Berlin-Westend

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Westend
Ortsteil von Berlin
Berlin Halensee Westend Grunewald Schmargendorf Wilmersdorf Charlottenburg Charlottenburg-NordWestend auf der Karte von Charlottenburg-Wilmersdorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 31′ 0″ N, 13° 17′ 0″ O52.51666666666713.283333333333Koordinaten: 52° 31′ 0″ N, 13° 17′ 0″ O
Fläche 13,53 km²
Einwohner 39.566 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 2924 Einwohner/km²
Postleitzahlen 14050, 14052, 14053, 14055, 14057, 14059
Ortsteilnummer 0405
Verwaltungsbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

Westend ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der westlich vom Ortsteil Charlottenburg gelegen ist. Ursprünglich als reine Villenkolonie geplant und nach dem vornehmen Londoner Stadtteil benannt, haben einige Teile von Westend heute ein städtisches Ambiente mit den typischen Berliner Mietshäusern.

Zentrum und Einkaufsmeile von Westend ist die Reichsstraße zwischen Theodor-Heuss-Platz und Steubenplatz in Neu-Westend. Städtebaulich markant sind in Westend die vielen unterschiedlich strukturierten Plätze: Branitzer Platz und Lindenplatz in der Villenkolonie Westend, der Brixplatz mit dem Brixpark, der Fürstenplatz und der Karolingerplatz jenseits der Heerstraße.

Geographie[Bearbeiten]

Die östlichen Bereiche des Ortsteils Westend – Ausschnitt aus der Beilage zum Adressbuch für Berlin und seine Vororte 1907

Westend liegt größtenteils auf der Hochebene des Teltow, die nach Norden steil zur Spree hin abbricht. Nach Norden wird Westend durch die Grenze zum Ortsteil Spandau und die Spree, nach Osten durch die Ringbahn, nach Süden durch die AVUS und den Grunewald und nach Westen durch den Stößensee sowie die Spandauer Vorortbahn begrenzt.[1]

Ortslagen[Bearbeiten]

Durch die Neuordnung des Bezirks mit Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung vom 30. September 2004 gehören einige bekannte Ortslagen zum neugebildeten Ortsteil.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Lange Zeit war die sandige, bewaldete Hochfläche nur mit einigen Mühlen bebaut. Nach dem Sieg in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 errichtete Napoleon ein Lager für seine Besatzungstruppen am unbebauten östlichen Abhang Westends, etwa entlang der heutigen Königin-Elisabeth-Straße. Er selbst residierte im Schloss Charlottenburg. Das Lager mit dem Namen Napoleonsburg (oder Napoleonbourg) wurde auf einen Befehl Napoleons vom Mai 1808 durch den französischen Gouverneur von Berlin, Victor, Herzog von Belluno im Juni und Juli errichtet und bereits am 2. November 1808 wieder abgebrochen. Die vordere Front des etwa rechtwinklig geschnittenen Lagers verlief etwa von der Wundtstraße am Lietzensee im Süden bis auf das Gelände der heutigen DRK-Kliniken Westend nahe Fürstenbrunn, bei einer Breite des Lagers von rund einem Kilometer. Es bestand aus 380 Wohnbaracken für je 20 Mann sowie 64 größeren Baracken für Küchen- und Speiseräume und zwei Reihen besser eingerichteter Baracken als Unterkunft für Unteroffiziere.

Reisigsammlerinnen auf Westend, im Hintergrund die Häuser an der Sophie-Charlotten-Straße (Foto: Heinrich Zille um 1900)

Nach dem Abzug der französischen Truppen fiel Westend in seinen Dornröschenschlaf zurück. Der Waldbestand, der durch das Lager und durch Abholzungen im Umfeld großflächig verschwunden war, scheint sich nie wieder erholt zu haben. Der Maler Heinrich Zille wohnte um 1900 in der Sophie-Charlotten-Straße gegenüber von Westend und dokumentierte in zahlreichen Fotografien das sandige Ödland am Hang nach Westend, wo sich fast hundert Jahre zuvor Napoleons Lager befand.

Gaststätte Spandauer Bock

Im Jahr 1840 erwarb ein bayerischer Bierbrauer, der in Spandau Bockbier braute, das heute im Winkel zwischen Spandauer Damm und Reichsstraße gelegene Gelände und eröffnete dort einen kleinen Ausschank, der im Berliner Volksmund Spandauer Bock genannt wurde. 1854 verlegte er seine Brauerei aus Spandau auf das auf der gegenüberliegenden Seite des Spandauer Damms gelegene Gelände des Spandauer Bergs, die von da an Spandauer Berg-Brauerei hieß. Die dort entstehende Gaststätte nannte der Volksmund entsprechend „Zibbe“ (norddeutsch für ‚Mutterschaf‘). Mit der Zeit entwickelte sich ein reger Ausflugsverkehr von Charlottenburg und Berlin zum Spandauer Bock. Die beiden Ausflugsgaststätten und die Brauerei wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Die Entwicklung Westends in seiner heutigen Form begann Ende der 1860er Jahre. Der zu Vermögen gekommene Zeitschriftenverleger Ludwig von Schaeffer-Voit ließ östlich der Brauerei am Hang zur Spree das Schloss Ruhwald erbauen und einen großzügigen Landschaftsgarten, den heutigen Ruhwaldpark, um das Schloss herum anlegen.

