Berliner Sportpalast

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Sportpalast
Berlin Sportpalast Postkarte 001.jpg
Sportpalast, um 1910
Daten
Ort Berlin, Deutschland
Koordinaten 52° 29′ 41″ N, 13° 21′ 33″ O52.49472222222213.359166666667Koordinaten: 52° 29′ 41″ N, 13° 21′ 33″ O
Baubeginn 1909
Eröffnung 1910
Abriss 1973
Architekt Hermann Dernburg
Veranstaltungen
  • Berliner Sechstagerennen
  • diverse Konzerte, Boxkämpfe, Turnwettkämpfe und politische Veranstaltungen

Der Berliner Sportpalast war eine vielseitig nutzbare Veranstaltungshalle für mehr als 10.000 Besucher in der Potsdamer Straße 172 (neue Hausnummernzählung seit 1936) im Berliner Ortsteil Schöneberg. Die Halle wurde 1910 erbaut und am 13. November 1973 abgerissen. Besondere Bekanntheit erreichte die Halle durch die Sportpalastrede von Joseph Goebbels, in der er 1943 zum „Totalen Krieg“ aufrief.

Überblick[Bearbeiten]

Die Internationale Sportpalast- und Winter-Velodrom GmbH kaufte das Gelände 1909 und beauftragte den Architekten Hermann Dernburg mit dem Bau. Bei der Eröffnung im November 1910 galt die Halle als Sensation, insbesondere wegen der Kunsteisbahn, zu ihrer Zeit die größte der Welt. Sie verhalf den Sportarten Eishockey und Eisschnelllauf erstmals zu großen Publikumserfolgen in Berlin. Eröffnet wurde der Sportpalast durch den Komponisten und Dirigenten Richard Strauss, der Beethovens 9. Sinfonie dirigierte. Aufsehen im Feuilleton erregten die vielen Missgeschicke der Vortragenden, die abseits des teppichbelegten Zugangs auf ihrem Weg zum Podium, das in der Mitte der Eisfläche aufgebaut war, häufig ausrutschten.

Je nach Art der Veranstaltung und Bestuhlungsvariation bot er bis zu 10.000 Menschen Platz und war damit für lange Zeit die größte Halle der Stadt.

Anfangsschwierigkeiten und Boom[Bearbeiten]

Gemeinsame Wahlkundgebung von Zentrum, SPD und DDP des Reichspräsidentenkandidaten Wilhelm Marx, 17. April 1925
Boxkampf mit Max Schmeling 1928

Der anfangs ausbleibende Publikumserfolg verursachte wenige Monate nach Eröffnung einen Konkurs, aus dem ein Mäzen heraushalf.

In den vergnügungssüchtigen „Goldenen Zwanzigern“ erlebte der Sportpalast einen Boom: Er war Ort großer Boxkämpfe u. a. mit Hans Breitensträter (genannt Blonder Hans), Sabri Mahir (Schrecklicher Türke) und Max Schmeling (genannt Maxe). Als Zuschauer der Kämpfe waren unter anderen häufig Enrico Caruso, Richard Tauber, Hans Albers, Fritz Kortner sowie Bertolt Brecht anwesend.

1923 fand im Sportpalast das weltweit erste Hallenreitturnier statt, das in der Folge ein – bis heute anhaltendes – Interesse dieser Art von Sportveranstaltungen auslöste.

Der Sportpalast wurde aber nicht nur für Reit- sondern auch für Fahrturniere genutzt, beispielsweise mit Sechserzügen.[1]

Sechstagerennen[Bearbeiten]

Start zum 27. Berliner Sechstagerennen 1932

Seit 1911 fand als weiteres Großereignis das jährliche Sechstagerennen statt, das bis heute eine Berliner Tradition geblieben ist. Zu diesen jährlichen Ereignissen der Radsportler wie Piet van Kempen (der Fliegende Holländer) oder Hans Kalupa (der Jahrzehnte später noch einen Blumenladen in der Potsdamer Straße betrieb) pfiffen Berliner Institutionen wie das Original Reinhold Habisch (genannt Krücke) von den billigen Plätzen unter dem Dach (dem sogenannten ‚Heuboden‘) den Sportpalastwalzer. Die Prominenz stiftete Preise, beispielsweise Villen und Pelzmäntel, und unterzog sich dem Konsumationszwang – auch Alkoholzwang genannt – in den ebenerdigen Logen. In der Bahnmitte gab es nur Stehplätze.

Auch als Lichtspielhaus wurde der Palast genutzt und 1919 als größtes Kino der Welt angepriesen.

Politik[Bearbeiten]

Wahlversammlung der NSDAP im Sportpalast, 1930

Mit Beginn der Weimarer Republik wurde der Sportpalast zunehmend von den großen Parteien für ihre Parteitage angemietet. Bekannte Redner waren u. a. der spätere Reichskanzler Heinrich Brüning vom Zentrum, der Arbeiterführer Ernst Thälmann von der KPD oder der spätere Propagandaminister Joseph Goebbels, der es vom Parterre der „Opiumhöhle“ genannten Potsdamer Straße 97, wo sich 1926 bis 1928 das Berliner Büro der NSDAP befand (Gau Berlin und Brandenburg), nicht weit hatte.

Mit der Aufhebung des Verbots der NSDAP in Berlin im September 1928 wurden auch deren Veranstaltungen im Sportpalast immer zahlreicher.

Hitler, der einige Jahre in verschiedenen deutschen Ländern Redeverbot hatte, sprach am 16. November 1928 im Berliner Sportpalast, nachdem der Freistaat Preußen dieses aufgehoben hatte.[2]

Goebbels erkannte früh das propagandistische Potential dieser Halle und bezeichnete sie als „unsere Tribüne“. Aber auch die politischen Gegner der NSDAP nutzten den Sportpalast. Noch nach der „Machtergreifung“ hielt die KPD am 23. Februar 1933 zur Vorbereitung der Märzwahlen eine Großkundgebung mit Wilhelm Pieck als Hauptredner ab.[3] Nach ihrem Wahlsieg verbot die Hitlerregierung oppositionelle Parteien und war nurmehr ausschließlich im Sportpalast zugelassen. Auch fanden kaum noch Sportveranstaltungen dort statt.

Am 13. November 1933 hielt Reinhold Krause, Obmann der Deutschen Christen in Groß-Berlin, im Sportpalast eine Rede vor etwa 20.000 Zuhörern. Dabei breitete er eine unverblümt antisemitische, neuheidnische Ideologie von einem deutschen Christentum aus und forderte die Abkehr des deutschen Christentums von seinen jüdischen Wurzeln. Die im Rundfunk übertragene Rede führte in den folgenden Wochen zu einer Austrittswelle von Mitgliedern der Deutschen Christen.

Krieg[Bearbeiten]

Das wichtigste politische Ereignis in der Halle ist Goebbels' Sportpalastrede vom 18. Februar 1943. Damit sollte die Bevölkerung nach der Niederlage in Stalingrad auf den „Totalen Krieg“ eingeschworen werden.

Hitler hatte zum neunjährigen Jubiläum seines „Tausendjährigen Reichs“ am 30. Januar 1942 eine Rede gehalten, zu der der Völkische Beobachter erklärte, dass Hitler deswegen den Sportpalast gewählt habe, weil dieser für das Ringen und die Mühsale und den schließlichen Sieg zum Gleichnis geworden sei. Exakt zwei Jahre nach dieser Rede und genau elf Jahre nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde der Sportpalast am 30. Januar 1944 ausgebombt. Noch während des Krieges wurde der Schutt aus der Ruine geräumt. Wie Wochenschau-Bilder[4] belegen, fanden dort im Winter 1944/1945 noch öffentliche Eiskunstlaufvorführungen unter freiem Himmel statt.

Der in vereinfachter Form wiederaufgebaute Sportpalast, ca. 1955

Schneller als die meisten Häuser der Potsdamer Straße wurde der Sportpalast stark vereinfacht wiederhergestellt und 1949 mit einem Notdach versehen, das bis zum Abriss 1973 hielt. Das große Foyer wurde dabei nicht wieder errichtet.

