Bernhard Vogel (Ministerpräsident)

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Bernhard Vogel, 2009

Bernhard Vogel (* 19. Dezember 1932 in Göttingen) ist ein deutscher Politiker der CDU. Er war von 1976 bis 1988 Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz und von 1992 bis 2003 des Freistaats Thüringen.

Leben[Bearbeiten]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule in Gießen und humanistischer Gymnasien in Gießen (Landgraf-Ludwig-Gymnasium) und nach der Rückkehr der Familie nach München am dortigen Maximilians-Gymnasium legte Vogel 1953 dort das Abitur ab. Anschließend studierte er Politikwissenschaft, Geschichte, Soziologie und Volkswirtschaft in München und Heidelberg. 1960 erfolgte hier seine Promotion zum Dr. phil. mit der Arbeit Die Unabhängigen in den Kommunalwahlen westdeutscher Länder. Er war für vier Jahre als wissenschaftlicher Assistent und ab 1961 als Lehrbeauftragter am Institut für Politische Wissenschaft in Heidelberg tätig. Vogel strebte eine wissenschaftliche Laufbahn an.

Parteilaufbahn[Bearbeiten]

Bernhard Vogel, 1978

1967 wurde Vogel Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Pfalz, 1974 Landesvorsitzender der CDU in Rheinland-Pfalz. Von 1975 bis 2006 war Vogel Mitglied des CDU-Bundesvorstandes.

Nach einem heftigen innerparteilichen Streit auf dem Landesparteitag in Koblenz wurde am 11. November 1988 anstelle von Bernhard Vogel Hans-Otto Wilhelm zum neuen Landesvorsitzenden gewählt. Vogel stellte daraufhin auch sein Amt als Ministerpräsident zur Verfügung.

Von 1989 bis 1993 und von 2001 bis 2009 war er Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im Dezember 2009 ist er auf der Mitgliederversammlung der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. zum Ehrenvorsitzenden gewählt worden. Seine Nachfolge als Vorsitzender der Stiftung hat der frühere Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, angetreten.

Von 1974 bis 1988 war er Landesvorsitzender der CDU in Rheinland-Pfalz und von 1993 bis 2000 war er Landesvorsitzender der CDU in Thüringen.

Abgeordnetentätigkeit[Bearbeiten]

Von 1963 bis 1965 gehörte Vogel dem Stadtrat von Heidelberg an.

Bei der Bundestagswahl 1965 erreichte er mit 48,1 % der Stimmen das Direktmandat des Wahlkreises Neustadt an der Weinstraße - Speyer. Am 17. Juli 1967 legte er sein Mandat nieder.

Von 1971 bis 1988 war er Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz.

Von 1994 bis 2004 war er Mitglied des Thüringer Landtags.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Bernhard Vogel, 1988

Am 18. Mai 1967 wurde Vogel als Kultusminister in die von Ministerpräsident Peter Altmeier geführte Landesregierung von Rheinland-Pfalz berufen. Dieses Amt behielt er auch unter dessen Nachfolger Helmut Kohl.

Nachdem Helmut Kohl nach der Bundestagswahl 1976 als Oppositionsführer in den Bundestag gewechselt war, wurde Vogel am 2. Dezember 1976 zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz gewählt.

In dieser Funktion war er vom Amtsantritt bis zum 31. Oktober 1977 zugleich Präsident des Bundesrates. Von 1981 bis 1983 war er Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz und vom 1. November 1987 bis zum 31. Oktober 1988 schließlich erneut Präsident des Bundesrates.

Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 1987 verlor die CDU ihre absolute Mehrheit; das Kabinett Vogel IV enthielt auch zwei FDP-Minister.

Am 5. Februar 1992 wurde Vogel als Nachfolger des zurückgetretenen Josef Duchač zum Ministerpräsidenten des Freistaates Thüringen gewählt.

Aus Altersgründen trat Vogel am 5. Juni 2003 vom Amt des Ministerpräsidenten zurück. Sein Nachfolger wurde der damalige CDU-Landesvorsitzende und vormalige Vorsitzende der Landtagsfraktion Dieter Althaus.

Politische Entwicklung[Bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Bereits mit 32 Jahren errang Bernhard Vogel nach zweijähriger Mitgliedschaft im Stadtrat von Heidelberg bei den Bundestagswahlen 1965 das Direktmandat des Wahlkreises Neustadt-Speyer. Mit 35 Jahren wechselte Vogel als Minister für Unterricht und Kultus in die von Ministerpräsident Peter Altmeier geführte Landesregierung von Rheinland-Pfalz. Im selben Jahr wurde Vogel zum Vorsitzenden des CDU-Bezirks Pfalz gewählt. 1969 übernahm Vogels Heidelberger Studienkommilitone Helmut Kohl das Amt des Ministerpräsidenten. 1971 errang Vogel zusätzlich zum Ministeramt ein Landtagsmandat des Landtages von Rheinland-Pfalz. Als Kultusminister errang Vogel bundesweite Anerkennung und über die Parteigrenzen hinweg Wertschätzung in der Kultusministerkonferenz. Eine der wichtigsten Entscheidungen Vogels war die Gründung der Universität Trier-Kaiserslautern (später geteilt in Universität Trier und Technische Universität Kaiserslautern).

Vorsitzender der rheinland-pfälzischen CDU[Bearbeiten]

Selbstdarstellung (1979) mit Jugendfoto

Nach der Wahl des bisherigen CDU-Landesvorsitzenden Helmut Kohl zum CDU-Bundesvorsitzenden 1973 setzte sich Vogel 1974 auf einem Landesparteitag der CDU gegen Kohls Wunschkandidaten Heiner Geißler bei der Wahl des neuen Landesvorsitzenden durch. Ab 1975 wurde Vogel Mitglied des CDU-Bundesvorstandes.

