Bermatingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bermatingen
Bermatingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bermatingen hervorgehoben
47.7291666666679.35440Koordinaten: 47° 44′ N, 9° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Bodenseekreis
Höhe: 440 m ü. NHN
Fläche: 15,45 km²
Einwohner: 3852 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 249 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88697
Vorwahl: 07544
Kfz-Kennzeichen: FN
Gemeindeschlüssel: 08 4 35 005
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Salemer Straße 1
88697 Bermatingen
Webpräsenz: www.bermatingen.de
Bürgermeister: Martin Rupp
Lage der Gemeinde Bermatingen im Bodenseekreis
Bodensee Österreich Schweiz Bayern Bermatingen Daisendorf Deggenhausertal Eriskirch Frickingen Friedrichshafen Hagnau am Bodensee Heiligenberg (Bodenseekreis) Immenstaad am Bodensee Kressbronn am Bodensee Langenargen Markdorf Meckenbeuren Meersburg Neukirch (Bodenseekreis) Oberteuringen Owingen Salem (Baden) Sipplingen Stetten (Bodenseekreis) Tettnang Überlingen Überlingen Uhldingen-Mühlhofen Landkreis Konstanz Landkreis Konstanz Landkreis Ravensburg Landkreis SigmaringenKarte
Über dieses Bild

Bermatingen ist eine Gemeinde im Bodensee-Hinterland, etwa vier Kilometer westlich von Markdorf.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Bermatingen liegt auf 436 m im Linzgau südwestlich des Gehrenbergs im Tal der Seefelder Aach. Die Gemeindefläche umfasst 1.545 Hektar, davon sind 23 Hektar Gewerbe-, 114 Hektar Obstanbau-, 372 Hektar Wald-, 35 Hektar Weinanbaufläche.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Bermatingen besteht aus den Ortsteilen Bermatingen (mit dem Weiler Autenweiler und Wiggenweiler) und Ahausen.

Wappen Stadtteil Einwohner (2006[2]) Fläche
Bermatingen Bermatingen (Kernort) 2.800  ?
Ahausen Ahausen 1.000  ?

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsteile[Bearbeiten]

Bermatingen, gesehen von der Wallfahrtskirche Baitenhausen, im Vordergrund Ahausen
Bermatingen

Im 5. - 7. Jahrhundert wurde die Örtlichkeit von freien alemannischen Bauern besiedelt.[3] Bermatingen wurde im Jahr 779 erstmals urkundlich erwähnt. Ab 1390 war das Dorf der Reichsabtei Salem angegliedert und beherbergte von 1424 bis 1802 selbst ein Kloster.

Im Bauernkrieg sammelte sich im Jahr 1525 der sogenannte Seehaufen unter Eitelhans Ziegelmüller in Bermatingen. Die Bauern und Hörigen unternahmen von dort im April 1525 Angriffe auf Städte, Burgen und Klöster und brachten diese zum Teil in ihre Gewalt.[4] Schauplätze waren Markdorf, Ittendorf, Meersburg und Buchhorn (heute Friedrichshafen).[5] Am 14. April 1525 zogen Hunderte nach Weingarten. Dort fand aber keine Schlacht statt, sondern der Stratege Ziegelmüller schloss mit dem Truchsess Georg III. von Waldburg (Bauernjörg) den Vertrag von Weingarten und beendete die Revolution. Dies war der einzige unblutige Zusammenstoß des Bauernheeres mit dem Heer des schwäbischen Bundes.[4]

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss fiel Bermatingen an Baden.

Ahausen

Ahausen wird bereits im Jahr 752 erstmals urkundlich erwähnt. Die Schenkungsurkunde vom 10. Mai 752 an das Kloster St. Gallen benennt den Hof in Hahahusir (heute Ahausen).[6] Seit 1972 ist Ahausen ein Teilort von Bermatingen mit eigener Ortsverwaltung. In Ahausen leben etwa 1000 Menschen. Am 1. Januar 1973 wurde Ahausen nach Bermatingen eingemeindet.

Historischer Rundgang[Bearbeiten]

Die Geschichte der historischen Bauten und Plätze wird durch Hinweistafeln erläutert. Der „historische Rundgang“ beginnt am Rathaus in Bermatingen und führt an den erläuterten Gebäuden vorbei.[7]

Religionen[Bearbeiten]

Kapelle St. Jakob, Ahausen

In Bermatingen gibt es seit je eine römisch-katholische Kirche, die seit 1283 Pfarrkirche und eine der Urkirchen im Bodenseeraum ist.

Die evangelischen Gläubigen sind nach Markdorf eingepfarrt.

