Berlin-Tempelhof

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Tempelhof
Ortsteil von Berlin
Berlin Friedenau Schöneberg Tempelhof Mariendorf Marienfelde Lichtenrade BrandenburgTempelhof auf der Karte von Tempelhof-Schöneberg
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 28′ 0″ N, 13° 23′ 0″ O52.46666666666713.383333333333Koordinaten: 52° 28′ 0″ N, 13° 23′ 0″ O
Fläche 12,2 km²
Einwohner 58.456 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 4791 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12101, 12103, 12105, 12109, 12099, 12279
Ortsteilnummer 0703
Gliederung
Verwaltungsbezirk Tempelhof-Schöneberg
Ortslagen

Tempelhof ist ein Ortsteil im siebten Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Bis zur Verwaltungsreform 2001 gab es einen eigenständigen Bezirk Tempelhof, der als 13. Bezirk die Ortsteile Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade und den namensgebenden Ortsteil Tempelhof umfasste.

Geologie/Klima/Geografie[Bearbeiten]

Naturräumliche Lage[Bearbeiten]

Die naturräumliche Lage des Teltow

Naturräumlich gehört Tempelhof zur Hochfläche des Teltow südlich des Berlin-Warschauer Urstromtals mit einer mittleren Höhe zwischen 45 und 60 Metern über NN. Der nordwestliche Teltow (mit dem Schäferberg) ragt darüber deutlich hinaus.

Oberflächenformen[Bearbeiten]

Tempelhof als Teil des Teltowplateaus besitzt eine typische Grundmoränenoberfläche. Sie ist flachwellig und recht seenarm.

Sowohl das geschlossene Plateau als auch die umliegenden Urstromtalungen, wie das Berliner Urstromtal, sind von Glazialen Rinnen zerschnitten. Sie bilden heute Seenketten, wie die Grunewaldseenkette, also NikolasseeRehwieseSchlachtenseeKrumme LankeRiemeisterfennLanges LuchGrunewaldseeHundekehlefennHundekehleseeDianaseeKoenigsseeHalenseeLietzenseeHerthaseeHubertusseeFennsee – (ehemaliger) Wilmersdorfer SeeVolkspark WilmersdorfRudolph-Wilde-Park. Die Rinnen beleben die sonst nur wenig bewegte Landschaft merklich. Einige kleinere, eher isoliert liegende Stillgewässer, wie der Klarensee, Krumme Pfuhl und Wilhelmsteich, gingen wahrscheinlich aus Toteisblöcken hervor.

Böden[Bearbeiten]

Auf den weit verbreiteten Geschiebemergelflächen haben sich Lessivés entwickelt.[1] Sie gelten als fruchtbar. Meistens finden sich Übergangsformen zwischen der Fahlerde und der Braunerde, zum Teil auch Parabraunerden. Stauvernässung in Form von Pseudogleyen kommt nur untergeordnet vor. Auf den Schmelzwassersandflächen bildeten sich eher nährstoffarme Braunerden. Je nach Zusammensetzung des Sandes können die Braunerden entweder schwach lessiviert oder schwach podsoliert sein.

Die feuchten Niederungen und tief gelegenen Urstromtalungen werden von Gleyen und Niedermooren dominiert. Die Moore zeigen deutliche Vererdungserscheinungen als Folge der Entwässerung.

Große Verbreitung besitzen die anthropogenen (vom Menschen erzeugte) Böden und Stadtböden. Man kann sie als junge Rohböden ansprechen. Es überwiegen Lockersyroseme und Pararendzinen. Vereinzelt finden sich auch Hortisole (Gartenböden), Regosole und Kolluvisole.

Lage[Bearbeiten]

Der Ortsteil Tempelhof liegt im Nordosten des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg. Benachbarte Ortsteile sind im Westen Schöneberg, im Südwesten Steglitz, im Süden Mariendorf, im Südosten Britz, im Osten Neukölln und im Norden Kreuzberg.