Nachdem Helmut Kohl nach der Bundestagswahl 1976 als Oppositionsführer in den Bundestag gewechselt war, wurde Vogel am 2. Dezember 1976 zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz gewählt. In dieser Funktion hatte er zahlreiche föderale Funktionen wie Präsident des Bundesrates, Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz oder Mitglied im Rundfunkrat des ZDF inne.

Auf dem Landesparteitag Ende 1988 kam es in der rheinland-pfälzischen CDU zu einem heftigen innerparteilichen Streit, der unter anderem durch Vogels Begnadigungen der RAF-Terroristen Manfred Grashof und Klaus Jünschke ausgelöst wurde, sowie auch durch den Gram der Delegierten über den Verlust der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl 1987 und den Zwang zur Koalition mit der FDP. An diesem Landesparteitag forderte Umweltminister Hans-Otto Wilhelm in einer für die CDU sehr ungewöhnlichen Form, die Ämter des Ministerpräsidenten und des CDU-Landesvorsitzenden zu trennen. Vogel kündigte an, dass er nur beide Ämter gleichzeitig behalten wolle. Als er dann Wilhelm bei der Wahl zum Landesvorsitzenden deutlich unterlag, stellte Vogel sein Amt als Ministerpräsident mit den Worten „Gott schütze Rheinland-Pfalz!“ zur Verfügung. Außerdem legte er sein Landtagsmandat nieder. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurde am 8. Dezember 1988 Carl-Ludwig Wagner. Bei der folgenden Landtagswahl 1991 fiel die CDU hinter die SPD zurück, woraufhin die FDP einen Koalitionswechsel hin zur SPD vollzog; Rudolf Scharping (SPD) wurde zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.

Thüringische Zeit und danach[Bearbeiten]

Der Ministerpräsident a. D. beim thüringischen Landesparteitag der CDU 2008.

Vogel konzentrierte sich nach seinem Rücktritt auf die Leitung der Konrad-Adenauer-Stiftung, deren Vorsitzender er 1989 wurde.[1] Nach dem Rücktritt des thüringischen Ministerpräsidenten Josef Duchač am 23. Januar 1992 wurde in Medien über einen Wechsel Vogels von der Adenauer-Stiftung nach Thüringen spekuliert. Am 5. Februar 1992 wurde Vogel zum Ministerpräsidenten des Freistaates Thüringen gewählt. Er bildete ein schwarz-gelbes Kabinett. Von 1993 bis 1999 war er Vorsitzender der Thüringer CDU. Den Vorsitz der Adenauer-Stiftung gab er 1995 ab (Nachfolger: Günter Rinsche).

Da Vogels Koalitionspartner FDP bei der Landtagswahl am 16. Oktober 1994 an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, ging er eine Große Koalition mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ein. Bei der Landtagswahl am 12. September 1999 erreichte die CDU mit 51,0 % der Stimmen die absolute Mehrheit. Aus Altersgründen trat Vogel am 5. Juni 2003 vom Amt des Ministerpräsidenten zurück. Sein Nachfolger war der CDU-Landesvorsitzende und bisherige Vorsitzende der Landtagsfraktion Dieter Althaus (=> Kabinett Althaus I).

Von 2001 bis 2009 stand Bernhard Vogel wieder der Konrad-Adenauer-Stiftung vor. Vogel ist Schirmherr für die Stiftung des Gymnasiums Canisius-Kolleg Berlin.[2]

Sonstiges Engagement[Bearbeiten]

Vogel im Gespräch mit dem polnischen Botschafter Prawda 2011 in Warschau

1968 war Vogel Präsident des 82. Deutschen Katholikentags in Essen. Von 1980 bis 1984 war Vogel Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW).

Seit der Gründung der Eugen-Biser-Stiftung (München) im Jahr 2002 ist Bernhard Vogel Mitglied im Kuratorium dieser Stiftung.[3]

Im Juni 2007 hat Bernhard Vogel die Schirmherrschaft über eine Aktion für den Bau eines Kinder- und Jugendzentrums in Nyagatare (Ruanda) übernommen.[4]

Zum Wintersemester 2012 trat Vogel eine Gastprofessur an der NRW School of Governance der Universität Duisburg-Essen an (Dozent im Masterstudiengang für "Politikmanagement, Public Policy und öffentliche Verwaltung").[5]

Privates[Bearbeiten]

Vogels Vater Hermann Vogel stammte aus München und war Habilitand für Biologie an der Universität Göttingen, später Professor in Gießen und München. Seine Mutter war in zahlreichen römisch-katholischen Sozialorganisationen tätig. Sein älterer Bruder ist der SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel.

Vogel ist Junggeselle, hat keine Kinder und wohnt in Speyer.

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bernhard Vogel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günter Beaugrand: Die Konrad-Adenauer-Stiftung. Eine Chronik in Berichten und Interviews mit Zeitzeugen, S. 281 f., ISBN 3-927535-15-X
  2. Canisius-Kolleg Berlin Stiftung
  3. www.eugen-biser-stiftung.de
  4. Grußwort des ehemaligen Ministerpräsidenten. Abgerufen am 29. September 2008.
  5. thueringer-allgemeine.de: Thüringens Ex-Ministerpräsident lehrt an der Uni Duisburg-Essen, 29. August 2012, abgerufen am 29. August 2012