Bernd Nickel

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Bernd Nickel (* 15. März 1949 in Eisemroth) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler, der für Eintracht Frankfurt von 1968 bis 1983 in der Fußball-Bundesliga 426 Spiele absolviert hat und dabei 141 Tore erzielte. Kein anderer Mittelfeldspieler hat mehr Tore in der Bundesliga erzielt. Er gewann mit der Eintracht in den Jahren 1974, 1975 und 1981 den DFB-Pokal und 1980 den UEFA-Pokal.

Autogramm von Bernd Nickel

Laufbahn[Bearbeiten]

Vereine, 1957 bis 1983[Bearbeiten]

Bei seinem Heimatverein SV Eisemroth, im Gladenbacher Bergland im westlichen Mittelhessen gelegen, startete 1957 in der dortigen Jugendabteilung der achtjährige Schüler Bernd Nickel seine fußballerische Laufbahn. Seine später auch im Profibereich gefürchtete Schusspräzision hat er sich aber selbst erarbeitet. Zu Hause hat er stundenlang auf ein großes Scheunentor geballert und sich dabei immer wieder neue Punkte als Ziele vorgenommen.[1] Er spielte bereits mit 13 Jahren in seinem Heimatverein in der A-Jugend. Nach einem Anruf seines Onkels durfte er 1966 zu einem Probetraining bei Eintracht Frankfurt vorspielen. Danach wurde er sofort zu einem Turnier mit den Junioren in Rotterdam eingeladen, ebenso wie Bernd Hölzenbein, der aus dem etwa 50 Kilometer von Eisemroth entfernten Dehrn stammte. Im letzten A-Jugendjahr, 1966, schloss sich der gelernte Fernmeldetechniker - die Lehre hat er in Gießen gemacht - der Jugendabteilung von Eintracht Frankfurt an und zog nach Frankfurt. Über Spiele in der A-Jugend und der Amateurmannschaft – Mitspieler waren Bernd Hölzenbein und Jürgen Kalb unter der Trainingsleitung von Udo Klug - schaffte er 1968 den Sprung in den Bundesligakader von Trainer Elek Schwartz. Mit seinem ersten Profivertrag wurde die finanzielle Seite so geregelt: Neben dem monatlichen Grundgehalt von 1250 Mark gab es Siegprämien von 250 Mark. Für ein Unentschieden gab es die Hälfte und für Niederlagen nichts. Dazu bekam jeder Spieler 10000 Mark brutto Handgeld pro Saison.[2] Sechs Tage vor seinem 19. Geburtstag, am 9. März 1968, debütierte der offensive Linksfuß beim Auswärtsspiel gegen den FC Bayern München an der Seite von Bernd Hölzenbein und Oskar Lotz im Eintracht-Angriff in der Fußball-Bundesliga. Sieben Tage später, am 16. März, trug er sich beim 4:1 Heimsieg gegen Borussia Dortmund erstmals in die Torschützenliste ein. Nickel kam 1967/68 auf neun Einsätze mit drei Toren, Bernd Hölzenbein startete seine Bundesligakarriere mit elf Spielen und zwei Toren. DFB-Trainer Udo Lattek holte das Talent am Rundenende in die Deutsche Fußballnationalmannschaft der Amateure. Am 1. Mai 1968 debütierte Nickel beim Länderspiel in Belluno gegen Italien in der DFB-Mannschaft. Als „Olympia-Amateur“ blieb er dieser Auswahl bis zu den Olympischen Spielen 1972 in München erhalten. Im ersten Jahr von Trainer Erich Ribbeck, 1968/69, wurde das Talent aus dem Westerwald gemeinsam mit Jürgen Kalb und Günter Keifler aus der Amateurmannschaft in den Lizenzkader übernommen. Der schussgewaltige – daher leitet sich auch sein Spitzname „Doktor Hammer“ ab - offensive Mittelfeldspieler bestritt alle 34 Bundesligaspiele und erzielte dabei acht Tore. In der gleichen Runde kamen noch sechs Einsätze im Messe-Cup hinzu. Bei den Spielen gegen FC Wacker Innsbruck (hier erzielte er seine ersten Treffer im Europacup), Juventus Turin mit Helmut Haller und Athletic Bilbao erfuhr er am Anfang seiner Karriere die Herausforderung und den Reiz der europäischen Clubwettbewerbe. Durch das 1:1 Heimspiel am 29. Januar 1969 gegen Bilbao – der spanische Nationaltorhüter José Ángel Iribar war der überragende Mann der Basken – schied die Eintracht aus dem Wettbewerb aus.

