Berlin-Wittenau
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Wittenau |
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|---|---|
| Koordinaten | 52° 36′ 0″ N, 13° 20′ 0″ O52.613.333333333333Koordinaten: 52° 36′ 0″ N, 13° 20′ 0″ O |
| Fläche | 8 km² |
| Einwohner | 28.828 (30. Juni 2011) |
| Bevölkerungsdichte | 3604 Einwohner/km² |
| Eingemeindung | 1. Okt. 1920 |
| Postleitzahlen | 13435, 13437, 13439, 13469 |
| Ortsteilnummer | 1209 |
| Gliederung | |
| Verwaltungsbezirk | Reinickendorf |
| Ortslagen | |
Wittenau ist ein Ortsteil des Berliner Bezirks Reinickendorf. Er entstand aus dem märkischen Dalldorf, das erstmals im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Im Jahr 1905 wurde das Dorf nach seinem damaligen Gemeindevorsteher umbenannt und 1920 nach Berlin eingemeindet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Lage
Im Norden schließen sich die Ortsteile Waidmannslust und Hermsdorf an, nach Westen der Ortsteil Tegel. Im Südwesten liegt der Flughafen Tegel. Bis 1999 war das östlich gelegene Märkische Viertel Teil von Wittenau. Nach Südosten hin schließt sich der für den Bezirk namensgebende Ortsteil Reinickendorf an.
[Bearbeiten] Geschichte
Dalldorf bestand in seiner Anfangszeit (erstmalige urkundliche Nennung 1322) fast ausschließlich aus bewirtschaftetem Wald und Heideland. Im Zusammenhang mit Besitztümern eines Nonnenklosters aus Spandau wird Dalldorf 1251 mit weiteren Nachbarorten genannt. Im Jahr 1450 gehören 55 Hufen Ackerland zum Dorf, es gab also mehr als 50 Hüfner. Die Reformation führte Mitte des 16. Jahrhunderts zur Auflösung des Klosters und die Dorfbewohner werden nun vom Amt Spandau verwaltet. Nach Kriegen und Krankheitsepidemien wurden 1652 gerade noch sieben Familien im Dorf gezählt.[1] Um 1734 wird gerade einmal von 124 Einwohnern berichtet. Ein erheblicher Entwicklungsschritt Wittenaus ergab sich durch den Bau der Eisenbahn nach Oranienburg (Nordbahn) und Kremmen (Kremmener Bahn), da nunmehr an beiden Enden des Ortes eine Bahnanbindung bestand. 1877–1879 erhielt Dalldorf eine Nervenheilanstalt (umgangssprachlich Irrenanstalt) für 1200 Patienten, wodurch die inzwischen auf mehrere tausend Einwohner gewachsene Gemeinde insgesamt einen negativen Ruf bekam. Deshalb erhielt die 1905 vorgenommene Umbenennung in Wittenau – nach dem damaligen Amtsvorsteher Peter Witte und der Lage auf dem flachen Land (Au) – großen Zuspruch.[2] Auch die dortige Grundschule erhielt den Namen Peter-Witte-Schule. Auf der rund 200 Morgen großen Fläche der Dalldorfer Heide nahe der Tegeler Feldmark entstand 1899/1900 die Werkssiedlung Borsigwalde der Firma Borsig. Gleichzeitig erwarb die Borsigwalder Terrain-Aktiengesellschaft weitere Flächen der Dalldorfer Gemeindeheide, um für die Fabrikarbeiter und ihre Familien Mietshäuser bauen zu können. Um 1900 richtete die Verwaltung ein Armenhaus ein, auch ein Postamt wurde neu eröffnet. Die Bevölkerungszahlen stiegen nun enorm an, sodass schließlich 1920 bei der Eingemeindung nach Berlin 10.203 Personen gezählt wurden. 1929 erfolgte die Anlage einer völlig neuen Wohnsiedlung im Karree Alt-Wittenau (Jathoweg/Taldorfer Weg/Techowpromenade).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf einem ehemaligen Industriegelände nahe dem S-Bahnhof ein Wohngebiet für die Angehörigen der französischen Alliierten gebaut. Dieses – als Cité Foch bezeichnete – Wohngebiet besteht aus etwa 80 Gebäuden mit über 780 Wohnungen. Nach dem Abzug der Franzosen wurden die Gebäude saniert und sollten hauptsächlich Bundesbeamten mit ihren Familien zur Verfügung gestellt werden. Ein großer Teil der Wohnungen, die von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verwaltet werden, steht nach wie vor leer, die zugehörige Schwimmhalle verfällt, die Zukunft des zentralen Einkaufszentrums ist ungewiss.[3] Lediglich die Straßennamen wie Avenue Charles de Gaulle, Allee Marie Curie oder Rue Montesquieu und die – für Frankreich typischen – blauen Straßenschilder mit weißer Schrift erinnern noch an die ehemalige Nutzung.
Die Nervenklinik besteht weiterhin und trägt heute den Namen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik (im Volksmund: Bonnies Ranch).
| 1652 | 1734 | 1801 | 1880 | 1920 | 2009 |
|---|---|---|---|---|---|
| etwa 30 | 124 | 176 | 2000 | 10.203 | 28.424 |
[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten
- Kirchen
Die evangelische Dorfkirche Wittenau auf dem Dorfanger Alt-Wittenau ist seit ihrer Errichtung Mitte des 15. Jahrhunderts (die beiden Bronzeglocken tragen die Jahreszahlen 1484 und 1583)[1] im Aussehen fast unverändert geblieben. Nach Auflassung des Kirchgartens als Begräbnisstätte erhielt Wittenau 1907/1908 einen kommunalen Friedhof.[4] – Im Lauf der Jahrhunderte und mit dem Zuzug weiterer Personen sind in Wittenau weitere kirchliche Einrichtungen entstanden, beispielsweise die Elim-Gemeinde, die Gemeinden Borsigwalde, Dietrich Bonhoeffer, Felsen Gemeinde, die Ev.-meth. Lindenkirche, eine Neuapostolische Kirche und zwei katholische Einrichtungen, die Pfarrei Allerheiligen und die Doppelgemeinde St. Martin /St. Nikolaus.
