Bernardo Atxaga

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Bernardo Atxaga (2002)

Bernardo Atxaga, eigentlich Joseba Irazu Garmendia (* 27. Juli 1951 in Asteasu, Guipúzcoa, Spanien) ist ein baskischer Schriftsteller.

Werdegang[Bearbeiten]

Atxaga studierte Wirtschaftswissenschaft in Bilbao und Philosophie in Barcelona. Er arbeitete zunächst als Bankangestellter, Buchhändler, Baskisch-Lehrer und als Autor von Rundfunksendungen. Seit 1980 widmet er sich ausschließlich der Schriftstellerei. Er schreibt auf Baskisch und übersetzt seine Werke zumeist selbst ins Spanische. Er hat damit wesentlichen Anteil daran, die baskische Sprache am Leben zu erhalten und sie zu einem literarischen Medium zu machen. Gefördert wurde er durch Gabriel Aresti. Er lebt heute in Zalduendo, Álava.

Kinderbücher, Lyrik, Songs[Bearbeiten]

Im Baskenland wurde er zunächst mit seinen (bisher 25) Kinderbüchern, aber auch mit seinen Gedichten (insbesondere Etiopia, Nueva Etiopia) bekannt, welche von den populärsten baskischen Sängern vertont wurden und gesungen werden. Er war Mitglied der avantgardistischen Gruppe Pott (1978–1983), der auch Joseba Sarrionandia, Ruper Ordorika, Jon Juaristi und andere baskische Autoren angehörten. Durch seine Teilnahme am Festival Poetry on the Road sind einige seiner Gedichte auch in Deutschland bekannt.

Romane[Bearbeiten]

Außerhalb des Baskenlandes ist Atxaga in erster Linie als Prosa-Autor bekannt. Sein Geschichten-Kranz Obabakoak ist mit bedeutenden spanischen Literaturpreisen ausgezeichnet, in mehr als dreißig Sprachen übersetzt und auch (von Montxo Armendáriz) verfilmt worden. In mehreren seiner Bücher wird das Tabu-Thema des baskischen Terrorismus aufgegriffen. Sein Roman, Zazpi etxe Frantzian (Siete casas en Francia), ist im April 2009 auf baskisch und spanisch erschienen. Sein neuester Roman ist im Februar 2012 gleichzeitig in drei Sprachen erschienen: Barrokaria, El luchador, The Fighter.

Bezug zu Deutschland[Bearbeiten]

Atxagas Werk hat stets auch einen starken Bezug zur Welt außerhalb des Baskenlandes. In der Sekundärliteratur (insbes. Olaziregi 2005) wird auf ein besonderes Verhältnis Atxagas zu Deutschland und zur deutsch-österreichischen Literatur hingewiesen. Einige seiner Geschichten spielen in Hamburg bzw. Berlin, einige seiner Figuren habe deutsche (wenn auch häufig etwas verfremdete) Namen, etwa Esteban Werfell, Klaus Hanhn, Hans Menscher. Sein Roman Obabakoak sollte ursprünglich Obaba - Hanburgo heißen. Darüber hinaus lassen sich in Atxagas Schriften Anspielungen auf Werke von Bert Brecht, Paul Celan, Franz Kafka, Friedrich Hölderlin, Georg Trakl, Franz Werfel finden.

Literaturpreise[Bearbeiten]

  • Premio de la Crítica für Etiopía (1978), Bi Anai (1985) und Obabakoak (1988)
  • Euskadi-Preis für Obabakoak

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Obabakoak oder das Gänsespiel („Obabakoak“). Unionsverlag, Zürich 1995, ISBN 3-293-20061-3 (übers. von Giò Waeckerlin Induni).
  • Ein Mann allein („Gizona bere bakardadean“). Unionsverlag, Zürich 1997, ISBN 3-293-20238-1 (übers. von Giò Waeckerlin Induni).
  • Fenster zum Himmel („Esos cielos“). Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1999, ISBN 3-518-12098-0 (übers. von Willi Zurbriggen).
  • Javier Gómez-Montero (Hrsg.): Territorios de la Poesía - Territorien der Lyrik in Spanien (Anthologie mit sieben Gedichten von Bernardo Atxaga auf Baskisch, Spanisch und Deutsch), edition tranvía, Berlin 2001, ISBN 3-925867-51-1
  • Silke Behl (Hrsg.): poetry on the road. 3. internationales Literaturfestival Bremen, 31. Mai - 3. Juni 2006. Literaturforum Bremen 2002 (enthält einige seiner Gedichte auf baskisch, spanisch und deutsch).
  • Memoiren einer baskischen Kuh („Behi euskaldun baten memoriak“). Fischer-Taschenbuch, Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-596-80427-2 (übers. von Ludger Moers).
  • Der Sohn des Akkordeonspielers. Roman („Soinujolearen semea“). Insel Verlag, Frankfurt/M. 2006, ISBN 3-458-17311-0.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ur Apalategui: La naissance de l'écrivain basque. L'évolution de la problématique littéraire de Bernardo Atxaga. L'Harmattan, Paris 2000, ISBN 2-7384-9418-8.
  • Amaia Gabantxo: Six Basque poets. Rikardo Arregi, Bernardo Atxaga, Felipe Juaristi, Miren Agur Meabe, Kirmen Uribe, Joseba Sarrionandia. Arc Publ., Todmorden 2007, ISBN 978-1-904614-26-5.
  • Jon Kortazar: Baskische Literatur. Essays. Aus dem Spanischen von Reiner Wandler, edition tranvía, Berlin 2005, ISBN 3-925867-77-5.
  • Jon Kortázar: Bernardo Atxaga. Basque Literature from the End of the Franco Era to the Present. University Press, Reno, Nv. 2005, ISBN 978-1-87780-242-3.
  • Jon Kortázar: Literatura vasca desde la transición. Bernardo Atxaga. Editorial del Orto, Madrid 2003, ISBN 84-7923-305-2 (Biblioteca crítica de las literaturas luso-hispánicas; 5).
  • Mari Jose Olaziregi: Waking the Hedgehog. The Literary Universe of Bernardo Atxaga. University Press, Reno, Nv. 2005, ISBN 1-87780-228-X.

Weblinks[Bearbeiten]