Politik[Bearbeiten]

Bermatingen hat sich mit der Stadt Markdorf sowie den Gemeinden Deggenhausertal und Oberteuringen zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammengeschlossen.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab sich folgende Sitzverteilung[8]:

  • FW - 34,6 % (+0,6) - 5 Sitze (=)
  • CDU - 28,4 % (+1,4) - 4 Sitze (=)
  • LBU (Liste für Bürgernähe und Umwelt) - 21,3 % (-3,6) - 3 Sitze (-1)
  • SPD - 15,7 % (+1,6)- 2 Sitze (=)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Am 18. Oktober 2009 wurde Martin Rupp mit 94,9 Prozent der Stimmen bei 40,5 Prozent Wahlbeteiligung in seinem Amt als Bürgermeister bestätigt. 2001 wurde er zum ersten Mal zum Bürgermeister von Bermatingen gewählt. Am 2. Januar 2002 trat er sein Amt als Nachfolger des langjährigen Bürgermeisters Alois Gohm an.

  • 1978–2002: Alois Gohm
  • seit 2002: Martin Rupp

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Silber ein aufgerichteter, rot bewehrter und rot bezungter schwarzer Bär.


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bermatingen[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Georg, Bermatingen
  • Der gut erhaltene historische Dorfkern Bermatingens steht als Ganzes unter Denkmalschutz. Bestandteil des Ensembles sind zahlreiche alte Fachwerkhäuser: 1390 bereits existierte das älteste Gebäude, das heutige „Landgasthof Zum Adler“ (einst schon Schankwirtschaft und gleichzeitig Amtshaus). Die gotische Kirche St. Georg wurde etwa 1390 gebaut und 1422 geweiht. Sie hat einen romanischen Turm, einen markanten Giebel, teils barocke Innenausstattung und umfangreiche Freskenmalereien und Skulpturen von Feuchtmeyer, Zürn und Morinck.[4] Ein zeitgeschichtliches Denkmal ist der Kehlhof, ein Fachwerk-Bauernhof hinter dem Rathaus, in dem sich während des Bauernkrieges von März bis April 1525 das Hauptquartier des Anführers Eitelhans Ziegelmüller aus Oberteuringen mit elf seiner Bauernführer befand.[9]Das Pfarrhaus wurde 1746–1747 durch Peter Thumb erbaut.
  • Die Burg Bermatingen, um 1166 erwähnt, war Sitz der Herren von Bermatingen, der Schenken von Ittendorf und der Herren von Hörningen zu Beyenburg. Sie wurde im Bauernkrieg zerstört und ist heute nur noch als Wall-Graben-Anlage im heutigen Oberwald zu sehen.[10]
  • Das ehemalige Kloster Weppach („am Weppachbach“) im Wald Richtung Autenweiler war im Besitz von Beginen, später Franziskaner-Terziarinnen. Das Kloster 1424 wurde urkundlich ersterwähnt und 1803 im Rahmen der Säkularisation aufgelöst. Die restaurierte Klosterkirche, erbaut 1781, befindet sich heute in Privatbesitz.
  • Der Bermatinger Torkel, die letzte erhaltene historische Weinpresse, befindet sich seit 1991 am Ortseingang und erinnert daran, dass es in Bermatingen im 19. Jahrhundert noch mindestens acht Torkeln gab und in guten Weinjahren 360.000 Liter Wein produziert wurden.
  • Die Bermatinger Höhle ist eine von Menschen gegrabene Sandsteinhöhle, die 1840 zufällig wiederentdeckt wurde. Ihr Zweck und ihr Alter sind unsicher. Möglicherweise wurde sie schon im Mittelalter benutzt.[11]
  • Peters Brünnele ist eine kleine Brunneneinfassung mitten im Bermatinger Oberwald.[4]

Ortsteil Ahausen[Bearbeiten]

  • Im Ortsteil Ahausen steht die Kapelle St. Jakobus aus dem 10. bis 12. Jahrhundert. Die spätgotische Kapelle ist im Kern romanisch und mit teils sehr gut erhaltenen gotischen Fresken ausgemalt. Bei einem Brandanschlag im Jahr 1634 im Dreißigjährigen Krieg durch schwedische Soldaten konnte sie wegen der massiven Bauweise nicht zerstört werden.[12]
  • Von den zwei auch heute noch erhaltenen Mühlgebäuden nahm die „untere Mühle“ die Ernte der unfreien Bauern entgegen, die mit prächtigem Fachwerkbau ausgestattete „obere Mühle“ dagegen nur die Ernte der freien Bauern.[13]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Wichtiger Bestandteil des Lebens in Bermatingen ist die Alemannische Fasnet. Symbolfigur der Bermatinger Bärenzunft ist der Bermatinger Bär im Fasnetshäs. Eine Brunnenfigur vor der Bermatinger Grundschule am Bahnhof bildet ihn ab.[14] Es ist eine Arbeit des Bermatinger Künstlers Erich Kaiser, der auch mit seiner Georgsfigur und dem Passionsrelief bleibende Werte schuf.[4] Des Weiteren finden sich im Jahreslauf das Weinfest, das Moschtfest, das Torkelfest, die Ferienspielstadt Bärenhausen für Kinder, die Kunsthandwerkermärkte, der Bermatinger Adventskalender und Musikveranstaltungen.[4]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof in Bermatingen

Bermatingen hat einen Bahnhof an der Bahnlinie Friedrichshafen-Radolfzell. Es liegt an den Landstraßen von Meersburg nach Markdorf sowie von Salem nach Markdorf. Die Gemeinde ist durch Buslinien mit Markdorf, Salem und Meersburg verbunden. Bermatingen gehört dem Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund (bodo) an.

