Bernadette Soubirous

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Bernadette Soubirous
Wohnhaus der Familie Soubirous43.09813-0.048248
Bernadette Soubirous vor der Grotte von Lourdes auf einem Foto aus dem Jahr 1863
Bernadette Soubirous (1866)
Sr. Marie Bernarde bei der Aufbahrung

Die heilige Bernadette Soubirous, oder Maria Bernada Sobeirons in okzitanisch, (* 7. Januar 1844 in Lourdes; †  16. April 1879 in Nevers an der Loire) war eine französische Ordensschwester, die als Mädchen im Jahre 1858 mehrere Marienerscheinungen hatte. In der römisch-katholischen Kirche wird Bernadette Soubirous als Heilige verehrt. Die Stadt Lourdes wurde zu einem der bedeutendsten europäischen Wallfahrtsorte.

Leben[Bearbeiten]

Als älteste Tochter des ärmlich lebenden Müllers François Soubirous (1807–1871) und seiner Frau Louise (1825–1866) in Lourdes (einem kleinen Städtchen am nördlichen Fuße der Pyrenäen) aufgewachsen, zog sich Bernadette bereits in früher Kindheit ein bis zu ihrem Tode anhaltendes Asthmaleiden zu. Ihr wird auch eine allgemeine Dystrophie zugeschrieben (Zurückbleiben der körperlichen Entwicklung). Wie bei Kindern in ihren sozialen Verhältnissen normal, beherrschte sie nicht die französische Hochsprache, sondern sprach das lokal übliche Bigourdan. Bald schon musste die Familie die Mühle, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, verlassen und in ein leerstehendes Haus umziehen, „Cachot“ genannt, das früher als Arrestlokal genutzt wurde. Dieses Haus hatte ihnen der Vetter André Sajous verschafft.

Am 11. Februar 1858 gegen 11 Uhr gingen Bernadette, ihre Schwester Antoinette und ihre Freundin Jeanne Abadie zur nahen Grotte Massabielle (Occitan massa vièlha ‚alter Fels‘), um jenseits des Flusses Gave de Pau Holz zu sammeln. Dort soll Bernadette oberhalb der Grotte in einer kleinen Nische das erste Mal eine weißgekleidete Frau erschienen sein.

„Ich hörte ein Geräusch ähnlich einem Windstoß, ich erhob die Augen zur Grotte und sah eine weißgekleidete Dame, welche ein weißes Kleid, einen blauen Schleier und auf jedem Fuß eine goldene Rose trug.“

Nach ihrer ersten Vision sagte Bernadette:

„Sie hatte ein weißes Kleid, einen blauen Gürtel und eine goldene Rose in der Farbe ihres Rosenkranzes auf jedem Fuß. Als ich das sah, rieb ich mir die Augen, weil ich dachte, mich zu täuschen...“

Die weiß gekleidete Dame soll Bernadette bei der dritten Erscheinung um weitere 15 Treffen gebeten haben. Ferner soll die Dame gesagt haben: „Ich verspreche Ihnen nicht, Sie in dieser Welt glücklich zu machen, sondern in der anderen“. Bernadette berichtete dem Ortspfarrer Peyramale von „aqueró“, von „jener dort“; dieser war entschiedener Skeptiker und hielt Bernadette für verrückt. Er beauftragte sie, die Frau nach ihrem Namen zu fragen. Beim 16. Treffen schließlich soll die Dame auf die Frage, wer sie sei, mit den Worten „Que soy era Immaculada Councepciou“ („Ich bin die unbefleckte Empfängnis“) geantwortet haben. Als Bernadette dem Pfarrer berichtete, was die Frau gesagt habe, war Peyramale zutiefst erschüttert und schockiert. Papst Pius IX. hatte vier Jahre zuvor das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet. Dass Bernadette mit ihrer mangelnden Bildung und obwohl sie noch nicht bei der Erstkommunion gewesen war, von diesem Dogma gehört haben konnte, ist wenig wahrscheinlich. Bernadette war diese Bezeichnung so unbekannt, dass sie beim Zurücklaufen die Worte immer wiederholte. Dies überzeugte den Pfarrer, der daraufhin die Erscheinungen verteidigte. Die Erscheinungen – elf im Februar, fünf im März, eine im April und eine im Juli – endeten am 16. Juli 1858.

Bernadette trat 1866 in das Kloster Saint-Gildard der Barmherzigen Schwestern in Nevers ein, wo sie ein zurückgezogenes und naturgemäß bescheidenes Leben führte. Marie-Thérèse Vauzous, ihre Novizenmeisterin und spätere Superiorin – die bereits in der Schule ihre Religionslehrerin gewesen und Bernadette nicht gewogen war − lehnte die Visionen von Lourdes ab und widersetzte sich einer einsetzenden Verehrung Bernadettes nach ihrem durch Knochentuberkulose verursachten Tod im Alter von 35 Jahren. Bernadette war nach ihrem Eintritt ins Kloster nie mehr zur Grotte von Massabielle zurückgekehrt.

Nach Bernadettes Tod[Bearbeiten]

Ihr Leichnam wurde mehrfach exhumiert. Bei der Untersuchung am 22. September 1909 wurde er von den untersuchenden Ärzte Jourdan und David wie folgt beschrieben: „Die Gesichtshaut lag auf den Knochen auf, und der Körper war braunschwarz gefärbt, pergamentartig starr und klang beim Anschlag hohl wie Karton. Auf den Unterarmen konnte man noch das Muster der Adern erkennen. Hände und Füße waren wächsern.“.[1]

Der Bündner Rechtsmediziner Walter Marty erklärt die Protokolleinträge wie folgt: „Diese Beschreibung ist geradezu klassisch, vor allem der holzkartonartige Ton. Dass das Muster der Adern noch erkennbar war, erklärt sich dadurch, dass das Unterhautfett verschwunden ist. Fett ist in unseren Zellen flüssig vorhanden und läuft bei Fäulnis aus. Die braunschwarze Verfärbung findet man bei allen sogenannten Faulleichen, sie ist bedingt durch den Abbau des Hämoglobins. Mit Blei ausgekleidete Särge sind bekannt dafür, dass sie die Zersetzungserscheinungen verhindern.[1]

Bernadettes Körper zählt zu den rund 100 sogenannten „unversehrten Leichnamen“ katholischer Heiliger, die im anglo-amerikanischen Sprachraum „The Incorruptibles“ genannt werden. 1925 wurde anlässlich ihrer Seligsprechung der Leichnam in einen Glassarg gelegt und in die Kapelle des Klosters Saint-Gildard in Nevers (heute: Espace Bernadette Soubirous) überführt, wo er bis heute zu sehen ist. Man bedeckte jedoch das Gesicht und die Hände mit Wachsmasken, die nach Abgüssen und photographischen Aufnahmen gefertigt wurden.

Von Pius XI. wurde sie am 14. Juni 1925 selig, am 8. Dezember 1933 (dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis) heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 16. April.

Rezeption[Bearbeiten]

Franz Werfel schrieb einen Roman über Bernadette, der ein sehr anschauliches Bild ihres Lebens und der Entwicklung von Lourdes zu einem religiösen Zentrum gibt. Er war aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Lourdes geflüchtet und hatte dort ein Gelübde abgelegt, dass er die Geschichte Bernadettes niederschreiben werde, falls er die Verfolgung durch die Nationalsozialisten überleben sollte. Der Bayerische Rundfunk produzierte 1959 unter der Regie von Heinz-Günter Stamm nach Werfels Romanvorlage Das Lied von Bernadette als Hörspiel, bearbeitet von Fred von Hoerschelmann und Richard Miller mit unter anderem Solveig Thomas als Bernadette, Walter Richter als François Soubirous und Edith Schultze-Westrum als dessen Frau Louise. Die Laufzeit des Werkes beträgt 84'50 Minuten. Zwei weitere Funkfassungen wurden jeweils als Zweiteiler produziert.

Die Verfilmung Das Lied von Bernadette von 1943 mit Jennifer Jones als Bernadette wurde ein mit mehreren Oscars ausgezeichneter Welterfolg.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b www.profil.at

Literatur[Bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bernadette Soubirous – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien