Berlin-Siemensstadt

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Siemensstadt
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Kladow Gatow Staaken Falkenhagener Feld Wilhelmstadt Spandau Haselhorst Siemensstadt HakenfeldeSiemensstadt auf der Karte von Spandau
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 32′ 26″ N, 13° 15′ 47″ O52.54055555555613.263055555556Koordinaten: 52° 32′ 26″ N, 13° 15′ 47″ O
Fläche 5,661 km²
Einwohner 12.139 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 2144 Einwohner/km²
Postleitzahl 13629
Ortsteilnummer 0503
Verwaltungsbezirk Spandau
Kabelwerk Westend, erste Fabrik auf dem Gelände der späteren Siemensstadt, um 1900
Gedenktafel für Wilhelm von Siemens, Gründer der Siemensstadt, im Wilhelm-von-Siemens-Park

Siemensstadt ist ein Ortsteil am Ostrand des Bezirks Spandau von Berlin. Er entstand durch die Ansiedelung von Siemens-Werken und den dazugebauten modernen Werkssiedlungen auf den Nonnenwiesen. Der Ortsteil ist auch heute von weitläufigen Industrie- und Werksanlagen und durchgrünten Wohnsiedlungen geprägt. Die derzeit angesiedelten Unternehmen gehören jedoch nicht mehr ausschließlich zur Siemens AG.

Historische Darstellung[Bearbeiten]

In einer Darstellung des Anzeiger für das Havelland vom 1. August 1913 wird die Situation der damals entstehenden Siemensstadt folgendermaßen dargestellt:

„[…] Dort hinter der Spree erheben sich gewaltige Gebäude in rotem Backsteinbau; vier- und fünfstöckige Gebäude von mehreren hundert Metern Front und lange Maschinenhäuser dehnen sich aus. Ein Kanal führt bis zu den Werken und unzählige Eisenbahnschienen durchqueren die weiten Gelände. Das ist die Siemensstadt. Von dem Umfang der einzelnen Nonnendammer Abteilungen dürften folgende Zahlen ein Bild geben: Es werden ungefähr beschäftigt:
• Im Wernerwerk 7000 Personen,
• im Kleinbauwerk 3500,
• im Elektromotorenwerk 3000,
• im Dynamowerk 2300,
• im Blockwerk 800,
• in der Automobilfabrik 550,
• in der Eisengießerei 300,
• in der Gelbgießerei 200,
• in der Versuchsanstalt für elektrische Bahnen 200,
• im Kabelwerk Gartenfeld (eine halbe Stunde vom Nonnendamm) 3000.
Das sind gewiß gewaltige Zahlen, die selbst für Groß-Berliner Industrieverhältnisse ansprechen. Im Herbst wird der Spandauer Nonnendamm weitern gewaltigen Zuwachs erhalten. Das neue Zentralverwaltungsgebäude wird dann bezogen werden, und abermals werden 3000 Personen dem Nonnendamm mehr zuströmen […] Das Wernerwerk erfährt ebenfalls fortgesetzt Vergrößerungen, alle in Charlottenburg gelegenen Siemensbetriebe sollen nach und nach auf dem Spandauer Nonnendamm angesiedelt werden […] Umfangreiche Terrains stehen dem Siemensunternehmen zu Bauten noch zur Verfügung […]“

Siemensstadt heute[Bearbeiten]

Das heutige Siemensstadt liegt zwischen Hohenzollernkanal (Teilstück des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals) im Norden, Charlottenburg-Nord im Osten, der Spree im Süden und Haselhorst im Westen. Der durch die Ringsiedlung verlaufende Jungfernheideweg stellt die Grenze zu Charlottenburg-Nord dar. Zu Siemensstadt gehört auch die durch den Alten Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal und Hohenzollernkanal gebildete Insel Gartenfeld, auf der weitere Siemens-Werksanlagen (bis 2002 „Kabelwerk Gartenfeld“) errichtet wurden.

Im Juni 2008 hatte die Siemensstadt 11.388 Einwohner, damit ist der relativ dünn besiedelte Ortsteil bevölkerungsmäßig mit einer deutschen Kleinstadt vergleichbar. Noch heute findet wöchentlich montags und donnerstags im Quellweg ein – in der letzten Zeit stark geschrumpfter – Wochenmarkt statt.

Als Träger des lokalen Sports hat sich der SC Siemensstadt einen Namen gemacht.

In Siemensstadt sind auch die Schachfreunde Siemensstadt e. V. zu Hause. Dieser Verein existiert seit 1913.

Im Jahr 2010 wurde im Bereich des U-Bahnhofs Paulsternstraße der Siemensstadt-Park eröffnet. Er wurde anstelle der ursprünglich geplanten Siemens-Arena gebaut und bietet ein Einkaufszentrum sowie eine Mehrzweckhalle.

Außerdem befindet sich im Ortsteil die Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge Berlin.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Ortsteil ist über die Linie U7 der Berliner U-Bahn mit der Berliner Innenstadt und der Spandauer Altstadt verbunden. Bis zum Reichsbahnerstreik im Jahr 1980 war Siemensstadt über die Siemensbahn an das S-Bahnnetz angebunden.

Wohnarchitektur[Bearbeiten]

Neben Einzelbauten aus der Zeit um 1900 entstanden in Siemensstadt in mehreren Etappen Siedlungsbauten, darunter bedeutende Beispiele des Neuen Bauens und des Großsiedlungsbaus:

Das Welterbekomitee der UNESCO hat am 7. Juli 2008 die Siedlungen der Berliner Moderne in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Sechs denkmalgeschützte Siedlungen, darunter auch die Großsiedlung Siemensstadt, repräsentieren einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus aus der Zeit der klassischen Moderne und übten in der Folgezeit beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung von Architektur und Städtebau aus.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dorothea Zöbl: Siemens in Berlin. Spaziergänge durch die Geschichte der Elektrifizierung. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2008, ISBN 978-3-86650-945-0.
  • Arne Hengsbach: Aus der Geschichte der Stadtteile Siemensstadt und Haselhorst. In: Spandauer Heimathefte, Heft 1. Buchhandlung am Markt, Berlin 1954.
  • Arne Hengsbach: Die Siemensstadt im Grünen. Zwischen Spree und Jungfernheide 1899–1974. Lezinsky, Berlin 1974.
  • Wolfgang Ribbe, Wolfgang Schäche: Die Siemensstadt. Geschichte und Architektur eines Industriestandortes. Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1985, ISBN 3-433-01023-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Siemensstadt – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien