Berlin Calling

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Filmdaten
Originaltitel Berlin Calling
Produktionsland Deutschland
Erscheinungsjahr 2008
Länge 100 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
JMK 14[1]
Stab
Regie Hannes Stöhr
Drehbuch Hannes Stöhr
Produktion Karsten Aurich
Musik Paul Kalkbrenner, Fritz Kalkbrenner, Sascha Funke
Kamera Andreas Doub
Schnitt Anne Fabini
Besetzung

Berlin Calling ist ein Spielfilm des deutschen Regisseurs Hannes Stöhr, der in der Szene der elektronischen Musik spielt. Die Hauptrolle spielt der als Live-Act und Produzent bekannte Paul Kalkbrenner.

Handlung[Bearbeiten]

Der Berliner DJ und Produzent Martin Karow, genannt Ickarus, tourt mit seiner Managerin und Freundin Mathilde durch die Tanzclubs der Welt. Zudem möchte er bald sein neues Album veröffentlichen. Um die Tage und Nächte durchzuhalten, nimmt er aufputschende Drogen, die er von seinem Freund Erbse bekommt. Nachdem Ickarus jedoch bei einem Auftritt eine PMA-haltige Ecstasy-Tablette konsumiert hat, erleidet er eine drogeninduzierte Psychose. Er bewegt sich alleine durch die Stadt, reißt sich die Kleider vom Leib. Am nächsten Morgen, noch immer unter Drogen stehend, frühstückt er in einem Hotel, wo er mit seinem Essverhalten die Aufmerksamkeit des Hotelpersonals auf sich zieht. Daraufhin wird er in eine Berliner Nervenklinik eingeliefert, was die Veröffentlichung seines Albums und seine nächsten Auftritte stark gefährdet.

In der Klinik lernt er unter anderem Patienten kennen, die Crystal Pete und Goa Gebhard genannt werden. Die Ärztin Dr. Paul rät Ickarus dazu, eine Ruhepause unter ihrer Aufsicht einzulegen. Sie betont dabei die Freiwilligkeit seines Aufenthalts in der Klinik. Ickarus möchte dennoch an seinem Album weiterarbeiten und lässt sich sein Notebook und seinen MIDI-Controller in die Klinik bringen. Daneben entfernt er sich mehrmals von der Klinik, besucht Veranstaltungen und nimmt weiterhin Drogen zu sich. Alice, die Chefin des Plattenlabels Vinyl Distortion, sagt bei Mathilde die Veröffentlichung des neuen Albums ab. Daraufhin zertrümmert Ickarus ihr Büro.

Mathilde verlässt die gemeinsame Wohnung und tröstet sich mit der lesbischen Türsteherin Corinna. Nachdem Ickarus dies bemerkt hat und zudem das Finanzamt in einem Brief 25.000 Euro an Steuern von ihm nachfordert, versucht er, Mathilde bei Corinna aufzusuchen, aber Mathilde will ihn nicht sehen. Die Klinikleiterin erklärt Ickarus, er könne nicht in der Klinik bleiben, weil er die Therapieanweisungen nicht befolgt und unabgesprochen die Klinik verlässt. Ickarus überredet daraufhin abends einen Zivi, eine Abschiedsparty in der Klinik geben zu dürfen und besorgt dafür Alkohol, Prostituierte und Drogen. Dies hat zur Konsequenz, dass er in die geschlossene Abteilung der Klinik überwiesen wird.

Mathilde und der Vater von Ickarus kämpfen um seine Entlassung. Nachdem sein Label ihn wieder aufnimmt, möchte Ickarus sein Album zunächst unter dem Namen Titten, Techno & Trompeten veröffentlichen. Doch die Plattenfirma entscheidet sich für den Namen Berlin Calling und ein Covershooting für das Album in der Klinik.

Nach seiner Entlassung kehrt Ickarus in seine Wohnung zurück, wo er weiter seine von der Ärztin Dr. Paul verordneten Tabletten einnimmt und viel schläft. Doch der Record Release steht bevor und da ihn seine Tabletten schläfrig machen, beschließt er sie gegen die Anweisung selbst abzusetzen, was laut Dr. Paul einen Rückfall zur Folge haben könnte. Am gleichen Tag wird er von Erbse, seinem ehemaligen Drogendealer, und Jenny, einem Groupie, mit dem Ickarus geschlafen hat, besucht, sie nehmen Koks in seiner Wohnung ein. Statt sich verleiten zu lassen, löst Ickarus das gesamte Koks in einem Glas Cola auf, verspricht es zu bezahlen und geht.

Der Film endet mit Parallelen zum Anfang, Ickarus legt in einem Club auf, abschließend sieht man ihn mit Mathilde an einem Flughafen.

Soundtrack[Bearbeiten]

Der Soundtrack wurde (mit Ausnahme von Sascha FunkeMango) komplett von Kalkbrenner produziert. Der Titelsong Sky and Sand entstand zusammen mit seinem Bruder Fritz Kalkbrenner. Einige Tracks, die bereits vorher veröffentlicht worden waren, unter anderem Gebrünn Gebrünn und Altes Kamuffel, wurden als sogenannte Berlin Calling Edits neu aufbereitet.

Sky and Sand wurde in den Jahren nach der Filmpremiere zu einem Mainstream-Hit, erreichte Platz 29 der Media-Control-Charts[2] und ist mit 129 Wochen der am längsten notierte Titel aller Zeiten in den deutschen Singles-Charts.[3][4] In Belgien erreichte der Titel Platz 2 der Charts.[5]

Hintergrund[Bearbeiten]

Regisseur Hannes Stöhr fand die Inspiration für seine Geschichte in DJs, die mit Plattenkoffern umherziehen. Er wollte den harten Beruf dieser Menschen zeigen und einen Musiker darstellen, der kein Superstar ist. Er begann, Figuren der Generation ab 30 vom Leben abzuschreiben.[6] Ende 2003 suchte er nach der richtigen Musik für den Film und fand seinen Hauptdarsteller Paul Kalkbrenner. Stöhr fand in dessen Musik eine „klare Struktur, ein gutes Gefühl für Dramaturgie, ein Gespür für Melodie und eine Liebe zum Detail“.[6]

Als Drehorte wurden unter anderem die beiden Berliner Clubs Maria und Bar25 verwendet. Weitere Drehorte: der U-Bahnhof Alexanderplatz und das Gesundheits- und Sozialzentrum Moabit.

In Berlin Calling liegen Tragik und Komik, etwa in der Szene, als Ickarus in die Drogenklinik eingeliefert wird, nah beieinander. Dazu Stöhr: „Man hätte die Einlieferung […] auch ganz tragisch erzählen können, als ausweglose Sackgasse. […] Mir war aber wichtig, dass Ickarus jetzt kämpfen muss […] Den Kampf mit der Welt drückt er in seiner Musik aus. Und wenn Hoffnung da ist, dann ist auch Raum für Komik.“[6]

Die Szenen in der Klinik erinnern stark an die des Films Einer flog über das Kuckucksnest. So ist Ickarus wie McMurphy im Gegensatz zu den anderen Patienten relativ normal, es gibt einen Patienten, der nicht spricht, und Ickarus schleust wie McMurphy Frauen zum Feiern in die Klinik.

Kritik[Bearbeiten]

„Hannes Stöhr gelingt fulminant das, was noch keinem Regisseur so gelungen ist: Das Erlebnis der Berliner Technonächte einzufangen. Der Zuschauer erlebt im Kinosessel eine Clubnacht aus Musik, Hedonismus und Rausch […] Paul Kalkbrenner legt ein sensationelles Schauspieldebüt hin.“

Deutsche Welle – Kultur 21 (16. August 2008)

„Wer die Faszination von Techno nie verstanden hat, wird Techno als Musik und vielleicht sogar als Partykultur nach diesem intelligenten Film vielleicht mit freundlicheren Augen sehen.“

Liechtensteiner Volksblatt

„Wie bereits in seinem Debütfilm "Berlin is in Germany" verbindet Stöhr auch hier ein dokumentarisch geschultes Gespür für Berliner Lebensgefühl mit dem Drama einer vom Scheitern bedrohten Existenz, mit einer Tragödie, der er immer wieder lichte, fast komische Momente verleiht.“

Anke Sterneborg: Süddeutsche Zeitung

„Auch das lebendige Gefühl von Authentizität, das sich vor allem bei den an Originalschauplätzen während regulärer Partys gedrehten Clubaufnahmen einstellt, unterscheidet "Berlin Calling" von manchen genreverwandten Werken.“

Christoph Cadenbach: Spiegel Online[7]

„Paul Kalkbrenners wunderbarer Soundtrack spricht eine andere Sprache. Vielleicht ist es der sentimentalste Techno aller Zeiten, aber er liefert dem Film eine nuancierte emotionale Struktur. Und Kalkbrenners zurückgenommenes Schauspiel ist dem ebenbürtig. Aber auch Rita Lengyel als Freundin Mathilde ist nicht zu übersehen. Sie ist ebenso glaubhaft in ihrem Zustand konservierter Mädchenhaftigkeit.“

Daniel Kothenschulte: Frankfurter Rundschau

Nominierungen[Bearbeiten]

Anne Fabini wurde 2009 für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Bester Schnitt nominiert.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  2. Chart-Zusammenfassung "Sky And Sand" auf charts.de
  3. Liste der Chart-Dauerbrenner auf chartsurfer.de
  4. German Chartblog am 21. März 2014
  5. Chartstatistik für "Sky And Sand" auf acharts.us
  6. a b c Interview mit Hannes Stöhr auf berlin-calling.de, abgerufen am 9. Februar 2009
  7. Christoph Cadenbach: Techno-Film "Berlin Calling": Schizo in der Disko. In: Der Spiegel. 5. Oktober 2008, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  8. vgl. Deutscher Filmpreis: Die Nominierungen im Überblick bei welt.de, 13. März 2009