Die Grenze des Ortsteiles verläuft im Norden entlang der Bezirksgrenze zu Friedrichshain-Kreuzberg, um dann entlang der General-Pape-Straße nach Süden zu führen. Ab der Höhe des Bahnhofs Südkreuz verläuft die Grenze entlang der Ringbahn nach Südosten, um dann entlang der Alboinstraße auf die Arnulfstraße zu stoßen und dieser entlang nach Westen zu folgen. Ab der S-Bahnlinie 2 folgt sie den Schienen nach Süden bis zum Teltowkanal. Im Süden verläuft sie entlang des Teltowkanals, ab dem Mariendorfer Damm springt sie zur Ullsteinstraße und verläuft auf ihr weiter in Richtung Osten. Ab der Gottlieb-Dunkel-Straße verläuft die Grenze am Nordrand des St.-Michael-Kirchhofs bis zur Autobahnanschlussstelle 22 – Gradestraße der A 100. Von diesem Punkt verläuft die östliche Ortsteilgrenze zusammen mit der Bezirksgrenze durch verschiedene Kleingartengelände in Richtung Teltowkanal, folgt diesem ein kurzes Stück bis zum Tempelhofer Weg, verläuft dann an dessen Südwest-Seite bis zur Hattenheimer Straße um dann entlang der Eschersheimer Straße auf die Oberlandstraße zu stoßen. Die Grenze verläuft ab der Bacharacher Straße nach Norden quer über das Flughafengelände, um nach einer Verschwenkung nach Westen auf der Höhe der Lilienthalstraße wieder nach Norden zu verlaufen und stößt abschließend wieder auf die Bezirksgrenze zu Friedrichshain-Kreuzberg.

Siedlungsstruktur[Bearbeiten]

Tempelhof ist geprägt von einer Mischung aus Mietshaus- und Einfamilienhaus-Siedlungen sowie Industrie- und Grünflächen (Parkanlagen, Laubenkolonien). Gewerbe- und Industrieflächen mit typischen Industriestraßen wie der Gottlieb-Dunkel-Straße oder der Teilestraße haben sich insbesondere entlang des Teltowkanals und der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn um den Güterbahnhof Teltowkanal herausgebildet. Gleichfalls im ehemaligen Oberland am Südrand des Tempelhofer Feldes entstanden in der 1930er Jahren an der Oberlandstraße Fabriken und Filmstudios mit heute zum Teil denkmalgeschützten Gebäuden. Hier gibt es verschiedene Industriezweige, die u. a. Kühlschränke, Nachrichtengeräte, Rasierklingen, Eisenkonstruktionen und Schokolade produzieren. Ebenfalls an der Oberlandstraße liegt die als Gartendenkmal geschützte Bärensiedlung aus der gleichen Bauperiode mit knapp 900 Wohnungen.

An der Grenze zu Schöneberg gehört die östliche Bebauung des als Gartendenkmal geschützten Alboinplatzes, die Siedlung Blanke Helle in der sogenannten „Tempelhofer Schweiz“, zu Tempelhof. Der Platz selbst und seine westlichen Bereiche bis zur Siedlung Lindenhof lagen ebenfalls lange auf der Gemarkung Tempelhof, sind heute jedoch im Nachbarortsteil Schöneberg eingegliedert. Geologisch liegt der Alboinplatz mit seinem See Blanke Helle in einer Glazialen Rinne mit mehreren Pfuhlen und als Naturdenkmal geschützten Toteislöchern wie dem Wilhelmsteich am Lehnepark, dem Klarensee im Alten Park und östlich des Tempelhofer Damms dem Krummen Pfuhl im Franckepark. Die Senke ist heute an vielen Stellen überbaut und einige Gewässer wie der ehemalige See im heutigen Bosepark sind nicht mehr vorhanden. Dennoch lässt sich die Senke, die auf einer Karte von 1901 noch weitgehend unverbaut zu erkennen ist, auch heute nachvollziehen, da die Anlage von Friedhöfen und Parks – ähnlich wie bei der Kleinen Grunewaldseenkette – weitgehend der geologischen Formation folgt (siehe ausführlich mit Lagekarte von 1901: Alboinplatz).

Der Ortsteil Tempelhof unterteilt sich in Alt-Tempelhof, das südlich der Ringbahn liegt und der Gartenstadt Neu-Tempelhof. Durch Tempelhof verläuft in Nord-Süd-Richtung der Tempelhofer Damm, der als B 96 sowohl einer der Hauptverkehrsachsen Berlins nach Brandenburg, wie auch die Haupteinkaufsstraße in Tempelhof ist.