Etwa zur gleichen Zeit begann die 1866 von Albert Werckmeister (gemeinsam mit Johannes Quistorp, dem Baumeister Martin Gropius, dem Bankier Eichhorn und dem Lotterieeinnehmer Tuchen) gegründete Kommanditgesellschaft auf Aktien „Westend“ große Flächen in Westend aufzukaufen, zu parzellieren und bebaut oder unbebaut weiterzuverkaufen. Schon kurz nach der Gründung geriet die Gesellschaft in Schwierigkeiten. Nach deren Auflösung 1868 gingen die Geschäfte auf die Westend-Gesellschaft H. Quistorp & Co. zu Berlin über, in der Heinrich Quistorp – Bruder von Johannes Quistorp, der gleichzeitig das Stettiner Westend errichtete – und Ferdinand Scheibler persönlich haftende Gesellschafter waren.[3] Zur Wasserversorgung Westends wurde das Wasserwerk am Teufelssee 1871/1872 errichtet. Durch die Börsenkrise 1872 und durch Streitigkeiten mit der Stadt Charlottenburg geriet die Westend-Gesellschaft in eine finanzielle Schieflage und ging 1873 in Konkurs.

Mit der Vollendung der Ringbahn wurde 1877 der Bahnhof Westend eröffnet. Damit wurde die Verkehrssituation nicht nur für Westend, sondern auch für Charlottenburg wesentlich verbessert. Der Charlottenburger Bahnhof an der Stadtbahn wurde erst 1882 eröffnet.

Das Offizierskasino an der Soorstraße beherbergt heute ein Tibetisch-Buddhistisches Zentrum
Die 1957–1960 verändert wieder aufgebaute Epiphanienkirche

Nach dem Zusammenbruch der Westend-Gesellschaft war die Bautätigkeit in Westend zum Erliegen gekommen, und einige Villen standen leer. Ab dem Ende der 1870er Jahre entspannte sich die Situation. Durch die Bevölkerungsexplosion im Berliner Raum erlebte Westend einen Aufschwung, sodass bis zur Jahrhundertwende das ursprünglich parzellierte Gelände im Wesentlichen bebaut war. Am Hang des Teltow entstand in den 1890er Jahren zwischen der Soor- und Königin-Elisabeth-Straße die Kaserne des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3, im Jahr 1906 östlich davon nach Entwürfen von Jürgen Kröger die Epiphanienkirche und 1904 nördlich das Krankenhaus Westend (heute: DRK-Kliniken Westend).

Im Jahr 1908 erhielt Westend mit der Eröffnung des von Alfred Grenander entworfenen U-Bahnhofs Reichskanzlerplatz (heute: Theodor-Heuss-Platz) Anschluss an die Berliner U-Bahn. Damit waren nun auch die südlichen und westlichen Bereiche Westends verkehrsgünstig gelegen, sodass Neu-Westend an der Reichsstraße und westlich davon entstand. Die im alten Westend rechtwinklige Straßenführung wurde außerhalb der Hauptachsen durch dem Zeitgeist gemäße geschwungene Linien ersetzt. Statt wie das alte Westend mit Villen wurde Neu-Westend mehrheitlich mit Miets- und Reihenhäusern bebaut. Die auf Neu-Westender Grund 1889 eröffnete Trabrennbahn wurde 1908 nach Ruhleben verlagert. Auf dem Gelände einer Kiesgrube wurde 1919 bis 1922 vom Charlottenburger Stadtgartendirektor Erwin Barth der Sachsenplatz (heute: Brixplatz) errichtet, ein kleiner tief eingeschnittener Park, der die Geologie und Vegetation der Mark Brandenburg nachbildet.

Zur Eröffnung des Deutschen Stadions wurde 1913 die U-Bahnlinie für Veranstaltungen zum U-Bahnhof Stadion (heute: Olympia-Stadion) verlängert. Der 1913 bereits im Rohbau fertiggestellte Unterwegsbahnhof Neu-Westend wurde aufgrund der Kriegsereignisse erst 1922 in Betrieb genommen, wodurch die U-Bahnlinie nun regelmäßig befahren wurde. Von 1907 bis 1911 wurde die Spandauer Vorortbahn erbaut, die heute mit den S-Bahnhöfen Messe Süd (Eichkamp), Heerstraße, Olympiastadion und Pichelsberg den Ortsteil erschließt.

