Akademie der Künste (Berlin)

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Die Akademie der Künste Berlin, Pariser Platz 4, 2010

Die Akademie der Künste in Berlin ist seit 1. Januar 2004 eine von der Bundesrepublik Deutschland getragene Körperschaft des öffentlichen Rechts, die sich der Förderung der Bildenden Kunst, der Baukunst, der Musik, der Literatur, der Darstellenden Kunst sowie der Film- und Medienkunst widmet. Die Akademie ist eine internationale Gemeinschaft von Personen, die sich um die Künste verdient gemacht oder die zur Kunst ihrer Zeit beigetragen haben.

Zu ihrem Präsidenten wählte am 29. April 2006 die Mitgliederversammlung den Grafiker und Juristen Klaus Staeck, der 2009 und 2012 für jeweils drei Jahre wiedergewählt wurde.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Palais Arnim war von 1907 bis 1938 Sitz der Akademie der Künste, 1933
Das Gebäude der Königlichen Akademie Unter den Linden vor seinem Abriss um 1902. Seit 1914 befindet sich hier die Staatsbibliothek
Max Liebermann eröffnet 1922 eine Ausstellung der Akademie im Palais Arnim
Akademie der Künste (Mitte) zwischen Hotel Adlon (links) und Niederlassung der DZ Bank
Foyer und Treppen in der Akademie

Die Berliner Akademie der Künste geht zurück auf die am 11. Juli 1696 von Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, dem späteren König in Preußen Friedrich I., ins Leben gerufene Akademie. Sie beruft sich auf die Tradition dieser Gelehrtengesellschaft, die mehrmals den Namen wechselte:

  • 1696–1704 Academie der Mahler-, Bildhauer- und Architectur-Kunst
  • 1704–1790 Königlich-Preußische Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften
  • 1790–1809 Königliche Akademie der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften zu Berlin
  • 1809–1882 Königlich Preußische Akademie der Künste
  • 1882–1926 Königliche Akademie der Künste
  • 1926–1945 Preußische Akademie der Künste

Die Akademie der Künste in ihrer derzeitigen Form ging am 1. Oktober 1993 aus folgenden Vorgängerinstitutionen hervor:

Standorte[Bearbeiten]

Der Hauptsitz der Akademie liegt am Pariser Platz 4 im Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks. Er befindet sich in einem 2005 eröffneten Neubau des Architekten Günter Behnisch, unmittelbar angrenzend an das Hotel Adlon.

Erster Standort war bis 1902 ein Mehrzweckgebäude auf dem Grundstück Unter den Linden 8, dann das Palais Arnim von Eduard Knoblauch, das Ernst von Ihne bis 1907 für die Akademie der Künste umgebaut und erweitert hatte. Während der Bauzeit residierte sie fünf Jahre lang in der Potsdamer Straße. Von 1938 bis zur Zerstörung 1945 hatte die Akademie im Kronprinzenpalais ihren Sitz.

Der frühere Hauptsitz der West-Berliner Akademie am Hanseatenweg im Hansaviertel (Bezirk Mitte), 1958–1960 von Werner Düttmann erbaut, wird weiterhin für Veranstaltungen und Ausstellungen sowie zu Verwaltungszwecken genutzt.

Der frühere Hauptsitz der Akademie der Künste der DDR befand sich bis 1977 im 1906 von Ihne errichteten „Haus für ärztliches Fortbildungswesen“ der Charité am Robert-Koch-Platz 7, dann im Langenbeck-Virchow-Haus. Anfang der 1990er Jahre wurde der Standort aufgegeben.

Aufgaben[Bearbeiten]

Die Akademie der Künste hat laut Gesetzestext folgende Aufgaben:

  • Repräsentation des Gesamtstaates auf dem Gebiet der Kunst und Kultur,
  • Förderung der Kunst,
  • Vertreten der Sache der Kunst in der Gesellschaft,
  • Entfaltung internationaler Wirkung von Berlin aus,
  • kulturelle nationale Entwicklung,
  • Pflege des kulturellen Erbes und
  • Beratung und Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland in Angelegenheiten der Kunst und Kultur.