Klima[Bearbeiten]

Auf Grund seiner bescheidenen Relativhöhe besitzt Tempelhof wie der gesamte Naturraum Teltow, im Gegensatz zum Fläming und zum Barnim, keine ausgeprägten Witterungsunterschiede gegenüber seinem Umland. Er liegt, wie seine Umgebung auch, im Übergangsbereich vom ozeanischen Klima Westeuropas zum kontinentalen Klima Osteuropas. Kältester Monat ist der Januar mit Durchschnittstemperaturen um −1 °C, wärmster der Juli mit etwa 18 °C. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt um 550 mm (Station Großbeeren: 555 mm/Jahr von 1951 bis 1980)[2] mit einem ausgeprägten Sommermaximum und Winterminimum. Der höher gelegene nordwestliche Teltow dürfte etwas besser mit Niederschlag versorgt werden.

Berlin-Tempelhof
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
43
 
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23
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19
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36
 
14
7
 
 
49
 
7
2
 
 
53
 
3
-1
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Berlin-Tempelhof
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2,0 3,6 7,8 12,9 18,4 21,9 23,3 23,0 19,0 13,7 7,3 3,4 Ø 13,1
Min. Temperatur (°C) −2,7 −2,1 0,7 4,1 8,8 12,4 14,0 13,6 10,5 6,6 2,4 −1,0 Ø 5,6
Niederschlag (mm) 43,0 34,1 37,4 40,9 56,0 75,3 52,3 60,5 45,5 36,2 49,3 53,4 Σ 583,9
Sonnenstunden (h/d) 1,4 2,4 4,0 5,3 7,5 7,5 7,4 7,1 5,1 3,6 1,7 1,1 Ø 4,5
Regentage (d) 10 8 8 9 10 10 9 8 8 8 10 11 Σ 109
Luftfeuchtigkeit (%) 84 81 74 67 64 64 64 66 73 79 83 85 Ø 73,6
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
2,0
−2,7
3,6
−2,1
7,8
0,7
12,9
4,1
18,4
8,8
21,9
12,4
23,3
14,0
23,0
13,6
19,0
10,5
13,7
6,6
7,3
2,4
3,4
−1,0
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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r
s
c
h
l
a
g
43,0
34,1
37,4
40,9
56,0
75,3
52,3
60,5
45,5
36,2
49,3
53,4
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung, Gestalt und ursprünglicher Name des Dorfes[Bearbeiten]

Gedenktafel am Haus, Alt-Tempelhof 21, in Tempelhof

Der Name Tempelhof geht auf den Templerorden (christliche Ordensritter) zurück, die hier einen wehrhaften Komturhof errichteten, wohl spätestens um 1200, zu dem neben dem Dorf Tempelhof auch Siedlungen in Marienfelde, Mariendorf und Rixdorf gehörten. Zweifelsohne sollten sie einen Sperrriegel quer über den Teltow errichten; wer ihre Ansiedlung veranlasste (Askanier, Wettiner, die Erzbischöfe von Magdeburg oder die Herzöge von Schlesien) ist bis zum heutigen Tage in der Forschung umstritten.[3]

Tempelhof um 1834 (Karte gesüdet)

Im Rahmen des Landesausbaus der sogenannten „Ostsiedlung“ wurde auf dem mittleren Hohen Teltow wohl um 1200, spätestens 1210 „aus wilder Wurzel“ ein Straßendorf gegründet.

Es ist noch in der heutigen Randbebauung der Straße Alt-Tempelhof zwischen Neuer Straße und Fuhrmannstraße gut zu erkennen. Der Mittelstreifen war kein Dorfanger eines Straßenangerdorfs, weil ihm zwei typische Merkmale fehlen:

  • Der Dorfanger hat eine spindelförmige Gestalt, der zu einer Ausbuchtung der Dorfmitte führt. Alte Karten und auch der heutige Befund zeigen allerdings, dass in Tempelhof die beiden gegenüberliegenden Hausreihen parallel verlaufen.
  • Auf dem Dorfanger liegen üblicherweise Dorfkirche, Dorfteich und – sofern vorhanden – auch die Dorfschmiede (wegen der Brandgefahr).[4]

Unter der heutigen Dorfkirche Tempelhof, der ehemaligen Kirche des Komturhofs, wurde archäologisch ein Vorgängerbau entdeckt, der vom Ausgräber in die Zeit um 1200 datiert wurde. Die Kirche hat von Anfang an abseits gelegen, in markanter Höhenlage zwischen ursprünglich vier Seen.[5] Nur noch zwei von ihnen sind heute im Alten Park und im Lehne-Park vorhanden; der unter dem Reinhardtplatz gelegene Teich wurde zugunsten einer Marktfläche zu- und aufgeschüttet.