Als er unter Trainer Dietrich Weise im Jahre 1974 den Triumph im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV am 17. August feiern konnte, hatte er während der Runde durch eine langwierige Knöchelverletzung bedingt, eine viermonatige Pause einlegen müssen und konnte nur 21 Bundesligaspiele mit zehn Toren bestreiten. Als die Eintracht im Jahre 1975 den Pokal gegen den MSV Duisburg verteidigen konnte und in der Bundesliga auf dem dritten Rang einkam, war der Mann mit dem „Hammer“ in allen 34 Spielen mit elf Toren im Einsatz gewesen. Im letzten Trainerjahr von Dietrich Weise, 1975/76, erzielte der gefürchtete Distanzschütze mit 15 Treffern sein bestes Ergebnis und war auch maßgeblich am Einzug der Eintracht in das Halbfinale im Europapokal der Pokalsieger beteiligt. Nickel und seine Kameraden scheiterten knapp gegen West Ham United. In der Runde 1976/77 wurde er mit den Trainingsmethoden von Gyula Lorant konfrontiert. Nach dem kurzen Intermezzo des Weise-Nachfolgers Hans-Dieter Roos (bis 8. November 1976) übernahm der eigenwillige Ungar die Eintracht und führte sie mit seinem Raumdeckungssystem auf den vierten Rang. Im Dezember 1978 tauschten Lorant und Dettmar Cramer ihre Arbeitsplätze und Nickel und Kollegen hatten es jetzt mit einem wortgewaltigen „Fußball-Professor“ zu tun. In seinem zwölften Jahr in der Bundesliga, 1978/79, schlug das Verletzungspech bei Bernd Nickel massiv zu. Bereits am 12. August 1978 erlitt er einen Achillessehnenriss, nach Rekonvaleszenz und Trainingsaufbau folgte bei einem Testspiel am 5. Dezember 1978 der erneute Riss. Sein Comeback feierte er am 26. Mai 1979 beim DFB-Pokalspiel gegen RW Oberhausen. In der Bundesliga hat er in dieser Runde naturgemäß nur drei Einsätze mit einem Treffer zu verzeichnen. Als unter Trainer Friedel Rausch im Jahr darauf, 1979/80, der Triumph im UEFA-Cup gelang, stand Nickel in beiden Finalbegegnungen gegen Borussia Mönchengladbach im Mai 1980 für die Eintracht auf dem Spielfeld. Beim entscheidenden 1:0 Heimerfolg am 21. Mai 1980 gegen die Bökelberg-Elf bestritt Nickel sein 34. Spiel im Europa-Cup. Im Jahr 1981 – Jürgen Grabowski hatte seine Karriere beendet und Lothar Buchmann leitete das Training – gewann er zum dritten Mal den DFB-Pokal. Im Finale am 2. Mai in Stuttgart gegen den 1. FC Kaiserslautern bildete er zusammen mit Werner Lorant, Norbert Nachtweih und Ronald Borchers das Eintracht-Mittelfeld. In der Saison 1981/82 bestritt er im Pokalsiegerwettbewerb seine letzten Europacupspiele. Im März 1982 scheiterte Frankfurt an Tottenham Hotspur. Beim 2:1 Heimerfolg am 17. März absolvierte er zwei Tage nach seinem 33. Geburtstag sein 42. Spiel im Europacup.

Nach 16 Bundesligajahren verabschiedete er sich nach der Runde 1982/83 aus der Liga und von Eintracht Frankfurt. Nochmals erlebte er einen Trainerwechsel – von Helmut Senekowitsch hin zu Branko Zebec. Das letzte Spiel bestritt Bernd Nickel am 4. Juni 1983 bei der 1:5 Niederlage bei Fortuna Düsseldorf, wo Atli Edvaldsson sich als fünffacher Torschütze feiern lassen konnte. Nickel bildete gemeinsam mit Thomas Kroth, Uwe Müller und Ralf Falkenmayer das Eintracht-Mittelfeld. Von 1968 bis 1983 kam er auf 426 Bundesligaspiele mit 141 Toren, 54 DFB-Pokaleinsätze mit 21 Treffern und 42 Europacupbegegnungen mit 12 Toren. Er bildete mit Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein in den 70ern das ruhmreiche „Dreigestirn“ der Eintracht. Sie standen für Offensivfußball, Spielfreude und Kombinationsfußball.

Zum Ausklang seiner Karriere spielte Nickel 1983/84 bei Young Boys Bern und beendete im Sommer 1984 nach 20 Ligaspielen mit elf Toren für YB seine aktive Karriere.

