Berliner Lokal-Anzeiger

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Der Berliner Lokal-Anzeiger – Central Organ „für die Reichshauptstadt“ war eine 1883 von August Scherl gegründete Tageszeitung in der Zimmerstraße. Entsprechend ihrem Gründer war sie national-kaisertreu orientiert und berichtete häufig etwa über den Flottenverein.

Anfangs erschien der wegen seiner Finanzierung über Anzeigen völlig neue Zeitungstyp wöchentlich am Sonntag. Das Blatt war der Vorläufer von General-Anzeigern. Erstmals wurden hier Nachrichten auch auf ihre Richtigkeit überprüft. Ab 1885 erschien die Zeitung täglich. Wegen Verschuldung verkaufte Scherl 1888 einige Anteile und Herausgeber war dann die „Berliner Lokal Anzeiger August Scherl Compagnie“.

Ausgabe von 1920

Das sogenannte „Organ für die Reichshauptstadt“ war eine von 15 täglichen Zeitungen in Berlin. Um 1902 erreichte die liberale Berliner Morgenpost des Ullstein Verlages ebenfalls die Auflagenhöhe des Anzeigers, der wegen der Konkurrenz auch bald als Morgen- und Abendausgabe erschien.

Am 30. Juli 1914 schrieb der Anzeiger Geschichte, indem er fälschlich über einen deutschen Teilmobilmachungsbefehl berichtete, was das Russische Reich veranlasste eine allgemeine Mobilmachung zu erklären. Das Deutsche Kaiserreich verlangte ultimativ die Rücknahme, was nicht geschah und dann zur Kriegserklärung an Russland führte (siehe: Erster Weltkrieg).[1] Von August 1914 bis Dezember 1918 gab der Lokalanzeiger wöchentlich die illustrierte Deutsche Kriegszeitung heraus.[2]

Während der Novemberrevolution 1918 besetzten linke Kräfte entgegen dem Wunsch Rosa Luxemburgs die Redaktion und gaben hier Die Rote Fahne heraus. Am 11. November räumten regierungstreue Einheiten den Verlag, so dass die Zeitung zwei Tage später wieder in der alten Form erschien.

Seit 1916 befand sich die Zeitung unter der Kontrolle Alfred Hugenbergs und wurde zu einem wichtigen Bestandteil des nationalkonservativen Hugenberg-Konzerns.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Berliner Lokal-Anzeiger mit der Berliner Morgenpost vereinigt und nach der Niederlage des Deutschen Reiches 1945 vom Alliierten Kontrollrat verboten.

Mitarbeiter[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelm II.: Vergleichende Geschichtstabellen von 1878 bis zum Kriegsausbruch 1914. Verlag Koehler, Leipzig 1921.
  2. Deutsche Kriegszeitung – digitalisiert von der UB Heidelberg