Es ist unklar, ob zunächst der Komturhof oder das Dorf oder beide gleichzeitig entstanden. Dies hängt auch mit der Unklarheit zusammen, was der ursprüngliche Name des Dorfs war. Als „Hof“ wurde im Mittelalter ein befestigter Platz bezeichnet, sodass er also ebenso wenig wie das „Haus“ im späteren Richardsdorf/Rixdorf ein Dorf bezeichnet haben kann. Auffällig sind eine Fülle von Ortsnamensübertragungen aus dem Teltow auf den Barnim und in die angrenzende Uckermark: Blankenfelde, Britz, Buckow, Grunewald Heinersdorf, Lichterfelde, Ruhlsdorf, Schmargendorf, Schöneberg, Schönow, Stegelitz, Wilmersdorf, Zehlendorf sowie Groß- und Kleinziethen. Mitten unter ihnen befindet sich auch Tempelfelde (zwischen Bernau und Eberswalde), für das es kein Gegenstück auf dem Teltow gibt. Es wird daher mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen, dass dies der ursprüngliche Name des Dorfes war, das dann später stärker mit dem „Templer Hof“ identifiziert wurde, sodass es dessen Name übernahm.

Erste urkundliche Erwähnungen[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Die Dörfer Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Rixdorf sind von den Tempelrittern gegründet worden, was sich allerdings nur aus Rückschlüssen ergibt. Entsprechende Urkunden gibt es nicht. Bekanntermaßen hat Papst Clemens V. den Templerorden 1312 aufgehoben und dessen Besitz dem Johanniterorden übertragen. Offenbar haben die Tempelhofer Ritter zunächst Widerstand geleistet und waren daher zunächst einem Prokurator des Markgrafen Waldemar unterstellt worden; erst 1318 wurde die Übergabe an die Johanniter rechtlich vollzogen. Für 1344 wird erstmals ein johannitischer Komtur mit ausdrücklichem Bezug auf Tempelhof genannt: Burchard von Arenholz als „commendator in Tempelhoff“.[6]

Magister Hermannus de Templo (1247)[Bearbeiten]

Im Kloster Walkenried wurde 1247 eine Urkunde ausgestellt, mit der der Bischof von Brandenburg diesem Kloster den Zehnten von 100 Hufen in der Uckermark überträgt. Unter den Zeugen befand sich ein „magister Hermannus de Templo“, doch beweist diese Urkunde lediglich, dass es damals einen Mann namens „Hermann von Templo“ gegeben hat, dessen Magistergrad ihm besondere Glaubwürdigkeit gab.

Der Namenszusatz templarius ‚Templer‘, ‚Tempelritter‘ oder de Templo ‚vom Tempel‘, ‚vom Templer-Orden‘ kennzeichnet üblicherweise einen Angehörigen des Templerordens.[7] Ebenso ist es nicht unüblich, dass mit magister ein Komtur bezeichnet wird.[8]

Die übrigen Urkundszeugen sind die Äbte der Klöster Zinna und Lehnin, der bekannte Propst Symeon aus Cölln,[9] Pfarrer Heinrich von Oderberg, Johannes von Werneuchen und mehrere Geistliche des Klosters Walkenried. In der Bestätigungsurkunde des Domstifts Brandenburg vom gleichen Tage treten zusätzlich noch zwei Bürgermeister (Schulzen) als Urkundszeugen auf: Werner von Stettin und Marsilius von Berlin. Ein Komtur der Tempelritter (magister de Templo) im Kreise von Urkundszeugen, die vor allem aus der Mittelmark kommen, passt am besten zum Komturhof auf dem Teltow.[10]

Ritter Jacobus von Nybede (1290)[Bearbeiten]

Im Jahr 1290 wird Tempelhof als Ort erwähnt, aber ebenfalls eher mittelbar: Der Ritter Jacob von Nybede schenkt der Franziskaner-Klosterkirche in Berlin eine Ziegelscheune (für ihr Baumaterial), die „zwischen Tempelhof und Berlin“ liegt, nämlich wohl am Kreuzberg, worauf archäologische Funde der 1830er Jahre hinweisen. Jacobus ist kein Tempelritter. Er ist möglicherweise Besitzer der Ritterhufen, die später als Hahnehof bekannt werden; der Hof lag auf dem heutigen Eckgrundstück Alt-Tempelhof/Tempelhofer Damm, mit angeblich archäologisch nachgewiesenem Turmfundament.

