Berlin-Zehlendorf

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Zehlendorf
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Wannsee Nikolassee Zehlendorf Dahlem Steglitz Lankwitz LichterfeldeZehlendorf auf der Karte von Steglitz-Zehlendorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 26′ 2″ N, 13° 15′ 32″ O52.43413.259Koordinaten: 52° 26′ 2″ N, 13° 15′ 32″ O
Fläche 18,83 km²
Einwohner 58.767 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 3121 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 14163, 14165, 14167, 14169
Ortsteilnummer 0604
Gliederung
Verwaltungsbezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortslagen

Zehlendorf ist ein Ortsteil im Bezirk Steglitz-Zehlendorf von Berlin. Bis zur Verwaltungsreform 2001 existierte ein eigenständiger Bezirk Zehlendorf. Der Ortsteil zählt zu den wohlhabenderen Gebieten Berlins.

Im Sprachgebrauch steht Zehlendorf häufig sowohl für den Ortsteil Zehlendorf als auch für den ehemaligen Bezirk Zehlendorf, der um den Ortskern Zehlendorf bestand, und sich über Villensiedlungen in Richtung der Wannsee-Gewässer erstreckte und neben dem Ortsteil Zehlendorf selbst die Ortsteile Wannsee, Nikolassee und Dahlem umfasste. Bei der Verwaltungsreform 2001 wurde der ehemalige Bezirk Zehlendorf mit dem ehemaligen Bezirk Steglitz zum gemeinsamen Bezirk Steglitz-Zehlendorf fusioniert. Der alte Ortskern Zehlendorf liegt südlich von Dahlem und grenzt nach Osten an die Villenkolonie Lichterfelde-West, nach Westen an Nikolassee.

Geschichte[Bearbeiten]

In der ersten Siedlungsphase der deutschen Ostsiedlung in der Zauche und auf dem südwestlichen Teltow zogen im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts deutsche Siedler in bereits bestehende slawische Siedlungen am Schlachtensee, an der Krummen Lanke und dem Krummen Fenn, dem heutigen Museumsdorf Düppel, wobei diese möglicherweise erweitert wurden. In der zweiten Siedlungsphase entstanden neue Angerdörfer und Straßendörfer. Dabei wurde die Siedlungslandschaft umstrukturiert, indem die alten kleinen slawischen Siedlungen aufgelöst und ihre Einwohner umgesiedelt wurden. Das breite Straßendorf Zehlendorf entstand um 1230 und wurde 1242 als Cedelendorp erstmals schriftlich in einem Verkaufsvertrag erwähnt. Damals wechselte das Eigentum von den Markgrafen Johann I. und Otto III. zum Zisterzienserkloster Lehnin. Der Ortsname ist eine deutsch-slawische Mischform, in der der polabische Personennamen Sedl enthalten ist, der sich wiederum vom altslawischen Wort Sedlo (‚Siedlung‘) ableitet.

Angeblich wurde 1264 urkundlich eine Dorfkirche erwähnt, die einen Klutturm hatte (niederdeutsch klut = ‚Klotz‘). Es dürfte sich um eine um 1250 erbaute vierteilige Apsiskirche aus Feldsteinquadern mit schiffsbreitem Querturm gehandelt haben.[1] Sie wurde 1760 im Siebenjährigen Krieg zerstört, 1767 abgebrochen. Der 1768 errichtete Ersatzbau der Dorfkirche Zehlendorf war für eine märkische Dorfkirche ganz ungewöhnlich, ein Zentralbau in Form eines Oktogons.

Im Landbuch Karls IV. (1375) wurde Zehlendorf mit 50 Hufen erwähnt; davon hatte der Pfarrer vier und der Lehnschulze drei. Es gab einen Krug und eine (Wasser-)Mühle. Auch elf Kossäten und zwei Seen (Fischereirechte auf dem Schlachtensee und der Krummen Lanke) wurden genannt. Abgaben (Zehnt, Pacht und Bede) standen zum Teil dem Markgrafen zu, zum Teil dem Kloster Lehnin. Im Jahr 1411 wurde das Dorf von magdeburgischen Raubrittern überfallen. 1572 gab es ein Lehnschulzengut mit fünf Hufen, das Rechte auf unterschiedliche Abgaben und Dienstleistungen hatte. Inzwischen waren auch ein Hirtenhof, eine kleine Badstube, ein Backofen, eine Schmiede und eine kleine Fischerei vorhanden. 1591 wurde ein Windmüller erwähnt. Der Pfarrer wohnte in Teltow; auf dem Pfarrgrundstück war der kurfürstliche Teichwärter eingezogen. Mit der Reformation endete 1542 die Herrschaft des Klosters Lehnin, und Zehlendorf wurde bis 1872 vom Amt Mühlenhof verwaltet.

Am 22. September 1838 fuhr die erste preußische Eisenbahn von Potsdam nach Zehlendorf. Bis zum 29. Oktober war Zehlendorf Endstation, von dort an fuhren die Züge bis nach Berlin Potsdamer Bahnhof. Der Anschluss des Bahnhof Zehlendorf blieb bis zum 17. September 1980 erhalten. In der Zeit vom 20. Dezember 1972 bis zum 18. September 1980 war Zehlendorf darüber hinaus über den Bahnhof Zehlendorf Süd angebunden. 1874 wurde die Wannseebahn eröffnet. Diese zweigt gleich hinter dem Bahnhof Zehlendorf in Richtung Bahnhof Schlachtensee ab und trifft kurz vor dem Bahnhof Griebnitzsee wieder auf die Stammbahn.

Im Jahr 1872 wurde die selbstständige Landgemeinde Zehlendorf gegründet. 1894 wurde das bis dahin selbstständige und 1299 erstmals urkundlich erwähnte Dorf Schönow in die Landgemeinde Zehlendorf eingegliedert. Die heutige Ortslage Schönow erstreckt sich im Süden am Teltowkanal bis auf das Gebiet Lichterfeldes. 1920 wurde die Landgemeinde nach Groß-Berlin eingemeindet. Mit anderen Ortschaften entstand dabei der Bezirk Zehlendorf von Berlin, der am 1. Januar 2001 im Bezirk Steglitz-Zehlendorf aufging.

Persönlichkeiten aus Zehlendorf[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortsteils[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Brunnenskulptur von Ursula Sax vor dem Rathaus Zehlendorf

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Falk-Rüdiger Wünsch: Berlin-Zehlendorf – Alte Bilder erzählen. Sutton Verlag, Erfurt 2001, ISBN 3-89702-379-2.
  • Martin Gärtner, Christiane Keim, Heino Grunert u. a.: Baudenkmale in Berlin – Bezirk Zehlendorf, Ortsteil Zehlendorf. Nicolai’sche Verlagsbuchhandlung Beuermann GmbH, Berlin 1995, ISBN 3-87584-561-7.
  • Heimatverein für den Bezirk Zehlendorf e. V. (Hrsg.): Jahrbuch Zehlendorf – 2008. 12. Jahrgang. 1886.
  • Christian Simon: Zehlendorf. Zwischen Idylle und Metropole. be.bra verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-8148-0201-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Zehlendorf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wie auch in Marienfelde und Buckow. Ein solch großer „klotziger“ Turm machte fast 50 Prozent der Baukosten aus.