Auswahlmannschaften, 1968 bis 1976[Bearbeiten]

Vom 1. Mai 1968 bis 8. September 1972 bestritt der Frankfurter Mittelfeldspieler 41 Länderspiele mit 18 Toren in der deutschen Nationalmannschaft der Amateure. Nickel ist der Rekordschütze dieser Auswahl. Höhepunkte mit diesem Team waren einmal die Afrikafahrt Ende 1970/Anfang 1971 mit den Länderspielen gegen Nigeria, Togo, Ghana, Elfenbeinküste, Liberia. Sierra Leone und Senegal und das Fußball-Turnier bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Nickel bestritt alle sechs Spiele der DFB-Mannschaft während des Olympia-Turniers. Mit der 2:3 Niederlage am 8. September 1972 in München gegen die DDR verabschiedete er sich aus der Amateurnationalmannschaft. Mit Hermann Bitz und Jürgen Kalb bildete er dabei das Mittelfeld der Mannschaft von DFB-Trainer Jupp Derwall. Durch die gemeinsamen Jahre in der Amateurnationalmannschaft entwickelte sich mit dem Ex-Offenbacher, Spielführer und Rekordnationalspieler Egon Schmitt, eine Freundschaft. Am 11. Juni 1971 kam er zu einem Einsatz in der Juniorennationalmannschaft U 23. In Heilbronn gewann die deutsche Mannschaft das Länderspiel gegen Albanien mit dem Sturm Horst Bertl, Uli Hoeneß, Nickel, Johannes Linssen und Arno Steffenhagen mit 2:0 Toren. Am 3. September 1974 erzielte er bei seinem Debüt in der B-Nationalmannschaft gegen die A-Nationalmannschaft von Luxemburg zwei Tore. Ende des Jahres, am 22. Dezember 1974, gehörte er dem Aufgebot der A-Nationalmannschaft für das EM-Qualifikationsspiel in Valletta gegen Malta an. An der Seite seiner Eintracht-Kollegen Bernd Hölzenbein und Karl-Heinz Körbel wurde er zusammen mit seinem Amateurnationalmannschaftskameraden Rudolf Seliger im Laufe des Spieles eingewechselt. Weitere Berufungen erhielt er in die A-Elf nicht mehr. Vom 11. März 1975 bis 25. Februar 1976 absolvierte er noch vier weitere Einsätze in der B-Nationalmannschaft. Damit endeten seine Berufungen in die DFB-Auswahlmannschaften.

Nach der Spielerkarriere[Bearbeiten]

Nickel widmete sich in seiner Freizeit dem Golfspielen. Daneben betätigte er sich in den 80er Jahren als Spielervermittler – die Europäische Fußball-Union hatte ihm eine Lizenz erteilt. Seit vielen Jahren betrieb Bernd Nickel in Herborn im Lahn-Dill-Kreis ein Sportartikelgeschäft, welches er am 31. Januar 2012 aufgab.

Verschiedenes[Bearbeiten]

Nickel hat vier seiner Tore vom Eckstoß aus erzielt. Darüber hinaus hat er diese vier Tore von allen vier Ecken des Frankfurter Waldstadions erzielt[3].

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Kropp (Hrsg.): Deutschlands große Fußballmannschaften, Teil 7: Eintracht Frankfurt. Agon-Sportverlag, Kassel 1995, ISBN 3-928562-53-3 (Agon sport statistics; 14).
  • Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball-Nationalspieler. Das Lexikon. Sportverlag, Berlin 1997, ISBN 3-328-00749-0.
  • Matthias Weinrich: 35 Jahre Bundesliga, Bd. 1: Die Gründerjahre 1963–1975 (Enzyklopädie des deutschen Fußballs; Bd. 3). Agon-Sportverlag, Kassel 1998, ISBN 3-89784132-0.
  • Matthias Weinrich, Hardy Grüne: Deutsche Pokalgeschichte seit 1935. Bilder, Statistiken, Geschichten, Aufstellungen (Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs; Bd. 6). Agon-Sportverlag, Kassel 2000, ISBN 3-89784-146-0.
  • Matthias Kropp (Hrsg.): Triumphe im Europapokal. Die Spiele der bundesdeutschen Klubs seit 1955. Agon-Sportverlag, Kassel 1996, ISBN 3-928562-75-4 (Agon sport statistics; 20).
  • Der Fußball, mein Leben & ich. In: 11 Freunde. Magazin für Fußballkultur, Jg. 12 (2011), Juni, S. 117–121, ISSN 1860-0255.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 11 Freunde. Magazin für Fußballkultur. Juni 2011, Der Fußball, mein Leben & ich, S. 117
  2. 11 Freunde. Magazin für Fußballkultur. Juni 2011, Der Fußball, mein Leben & ich, S. 118
  3. Vor dem Bayern-Spiel: Und dann Oberhausen.... Frankfurter Rundschau. 22. April 2011. Abgerufen am 25. April 2011.

Weblink[Bearbeiten]