- Rathaus
In Wittenau befindet sich auch das im Jahr 1911 vom Architekten Friedrich Beyer errichtete Rathaus Reinickendorf, das 1955 baulich erweitert wurde und unter Denkmalschutz steht.[5] Rings um die historische Dorfaue sind noch viele Häuser aus dem 19. Jahrhundert erhalten, die die alte Dorfstruktur markieren und ebenfalls denkmalgeschützt sind.[6]
- S-Bahnhof und weitere denkmalgeschützte Gebäude
Das komplette Bahnhofsensemble der Berliner Nordbahn, von drei Architekten entworfen und 1910 fertiggestellt, steht ebenso in der Berliner Denkmalliste[7] wie eine 1936 eröffnete Fabrikhalle der Maschinenfabrik M. E. Queitzsch KG[8] oder ein in Resten erhaltenes Mühlengehöft aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.[9]
→ Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Wittenau
[Bearbeiten] Sport und Freizeit
Im Zusammenhang mit dem Zuzug der Borsig-Arbeiter gründete sich der Sportverein TSV Wittenau 1896 e.V., der heute ein breites sportliches Angebot für jung und alt bereithält.[10] Mit dem Beginn der 1910er Jahre gründeten sich auch zahlreiche Fußballvereine wie Normannia 08 (zählt heute zum Märkischen Viertel), Concordia Wittenau und SC Borsigwalde, die heutzutage allerdings nur noch regionale Relevanz besitzen. Für Sport auch außerhalb von Vereinen bietet eine Indoor-Halle und Feldspielplätze für Tennis, Squash, Badminton, Hallenfußball und Beachvolleyball gute Voraussetzungen.[11]
Quer durch das Ortsteilgebiet zieht sich der Nordgraben, der bei der Melioration von Gemeindeland angelegt wurde, an ihm entlang existiert ein offizieller Wanderweg. An der Grenze nach Waidmannslust liegt der von 1924 bis 1933 errichtete Steinbergpark, ein Volkspark mit dem Steinbergsee und einem Wasserfall[12]. Bereits 1927 wurde an anderer Stelle der durch den Landschaftsarchitekten Karl Löwenhagen geplante Volkspark Wittenau mit einer zentralen, stadionartigen Rasenfläche und einem Teich fertiggestellt[13]. Der Volkspark Wittenau befindet sich nordöstlich zwischen dem historischen Dorfanger und dem Bahnhof Berlin-Wittenau.
[Bearbeiten] Verkehr
Über die Bahnhöfe Wittenau und Karl-Bonhoeffer Nervenklinik ist der Ortsteil an das Berliner S- und U-Bahn-Netz angeschlossen. Es bestehen Verbindungen nach Oranienburg, Wannsee, Grünau, Hermannstraße, Hennigsdorf und Teltow.
[Bearbeiten] Weblinks
- Der Ortsteil Wittenau (ehemals Dalldorf). auf der Homepage des Bezirksamts Reinickendorf von Berlin, 2011.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b Geschichte des Ortsteils auf mein-wittenau.de. Abgerufen am 20. März 2010.
- ↑ Nicht nur Schall und Rauch. Von Namen, unappetitlich und irreführend. In: Märkische Allgemeine vom 12./13. April 2008.
- ↑ Ende des Dornröschenschlafs – Große Pläne für die Cite Foch. In: Berliner Morgenpost online vom 1. Juni 2008.
- ↑ Kulturdenkmal Städtischer Friedhof Wittenau, Feierhalle und Einfriedung (Thiloweg 2), 1907/1908 von Georg Klinner
- ↑ Baudenkmal Rathaus Reinickendorf (Eichborndamm 215–239)
- ↑ Baudenkmalensemble Ortskern Alt-Wittenau, Flächendenkmal Alt-Wittenau, Dorfanger, Alt-Wittenau 69, Vorgarten
- ↑ S-Bahnhof Wittenau mit Empfangshalle, Bahnsteig mit Aufbauten; 1909/10 von Karl Cornelius, Ernst Schwartz und Lücking
- ↑ Baudenkmalsensemble Maschinenfabrik M. E. Queitzsch KG, Bürokopfbau und Montagehalle (Oranienburger Straße 170–172), 1935/36 von Martin Punitzer
- ↑ Baudenkmalskomplex Mühlengehöft Graetz, Wohnhaus, um 1850, Seitenwohngebäude 1873 von F. Heine und C. Behrendt, Gaststättenumbau und Einfriedung des Schankgartens (Roedernallee) 1909/1910, Stall 1877 von F. Heine und C. Behrendt, Hofeinfriedung an der Straße Alt-Wittenau um 1890
- ↑ Homepage des TSV Wittenau. Abgerufen am 20. März 2010.
- ↑ Homepage Sportcenter Wittenau. Abgerufen am 20. März 2010.
- ↑ Gartendenkmal Steinbergpark, 1924-1933. Denkmalliste des Berliner Senats. Abgerufen am 30. Dezember 2011
- ↑ Gartendenkmal Volkspark Wittenau, 1924–1927. Denkmalliste des Berliner Senats. Abgerufen am 30. Dezember 2011
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