Die Akademie der Künste hat ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Gesetzliche Grundlage[Bearbeiten]

Das notwendige Gesetz zur Errichtung der Akademie ist am 9. Mai 2005 verkündet worden[2] und ist mit Wirkung vom 1. Januar 2006 in Kraft gesetzt worden.[3] Die Länder Berlin und Brandenburg haben dabei insofern ein Mitspracherecht bekommen als das Gesetz zur Errichtung der Akademie der Künste erst nach Auflösung der bestehenden, von den beiden Bundesländern getragenen Akademie in Kraft tritt. Zudem stellen beide Länder je einen Vertreter im Verwaltungsbeirat.

Die Akademie der Künste führt einen Rechtsstatus mit Selbstverwaltungsrecht.

Der Bund besitzt im Verwaltungsbeirat als Zuschussgeber die Mehrheit der Stimmen.

Der Akademie steht ein Senat vor. Von 1997 bis 2003 war der ungarische Schriftsteller und Essayist György Konrád Präsident der Akademie, bis zum 15. Dezember 2005 war es der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg.[4][5] Seit 2006 ist der Grafiker und Verleger Klaus Staeck Präsident, zur Vizepräsidentin wurde 2006 Nele Hertling gewählt.

Die Mitgliederversammlung umfasst alle (maximal 500) Mitglieder der Akademie.

Mitglieder[Bearbeiten]

Die Akademie hat per Gesetz maximal 500 Mitglieder, im Juni 2013 waren es 414.[6] Diese werden von den Sektionen der Akademie benannt, von der Mitgliederversammlung in geheimer Wahl gewählt und vom Präsidenten berufen.
Vom Senat der Akademie der Künste können zudem Ehrenmitglieder vorgeschlagen werden.

Beide deutsche Staaten beanspruchten zunächst Wilhelm Furtwängler, Otto Klemperer, Carl Orff, Arnold Schönberg, Erwin Piscator, George Grosz, Max Beckmann und Gustaf Gründgens für sich.

Die Gründung der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (Ost) 1950 und damit vier Jahre vor der Akademie der Künste in Berlin (West) erfolgte in der Tradition der Preußischen Akademie der Künste. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten unter anderen Johannes R. Becher, Bertolt Brecht, Hanns Eisler, Otto Nagel, Anna Seghers, Helene Weigel und Friedrich Wolf.[7]

Sektionen[Bearbeiten]

Die Akademie gliedert sich in folgende Sektionen mit jeweils eigenem Direktor (Stand April 2014):

Präsidenten[Bearbeiten]

Deutsche Akademie der Künste in Ost-Berlin, 1955

Preußische Akademie der Künste zu Berlin

Akademie der Künste / Ost

Akademie der Künste / West

vereinigte Akademie der Künste seit 1993

Archiv und Kunstsammlung der Akademie der Künste[Bearbeiten]

Das umfangreiche Archiv der Akademie der Künste, zu dem auch eine große Kunstsammlung zählt, gilt heute als bedeutendstes interdisziplinäres Archiv zu Kunst und Kultur seit 1900 im deutschen Sprachraum. Entsprechend der Mitgliederstruktur der Akademie umfasst es alle Künste. Seine Hauptaufgabe besteht darin, künstlerisch und kulturgeschichtlich wichtige Archive zu erwerben, zu verzeichnen und der Wissenschaft und interessierten Öffentlichkeit bereitzustellen. Im Oktober 2012 wurde das rund 35 Regalmeter Aufzeichnungen umfassende Peter-Zadek-Archiv für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[8] Am 3. November 2012 eröffnete die Akademie das Christoph-Schlingensief-Archiv, das der Künstler bereits zu Lebzeiten übergeben hatte, über 40 Regalmeter Dokumentationsmaterial zu seinen genreübergreifenden künstlerischen Aktionen (audiovisuelle Medien, Plakate, Korrespondenzen, Programmhefte, Fotos, Produktionsunterlagen zu einigen seiner Filme und Inszenierungen).[9]

