Bernardin Gantin

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Bernardin Kardinal Gantin (1998)
Wappen von Bernardin Kardinal Gantin

Bernardin Kardinal Gantin (* 8. Mai 1922 in Toffo, Benin; † 13. Mai 2008 in Paris, Frankreich) war ein Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche und Dekan des Kardinalskollegiums.

Leben[Bearbeiten]

Gantin wurde als Sohn eines Eisenbahners geboren. Nach der Schule trat er 1936 in das Priesterseminar von Benin ein und empfing am 14. Januar 1951 in Lomé durch Erzbischof Louis Parisot das Sakrament der Priesterweihe. Anschließend unterrichtete er Sprachen am Seminar. Ab 1953 studierte Gantin in Rom unter anderem an der Lateranuniversität. Er erwarb das Lizenziat der Theologie und des kanonischen Rechts.

Am 11. Dezember 1956 wurde Gantin von Papst Pius XII. zum Titularbischof von Tipasa in Mauretania ernannt und Weihbischof in Cotonou bestellt. Die Bischofsweihe empfing er am 3. Februar 1957 durch Eugène Kardinal Tisserant, den damaligen Kardinaldekan und Kardinalbischof von Ostia; Mitkonsekratoren waren der Kurienbischof Pietro Sigismondi und André-Pierre Duirat, Bischof von Bouaké, Elfenbeinküste.

Johannes XXIII. ernannte Gantin am 5. Januar 1960 zum Erzbischof von Cotonou. 1971 holte ihn Papst Paul VI. als Kurienbischof nach Rom. Er war für die Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden und Päpstlichen Rat „Cor Unum“ tätig.

Papst Paul VI. nahm ihn am 27. Juni 1977 als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie Sacro Cuore di Cristo Re in das Kardinalskollegium auf; er war der erste farbige Kurienkardinal. Es folgten Stationen als Präsident der päpstlichen Räte Cor Unum und Iustitia et Pax. Darüber hinaus nahm er an den beiden Konklaven des Jahres 1978 teil.

Johannes Paul II. ernannte Gantin am 8. April 1984 zum Präfekten der Kongregation für die Bischöfe und zum Präsidenten der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika. Am 25. Juni desselben Jahres wurde er unter Beibehaltung seiner Titeldiakonie zum Kardinalpriester ernannt; am 29. September 1986 wurde er Kardinalbischof von Palestrina.

Am 3. Juli 1988 veröffentlichte die Kongregation für die Bischöfe unter seiner Leitung ein Schreiben zur Piusbruderschaft, in dem ihr schismatische Bestrebungen vorgeworfen wurden. Am 5. Juni 1993 wählten ihn die Kardinalbischöfe der suburbikarischen Bistümer zum Kardinaldekan, womit Gantin gleichzeitig Kardinalbischof von Ostia wurde.

Vereinzelt wurde er als möglicher Papst gehandelt.[1]

Am 30. November 2002 gab Johannes Paul II. dem altersbedingten Rücktrittsgesuch von Bernardin Gantin statt. Er kehrte zurück in den Benin und nahm wegen Überschreitung der Altersgrenze nicht am Konklave 2005 teil. Gantin verstarb im Alter von 86 Jahren im Hôpital Européen Georges Pompidou in Paris. Bestattet wurde er im beninischen Ouidah.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernardin Kardinal Gantin, in: Internationales Biographisches Archiv 39/2008 vom 23. September 2008, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bernardin Gantin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wer wird Nachfolger von Papst Johannes Paul II.? In: Die Zeit, Nr. 21/1997
Vorgänger Amt Nachfolger
Agnelo Kardinal Rossi Kardinaldekan/ Kardinalbischof von Ostia
1993–2002
Joseph Kardinal Ratzinger
Carlo Kardinal Confalonieri Kardinalbischof von Palestrina
1986–2008
José Kardinal Saraiva Martins CMF
Sebastiano Kardinal Baggio Präfekt der Kongregation für die Bischöfe
1984–1998
Lucas Kardinal Moreira NevesOP
Jean-Marie Kardinal Villot Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“
1978–1984
Roger Kardinal Etchegaray
--- Präsident der Päpstlichen Kommission "Iustitia et Pax"
1976–1984
Roger Kardinal Etchegaray
Louis Parisot Erzbischof von Cotonou
1960–1971
Christophe Adimou