Berlin-Wilmersdorf

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Wilmersdorf
Ortsteil von Berlin
Berlin Halensee Westend Grunewald Schmargendorf Wilmersdorf Charlottenburg Charlottenburg-NordWilmersdorf auf der Karte von Charlottenburg-Wilmersdorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 29′ 0″ N, 13° 19′ 0″ O52.48333333333313.31666666666743Koordinaten: 52° 29′ 0″ N, 13° 19′ 0″ O
Höhe 43 m ü. NN
Fläche 7,16 km²
Einwohner 96.533 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 13.482 Einwohner/km²
Postleitzahlen 10707, 10709, 10713, 10715, 10717, 10719, 10777, 14197
Ortsteilnummer 0402
Verwaltungsbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

Wilmersdorf ist ein Ortsteil im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin. Der historische Kern Alt-Wilmersdorf befindet sich an der Straße Wilhelmsaue. Bis zur Fusion mit dem ehemaligen Bezirk Charlottenburg im Jahr 2001 gab es einen eigenständigen Bezirk Wilmersdorf im Westteil von Berlin. Dieser umfasste die heutigen Ortsteile Halensee, Schmargendorf, Grunewald und den namensgebenden Ortsteil Wilmersdorf.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Wilmersdorf liegt auf der Hochfläche des Teltow im Südwesten des heutigen Berlins. Es grenzt im Norden an den Ortsteil Charlottenburg, im Westen an die Ortsteile Halensee und Schmargendorf, im Süden an die zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf gehörenden Ortsteile Steglitz (Breitenbachplatz und Südrand der Kreuznacher Straße) und Dahlem sowie im Osten an die zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg gehörenden Ortsteile Friedenau (am Rheingauviertel) und Schöneberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Siedlungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Gründung erfolgte vermutlich nach 1220 im Zuge des Landesausbaus der jungen Mark Brandenburg, zu deren Stabilisierung die askanischen Markgrafen Siedler ins Land riefen. Ein Dorf der slawischen Vorbevölkerung hat hier sehr wahrscheinlich nicht bestanden. 1293 wurde Wilmerstorff erstmals urkundlich erwähnt.

Die Siedler aus Schwaben, Thüringen, Flandern und Westfalen lebten von der Landwirtschaft und vom Fischfang im Wilmersdorfer See, der zur eiszeitlichen Glazialen Rinne der Grunewaldseenkette gehörte und 1915 nach langen Verlandungsprozessen zugeschüttet wurde. Nach wechselnden Besitzverhältnissen wurde Wilmersdorf zum landesfürstlichen Dominalgut, während Schmargendorf der Familie von Wilmersdorf zufiel. Ausgedehnte Schafzuchten standen lange im Mittelpunkt der Arbeit.

Millionenbauern in der Gründerzeit[Bearbeiten]

Schrammblock, Hildegard- Ecke Schrammstraße
Wohnblocks „Am Schoelerpark“

Mitte des 18. Jahrhunderts erwarben die ersten Berliner der rasant wachsenden Stadt Land und Bauernhäuser in „Deutsch-Wilmersdorf“ und richteten sich Sommersitze in der Wilhelmsaue ein, dem ursprünglichen Dorfkern, der heute zwischen Mehlitzstraße und Blissestraße liegt. Bodenspekulanten, Bauinvestoren sowie die auf Raum angewiesene Ringbahn kauften Mitte des 19. Jahrhunderts verschiedenen Großbauern ihre Felder ab, die dank des unerwarteten Geldsegens als Millionenbauern in die Geschichte eingingen, wie die Familien Gieseler und Mehlitz.

Darunter auch Otto Schramm, der mit der Badeanstalt am Wilmersdorfer See (siehe dort) und dem berühmten Tanzpalast Schramm den Ruf als Seebad Wilmersdorf begründete. Mit der Zuschüttung des Sees endete diese Ära, auf dem Seegelände entstanden Sportplätze, die in den 1920er Jahren in den Grünzug Volkspark Wilmersdorf einbezogen wurden. Dieser innerstädtische Grünzug in der ehemals sumpfigen Niederung (Fenn) reicht vom benachbarten Schöneberger Rudolph-Wilde-Park über den Fennsee bis zum Stadtring. Auf dem Gelände der Badeanstalt wurde zwischen 1925 und 1928 nach Plänen des Architekten Jürgen Bachmann der sogenannte „Schrammblock“ erbaut. Die Wohnanlage mit einer der ersten unterirdischen Großgaragen, mit Hofterrassen und Vorgärten füllt das gesamte Viereck zwischen den Straßen Am Volkspark, Schrammstraße, Hildegardstraße und Livländische Straße in einem Gebäudezug.