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Da das Dorf 1290 Tempelhof genannt wurde und sich 1435 mit seinen Nachbardörfern im Besitz der Johanniter befand, die 1318 allgemein den Templerbesitz in der Mark Brandenburg übernommen haben, geht die Forschung einhellig davon aus, dass dieser Siedlungskomplex eine Gründung der Tempelritter ist. Offenbar hat das Dorf, zumindest der Komturhof, schon 1247 bestanden; das ist jedenfalls die überzeugendste Zuordnung des Magisters Hermann von Templo. Nach der von Papst Clemens V. am 22. März 1312 durch die Bulle Vox in excelso angeordneten Auflösung des Ordens kam der Ort 1318 an den Johanniterorden.

Der Johanniterorden hatte 1344 das Schulzenamt dem Cöllner Bürger Johann Ryke (Reiche) überlassen, was zugleich der erste urkundliche Nachweis dafür ist, dass sich Tempelhof im Besitz des Ordens befand.

Von 1435 bis 1800[Bearbeiten]

Im Jahr 1435 verkauften die Johanniter Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Rixdorf an die Stadt Berlin. Der Tempelhof (der Gutshof) kam in den Besitz des Benedix Birckholz.

Am 20. Juni 1630 kaufte Christian Weiler, Spross eines reichen brandenburgischen Handelshauses im Berlin des 17. Jahrhunderts, das Gut Tempelhof vom straffällig gewordenen kurfürstlichen Münzmeister zu Berlin, Liborius Müller, um es bald darauf an den Grafen von Schwartzenberg zu veräußern. 1796 erwarb Friedrich Heinrich Graf von Podewils den Gutshof.

Tempelhofer Feld und Flughafen Tempelhof[Bearbeiten]

Berliner beobachten die Landung eines „Rosinenbombers“ auf dem Flughafen Tempelhof, 1948
Der Flughafen im Mai 1984

Das Tempelhofer Feld, 1351 erstmals erwähnt, wurde 1772 unter Friedrich II. zum preußischen Exerzier- und Paradeplatz. Allerdings wurde das Feld erst 1826/1827 vom Staat gekauft und damit endgültig zum Truppenübungsplatz und Paradefeld.

  • Um 1883 scheiterte der Maler Arnold Böcklin auf dem Tempelhofer Feld mit dem Versuch eines motorlosen Flugzeugs.[11][12]
  • 1888 wurde auf dem Tempelhofer Feld mit Germania 1888 der erste Fußballverein Deutschlands gegründet.
  • 1897 verunglückten der Luftschiffkonstrukteur Friedrich Hermann Wölfert und sein Mechaniker auf dem Tempelhofer Feld mit ihrem benzinbetriebenen Luftschiff. Das erste Starrluftschiff der Welt von David Schwarz stieg ebenfalls 1897 hier auf.
  • 1901 begannen die Meteorologen Arthur Berson und Reinhard Süring auf dem Tempelhofer Feld ihre Ballonfahrt mit dem Preussen auf die Weltrekordhöhe von 10,8 Kilometern, was zur Entdeckung der Stratosphäre im Jahr 1902 führte.
  • 1909 stellte der amerikanische Flugpionier Orville Wright auf dem Tempelhofer Feld mit seinem Doppeldecker den Weltrekord im Höhenflug mit 172 Metern auf.
  • 1910 verkaufte die preußische Militärverwaltung den Westteil des Tempelhofer Feldes für 72 Millionen Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund 392.362.000 Euro) an eine Grundstücksgesellschaft.
  • 1927 fand die Landung der amerikanischen Atlantiküberquerer Clarence Chamberlin und Charles Levine statt.
  • 1928 überquerten der Tempelhofer Flugpionier Hermann Köhl gemeinsam mit James Fitzmaurice und Freiherrn von Hünefeld den Atlantik von Ost nach West.
  • 1931 landete das Luftschiff „Graf Zeppelin“ nach seinem Amerikaflug in Tempelhof.

Ab 1923 wurde der Flughafen Tempelhof angelegt. Während der Berliner Blockade versorgten Amerikaner und Briten über den Flughafen Tempelhof die Stadt mit 1.736.781 Tonnen lebensnotwendigen Gütern. 40 Briten und 31 Amerikaner fanden dabei den Tod. Zu Ehren der Opfer der Blockade wurde 1951 das Luftbrückendenkmal errichtet.

Bis zur Inbetriebnahme des Großflughafens Tegel im Jahr 1975 wurde in Tempelhof der gesamte zivile Luftverkehr von West-Berlin abgewickelt. Danach diente er nur noch den US-amerikanischen Streitkräften, die ihn bis 1993 nutzten. 1985 wurde Tempelhof für den Zivilverkehr mit kleinerem Flugmaterial wiedereröffnet und 2008 endgültig geschlossen. Seit 2010 befindet sich auf dem ehemaligen Flugfeld der Tempelhofer Park.

Von 1800 bis heute (Ereignisse ohne Bezug zum Flughafen Tempelhof)[Bearbeiten]

Erste Eingemeindung nach Berlin[Bearbeiten]

Im Jahr 1861 wurde das Tempelhofer Unterland, auch Tempelhofer Vorstadt genannt, und der Tempelhofer Berg, der inzwischen nach dem eisernen Kreuz auf dem Nationaldenkmal Kreuzberg genannt wurde, nach Berlin eingemeindet.

Im 19. Jahrhundert fand Tempelhof Anschluss an die Entwicklung Berlins, vor allem durch die Eröffnung der Ringbahn 1871. Im Jahr 1875 erreichte auch die Pferdebahn den Ort. 1878 bekam Tempelhof Anschluss an die Gasversorgung. 1898 wurde hier das Elektrizitätswerk in Betrieb genommen. Der 1906 fertiggestellte Teltowkanal trug wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung Tempelhofs bei.

Groß-Berlin[Bearbeiten]

Bei der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde aus den Landgemeinden Tempelhof, Mariendorf (ohne Südende), Marienfelde und Lichtenrade der 13. Verwaltungsbezirk gebildet, der bis 2000 bestand.

Hauptartikel: Bezirk Tempelhof

Zwischen 1933 und 1936 betrieben die Nationalsozialisten das erste deutsche Konzentrationslager im Columbiahaus.

Das Rathaus Tempelhof wurde 1938 eingeweiht.

Im Jahr 1966 wurde die Verlängerung der U-Bahnlinie 6 bis Alt-Mariendorf durch den damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt eröffnet. Im selben Jahr wurde die letzte Straßenbahnlinie Tempelhofs, die Linie 96, eingestellt und durch Busse ersetzt.[13]

Seit 1981 wird Tempelhof von der Berliner Stadtautobahn durchquert.

Am 1. Januar 2001 wurde der Bezirk Tempelhof mit dem ehemaligen Bezirk Schöneberg zum neuen großen Bezirk Tempelhof-Schöneberg zusammengelegt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Ullsteinhaus am Mariendorfer Damm an der Südgrenze des Ortsteils Tempelhof

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Tempelhof

Kultur[Bearbeiten]

Mit der Columbiahalle (heute: C-Halle)[14] im Norden und der Ufa-Fabrik im Süden Tempelhofs besitzt Tempelhof zwei berlinweit bekannte kommerzielle Veranstaltungsstätten mit unterschiedlichem Ansatz. Mit der Eröffnung des Hafens Tempelhof im Jahr 2009 kam ein neuer großer Gebäudekomplex hinzu, der ein Ensemble mit einem neu errichteten Einkaufszentrum bildet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Bahnhof Berlin Attilastraße

In Berlin-Tempelhof liegen die Bahnhöfe Berlin-Tempelhof und Attilastraße der S-Bahn Berlin. Zudem gibt es in Berlin-Tempelhof die U-Bahnhöfe Tempelhof, Alt-Tempelhof, Kaiserin-Augusta-Straße, Paradestraße, Platz der Luftbrücke und Ullsteinstraße der U-Bahn Berlin.

