Bernd Aldor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bernd Aldor um 1925 auf einer Fotografie von Alexander Binder

Bernd Aldor (* 23. März 1881 in Konstantinopel, Osmanisches Reich; † 20. Oktober 1950 in Wien, Österreich) war ein deutscher Schauspieler.

Leben[Bearbeiten]

Kurz vor der Jahrhundertwende nahm er in Wien Schauspielunterricht in der Meisterklasse von Karl Arnau; zu seinen weiteren Lehrern gehörte Konrad Loewe. Er begann seine Theaterlaufbahn als Statist am Hofburgtheater, dem späteren Burgtheater.

Im Jahr 1900 erhielt er sein erstes festes Engagement in Znaim. Weitere Theaterstationen ab 1903 waren Czernowitz, Trier, Bremen, Königsberg, Leipzig, Dresden und Hamburg. 1906 kam er nach Berlin an das Schillertheater.

Im Jahr 1913 wurde er von Charles Decroix am Schauspielhaus Leipzig bei einer Aufführung von Tolstois Der lebende Leichnam für den Film entdeckt. Bekannt wurde Aldor 1917/18 in den ersten beiden Teilen des Aufkärungsdreiteilers Es werde Licht! als Dr. Mauthner, Leiter einer Anstalt für an Syphilis erkrankte Kinder.

Von 1917 bis 1919 war er Hauptdarsteller mehrerer Filmserien unter den Regisseuren Richard Oswald und Lupu Pick und ebenso in Oswalds Literaturinszenierungen Das Bildnis des Dorian Gray und Der lebende Leichnam. Bis Mitte der 1920er-Jahre war Aldor in Hauptrollen zu sehen, darunter als Talma in Madame Récamier 1920.

1932 verpflichtete der rumänische Schauspieler Constantin Tanase Aldor für eine in Berlin umgesetzte Filmregie. Danach geriet er langsam in Vergessenheit, obwohl er noch bis in das Tonfilmzeitalter hinein kleine Filmauftritte hatte. Längst nicht mehr beim Film aktiv, wurde er im Juli 1938 wegen seiner „vermutlich nicht arischen“ Herkunft aus der Reichsfilmkammer ausgeschlossen.

Seit Anfang März 1950 waren der jüdische Flüchtling Aldor und seine Frau Hilde in Wien nachweisbar. Wenig später starb der frühere Schauspieler.

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1913: Der Fleck
  • 1913: Die Czernowska
  • 1913: Das Ave Maria
  • 1914: Die große Sünderin
  • 1915: Aschenbrödelchen
  • 1916: Zirkusblut
  • 1917: Es werde Licht! 1 und 2. Teil
  • 1917: Des Goldes Fluch
  • 1917: Das Bildnis des Dorian Gray
  • 1917: Der Schloßherr von Hohenstein
  • 1918: Die Liebe des Van Royk
  • 1918: Der Weg ins Freie
  • 1918: Der Weltspiegel
  • 1918: Die tolle Heirat von Laló
  • 1918: Der lebende Leichnam
  • 1919: Marionetten der Leidenschaft
  • 1919: Mein Wille ist Gesetz
  • 1919: Der Herr über Leben und Tod
  • 1920: Madame Récamier / Des großen Talma letzte Liebe
  • 1921: Die Furcht vor dem Weibe
  • 1923: Weltspiegel
  • 1923: Graf Cohn
  • 1924: Die Todgeweihten
  • 1925: Graf Greif
  • 1925: Aschermittwoch
  • 1925: Halbseide
  • 1927: Die glühende Gasse
  • 1927: Schwere Jungs - leichte Mädchen
  • 1928: Der alte Fritz (2 Teile)
  • 1929: Indizienbeweis
  • 1930: Dreyfus
  • 1930: Leutnant warst Du einst bei deinen Husaren
  • 1930: Zwei Menschen
  • 1931: Elisabeth von Österreich
  • 1932: Visul lui Tanase (auch Regie)

Literatur[Bearbeiten]

  • Aldor, Bernd. In: Kurt Mühsam, Egon Jacobsohn: Lexikon des Films. Verlag der Lichtbildbühne, Berlin 1926, S. 6–7.
  • Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. Acabus-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 68 f.

Weblinks[Bearbeiten]