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet ist vom Obstbau (auf 114 Hektar) und Weinbau (auf 35 Hektar - Anbaugebiet Baden, Region Bodensee) geprägt. Außerdem gibt es 372 Hektar Waldfläche.

Die Einzel-Weinlage „Bermatinger Leopoldsberg“ umfasst rund 25 ha. Sie ist hochgelegen im Hinterland des Bodensees auf einem Südhang mit schweren Böden. Erzeugt werden Spätburgunder, Müller-Thurgau und Grauburgunder.[15]

Es gibt in der Gemeinde Bermatingen 35 Kleinbrenner (Stand: Dezember 2011).[16]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Bermatingen ist Stammsitz des weltweit tätigen Maschinenbaukonzerns Rohwedder Macro Assembly GmbH, der sich auf Montagetechnik spezialisiert hat, sowie der Maschinenfabrik Bermatingen (Geräte für die Landwirtschaft). Im Ortsteil Ahausen hat die Bernhard Widemann Bodensee-Kelterei GmbH ihren Sitz, sie ist einer der größten Direkt-, Bio- und Fruchtsaftkonzentratproduzenten in Deutschland.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Altbau der Grundschule Bermatingen
Der Kindergarten St. Georg

Bermatingen verfügt über eine eigene Grundschule und zwei Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft. Die Grundschule Ahausen ist 2003 nach erfolgter Sanierung und Erweiterung der Grundschule in Bermatingen geschlossen worden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erika Dillmann (Hrsg.): Bermatingen. Heimatbuch zur 1200-Jahr-Feier. Gemeinde Bermatingen, Bermatingen 1979.
  • Walter Hutter (Hrsg.): 1250 Jahre Ahausen. Ein Dorf im Wandel der Zeit. Heimatkreis Bermatingen-Ahausen, Bermatingen 2002.
  • Otto Deisler: Geschichte der Pfarrei Bermatingen. Linzgau-Bote, Überlingen 1911.
  • Ralf Keller: Bermatingen: Die Molassehöhlen. In: Alexandra Berend, Mathilde Grünewald, Peter Walter (Hrsg.): Der nördliche Bodenseeraum. Ausflugsziele zwischen Rhein und Donau. (Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland, 55). Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2643-0, S. 137–139.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bermatingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. ala: Zahlen und Fakten. In: Südkurier vom 31. Januar 2007.
  3. Gemeindeverwaltung Bermatingen: Historischer Rundgang durch Bermatingen. Faltblatt von etwa 2000.
  4. a b c d e f Christiane Keutner (keu): Bermatingen. Hier lässt es sich einfach gut leben. In: Die Region stellt sich vor. Wir sind hier. Sonderbeilage des Südkurier vom 19. November 2010, S. 18.
  5. Infotafel am Kehlhof in Bermatingen
  6. Ablichtung und Übersetzung der Urkunde an der Wand im Innern der Kapelle von Ahausen
  7. Gemeindeverwaltung Bermatingen: Historischer Rundgang durch Bermatingen. Faltblatt von etwa 2000.
  8. http://wahlen11.rz-kiru.de/08435005W/gw2014.html
  9. Infotafel am Kehlhof
  10. Alois Schneider: Burgen und Befestigungsanlagen des Mittelalters im Bodenseekreis. Eine Bestandsaufnahme. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg. 14, 1989, S. 525–527.
  11. Ralf Keller: Bermatingen: Die Molassehöhlen. In: Alexandra Berend, Mathilde Grünewald, Peter Walter (Hrsg.): Der nördliche Bodenseeraum. (Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland, 55). Theiss, Stuttgart 2012, S. 137–139.
  12. Infotafel Nummer 15 des Historischen Rundgangs Bermatingen. - Jürgen Michler: Gotische Ausmalungssysteme am Bodensee. In: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg. 23, 1986, S. 32–57.
  13. Infotafel Nummer 16 bis 17 des Historischen Rundgangs Bermatingen an der Ahauser Kapelle
  14. Infotafel Nummer 6 des Historischen Rundgangs
  15. Infotafel des Markgrafen von Baden am Hofgut in Birnau
  16. Südkurier-Grafik: Orlowski/ Quelle: Hauptzollamt Ulm: Zahl der Kleinbrenner. In: Hanspeter Walter (hpw): Das alte Monopol läuft aus. In: Südkurier vom 17. Dezember 2011.