-Bahnhöfe, beide an der U-Bahnlinie 2 gelegen. Bis 1993 hieß der heutige U-Bahnhof Vinetastraße, der am 1. Juli 1930 eröffnet wurde, noch Pankow (Vinetastraße). Ursprünglich war er als Vinetastraße eröffnet worden. Damals war eine Verlängerung über den heutigen Bahnhof Berlin-Pankow bis Pankow-Kirche geplant. Die Weltwirtschaftskrise verhinderte jedoch den Weiterbau. Der Bahnhof befindet sich unterirdisch, sodass die vom Hochbahnhof Schönhauser Allee kommenden Züge eine Rampe herunterfahren müssen.
Der heutige U-Bahnhof Pankow ist der Endbahnhof der U2. Er wurde am 16. September 2000 eröffnet. Bereits 1988 wurde die Strecke nördlich des Bahnhofs Vinetastraße verlängert, um eine geplante Betriebswerkstatt anzuschließen. Diese wurde jedoch aufgrund des Falls der Mauer nie verwirklicht. 1994 wurden die Gleisanlagen dann zu einer Kehrgleisanlage erweitert und 1997 begann der Weiterbau bis zum Umsteigebahnhof mit der S-Bahn. Hinter dem Bahnhof befindet sich eine Kehrgleisanlage, die auch bei einem immer noch geplanten Ausbau bis Pankow-Kirche in die Strecke miteinbezogen werden kann.
Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten]
Mehrere Straßenbahn- und Omnibuslinien erschließen den Ortsteil. Ein großer Verkehrsknoten ist der Bereich um den Bahnhof Pankow.
Bürgermeister[Bearbeiten]
- 1906–1914: Wilhelm Kuhr
- 1914–1929: Gustav Stawitz
Im Jahr 1920 wurde Pankow nach Groß-Berlin eingemeindet. Die Bürgermeister des Bezirks Pankow sind dort beschrieben.
Bedeutende Baudenkmale in Pankow[Bearbeiten]
→ Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Pankow
- Rathaus Pankow[7]
- Alte und Neue Mälzerei an der Mühlenstraße aus dem Jahr 1874, zu Wohnzwecken umgebaut
- Alte Pfarrkirche „Zu den vier Evangelisten“ aus dem 15. Jahrhundert, erweitert durch Friedrich August Stüler in den Jahren 1858/1859
- das barocke Kavaliershaus in der Breiten Straße aus dem Jahr 1770
- Alte Bäckerei in der Wollankstraße als letztes Zeugnis der dörflichen Bebauung[8]
- die Hoffnungskirche, die 1912/1913 mit Anklängen an den Jugendstil erbaut wurde
- das Ballhaus Pankow als „eines der schönsten und ältesten noch erhaltenen Gebäude des Bezirks Pankow. […] Eines der letzten Zeugnisse einer Zeit, zu der Pankow noch ein Ausflugsziel im Grünen war.“[9] Als das Ballhaus Pankow im Jahre 1880 als Ausflugslokal errichtet wurde, lag es noch vor den Toren der rapide wachsenden Stadt.
- Amtsgericht in der Kissingenstraße, 1902–1906 im Stil des fränkischen Barock erbaut, heute ein Dienstgebäude des Amtsgerichts Pankow/Weißensee[10]
- Kissingenviertel mit seinen Wohnensemblen aus den 1920er und 1930er Jahren.[11] Das in den 1920er Jahren geschaffene Wohngebiet Prenzlauer Promenade, Binzstraße, Retzbacher Weg und Kissingenstraße gehört zu den architektonischen Besonderheiten aus dieser Zeit, da die Wohnblocks mit sogenannten Zeppelindächern versehen wurden und in dieser Art einmalig sind
- ehemaliges Jüdisches Waisenhaus[12]
- ehemaliges Jüdisches Lehrlingsheim, heute die Caragiale-Bibliothek[13]
- mehrere Schulgebäude aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, darunter das ehemalige Realgymnasium (für Jungen)[14] heute Rosa-Luxemburg-Oberschule
- das Postamt Pankow in der Berliner Straße[15]
- Villa Garbáty in der Berliner Straße 126/127 [16]
Pankow in der Kunst, in den Medien und im Sport[Bearbeiten]
- Die im Norden Berlins gelegene Ortschaft Pankow mit ihren umliegenden Gebieten galt bereits Ende des 19. Jahrhunderts als beliebtes Ausflugsziel. In diversen Liedern kommt Pankow vor, so „Komm Karlineken komm […] wir woll'n nach Pankow geh'n […] Pankow, kille, kille, Pankow […]“ oder in „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel […] Auf der Schönholzer Heide da gab's 'ne Keilerei […]“
- Im Jahre 1983 veröffentlichte Udo Lindenberg sein Lied Sonderzug nach Pankow, nachdem die DDR-Behörden seinen Wunsch abgelehnt hatten, in der DDR ein Konzert geben zu können.
- Der Fußballverein VfB Einheit zu Pankow, 1893 als VfB Pankow gegründet, gilt als der Begründer von Vereinsnamen wie VfB, VfL, VfR.[17]
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Ferdinand Beyer: Aus vergilbten Blättern – Geschichte von Pankow. Buchdruckerei Gutenberg, 1922.
- Rudolph Dörrier: Pankow., Panko-Press 2000 (Nachdruck der Kleinen Chronik eine Berliner Bezirks. 1949).
- Dirk Finkemeier, Elke Rölling und Projektgruppe: Vom petit palais zum Gästehaus – Die Geschichte von Schloß und Park Schönhausen in Pankow/Niederschönhausen. Kulturamt Pankow, Berlin 1998.
- Ralph Hoppe: Bolle reiste jüngst … – Pankow im Wandel der Geschichte. be.bra verlag, Berlin 1998, ISBN 3-930863-45-6.
- Ralph Hoppe: Pankow. Zwischen Idylle und Metropole. be.bra verlag, Berlin 2013, ISBN 3-8148-0198-8.
- Heinz Knobloch: Berliner Fenster. Mitteldeutscher Verlag, Halle-Leipzig 1981, ISBN 3-354-00140-2, S. 26–73 („Bei uns in Pankow“).
- Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin-II. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 20–49.
Weblinks[Bearbeiten]
- Joachim Faust: Pankow, vom Dorf zum Großbezirk
- Harald Martenstein: Prominent in Pankow. In: Der Tagesspiegel. 9. Dezember 2007
- Cosima Schmitt: Mal eben nach Ostberlin. In: Die Zeit Nr. 40. 30. September 2010
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Zur Geschichte von Pankow, Berlin.de (offizielles Stadtportal)
- ↑ Stefan Strauss: Ein neues Stadtviertel für Pankow. Der Unternehmer Kurt Krieger will einen Park anlegen, Wohnungen bauen und Möbel verkaufen. In: Berliner Zeitung. 13. Mai 2011
- ↑ Website mit allen aktuellen Informationen zum Projekt Pankower Tor; abgerufen am 19. Mai 2011
- ↑ Prenzlberger Stimme: Krieg um Krieger
- ↑ Berliner Woche/Ausgabe Pankow vom 25. Mai 2011: Ein erster Schritt in Richtung Pankower Tor
- ↑ Rudolf Dörrier: Kleine Pankower Chronik. Nachdruck von 1949.
- ↑ BD Rathaus Pankow, Breite Straße 24a–26, 1901–1903 von Wilhelm Johow; Erweiterungsbau 1927–1929 von A. Poetschke und Rudolf Klante
- ↑ BD Alte Bäckerei Wollankstraße 130, Wohnhaus mit Seitenflügel, um 1860; Nebengebäude für die Bäckerei Hartmann, um 1875
- ↑ Zitat von Claudia Dörries in Die Neuen Architekturführer, Nr. 171 (Stadtwandel Verlag, Berlin).
- ↑ BD Amtsgericht Pankow mit Vorgarteneinfriedung und Gerichtsgefängnis, Kissingenstraße 5/6, 1902–1906 von Paul Thoemer und Rudolf Mönnich
- ↑ Baudenkmalsensemble Kissingenviertel
- ↑ BD ehemaliges Jüdisches Waisenhaus, Berliner Straße 120/121 (Pankow), 1912/1913 von Alexander Beer
- ↑ BD Caragiale-Bibliothek, Mühlenstraße 24, ehemaliges jüdisches Lehrlingsheim, 1896
- ↑ BD Realgymnasium Pankow mit Rektorenwohnhaus und Turnhalle, Kissingenstraße 12, 1906/1907 von Wilhelm Johow
- ↑ BD Postamt, Berliner Straße 12, 1924 von Carl Schmidt
- ↑ BD Villa Garbáty mit Gartenanlage und Einfriedung, um 1890
- ↑ Seite über deutsche Fußball-Vereinsnamen
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