Konzertarena[Bearbeiten]

In den folgenden Jahren wurde der Palast überwiegend als Konzerthalle genutzt, mit Auftritten z. B. von Pink Floyd, den Beach Boys, Jimi Hendrix, Deep Purple und The Nice. Als die Fans 1958 bei einem Konzert von Bill Haley randalierten, entstand ein Sachschaden von 30.000 Mark, worauf die Polizei unter dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt eine Rowdy- und Schlägerkartei einrichtete, um der Halbstarken in schwarzen Lederjacken, die der Nähe zu den ‚Braunhemden‘ verdächtigt wurden, Herr zu werden.

Weitere Stars, die im Sportpalast auftraten, waren Ella Fitzgerald, Lionel Hampton, Klaus Kinski und Frank Zappa, der allerdings durch die APO von der Bühne geholt wurde, weil er sich dort für evolution statt revolution ausgesprochen hatte.

Die frühere Beliebtheit des Sportpalastes wurde nie wieder erreicht. Hinzu kam mit der relativ nah verlaufenden Sektorengrenze und schließlich dem Bau der Berliner Mauer 1961 ein Verlust der zentralen Lage und ein stark beschnittenes Einzugsgebiet.

Abriss und Neubebauung des Grundstücks[Bearbeiten]

Gedenktafel am Haus Potsdamer Straße 172 in Schöneberg

Als der Betrieb der Halle wirtschaftlich nicht mehr tragbar war und der Geschäftsführer, der jahrelang ohne staatliche Subventionen für den Sportpalast auskommen musste, bei einem Unfall unerwartet starb, wurde der Palast 1973 verkauft und zugunsten eines Wohnungsbauprojektes am 13. November 1973 abgerissen.[5]

Das an gleicher Stelle im Rahmen der Förderprogramme für den Sozialen Wohnungsbau errichtete Pallasseum wird im Volksmund „Sozialpalast“ genannt. Es handelt sich hierbei um ein langgestrecktes zehngeschossiges Hochhaus mit Galeriegängen auf den Etagen, das parallel zur Potsdamer Straße angeordnet ist. Dieser Gebäuderiegel reicht vom ehemaligen Gelände des Sportpalastes (nördlich der Pallasstraße) bis zum Hochbunker Pallasstraße, umgangssprachlich „Sportpalast-Bunker“ genannt (südlich der Pallasstraße). Die Pallasstraße selbst wird mit einem Betontragwerk überbrückt, sodass eine ungehinderte Durchfahrt für den öffentlichen Straßenverkehr möglich ist.

Bei dem genannten Hochbunker handelt es sich um ein viergeschossiges Bauwerk aus dem Zweiten Weltkrieg, der nach 1945 aufgrund seiner massiven Bauweise den möglichen Abrissversuchen trotzte (größere Sprengarbeiten hätten zu starke Schäden in der Bebauung der Umgebung verursacht) und heute nach zwischenzeitlicher Modernisierung der Innenausstattung wieder als Bunker nutzbar ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfons Arenhövel (Hrsg.): Arena der Leidenschaften – Der Berliner Sportpalast und seine Veranstaltungen 1910–1973, Arenhövel, Berlin 1990, ISBN 3-922912-13-3.
  • Sportpalast in Berlin, Potsdamer Straße. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, Jg. XXXI, Nr. 35 (29. April 1911), urn:nbn:de:kobv:109-opus-44800, S. 213–216. (Elf Abbildungen)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sportpalast Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Max Pape: Die Kunst des Fahrens – Fahren und Anspannen nach den Richtlinien von Benno von Achenbach. 8. Auflage, Kosmos, Stuttgart 1966/2002, ISBN 9-783440-092286, S. 51 f. oder 80 ff.
  2. dhm.de
  3. Christoph Henseler: Thälmanns Gethsemane. Die Gedenkstätte Ziegenhals und ihr Ende, in: Wolfgang Benz u. a. (Hrsg.): Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG) 6/2010, Metropol-Verlag, Berlin 2010, S. 527–552, hier S. 545
  4. Berliner Sportpalast als kompletter Film im Internet Archive
  5. 30 × verschwundenes Berlin. In: Rundfunk Berlin Brandenburg