Ehemaliges Bezirkswappen Wilmersdorfs

Historischer Kern: Wilhelmsaue[Bearbeiten]

Eine weitere Millionenbauernfamilie, die Familie Blisse (Namensgeber der Blissestraße), ermöglichte 1911 mit einer Stiftung über drei Millionen Goldmark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund 16 Millionen Euro) den Bau eines Waisenhauses, das „Blissestift“ in der Wilhelmsaue. In dem historischen Gebäude sind heute verschiedene kommunale Einrichtungen untergebracht, unter anderem ein Schulhort und eine Ganztagsbetreuungseinrichtung.

Gleichfalls in der Wilhelmsaue liegt die Auenkirche aus den Jahren 1895 bis 1897. Das neugotische dreischiffige Backsteingebäude mit dem farbigen Christusmosaik über dem Eingangsportal stammt von Max Spitta und ersetzte die alte Wilmersdorfer Dorfkirche aus dem Jahr 1772, deren Vorgängerin dem Brand von 1766 zum Opfer fiel. In der Wilhelmsaue 126 liegt das älteste Haus von Wilmersdorf, das Schoeler-Schlösschen von 1752, das – wie der anschließende kleine Schoelerpark – den Namen seines letzten Bewohners, des Augenarztes und Medizinalrates Heinrich Schoeler (1844–1918) trägt.

Als Stadtteil zu Berlin[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert bürgerte sich für das Dorf die Bezeichnung Deutsch Wilmersdorf zur Unterscheidung von Märkisch Wilmersdorf und Wendisch Wilmersdorf ein. Am 1. April 1906 erhielt die Gemeinde Stadtrecht und den offiziellen Namen Deutsch-Wilmersdorf. Mit dem 1. April 1907 schied Deutsch-Wilmersdorf aus dem Kreis Teltow aus und wurde ein selbstständiger Stadtkreis. Der erste und einzige Bürgermeister und nach 1909 auch Oberbürgermeister war Ernst Habermann (1866–1958), der seit 1897 bereits das Amt des Gemeindevorstehers innegehabt hatte und später der Namensgeber des Habermannplatzes wurde.

Ab 1912 führte die Stadt die Bezeichnung Berlin-Wilmersdorf. Zum 1. Oktober 1920 wurde die Großstadt nach Groß-Berlin eingemeindet, sie hatte damals bereits 139.468 Einwohner.

Der Bezirk hatte in der Zeit der Weimarer Republik einen starken jüdischen Bevölkerungsanteil, 1933 betrug er 13,5 %. Bei den Gymnasialschülern waren 30 % jüdischen Glaubens, es gab fünf jüdische Privatschulen. Viele bekannte Künstler und Schriftsteller wohnten in Wilmersdorf, unter anderen George Grosz, Egon Erwin Kisch, Heinrich Mann, Anna Seghers und Arnold Zweig. An den 1922 in der Koenigsallee in Grunewald von Rechtsradikalen ermordeten Reichsaußenminister Walter Rathenau erinnert dort ein Gedenkstein.

Die jüdische Gemeinde hielt ihre Gottesdienste zunächst in Privatsynagogen ab, 1929 wurde in der Prinzregentenstraße eine große Gemeindesynagoge errichtet, die für 2300 Besucher Platz bot. Das Gebäude wurde in der sogenannten „Reichspogromnacht“ vom 9. zum 10. November 1938 von SA-Trupps teilweise zerstört, die Reste des Gebäudes wurden 1958 abgetragen. An den heute hier befindlichen Wohnhäusern erinnert eine Gedenktafel an die Wilmersdorfer Synagoge.

Der Bezirk Wilmersdorf ließ 1991 am Bahnhof Grunewald von Karol Broniatowski ein Mahnmal schaffen, das an die Berliner Juden erinnert, die von hier ab 1941 mit Zügen der Reichsbahn deportiert wurden.