Statistische Daten[Bearbeiten]

Alle hier genannten Daten beziehen sich auf den Altbezirk Tempelhof.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Um 1800[Bearbeiten]

Tempelhof: 241 Einwohner
Mariendorf: 162 Einwohner
Marienfelde: 148 Einwohner
Lichtenrade: 112 Einwohner

Um 1900[Bearbeiten]

Tempelhof: 9991 Einwohner
Mariendorf: 5764 Einwohner
Marienfelde: 1946 Einwohner
Lichtenrade: 0 818 Einwohner

Im Jahr 1999[Bearbeiten]

Alle Ortsteile zusammen haben rund 191.000 Einwohner.

Bevölkerungsstand[Bearbeiten]

Tempelhof-Schöneberg: 333.110 Einwohner
Anteil von Gesamt-Berlin: 9,7 %
Davon Ausländer: 15,67 % (absolut: 52.203)
(Quelle: Statistisches Jahrbuch 2009)

Altersaufbau[Bearbeiten]

Unter 6 Jahren: 008.392 Personen
6 bis unter 18 Jahre: 019.667 Personen
18 bis unter 65 Jahre: 117.637 Personen
65 Jahre und älter: 039.469 Personen
(Stand: Ende 2005)

Arbeitslosenquote[Bearbeiten]

Arbeitslose: 28.810 Einwohner
Davon Frauen: 13.015 Einwohner
Arbeitslosenquote (alle ziv. EP): 17 %
(Stand: Januar 2005)

Söhne und Töchter Tempelhofs[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Tempelhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Information zu den Bodengesellschaften gibt es auf den Internetseiten des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe des Landes Brandenburg online
  2. M. Hendl: Das Klima des Norddeutschen Tieflandes. In: H. Liedtke, J. Marcinek (Hrsg.): Physische Geographie Deutschlands. Gotha 1994, ISBN 3-623-00840-0.
  3. Ulrich Waack: Die frühen Herrschaftsverhältnisse im Berliner Raum. Eine neue Zwischenbilanz der Diskussion um die „Magdeburg-Hypothese“. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 54. 2005, S. 7–38.
  4. Typische Dorfanger sind noch heute in Marienfelde, Buckow oder Lichtenrade zu sehen. Mariendorf ist wie Tempelhof ein Straßendorf. Die ehemaligen Dorfschmieden von Marienfelde und Rixdorf sind noch heute auf dem Anger zu finden.
  5. Eine ähnliche erhöhte Randlage zum Dorfkern, geschützt durch einen See, findet sich auch in Britz
  6. Ein „Komtur in Tempelhof“ setzt eigentlich den Ordensbesitz voraus, dies kann aber nach geschichtswissenschaftlichen Kriterien nur als mittelbarer Hinweis gelten.
  7. Hans Eberhard Mayer: Zum Itinerarium peregrinorum. Eine Erwiderung. In: Hans Eberhard Mayer: Kreuzzüge und lateinischer Osten. London 1983, S. III 210 f.
  8. Aus diesem Grunde ist die ältere Diskussion, ob Templo einen Ortsnamen darstelle und wo dieser Ort zu suchen sei, überholt, weil sie in Unkenntnis der Ausführungen von Mayer (Anm. 6) geführt wurde
  9. Zehn Jahre vorher, also 1237, ist Symeon noch nicht Propst, sondern Pfarrer von Cölln und sorgt als Urkundszeuge im Brandenburger Zehntstreit für die urkundliche Ersterwähnung der Doppelstadt am Spreepass.
  10. Insbesondere wegen der Urkundszeugen Marsilius (Stadtschulze von Berlin), Symeon (Propst von Cölln) und Abt Siger von Lehnin. Allerdings kann auch der Komtur von Lietzen nicht völlig ausgeschlossen werden, denn de Templo bedeutet sehr viel häufiger ‚vom Templer-Orden‘ als ‚von Tempelhof‘.
  11. Arnold Böcklin gestorben, Flugpionier, Maler. Bei: Radio Bayern 2, 16. Januar 2014
  12. Arnold Böcklin – Der Traum vom Tod (Filmtext). In: NZZ Format
  13. Das Straßenbahnnetz in West-Berlin (1945–1967)
  14. berlinatnight.de
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKlaus Wowereit / wegewerk GmbH (Agentur): Klaus Wowereit – Biografie. In: klaus-wowereit.de Wowereits offizielle Homepage. o. A., abgerufen am 4. September 2008. Zitat daraus: „Am 01.10.1953 bin ich im Bezirk Tempelhof geboren.“