Bernal Díaz del Castillo

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Bernal Díaz del Castillo

Bernal Díaz del Castillo (* zwischen 1492 und 1496 in Medina del Campo; † 1581 in Santiago de los Caballeros de Guatemala, Guatemala) war ein spanischer Konquistador, der einen Augenzeugenbericht über die Eroberung Mexikos unter Hernán Cortés verfasst hat.

Leben[Bearbeiten]

Geboren im Spanien des 15. Jahrhunderts, stammte er einer Familie mit wenig Wohlstand ab. Bernal wuchs in einem von Armut, Arbeit und Religiosität geprägten Milieu auf, und hatte daher nur eine geringe schulische Ausbildung genossen. Nach eigenen Angaben segelte er im Jahr 1514 in der Flotte des neu ernannten Gouverneurs von Panamá, Pedrarias Dávila nach Kuba, um sein Glück zu suchen. Eine beträchtliche Menge der indigenen Bevölkerung der Insel war bereits Krankheiten und Zwangsarbeit zum Opfer gefallen, und so wurde 1517 eine Expedition zu den kleineren karibischen Inseln ausgesandt, um weitere Arbeitskräfte aufzutreiben. Díaz schloss sich der Gruppe unter dem Kommando von Francisco Hernández de Córdoba an. Es war ein schwieriges Unternehmen, und obwohl sie die Yucatán-Küste entdeckten, befanden sie sich zum Zeitpunkt ihrer Rückkehr in einem katastrophalen Zustand.

Dennoch kehrte Díaz im folgenden Jahr zur Küste von Yucatán zurück mit einer Expedition, die von Juan de Grijalva mit der Absicht geführt wurde, die neu entdeckten Länder zu erforschen. Nach seiner Rückkehr nach Kuba schrieb er sich bei einer neuen Expedition ein, diesmal angeführt von Hernán Cortés. Bei diesem dritten Anlauf nahm Díaz an einem der erfolgreichsten Militärzüge der Geschichte teil, der das Ende des Aztekenreiches in Mesoamerika bedeuten sollte. Während dieses Feldzuges sprach Díaz regelmäßig mit seinen Kameraden über ihre Erfahrungen und sammelte sie in einer zusammenhängenden Erzählung. Das daraus resultierende Buch war die Wahrhafte Geschichte der Eroberung von Neuspanien (Historia Verdadera de la Conquista de la Nueva España). Darin beschreibt er zahlreiche der 119 Schlachten, von denen er angibt, daran teilgenommen zu haben und die 1521 im Sturz des Aztekenreiches gipfelten.

Er nahm auch an der unglücklichen Expedition Cortés' nach Hibueras (Honduras) in den Jahren 1524 bis 1526 teil, die quer durch Yucatán führte und die Maya-Siedlung Petén Itzá berührte.

Büste von Bernal Díaz del Castillo in Medina del Campo, Spanien.

Kurzzeitig hatte er Encomienden in der Nähe von Coatzacoalcos. Er machte zwei Reisen (1539–1541, 1550–1551) nach Spanien, um für sich bei König weiterreichende Belohnungen zu erlangen. Er trat dabei auch als Befürworter einer dauernden Vergabe der Encomienden bei einer Anhörung des Indienrates in Sevilla auf, wobei er in scharfe Opposition zu Bartolomé de las Casas geriet, die sich auch in seinen Schriften niederschlägt. Als Lohn für seine Dienste wurde Díaz zum Gouverneur von Santiago de los Caballeros ernannt, dem heutigen Antigua Guatemala, in deren Kathedrale er bestattet worden ist.

Werk[Bearbeiten]

Bereits zwischen 1552 und 1557 begann Díaz einen Bericht über die Eroberung Mexikos zu schreiben, der vermutlich als Probanza de méritos, als Nachweis seiner Verdienste mit dem Ziel der Erlangung königlicher Unterstützung konzipiert war. Später, als er Franciso de Gómaras Buch über die Eroberung las, in der die Rolle des Hernán Cortés herausgestellt wird, beschloss er eine Darstellung aus seinem Blickwinkel zu verfassen. Die erste Fassung des Werkes wurde 1568 fertiggestellt und nach Spanien gesandt, eine weitere vollständigere 1575. In einer zurückbehaltenen Kopie machte Díaz bis zu seinem Tod Veränderungen. Díaz starb 1581, ohne die Veröffentlichung seines Buches erlebt zu haben. Das erste nach Spanien geschickte Manuskript wurde 1632 in einer deutlich überarbeiteten Fassung veröffentlicht. Auch andere Manuskripte befinden sich in Spanien[1] Das von Bernal Díaz bis zu seinem Tod bearbeitete Manuskript, das später von seinem Sohn weiter bearbeitet wurde, befindet sich in Guatemala.

Der Wert des Werkes als historische Quelle ist keineswegs eindeutig, obwohl Díaz Augenzeuge der Eroberung war. Er hat offenbar zu dieser Zeit selbst keine Aufzeichnungen gemacht, sondern anhand des Buches von Gómara, das er intensiv benutzte, und der veröffentlichen Briefe Cortés' aus dem Gedächtnis erzählt. Da das Werk als Reaktion auf Gómara abgefasst wurde, besteht die Tendenz, wichtige Entscheidungen und Taten, die Gómara Cortés allein zuschreibt, als gemeinschaftliches Werk der spanischen Offiziere oder einzelner Personen darzustellen. Dennoch ist das Werk eine wichtige Ergänzung und Korrektur, allerdings weniger zu Gómara als zu Cortés' eigenen Berichten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. Benedict Warren: An introductory survey of secular writings in the European tradition on Colonial Middle America, 1503–1818. In: Handbook of Middle American Indians Bd. 13. University of Texas press, Austin 1973. ISBN 0-292-70153-5. S. 66–67

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]