In den 1920er Jahren entstanden am nordwestlichen Rand Westends die ausgedehnten Anlagen des Deutschen Sportforums. Ebenfalls zu dieser Zeit entstand im Südosten des Ortsteils das Berliner Messegelände. Ende der 1920er Jahre bauten Architekten des Bauhauses und der Neuen Sachlichkeit wie Mendelsohn und die Brüder Hans und Wassili Luckhardt eigene, heute denkmalgeschützte Villen Am Rupenhorn, dem Hochufer über dem Stößensee. Anlässlich der Olympischen Spiele 1936 entstand das Berliner Olympiagelände und die Deutschlandhalle.

Bauwerke[Bearbeiten]

Corbusier-Haus

Straßen und Plätze[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Westend

Parks und Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Der Park am Brixplatz wurde aus einer ehemaligen Kiesgrube nach Plänen von Erwin Barth von 1919 bis 1922 gestaltet, wobei die natürlichen Vegetationsbilder und geologischen Formationen der Mark Brandenburg nachgebildet werden. Eine Bürgerinitiative hat die Pflege des botanischen Lehrgartens übernommen und hiermit bislang den Erhalt dieses Gartendenkmals gesichert.

Am Westrand des Ortsteils liegen zwei Naturschutzgebiete mit jeweils spezifischen Biotopen. Die Fließwiese Ruhleben, die zudem als Schutzgebiet der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und als Bestandteil des länderübergreifenden Schutzgebietssystems Natura 2000 ausgewiesen ist, stellt ein Verlandungsmoor dar. Den ehemaligen See prägt ein Bestand an seltenen Wasserpflanzen, ein Schwarzerlenbiotop und der Amphibienreichtum, darunter insbesondere des streng geschützten Kammmolchs. Es gehört zur Stauch-/Endmoränenlandschaft Murellenberge, Murellenschlucht und Schanzenwald, die einen Teil des Teltownordbandes bilden. Insbesondere die Trockenrasenbereiche der Murellenschlucht verfügen über eine vielfältige und bestandsbedrohte Flora und Fauna. Der Denkzeichenweg (Denkzeichen zur Erinnerung an die Ermordeten der NS-Militärjustiz am Murellenberg) durch die Schlucht und auf den Hügeln erinnert mit der Installation von 104 Verkehrsspiegeln an die Hinrichtungen von Deserteuren und sogenannten „Wehrkraftzersetzern“ in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs an dieser Stelle.

Bildung[Bearbeiten]

Westend besitzt mehrere Gymnasien. Die Herder-Oberschule in der Westendallee, das Heinz-Berggruen-Gymnasium (ehemals: Erich-Hoepner-Gymnasium und zuvor Charlottenburger Gymnasium) in der Bayernallee und die Wald-Oberschule in der Waldschulallee bilden das sogenannte „Dreieck“. Die drei Gymnasien haben unterschiedliche Schwerpunkte: Die Herder-Oberschule hat eine mathematisch-naturwissenschaftliche Orientierung und ist Mitglied im MINT-EC. Das Heinz-Berggruen-Gymnasium hat seinen Schwerpunkt in musisch-künstlerischen Bereich, während die Wald-Oberschule ihren Schwerpunkt bei Sport und Sprachen setzt.

Am Rupenhorn 5 ist seit 2003 das Touro College Berlin ansässig, Teil des jüdisch-amerikanischen Touro-Hochschulnetzwerks.

Eine staatliche anerkannte Grundschule in privater Trägerschaft ist die Schele-Schule.

Prominente Bewohner Westends[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Westend – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDrucksache 551/02 der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf. Archiviert vom Original am 20. Mai 2006, abgerufen am 13. Juni 2008: „Grenzziehung sollte hier im Süden entlang der Grenze zum Altbezirk Wilmersdorf, im Westen und Norden entlang der Grenze zu Spandau und zur Spree, im Osten entlang der Stadtautobahn und der Ringbahn verlaufen.“
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDrucksache 551/02 der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf. Archiviert vom Original am 20. Mai 2006, abgerufen am 13. Juni 2008: „Innerhalb dieses Bereiches befinden sich die Ortsteile Pichelsberg, Ruhleben, Siedlung Eichkamp und Siedlung Heerstraße, dazu das Messegelände und das Sportforumgelände rund ums Olympiastadion. Im Einzelnen scheinen diese Ortsteile zu kleinteilig, um sie gesondert zu benennen.“
  3. Bark 1937, S. 23 ff.