Die Kunstsammlung umfasst etwa 70.000 Arbeiten auf Papier sowie Gemälde, Plastiken, künstlerische Objekte und über 40.000 Plakate. Sie betreut auch Werke der angewandten bildenden Kunst und kulturgeschichtliche Gegenstände, die aus Nachlässen anderer künstlerischer Disziplinen stammen, wie etwa Theaterkostüme und Bühnenmodelle. Zu ihren bedeutenden Schätzen zählen der große Bestand von Zeichnungen Johann Gottfried Schadows, Daniel Chodowieckis Zeichenfolge seiner Reise von Berlin nach Danzig, das Amalfi-Skizzenbuch und Landschaftsölskizzen von Carl Blechen sowie, aus dem 20. Jahrhundert, der gesamte Nachlass John Heartfields und ein umfangreicher Teilnachlass von George Grosz mit Zeichnungen, Grafiken und Collagen. Zu ihren neueren Beständen gehören die Mail-Art-Sammlung Guillermo Deisler, umfangreiche Vintage Print-Serien von Michael Ruetz, das gesamte grafische Oeuvre von Alfonso Hüppi und auch großformatige Gemälde von Thomas Huber und Carl Frederik Reuterswärd.

Preise, Auszeichnungen, Stipendien[Bearbeiten]

Die Akademie vergibt eine Vielzahl von Auszeichnungen und Stipendien:

  • Kunstpreis Berlin – Jubiläumsstiftung 1848/1948 für „Künstlerische Leistungen“ (jährlich, Großer Kunstpreis 15.000 Euro und sechs Kunstpreise à 5.000 Euro), alle sechs Jahre von der Sektion Literatur der Akademie als Fontane-Preis verliehen
  • Käthe-Kollwitz-Preis für Werk oder Gesamtleistung eines bildenden Künstlers (jährlich, 10.000 Euro)
  • Heinrich-Mann-Preis für Essayistik (jährlich, 8.000 Euro)
  • Konrad-Wolf-Preis für herausragende künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der darstellenden Kunst (jährlich, 5000 Euro)
  • Hörspielpreis der Akademie der Künste (2007 letztmalig vergeben)
  • Tilla Durieux-Schmuck (alle zehn Jahre)
  • Hermine Körner-Ring: Vergabe auf Lebenszeit durch die Sektion Darstellende Kunst
  • Sammelstiftung 1 der Akademie der Künste für begabte und bedürftige Studierende der „fünf klassischen künstlerischen Disziplinen“
  • Stiftung Eduard-Arnhold-Hilfsfonds zur Erinnerung an den Mäzen Eduard Arnhold für begabte und sich in wirtschaftlicher Not befindende Künstler „aller Art“
  • Villa-Serpentara-Stipendium: dreimonatiges Aufenthaltsstipendium für Berliner Künstler (monatlich 1.500 Euro und Reisekostenzuschuss 400 Euro) in direkter Nachbarschaft mit und im Austausch zum Villa-Massimo-Stipendium
  • Will-Grohmann-Preis für junge Maler, Grafiker und Bildhauer (jährlich, 6.500 Euro)
  • Daniel Chodowiecki-Stiftung, gegründet von Günter Grass für polnische bildende Künstler (jährlich, 5.000 Euro)
  • Busoni-Kompositionspreis für noch nicht bekannte Komponisten (jährlich, 6.000 Euro und ein Förderpreis 2.500 Euro)
  • Alfred-Döblin-Preis für unveröffentlichte epische Werke (alle zwei Jahre, 10.000 Euro und Förderpreis 5.000 Euro)
  • Alfred-Döblin-Stipendium: Aufenthaltsstipendium für Berliner Schriftsteller für drei bis zwölf Monate (jährlich, monatlich 1.000 Euro)
  • Lion-Feuchtwanger-Preis: Stiftungspreis für historische Prosa (alle zwei bis drei Jahre, 7.500 Euro)
  • F.-C.-Weiskopf-Preis: Stiftungspreis für sprachkritische und sprachreflektierende Werke (alle zwei bis drei Jahre, 5.000 Euro)
  • Alex-Wedding-Preis: Stiftungspreis für Kinder- und Jugendbücher (alle zwei bis drei Jahre, 5.000 Euro)
  • O.E. Hasse-Preis zur Förderung junger Darsteller des Sprech- und Musiktheaters (jährlich, 5.000 bis 10.000 Euro als Preis oder Stipendium)
  • Joana-Maria-Gorvin-Preis für „eine Frau, die im Theaterleben des deutschen Sprachraums eine überragende Leistung erbracht hat“ (alle fünf Jahre, 25.000 Euro)
  • Alfred-Hirschmeier-Stipendium für begabte junge Filmszenografen (jährlich)
  • Plopp-Award: Wettbewerb für unabhängig produzierte und bislang unveröffentlichte Hörstücke (jährlich)
  • Will-Lammert-Preis: Preis für junge Bildhauer, der in unregelmäßigen Abständen von 1962 bis 1992 vergeben wurde
  • Ellen-Auerbach-Stipendium für Fotografie: Förderungsstipendium für internationale junge Fotografen, finanziert aus dem Nachlass der Fotografin Ellen Auerbach, wird alle zwei Jahre vergeben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Man will einen Nebel über das geistige Erbe derer legen, die 1933 vertrieben wurden. Gespräch mit Walter Huder. In: Illustrierte Stadtzeitung zitty. Nr. 3, Berlin 1987, ISSN 0179-9606, S. 14–16.
  •  Arnold Seul, Anne Worst: Gezinkte Karten beim Bewerbungspoker?. Berufungsverfahren des neuen AdK-Archivdirektors höchst anrüchig. In: Illustrierte Stadtzeitung zitty. Nr. 12, Berlin 1987, ISSN 0179-9606, S. 8–12.
  •  Walter Jens: Aus gegebenem Anlass. Texte einer Dienstzeit. Mit einem Geleitwort von György Konrád. Parthas, Berlin 1998, ISBN 3-932529-19-7.
  •  Lars-Broder Keil: Mangelndes Interesse für Nachlässe in Berlin. (Ausgabe: Hauptstadt Berlin). In: Welt am Sonntag. Nr. 3, Berlin 18. Januar 1998, S. 75.
  •  Hans Jörgen Gerlach: Was ist der Mensch in Berlin? Nachruf auf Walter Huder. Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstands. In: Zwischenwelt. 19. Jahrgang, Nr. 3, Wien Dezember 2002, ISSN 1606-4321, S. 12–14.
  •  Hans Gerhard Hannesen: Die Akademie der Künste in Berlin. Facetten einer 300jährigen Geschichte. 1. Auflage. 2005, ISBN 3-88331-091-3.
  •  Thomas Krüger: Akademie der Künste Pariser Platz Berlin. In: Die Neuen Architekturführer. Nr. 69, Stadtwandel, Berlin 2005, ISBN 3-937123-39-3 (24 Seiten).
  •  Werner Mittenzwei: Die Mentalität des Ewigen Deutschen. Nationalkonservative Dichter 1918–1947 und der Untergang einer Akademie. 2. Auflage. Faber & Faber, 2003, ISBN 3-936618-17-8 (Erstauflage unter dem Titel: Der Untergang einer Akademie oder Die Mentalität des ewigen Deutschen (Aufbau, Berlin 1992) mit einer Chronik: Dichtung und Dichter an der Preußischen Akademie der Künste 1696–1947).
  •  Aufbrüche in die Moderne. Das Archiv der Akademie der Künste. 1. Auflage. 2013, ISBN 978-3-88331-202-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Akademie der Künste (Berlin) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Zur Geschichte

Zum Neubau am Pariser Platz 4

Debatte zur Nutzung des Neubaus

Archiv und Hanseatenweg

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Akademie-Präsident Klaus Staeck und Vize-Präsidentin Nele Hertling treten dritte Amtszeit an, Pressemitteilung 5. Mai 2012 Akademie der Künste Berlin
  2. BGBl. I 2005, S. 1218
  3. BGBl. I 2006, S. 571
  4. Rüdiger Schaper: Wer im Glashaus schwitzt. Akademie-Präsident Adolf Muschg gibt auf. In: Der Tagesspiegel, 16. Dezember 2005, S. 25.
  5. Sinn und Reform. Nach Muschgs Rücktritt Vizepräsident Matthias Flügge über die Zukunft der Akademie der Künste. In: Der Tagesspiegel, 17. Dezember 2005, S. 23, Interview.
  6. Akademie der Künste Berlin – AdK-Blog vom 27. Juni 2013, abgerufen am 18. Juli 2013
  7. DuMont Kunst Reiseführer Berlin
  8. http://www.adk.de/de/blog/index.htm?we_objectID=31270 Homepage Akademie der Künste AdK-Blog 24. September 2012, abgerufen am 3. Oktober 2012
  9. Homepage Akademie der Künste Berlin, abgerufen am 4. November 2012

52.51513.379444444444Koordinaten: 52° 30′ 54″ N, 13° 22′ 46″ O