Verkehr[Bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Kathedralenähnlicher U-Bahnhof Heidelberger Platz

In Wilmersdorf liegen die U-Bahnhöfe der Linie U9

sowie die U-Bahnhöfe der Linie U3

Die Linie U7 kreuzt die Trassen der Linien U3 und U9 und hält in Wilmersdorf an folgenden U-Bahnhöfen:

Die S-Bahnzüge der Ringbahn-Linien S41, S42 und S46 halten an folgenden Wilmersdorfer Bahnhöfen:

Während der S-Bahnhof Berlin-Wilmersdorf seit dem Tag der Wiedereröffnung der südlichen Ringbahn am 17. Dezember 1993 wie der darunterliegende U-Bahnhof der Linie U9 nunmehr auch Bundesplatz heißt, wurde der an der Ortsteilgrenze zu Friedenau zwischen den S-Bahnhöfen Innsbrucker Platz und Bundesplatz gelegene Güterbahnhof Berlin-Wilmersdorf in den 1970er Jahren aufgegeben.

Individualverkehr[Bearbeiten]

Eine verkehrsreiche Verbindung durch Wilmersdorf ist das Teilstück der Stadtautobahn 100, das zwischen den Anschlussstellen 14 – Schmargendorf (vormals Autobahnkreuz Wilmersdorf) und 17 – Innsbrucker Platz verläuft. An der Anschlussstelle 14 führt die ehemalige A 104 in Richtung Süden nach Steglitz. Sie ist auf einem Teilstück ein Zubringer der A 100 und an der Schlangenbader Straße mit Wohnhäusern überbaut. Weitere wichtige Verkehrsadern in Wilmersdorf sind

Bauwerke[Bearbeiten]

Sakralgebäude[Bearbeiten]

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

Jugendhilfe[Bearbeiten]

Von 1980 bis 2000 betrieb das Bezirksamt (Dezernent Jugend) die überregional bekannte Jugendberatung JOKER.

Stolpersteine[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Ausführliche Beiträge zu Wilmersdorf:

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Wollschläger: Wilmersdorf in alter und neuer Zeit. Berlin 1968.
  • Udo Christoffel (Hrsg.): Berlin Wilmersdorf – Ein StadtTeilBuch. Kunstamt Wilmersdorf, Berlin 1981.
  • Udo Christoffel (Hrsg.): Berlin Wilmersdorf – Wilmersdorf, Schmargendorf, Kolonie und Forst Grunewald dargestellt im Kartenbild der Jahre von 1588 bis 1938. Kunstamt Wilmersdorf, Berlin 1983.
  • Udo Christoffel (Hrsg.): Berlin Wilmersdorf – In StadtAnsichten. Kunstamt Wilmersdorf, Berlin 1984.
  • Udo Christoffel (Hrsg.): Berlin Wilmersdorf – Die Jahre 1920 bis 1945. Wilhelm Möller KG, Berlin 1985, ISBN 3-9801001-1-1.
  • Rolf Lieberknecht, Karl-Heinz Metzger u. a.: Von der Wilhelmsaue zur Carstenn-Figur. 120 Jahre Stadtentwicklung in Wilmersdorf. Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Berlin 1987.
  • Karl-Heinz Metzger: Wilmersdorf im Spiegel literarischer Texte vom 19. Jahrhundert bis 1933. Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Berlin 1985.
  • Karl-Heinz Metzger: Kirchen, Moschee und Synagogen in Wilmersdorf. Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Berlin 1986.
  • Karl-Heinz Metzger, Ulrich Dunker: Der Kurfürstendamm – Leben und Mythos des Boulevards in 100 Jahren deutscher Geschichte. Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Berlin 1986, ISBN 3-924812-13-6.
  • Udo Christoffel (Hrsg.): Berlin Wilmersdorf – Die Juden – Leben und Leiden. Kunstamt Wilmersdorf, Berlin 1987.
  • Hans-Ulrich Kamke, Sigrid Stöckel, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Wilmersdorf. Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke. Band 11. Colloquium Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-7678-0721-1 (Eine Veröffentlichung der Historischen Kommission zu Berlin).
  • Felicitas Bothe-von Richthofen: Widerstand in Wilmersdorf. Berlin 1993, ISBN 3-926082-03-8 (aus der Reihe Widerstand 1933–1945 der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin).
  • Udo Christoffel, Elke von der Lieth (Hrsg.): Berlin-Wilmersdorf – Verfolgung und Widerstand 1933 bis 1945. Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1996, ISBN 3-922912-39-7.
  • Arbeitskreis Geschichte Wilmersdorf (Hrsg.): Bruchstücke – Wilmersdorf. OMNIS Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-933175-55-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Wilmersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Stolpersteine in Berlin-Wilmersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien