Bernard Stasi

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Bernard Stasi (* 4. Juli 1930 in Reims, Département Marne; † 4. Mai 2011 in Paris) war ein französischer Politiker der Union pour la démocratie française (UDF), der nicht nur Minister für die Überseebesitzungen, sondern auch Ombudsmann der Republik war.

Leben[Bearbeiten]

Abgeordneter, Bürgermeister und Minister[Bearbeiten]

Stasi, Sohn italienischer Einwanderer, war zunächst im öffentlichen Dienst tätig und in den 1950er Mitarbeiter im Stab des Präfekten von Algier sowie später im Innenministerium sowie im Ministerium für die Übersee-Départements.

Im Juli 1968 wurde er erstmals als Kandidat des Centre des démocrates sociaux (CDS) zum Mitglied in die Nationalversammlung gewählt und gehörte dieser als Vertreter des Wahlkreises Marne IV zunächst bis April 1973 an. Daneben war er zwischen 1970 und 1977 Bürgermeister von Épernay.

Am 2. April 1973 berief ihn Premierminister Pierre Messmer zum Minister für die Übersee-Départements und Übersee-Territorien (Ministre des Départements et Territoires d'outre-mer). Dieses Amt, das Messmer zuvor selbst innehatte, bekleidete er bis zu seiner Ablösung durch Bernard Pons am 27. Februar 1974.[1]

Im April 1978 wurde er im Wahlkreis Marne IV wiederum zum Mitglied in die Nationalversammlung gewählt, in der er nunmehr bis April 1986 die UDF vertrat, der sich das CDS angeschlossen hatte. Während dieser Zeit war er von 1978 bis 1983 auch Vizepräsident der Nationalversammlung, ehe er zwischen 1983 und 2000 abermals Bürgermeister von Épernay war.

Daneben war er von 1981 bis Juli 1988 auch Präsident des Regionalrates der Region Champagne-Ardenne[2], wobei er zu den erstmals 1986 direkt gewählten Regionalräten gehörte. Zwischen April 1986 und April 1993 war er Mitglied der Nationalversammlung für den Wahlkreis Marne VI.

Europaabgeordneter und Ombudsmann[Bearbeiten]

Nach seinem Ausscheiden aus der Nationalversammlung kandidierte Stasi für das Europäische Parlament und gehörte diesem als Mitglied während der vierten Wahlperiode zwischen Juli 1994 und April 1998 an.

Im Anschluss wurde er im April 1998 als Nachfolger von Jacques Pelletier zum Bürgerbeauftragten (Médiateur de la République) berufen, einer durch ein Gesetz vom 3. Januar 1973 eingerichteten unabhängigen Verwaltungsbehörde eines Ombudsmannes zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Bürgern und Verwaltung. Ab dem 19. Juli 1999 war er mit Paul Joachim von Stülpnagel, Georg Reisch und Moustapha Niasse (Frankophonie) Vermittler bei einer Mission de facilitation politique au Togo in Lomé.[3]

Darüber hinaus würdigte er in dieser Funktion das Buch Escadrons de la mort, l'école française von Marie-Monique Robin, das sich mit den Zusammenhängen zwischen französischen Geheimdiensten, dem argentinischen Geheimdienst und der chilenischen Geheimpolizei Dirección Nacional de Inteligencia befasste.

Das Amt des Médiateurs hatte Stasi sechs Jahre lang bis zu seiner Ablösung durch Jean-Paul Delevoye im Jahr 2004 inne und legte seine Überzeugungen zur Bedeutung dieses Amtes und besonders auch zum Säkularismus 2003 im sogenannten Rapport Stasi dar.

Stasi, der an den Folgen seiner langjährigen Alzheimer-Krankheit verstarb, war nicht nur ein überzeugter Gegner der rechtsextremen Front National, sondern auch Ehrenmitglied der Ligue Internationale Contre le Racisme et l’Antisémitisme (LICRA), einer internationalen Nichtregierungsorganisation, die sich dem Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus verschrieben hat.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. French Ministries (rulers.org)
  2. French Regions (rulers.org)
  3. Renate Helm: Politische Herrschaft in Togo: das Problem der Demokratisierung, 2004, ISBN 3-8258-7785-X, S.184