Wilmersdorfer Moschee

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Wilmersdorfer Moschee
Wilmersdorfer Moschee
Koordinaten: 52° 29′ 15,2″ N, 13° 18′ 41,5″ O52.48755555555613.311527777778Koordinaten: 52° 29′ 15,2″ N, 13° 18′ 41,5″ O
Ort Berlin-Wilmersdorf
Grundsteinlegung 1924
Eröffnung 23. März 1928
Richtung/Gruppierung AAIIL
Architektonische Informationen
Einzelangaben
Kapazität 400
Kuppel 1
Kuppeldurchmesser Ø 10 m
Kuppelhöhe 26 m
Minarette 2
Minaretthöhe 32 m

Website: http://berlin.ahmadiyya.org/

Die Wilmersdorfer Moschee (historisch auch Berliner Moschee oder Ahmadiyya-Moschee) ist die älteste bestehende Moschee Deutschlands. Sie wurde zwischen 1924 und 1928 im Auftrag der Ahmadiyya Anjuman Isha’at-i-Islam Lahore (DMG Aḥmadiyyah Anǧuman-i Išāʿat-i Islām Lāhaur) in der Brienner Straße im Berliner Ortsteil Wilmersdorf erbaut. Die Moschee hat zwei abgesetzte Minarette, die 32 Meter hoch sind und eine 26 Meter hohe Kuppel von zehn Metern Durchmesser; der Versammlungsraum fasst rund 400 Gläubige.

Geschichte[Bearbeiten]

Weimarer Zeit[Bearbeiten]

Versammlungsraum in der Moschee
Der türkische Botschafter Kemaleddin Sami Pascha vor der noch unfertigen Moschee, Bayram April 1926
Imam Muhammad Abdullah, 1930
Gottesdienst in der Moschee, 1931

Die Moschee wurde den Mausoleen der Mogulfürsten Indiens, insbesondere dem persisch-indischen Stil des Taj Mahal nachempfunden und entstand nach Plänen des Berliner Architekten K. A. Hermann. Zuvor war 1915 eine Moschee aus Holz auf Kosten des Deutschen Reichs für muslimische Kriegsgefangene bei Wünsdorf (sogenanntes „Halbmondlager“) errichtet worden, die in den 1920er Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.[1]

Bauherr und auch heutiger Eigentümer der Berliner Moschee in Wilmersdorf ist die AAIIL, die den Bau ausschließlich mit Spenden finanziert hat. Die Moschee wurde in den Jahren 1924 bis 1927 erbaut;[2] feierlich eröffnet wurde sie am 23. März 1928.[3]

Die Gemeindegründung fand 1922 in der Giesebrechtstraße 5 in Charlottenburg statt. Unter den muslimischen Vereinen und islamischen Studentengruppen im Berlin der Weimarer Republik gab es Rivalitäten und Auseinandersetzungen und von den Moscheeplänen wurde einzig die Wilmersdorfer Moschee realisiert. Die Moschee stand „den Muslimen aller mohammedanischen Nationen und aller religiösen Richtungen gleicherweise zum Gottesdienst offen“.[2]

Im Januar 1934 wurde in der Moschee das erste deutsche Ehepaar (Abdullah Dayer und Fatima Adaresh), das den Islam angenommen hatte, vom Imam getraut.[4]

Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus gelang es den Machthabern, die Islamische Gemeinde zu instrumentalisieren und die Moschee für Propagandaauftritte mit Mohammed Amin al-Husseini zu missbrauchen.[5][6]

Von 1936 bis 1938 wurde in unmittelbarer Nähe (200 Meter) die russisch-orthodoxe Christi-Auferstehungs-Kathedrale erbaut.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Moschee stark beschädigt, nachdem deutsche MG-Schützen auf den Minaretten Stellung bezogen hatten und die Moschee deshalb unter das Feuer der Roten Armee geriet. Die Minarette stürzten bis auf einen Stumpf ein und die Kuppel erhielt einen Artillerietreffer.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Krieg wurde die Moschee mit Hilfe der Alliierten notdürftig wieder hergerichtet. Weitere Spenden kamen von Mitgliedern der AAIIL aus aller Welt, hauptsächlich aus den USA. Im August 1945 fanden sich ca. 200 Muslime ein, die in den erhalten gebliebenen Räumen des Gemeindehauses ihren ersten Gottesdienst abhielten. Am 24. Juni 1952 wurde sie mit einer Festpredigt des Berliner Imams, Mohammed Aman Hobohm, wieder ihrer Bestimmung übergeben.[7]

Als Förderverein für die Wilmersdorfer Moschee (AAIIL) entstand am 17. November 1990 die Gesellschaft zur Erhaltung der Moschee e. V.[8] Seit 1993 steht die Moschee unter Denkmalschutz.[9] 1996 wurde das Haupthaus wiederhergerichtet. 1999 wurde das nördliche und 2001 das südliche Minarett wiederaufgebaut. Die Kosten von über 800.000 Mark wurden von der Gemeinde, vom Landesdenkmalamt Berlin, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und von einer Repräsentantin der Gemeinde aus den USA aufgebracht.[3]

Vom 25. bis 27. Mai 2007 wurde eine Konferenz von der deutschen und niederländischen Sektion der AAIIL in der Moschee abgehalten, an der auch der der Präsident und Emir der weltweiten Gemeinschaft Abdul Karim Saeed Pasha und seine Frau Sahiba Saeed teilnahmen.[10]

Öffnungszeiten[Bearbeiten]

In der Berliner Moschee wird seit 2010 freitags wieder regelmäßig das Freitagsgebet mit der Chutba abgehalten; der Beginn ist stets um 13.15 Uhr. Das Büro der Moschee ist zu Geschäftszeiten immer besetzt. Auch bei besonderen Ereignissen wird die Moschee geöffnet, so beispielsweise jährlich am „Tag des offenen Denkmals“ sowie am „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober.

Die muslimische Mission Berlin[Bearbeiten]

Maulana Muhammad Ali, das damalige Oberhaupt der AAIIL, rief auf der „Jährlichen Konferenz in Lahore“ im Dezember 1921 zu Spendensammlungen auf, um sowohl in Amerika und Deutschland Missionshäuser zu errichten. Im darauffolgenden Jahr wurde die „Berlin Muslim Mission“ von Maulvi Abdul Majid und Maulana Sadr-ud-Din, dem späteren Oberhaupt der AAIIL, gegründet.

Die Berlin Muslim Mission gab von 1924 bis 1940 die Zeitschrift Moslemische Revue heraus, und ihr Herausgeber Sadr-ud-Din legte 1939 die erste deutsche Koranübersetzung aus muslimischer Feder vor.[11][12]

Im November 1959 übernahm Maulana Muhammad Yahya Butt die Leitung der Berliner Mission. Yahya Butt arbeitete 27 Jahre als Imam in der Berliner Moschee und – nach Eigenangaben der AAIIL Berlin – traten unter seiner Leitung 157 Menschen dem Islam bei.[13] 1962 belebte Yahya Butt die Deutsch-Muslimische-Gesellschaft wieder.[14]

Die „Islamische Gemeinde Berlin“ ist die deutsche Zentrale der Ahmadiyya Anjuman Isha’at-i-Islam Lahore und hat etwa 60 Mitglieder.[15] Nach anderen Quellen soll von 50 Gottesdienstbesuchern (1996) nur der Imam Saeed Ahmed Chaudhry Mitglied der Lahori-Gemeinschaft sein.[16]

Nach Manfred Backhausen gab es in „ganz Deutschland 2006 nur eine Handvoll Lahore-Ahmadis“. Zwar konnte das Ziel „Menschen des Westens den Islam näher zu bringen“ bedingt erreicht werden, doch zu keiner Zeit gab es eine kontinuierliche deutsche Gemeinde in der Berliner Moschee. Dazu war die Zahl der gewonnenen Konvertiten zu gering und die Moschee blieb fast ausschließlich Gebetsstätte für ausländische Muslime in Berlin. Durch die Einwanderung von mehrheitlich türkischen Muslimen in Deutschland hat die eher dem indischen Subkontinent verbundene Berliner Moschee ihre zentrale Rolle verloren. So wird die Moschee in der deutschen Hauptstadt hauptsächlich als „ein exotisches oder indisches Zeugnis“ wahrgenommen mit wenig Bezug auf den praktizierten Islam in Deutschland.[17]

Die Berliner Mission war nach der Woking Muslim Mission die zweite Missionstelle der AAIIL in Europa.

Brandanschlag[Bearbeiten]

In der Nacht zum 8. Januar 2011 wurde in der Moschee ein Brandanschlag verübt. Unbekannte zündeten im Eingangsbereich mehrere selbstgebaute Sprengsätze, wobei es allerdings nur zu Sachschäden kam.[18][19]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wilmersdorfer Moschee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Hopp: Die Wünsdorfer Moschee: Eine Episode islamischen Lebens in Deutschland, 1915–1930. In: Die Welt des Islams, New Ser., Jg. 36, Nr. 2 (Juli 1996), S. 204–218.
  2. a b Chalid-Albert Seiler-Chan: Der Islam in Berlin und Anderwärts im Deutschen Reiche. (PDF; 1,9 MB) In: Moslemische Revue, Oktober 1934
  3. a b Älteste Moschee Berlins ist wieder komplett. In: Berliner Zeitung, 30. August 2001
  4. Die Berliner Moschee und Mission der Ahmadiyya-Bewegung zur Verbreitung des Islam (Lahore), S. 40
  5. Burkhard Schröder: Führer unter sich. In: tip, 29. Mai 1996
  6. Mohammed Aman Hobohm: Islam in Deutschland: Neuanfänge muslimischen Gemeindelebens in Berlin nach dem Krieg. Aus der Vortragsreihe der Islamischen Hochschulvereinigung an der Universität Köln im WS99/00
  7. Islamische Moschee Wilmersdorf
  8. Handelsregister: „Gesellschaft zur Erhaltung der Moschee e. V.“, Vereinsregisterauszug Berlin (Charlottenburg) VR 11145
  9. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  10. Lahore Ahmadiyya Conference at the Berlin Mosque (PDF; 2,7 MB), Mai 2007
  11. Der Koran – Arabisch-Deutsch. Übersetzung, Einleitung und Erklärung von Maulana Sadr-ud-Din. Verlag der Moslemischen Revue, Berlin 1939; 3. unveränderte Auflage 2006.
  12. Die Berliner Moschee und Mission der Ahmadiyya-Bewegung zur Verbreitung des Islam (Lahore), S. 27
  13. A Brief History of The Berlin Muslim Mission (Germany) (1922–1988).
  14. Die Berliner Moschee und Mission der Ahmadiyya-Bewegung zur Verbreitung des Islam (Lahore), S. 74
  15. Moschee in Wilmersdorf: Mit Kuppel komplett. In: Der Tagesspiegel, 29. August 2001
  16. Deutschlands älteste Moschee verfällt. In: Berliner Zeitung, 26. März 1996
  17. Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa, S. 204f
  18. Brandanschlag auf Berliner Moschee. sueddeutsche.de, 8. Januar 2011
  19. Serie von Brandanschlägen – Brandanschlag auf Berlins älteste Moschee. In: B.Z., 9. Januar 2011